Cleanthinking.de
Sauber in die Zukunft

Werbung

Studie: Wirtschaftlicher Schaden pro Tonne CO2 liegt bei 73 bis 142 US-Dollar

0 101

Deutscher CO2-Preis von 25 Euro pro Tonne ab 2021 reicht nicht aus, sagen Wissenschaftler von MCC und PIK.

Die Kosten für Klimaschäden, die jede Tonne CO2 verursacht, sind laut Wissenschaftlern weit höher als bislang angenommen. Sie liegen einer neuen Studie zufolge bei 73 bis 142 US-Dollar. Forscher vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und vom Mercator Institute on Global Commons and Climate Change verwendeten zur Berechnung das DICE-Modell von Nobelpreisträger William Nordhaus, das bislang von 37 Dollar ausging.

„Klimaschäden treffen unsere Unternehmen und Arbeitsplätze, nicht nur Eisbären und Korallenriffe“, so Studienautorin Leonie Wenz vom PIK. Die Wissenschaftler haben auf der Grundlage einesneuen Datensatzes des MCC untersucht, wie sich der Klimawandel auf Gebiete wie etwa US-Bundesstaaten, chinesische Provinzen oder französische Départements auswirkt.

Werden die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht umgehend reduziert, kann eine globale Erwärmung um 4 Grad Celsius bis 2100 dazu führen, dass diese Regionen im Durchschnitt fast 10 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung verlieren, und in den Tropen sogar mehr als 20 Prozent.

„Steigende Temperaturen machen uns wenige rproduktiv. Sie betreffen unsere Ernten und bedeuten zusätzliche Belastungen und damit Kosten für unsere Infrastruktur, weil etwa Rechenzentren gekühlt werden müssen“, so die Studienautorin weiter. Durch die statistische Auswertung von Klima- und Wirtschaftsdaten der letzten Jahrzehnte konnte nun festgestellt werden, dass die aggregierten wirtschaftlichen Schäden durch steigende Temperaturen sogar noch größer sind als zuvor geschätzt.

Frühere Forschungsarbeiten legten nahe, dass ein Jahr, das ein Grad Celsius wärmer ist, die Wirtschaftsleistung um etwa ein Prozent reduziert. Die neue Analyse von PIK und MCC deutet nun allerdings auf Produktionsverluste hin, die in warmen Regionen bis zu dreimal so hoch sind.

Durch die Nutzung dieser Zahlen als Maßstab für die Berechnung künftiger Klimaschäden durch weitere Treibhausgasemissionen, wurden signifikant höhere wirtschaftliche Verluste festgestellt:

  • 10 Prozent im globalen Durchschnitt
  • 20 Prozent in den Tropen bis 2100

Dabei berücksichtigt die Studie nicht die erheblichen Schäden, die beispielsweise durch extreme Wetterereignisse und den Anstieg des Meeresspiegels entstehen. Die Berechnungen belegen einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftsproduktion, aber nicht so sehr einen Einfluss auf das dauerhafte Wirtschaftswachstum. Das könnte ein Grund zur Hoffnung sein, wenn die Emissionen reduziert werden.

Wichtig ist, dass die Schäden sehr unterschiedlich in der Welt verteilt sind, wobei tropische und bereits arme Regionen am meisten unter der anhaltenden Erwärmung leiden, während ein paar Länder im Norden sogar davon profitieren könnten.

Wirtschaftlicher Schaden zwei- bis viermal höher

Die Ergebnisse haben beträchtliche Folgen für die Klimapolitik, speziell für die CO2-Preisgestaltung.  „Wenn man das weit verbreitete Klima-Wirtschafts-Modell DICE des Nobelpreisträgers William Nordhaus mit den statistischen Schätzungen aus unseren Daten aktualisiert, sind die Kosten jeder Tonne Kohlenstoff, die an die Gesellschaft abgegeben wird, zwei- bis viermal höher“, betont der Leitautor der Studie, Matthias Kalkuhl vom MCC.

„Laut unserer Studie wird jede Tonne CO2, die im Jahr 2020 emittiert wird, einen wirtschaftlichen Schaden verursachen, der bei den Preisen von 2010 zu Kosten zwischen 73 und 142 Dollar führt, anstelle der vom DICE Modell angezeigten 37 Dollar. Bis 2030 werden die sogenannten sozialen Kosten von Kohlenstoff aufgrund steigender Temperaturen bereits um fast 30 Prozent höher sein.“

Zum Vergleich: Der Kohlenstoffpreis im europäischen Emissionshandel schwankt derzeit zwischen 20 und 30 Euro pro Tonne; der nationale Kohlenstoffpreis in Deutschland steigt von 25 Euro im nächsten Jahr auf 55 Euro im Jahr 2025. Diese aktuellen Kohlenstoffpreise spiegeln also nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Klimaschäden wider. Nach dem Verursacherprinzip müssten sie deutlich nach oben angepasst werden.

Bedeutet also zweierlei: Die nationale und internationale Politik muss für höhere CO2-Preise im Emissionshandel sorgen oder politisch gewollt aus Steuergeldern für die Finanzierung der Kosten vorsorgen. Und: Jede Anstrengung, heute aus den fossilen Energieträgern auszusteigen, lohnt sich.

VG Wort Identifikation

Hinterlasse eine Antwort

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.