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Stromspeicher Kolibri wird Teil des größten Akkukraftwerks in Europa

Mirko Hannemann und sein Team lassen sich nicht unterkriegen. Seit einigen Monaten ist es zwar still geworden um DBM Energy – und von der Kolibri Power Systems AG hört man auch keine Neuigkeiten. Dennoch zeigt sich die Strategie der neuen Konzern-Holding unter dem Dach der Kolibri Power Systems AG immer deutlicher: Elektromobilität ist nicht mehr im Fokus von Mirko Hannemann und dem Management des Unternehmens. Vielmehr will DBM Energy mit dem eigenen Kolibri-Akku, der einst eine Rekordfahrt eines Elektroautos von München nach Berlin ermöglichte, einen wichtigen Teil zur Lösung des Speicherproblems von Erneuerbaren Energien lösen. Und ist am Bau von Europas größtem Akku-Speicherkraftwerk beteiligt.

Cleantech & Energie News / 6.5.2012.Die Webseite von DBM Energy und der Kolibri Power Systems AG ist mal wieder im Stealth Modus, wie der Screenshot zeigt. Sie birgt aber interessante Informationen, die einige im Web kursierende Spekulationen rund um DBM Energy entkräften bzw. bestätigen: Die Kolibri Power Systems AG hat ihren Geschäftssitz in Frankfurt am Main, Neue Mainzer Straße (nicht: Landstraße) 75. Im Vorstand sitzt nicht etwa Erfinder Mirko Hannemann, sondern Dr. Helmut Naber und Richard Leitermann. Richard Leitermann wird DBM Energy u.a. auch beim eMobility Summit in Berlin (21./22. Mai) repräsentieren. Leitermann ist Rechtsanwalt in Frankfurt am Main – mit Firmenanschrift an der oben genannten Adresse der Kolibri Power Systems AG. Leitermann ist u.a. Mitglied beim Institute for Energy Law in Berlin und beschäftigt sich u.a. mit Telekommunikationsrecht (vgl. Vita Dr, Leitermann).

Im Stealth Mode: Homepage der Kolibri Power Systems AG

Besser zum Geschäft von DBM Energy passt da schon Dr. Helmut Naber: Er war bis Ende 2010 Leiter Knowledge Transfer bei der MAN AG und arbeitete zuvor als Unternehmensberater. Neben diesen erfahrenen Managern, die Mirko Hannemann den Rücken für die Entwicklung der Technologie und die Abwicklung von Projekten freihalten sollen, wurde der Aufsichtsrat der Holding – wie bereits berichtet – mit Richard Gaul (ehemals BMW) und u.a. auch dem ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Thomas Rüschen (Gründungsmitglied Desertec), besetzt.

Alleine diese personelle Struktur zeigt: DBM Energy bzw. die Kolibri Power Systems AG meint es wirklich ernst und ist in der Technologieentwicklung nach dem Umzug nach Berlin Adlershof deutlich vorangekommen. Hier, in einer Halle mit Solardach, sollen im Laufe des Jahres bis zu 60 Mitarbeiter arbeiten. Adlershof wird als Entwicklungszentrum der DBM Energy fungieren, während Frankfurt am Main offensichtlich zum Verwaltungssitz der Holding werden könnte.

Akkukraftwerke sind nun im Fokus der Produktentwicklung.Über Ostern, so berichtet adlershof.de, wurde das erste Akkukraftwerk einsatz- und versandfertig gemacht. In einem blauen Industriecontainer können nach den Worten Hannemanns Kolibri-Akkus mit einer Kapazität von bis zu fünf Megawattstunden installiert werden – mit anderen Speichern umfasse ein solcher Container derzeit etwa eine Megawattstunde, zieht Hannemann den Vergleich. Welches Gewicht das Akkukraftwerk hat und wie viel es den Empfänger kostet, ist aber weiter unbekannt.

Installiert werden soll das Akkukraftwerk in einem Umspannwerk in Rheinland-Pfalz, in der Nähe der Grenze zu Frankreich. Es soll als Notstromreserve dienen und ca. 500 Haushalte über 24 Stunden unabhängig mit Strom versorgen. Das Projekt in Rheinland-Pfalz scheint nur eines von mehreren Projekten zu sein, über die DBM Energy Mitte des Jahres berichten und Einzelheiten bekannt geben wird. Es ist ein neues, gutes Vorgehen: Erst „liefern“, dann „trompeten“. Eine neue Seriosität bei DBM Energy, die nicht immer greifbar war in den vergangenen drei Jahren.

Kolibri Power Systems AG und Energiequelle basteln am Akkukraftwerk

Für weitaus mehr Aufsehen als das Projekt in Rheinland-Pfalz wird ein 10-Megawatt-Leistungsspeicher sorgen, den DBM Energy derzeit zusammen mit der Energiequelle GmbH errichtet. In Brandenburg, südlich des energieautarken Ortsteils Feldheim der Stadt Treuenbrietzen, soll das „größte Akku-Kraftwerk Europas“ entstehen. Es soll Windstrom puffern und damit einen Teil zum Smart Grid beitragen, der bislang kaum möglich ist: Strom zu speichern, damit er dann genutzt werden kann, wenn er wirklich gebraucht wird. Vor kurzem ist den Angaben im Adlershof-Journal zufolge die Baugenehmigung für die Stromspeicher erteilt worden.

Feldheim ist spätestens seit Fukushima zu einem Symbol für den Wandel geworden: Bereits heute stammen 90 Prozent des Stroms dort aus Windenergie – mit dem Akkukraftwerk will Feldheim komplett energieautark werden.

Kolibri Akku machen Temperaturunterschiede nichts aus

Interessante Information am Rande: Der Kolibri-Akku scheint – ganz gleich bei welchen Temperaturen – immer identische Werte zu liefern. Das sei gelungen, so Hannemann, weil der Speicher ohne Flüssigkeiten im Zellaufbau auskomme. Umgebungseinflüsse wie Druck und Temperatur ließen sich dadurch nahezu komplett ausschalten. Ein Aspekt, der sich auch beim Projekt von Next Energy positiv auswirkt: Dorthin lieferte DBM Energy vor einigen Monaten drei umgebaute A2 – anschließend äußerten sich die Experten überrascht positiv über den DBM Akku. Offensichtlich hat diese positive Erfahrung auch über den Winter zu einem positiven Gesamturteil der Eignung der Kolibri-Akkus für Elektromobilität geführt.

Die nächsten Monate werden rund um DBM Energy richtig spannend: Immer noch besteht die Möglichkeit, dass sich DBM Energy mit seinen Akkus an der neuen Formel 1 der Elektroautos, der Formula-E, beteiligt. Audi oder BMW kommen durchaus als mögliche Partner in Frage. Dann könnte die Strategie der Kolibri Power Systems AG aufgehen: Zuerst Stromspeicher etablieren und dann in der Elektromobilität durchstarten. Auf den Boom der Elektroautos zu warten, wäre für die herausragende Technologie von DBM Energy zum Problem geworden.