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Venture Lounge zu Thema Mobilität: Interview mit Keynote-Speaker Prof. Czarnetzki

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Logo Venture LoungeAm morgigen Dienstag ist es wieder soweit: Die nächste Venture Lounge von CatCap und Neuhaus Partners findet  in Karlsruhe statt – und hat mit Mobilität wieder ein Thema, das stark von Zukunftstechnologien aus dem Bereich Cleantech getrieben sein wird. Traditionell gibt die Venture Lounge jungen Unternehmen die Möglichkeit, sich zu präsentieren und erste Bande zu Venture Capitalists an deren denkbaren Kooperationspartnern zu knüpfen. Die Keynote bei der morgigen Veranstaltung wird sich ebenfalls mit der Mobilität der Zukunft beschäftigen. Der Diplom-Ingenieur Prof. Dr. Walter Theodor Czarnetzki wird aus seiner Forschung heraus einen Eindruck vermitteln, wie die Mobilität der Zukunft aussehen wird.

Prof. Czarnetzki ist Hochschulprofessor an der Fachhochschule Esslingen und beschäftigt sich dort mit seinen Spezialgebieten Thermodynamik, Wärmeübertragung und Messtechnik. Wir von der Cleanthinking.de-Redaktion haben mit Prof. Czarnetzki gesprochen und folgendes Interview für Sie aufbereitet.

Cleanthinking.de: Herr Czarnetzki – wie sieht, in kurzen Worten, die Mobilität der Zukunft aus Ihrer Sicht aus?

Prof. Walter Theodor Czarnetzki FH EsslingenProf. Czarnetzki: Die Mobilität der Zukunft wird sicherlich auch eine individuale Mobilität sein. Es wird nicht die eine technische Lösung geben, sondern es wird viele, jeweilige an den Bedarf angepasste Lösungen geben. Die Elektromobilität wird einen größer werdenden Anteil übernehmen, aber sie wird nicht alle Mobilitätsanforderungen erfüllen können. Hybride Lösungen mit unterschiedlichen Hybridisierungsgraden werden unsere Mobilität in der Zukunft bestimmen.

Cleanthinking.de: Sie halten eine Keynote zum Thema Mobilität bei der Venture Lounge von CatCap und Neuhaus Partners – welche ganz zentralen Aspekte werden hierbei im Mittelpunkt stehen?

Prof. Czarnetzki: Es gibt zwei zentrale Fragen: Wie sieht das Auto der Zukunft aus und woher kommt die Energie zum Betrieb? Dabei ist einerseits fraglich, wie die vorhandenen Antriebs- und Speicherlösungen sinnvoll miteinander kombiniert werden können, um Mobilität der Zukunft effizienter zu machen. Gleichzeitig werden Speichertechnologien gefunden werden müssen, die beispielsweise die dezentral durch die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach erzeugte Menge Strom am Tag speichert, um über nach ans Elektroauto abgegeben zu werden. Dafür könnten Wasserstoffspeicher eine gute Lösung sein.

Cleanthinking.de: Wird sich Elektromobilität nach den Erkenntnissen Ihrer wissenschaftlichen Arbeit durchsetzen?

Prof. Czarnetzki: Wie schon gesagt, die Elektromobilität wird einen immer breiteren Anteil in den Konzepten einnehmen. Bei kurzen Reichweitenanforderungen werden es sicherlich 100%-elektrische Lösungen geben. Bei mittleren Reichweiten werden kleiner Verbrennungsmotoren als „Range Extender“ die elektrischen Batterien unterstützen und bei großen Reichweiten werden sicherlich herkömmliche Motoren, aber mit einem hohen Hybridisierungsgrad ihre Anwendung finden.

Cleanthinking.de: Was raten Sie jungen Unternehmen im Bereich Mobilität – sollten Sie sich eher auf den Fahrzeugbau (Keyword Leichtbauweise etc.) oder eher auf Geschäftsmodelle für zukünftige Mobilität konzentrieren?

Prof. Czarnetzki: Für einen jungen Unternehmer wird es sicherlich schwierig sein, gute, sichere und langlebige Fahrzeuge zu bauen. Das können die großen Automobilhersteller sicher besser. Das heißt aber nicht, dass es nicht Nischen gibt, in denen auch unkonventionelle Fahrzeuge ihren Markt finden. Ich würde mich auf die Probleme im Bereich Elektromobilität und Hybridisierung konzentrieren. Hier sind im Detail noch sehr viele Probleme zu lösen. Gute Lösungen im Bereich der Komponenten können hier sicherlich sehr schnell auch einen Markterfolg erzielen.

Cleanthinking.de: Sie beschäftigen sich in Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit mit den Themen Thermodynamik, Wärmeübertragung und Messtechnik. Welche Forschungen stehen hier in Bezug auf die Mobilität der Zukunft an?

Prof. Czarnetzki: Ein Hauptproblem ist die Energiespeicherung. Wir benötigen im Automobilbau sehr kleine und leichte Speicher. Gerade bezüglich Gewicht und Volumen ist die bisherig Lösungen mittels chemischer Speicher in Form von Benzin und Diesel unschlagbar. Damit sich die Elektromobilität durchsetzten kann, muss hier weiter geforscht und entwickelt werden.

Ich persönlich arbeite auf dem Gebiet der Brennstoffzelle und der Wasserstoffspeicherung. Insbesondere die chemische Speicherung mit Wasserstoff kann aus unserer Sicht das zentrale Speicherproblem der Erneuerbaren Energien bzw. der Elektromobilität in der Zukunft lösen. Wir arbeiten ganz konkret daran, Wasserstoff unter sehr hohem Druck mit bis zu 700 bar zu speichern, um das benötige Volumen zu reduzieren. Problematisch ist allerdings nach wie vor, dass diese Form der Speicherung extrem teuer ist und wir unbedingt Materialien finden müssen, die dies alles günstiger machen. Letztlich haben wir weniger ein technisches als ein ökonomisches Problem – dieses muss gelöst werden.

Cleanthinking.de: Gibt es noch weitere, konkrete Entwicklungen?

Prof. Czarnetzki: Es gibt auch ganz konkrete Entwicklungsaufgaben im Bereich der Klimatisierung von E-Fahrzeugen. Eine reine elektrische Heizung würde bei den heutigen Komfortanforderungen die Reichweite von Elektroautos drastisch reduzieren, da kann man fast schon von einer „Standheizung“ sprechen. Aber auch im Bereich der Wärmeübertragung liegen viele Herausforderungen. Auch E-Motoren müssen gekühlt werden, ebenso Batterien, gerade wenn Sie diese schnell laden wollen. Da die Temperaturen aber vergleichsweise niedrig sind, benötigen Sie aber wiederum verhältnismäßig große Wärmeaustauschflächen. Das gesamte Thermomanagement in einem E-Auto ist sehr wichtig und damit ein  schönes und interessantes Forschungsfeld.

Cleanthinking.de: Vielen Dank für dieses Gespräch, Herr Czarnetzki!

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