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Tesla: Was vom heutigen Battery Day zu erwarten ist – und was nicht

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„Überwältigend“, „wahnsinnig“, „viele aufregende Dinge“ – was bedeuten die Ankündigungen von Elon Musk vor dem Battery Day?

Seit Monaten wird darüber spekuliert, was Tesla-CEO Elon Musk am heutigen Battery Day präsentieren wird. Nach den Worten des exzentrischen Unternehmers werden „viele aufregende Dinge“ vorgestellt, die irgendwo zwischen überwältigend und wahnsinnig sein sollen. Die Innovationen werden Tesla ins Zeitalter der Terafactories katapultieren – allerdings nicht sofort. Was ist also vom heutigen Battery Day zu erwarten – und was nicht?

Klar ist: Der Battery Day findet heute Nacht deutscher Zeit statt. Die davor geplante Aktionärsversammlung startet um 22:30 Uhr deutscher Zeit – mit dem Beginn der Präsentationen des Battery Day selbst ist ungefähr ab Mitternacht zu rechnen. Wer zum Wachbleiben ein wenig chatten möchte, bzw. mitlesen möchte, wie Journalisten, Youtuber und Tesla-Fanboys die Innovationen beurteilen, kann beispielsweise den Livestream von „Now you know„, von „The Limiting Factor“ oder von „Electrek.co“ verfolgen.

Alternativ wird der Livestream beider Veranstaltungen auf dieser Seite der Tesla-Webseite zu finden sein.

In den vergangenen Stunden setzte Elon Musk gleich drei Tweets ab, um die Erwartungen an die heutig Präsentation ein wenig einzudämmen. Demnach sieht Musk ab 2022 Engpässe bei der Produktion von Zellen bzw. Batteriepacks, selbst wenn mit dem langjährigen Partner Panasonic sowie LG Chem, CATL sowie möglichen weiteren Partnern expandiert werde.

Dadurch wird es also notwendig für Tesla, eigene Zellen herzustellen – und zwar in Menge, Geschwindigkeit und zu Kosten, die das in den Schatten stellen, was gemeinsam mit den Big Playern LG Chem, CATL und Panasonic möglich ist.

Batterien für Semi, Cybertruck und Roadster

Bis 2022 will Tesla mit dem Semi, dem Cybertruck und dem neuen Roadster drei neue Fahrzeuge auf die Straße bringen – alle drei benötigen Batteriepacks mit sehr hoher Energiedichte bei passablem Gewicht. Würde Tesla dafür die 2170er Zellen nehmen, die mit Panasonic in Fremont hergestellt werden, würden für Model Y und Model 3 Lücken entstehen. Auch deshalb plant der Autobauer in Shanghai mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen von CATL.

Elon Musk wird also beim Battery Day eine Pilotlinie vorstellen, die aus dem Roadrunner-Projekt im zuletzt erweiterten Gebäude an der Kato Road in Fremont hervorgegangen ist. Diese Pilotlinie wird andeuten, wie schnell Tesla in Zukunft Elektroauto-Zellen bzw. Batterien produzieren wird. Wie Musk aber twitterte, dauert es noch mindestens bis 2022, bis eine relevante Volumenproduktion stattfinden kann. Derzeit arbeitet die deutsche Tochtergesellschaft Tesla Grohmann an den Maschinen, die die Maschinen dafür herstellen können.

Mit wem produziert Tesla die One-Million-Mile-Battery?

Neben der Pilotlinie wird Elon Musk mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Zellen präsentieren, die eine „One-Million-Mile“-Battery ermöglichen sollen. Laut Korean Times ist ein heftiger Wettstreit zwischen LG Chem, der Chemieriese will sein Batteriegeschäft als eigenständige Einheit an die Börse bringen, und CATL entstanden. Während CATL die Massenproduktion von Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) anstrebt, setzt LG Chem auf Nickel-Kobalt-Mangan-Batterien (NCM). Dem Bericht zufolge will CATL die LFP-Akkus mit Mangan anreichern, um die bei dieser Zellchemie schwächere Energiedichte zu erreichen, die benötigt wird, um beispielsweise mit dem Model 3 300 Meilen fahren zu können.

LG Chem hingegen will die aufgrund ihrer Rohstoffe teureren Nickel-Kobalt-Mangan-Batterien (NCM) mit Aluminium ergänzen, um die Kosten zu reduzieren – Der Preis für Aluminium liegt bei 1.500 Dollar pro Tonne, Kobalt hingegen, was ersetzt werden könnte, kostet 30.000 Dollar pro Tonne. Während bei LG Chem also der Fokus auf Kostensenkungen liegt, liegt er bei CATL auf der Verbesserung der Effizienz.

BYD ein möglicher, weiterer Partner?

Da Elon Musk auch von weiteren Herstellern sprach: Möglicherweise kommt für Shanghai auch eine Partnerschaft mit BYD in Frage. Der Mischkonzern ist überaus erfahren in der gesamten Wertschöpfungskette von der Zelle bis zum fertigen Fahrzeug – und könnte Tesla gerade bei den Nutzfahrzeugen wie dem Cybertruck und dem Semi behilflich sein.

Auch das von Warren Buffett finanzierte Cleantech-Unternehmen BYD, die Aktie legt seit Januar eine Rallye an der Börse hin, setzt laut Wall Street Journal bei seiner im Januar präsentierten „Blade Batterie“ auf die Weiterentwicklung der Lithium-Eisenphosphat-Batterie – sicherer, preisgünstiger als Lithium-Ionen-Batterien. Und überdies kobaltfrei. Um das Problem der schwachen Energiedichte zu lösen hat BYD eine neue Batteriearchitektur geschaffen

In China liegt der Kostendruck auch darin begründet, dass die aktuelle Elektroauto-Förderung nur Fahrzeuge fördert, die weniger als 300.000 Yuan (ca. 37.500 Euro) kosten. Autos mit LFP-basierten Batteriesystemen legten dementsprechend im Juli auf 45,6 Prozent zu – vor einem Jahr lag der Anteil laut S&P Global Platts noch bei 24,5 Prozent.

