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Vehicle-2-Grid: Wie ein Nissan Leaf bis zu 1.000 Euro pro Jahr verdient

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The Mobility House und Enervie mit erfolgreichem Pilotprojekt – 20 Euro für eine Woche Primärrregelleistung

In der Anschaffung sind Elektroautos teurer als vergleichbare Verbrenner. Bezieht man jedoch alle Wartungs- und Betriebskosten mit ein, sind die allermeisten Elektroautos heute schon konkurrenzfähig. Mit dem Erbringen von netzdienlicher Regelleistung via Vehicle-2-Grid durch Rückspeisung der Energie aus dem Akku ins Netz, ergibt sich jetzt ein weiterer Zweig, um die Kosten vom Elektroauto zu reduzieren.

Man muss sich die Dimensionen vorstellen: Hausbesitzer, die eine PV-Anlage mit einem Stromspeicher kombinieren, kommt meist mit vier bis acht Kilowattstunden aus. Ein Elektroauto wie der Nissan Leaf, trägt 40 Kilowattstunden, also das fünf- bis zehnfache, mit sich herum. Die Technologie, um dieses Potenzial zu nutzen, existiert. Aber Vehicle-2-Grid kommt momentan noch kaum über erste Test-Projekte hinaus, weil die Rahmenbedingungen den flächendeckenden Einsatz noch nicht zulassen.

Dennoch ist dem Elektromobilitäts-Dienstleister The Mobility House Ende Januar ein wichtiger Schritt in Richtung Vehicle-2-Grid geglückt. Die Münchner haben es geschafft, ein Elektroauto zum Teil des Energiemarktes zu machen, das Geld verdient. Dabei diente die Batterie eines Nissan Leafs, sobald an eine Ladesäule angeschlossen, als Energiespeicher und gleichzeitig als Energiequelle.

„Damit zeigen wir, dass die Einbindung von E-Autos in die Primärregelleistung technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Thomas Raffeiner, Gründer und CEO von The Mobility House

Das Firmenfahrzeug steht auf dem Parkplatz des Energieversorgers Enervie in Hagen. Als Teil der Primäregelleistung nimmt das E-Auto innerhalb von Sekunden überschüssige Energie aus dem Stromnetz auf oder speist sie ein, je nach Bedarf. Die schnelle Reaktionsfähigkeit wird von den Übertragungsnetzbetreibern entlohnt, weil damit das Stromnetz stabil gehalten wird. Stromausfälle bleiben eine Ausnahme.

Im Projekt habe man mit dem Fahrzeug über eine Woche lang acht Kilowatt Leistung angeboten und damit 20 Euro verdient, so Marcus Fendt, Co-Geschäftsführer von The Mobility House. Würde das Auto über das gesamte Jahr angeboten, ließen sich so 1.000 Euro damit verdienen – das übersteigt die Kosten für Strom, die ein Elektroauto-Fahrer mit einem Nissan Leaf gewöhnlich haben dürfte.

Vehicle-2-Grid insbesondere für Flottenbetreiber

Insbesondere für Flottenbetreiber ist die Vehicle-2-Grid-Technologie ausgesprochen interessant. Mehr Autos bedeuten mehr Speicherleistung, und bei Firmenfahrzeugen sind Standzeiten am Wochenende oder zu Urlaubszeiten gut planbar. Die Bezahlung für Primärregelleistung wird in einem Versteigerungsverfahren wochenweise ermittelt. Ab 2019 erfolgt die Vergabe tageweise, was dem Besitzer mehr Flexibilität in der Fahrzeugnutzung bringt.

Bis aus der Premiere in Hagen ein Alltagesgeschäft für jeden Fahrer eines Elektroautos wird, dürfte es noch ein paar Jahre dauern. Die Preise für die Ladetechnik als auch regulatorische Hürden bilden noch Hindernisse. Doch im gewerblichen Bereich, wo größere Flotten im Einsatz sind.

Marcus Fendt, The Mobility House

Langfristig gedacht, solle nicht jedes Elektroauto Teil der Primärregelleistung werden. Das Stromnetz zu stabilisieren und zu entlasten, sei eine ebenso wichtige Funktion. Je mehr Autos Überschüsse aus dem Netz aufnehmen, die nicht transportiert werden können und erst wieder ans Netz abgeben, wenn Kapazitäten frei sind, vermindert das Volumen des Netzausbaus.

In Hagen ist die Pilotphase inzwischen beendet. Der Nissan Leaf ist nun im Regelbetrieb als Batteriespeicher. Sobald der CHAdeMO Stecker vorn im Fahrzeug steckt, stabilisiert der weiße Wagen das deutsche Stromnetz.

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