Mit wem Tesla nun den Pfad der One-Million-Mile-Battery beschreiten wird, ist unklar. Klar hingegen ist, warum diese Batterie für Tesla so wichtig ist: Will der Autobauer seine Fahrzeuge so günstig machen, dass sie für Flottenbetreiber einerseits und Robo-Taxi-Services andererseits höchst attraktiv werden, zählt dazu auch ein Batteriesystem, das möglichst über eine Million Meilen oder 1,6 Millionen Kilometer nicht ausgetauscht werden muss.

Mangan statt Kobalt

Das Ersetzen von Kobalt durch Mangan dürfte auch ein Pfad sein, den Tesla mit seinem Wissenschaftler-Team um Jeff Dahn beschreitet. Pikante Personalie am Rande: Jeff Dahns Bruder, Roger Dahn, ist Mining-Experte und aktuell Direktor bei einem Cleantech-Startup aus Kanada, Manganese X Energy Corp, das sich auf die Förderung von Mangan spezialisiert hat. Eine Veröffentlichung speziell zum Battery Day gibt es vom Unternehmen auch.

Interessant ebenfalls: Forscher der Cockrell School of Engineering an der University of Texas-Austin haben laut Manganese X Energy den Code zu einer kobaltfreien, hochenergetischen Lithium-Ionen-Batterie geknackt. Dazu habe das Team eine neue Klasse von Kathoden entwickelt, die sich durch einen hohen Nickelgehalt anstelle des bisherigen Kobalts auszeichnet. Mangan und Aluminium sollen die weiteren Schlüsselelemente bilden.

Das Nickel sorgt dafür, dass die Batterie mehr Energie speichern kann. Elon Musk hatte vor einer Weile dazu aufgerufen, umweltfreundliches Nickel abzubauen – Cleantech-Unternehmen wie Giga Metals oder Canada Nickel standen Gerüchten zufolge im Anschluss mit Tesla in Verhandlungen über entsprechende Lieferungen. Auch das deutet daraufhin, dass die Bedeutung von Kobalt abnehmen, und die Bedeutung von Nickel und Mangan in der Batterietechnologie zunehmen wird.

Entscheidender als die Reichweite, die mit dieser One-Million-Mile-Battery pro Ladung erzielt werden kann, ist also die Lebensdauer aufgrund der Zyklenfestigkeit. Mehr zur ökonomischen Bedeutung eines solchen Fahrzeugs für das künftige Geschäftsmodell Transport as a Service gibt es auch hier bei RethinX, dem Think Tank von Tony Seba. Er zeigt: Seit 2015 hat Tesla konsequent auf Fahrzeuge hingearbeitet, die eine Million Meilen locker überstehen. Hierauf wird heute Nacht in jedem Fall zu achten sein.

Was ist vom Battery Day noch zu erwarten?

Aktuelle Luftaufnahme der Gigafactory 4 Berlin (Quelle: @tobilindh)

In seiner Präsentation wird Elon Musk auch auf den Status der Gigafactories in Shanghai, Texas und Berlin eingehen. Dazu wird es zumindest Konkretisierungen der Spezifikationen von Tesla Semi, Cybertruck und Roadster geben. Auch die Zeitpläne, wann diese Fahrzeuge in Serie verfügbar sein werden, dürften vorgestellt werden – möglicherweise bereits im Shareholder-Meeting.

Zu erwarten ist schließlich auch, dass Elon Musk mit klaren Fakten auf zwei Debatten eingehen wird: Einerseits äußerte sich ausgerechnet Quantumscape-Investor Bill Gates zuletzt skeptisch, inwieweit Batterien für Trucks oder Schiffe geeignet sein könnten. Wenngleich die Aussagen des Microsoft-Gründers durchaus nachvollziehbar sind, antwortete Elon Musk harsch mit „Er hat keine Ahnung.“

Game-Over für Verbrenner?

Und letztlich wird Elon Musk sich auch dazu äußern, inwiefern Verbrenner noch eine Zukunft haben. Da in Großbritannien gerade ein vorgezogenes Verbrenner-Verbot ab 2030 diskutiert wird, passt dazu perfekt. Oft wird der „Tipping Point“, also der Punkt ab dem Elektroautos günstiger verkauft werden als Benziner oder Diesel, bei 100 Dollar pro Kilowattstunde gesehen. Der CEO wird zeigen, wie er diesen Wert schrittweise unterbieten wird. Damit werden Batterien für die Zukunft des Automobils endgültig zum Game-Changer.

Was schließlich nicht zu erwarten ist, dass Tesla ein Feuerwerk an neuen Fahrzeugen oder den Eintritt in den europäischen Energiemarkt ankündigen wird. Der Fokus dürfte klar auf der Batterietechnologie und den sich daraus ergebenden Vorteilen in den künftigen Produkten liegen. Ein neues Produkt, das vorgestellt werden könnte, ist der Megacharger – also die Ladesäule, die gebraucht wird, um den Tesla Semi aufzuladen.

Aber wer weiß, Elon Musk war schon immer gut für Überraschungen. Ab 22:30 Uhr deutscher Zeit wissen wir mehr – Cleanthinking.de wird in mehreren Beiträgen heute Nacht darüber berichten. Werden wir am Ende überwältigt wahnsinnig sein?

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