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Wasserstoff-Infrastruktur: Eintausend Tankstellen für Marktabdeckung nötig

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The Linde Group im InterviewStuttgart. Die Linde AG und die Daimler AG wollen in den nächsten drei Jahren 20 neue Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland aufbauen (CleanThinking.de berichtete). Wir sprachen mit Andreas Opfermann über die erforderliche Infrastruktur für den Brennstoffzellen-Antrieb und die konkrete Umsetzung.

CleanThinking.de: Nach dem erfolgreichen F-CELL World Drive planen Linde und Daimler 20 neue Tankpunkte in Deutschland. Welche Anzahl von Wasserstoffautos kann damit beliefert werden?

Dr. Andreas Opfermann: Die Zahl von 20 Tankstellen klingt zunächst nicht viel. Im ersten Schritt werden wir damit 10 000 Fahrzeuge bedienen. Wenn wir ausbauen, was wir im zweiten Schritt können, schaffen wir 20 000 Fahrzeuge. Die 20 Tankstellen entsprechen etwa 20 000 Ladesäulen für Batterie-Fahrzeuge. 20 000 Ladesäulen: Da muss man in Deutschland lange suchen. Damit decken wir die Menge relativ gut ab. Wir haben damit aber noch keine ausreichende Flächenabdeckung.

CleanThinking.de: Ab welcher Zahl könnte man von einem flächendeckenden Netz sprechen und wie sieht es mit den Kapazitäten von Linde aus?

Opfermann: Eintausend Tankstellen sind die Größenordnung für eine Mindestabdeckung. Für einen weitergehenden Tankstellenausbau wird man die Mineralölindustrie als Partner brauchen. Wir sind problemlos in der Lage, 20 Tankstellen zu bauen. Wenn wir wissen, dass wir in zwei Jahren 100 pro Jahr brauchen würden, um langfristig einen Aufbau von 1000 Tankstellen zu gewährleisten, dann benötigen wir rund zwei Jahre Vorlauf, um uns darauf einzustellen. Das ist machbar.
[wp_campaign_1]CleanThinking.de: Was geschieht in unseren Nachbarländern? Muss man dort auch schon Vorarbeit leisten?

Opfermann: Da ist ähnlich wie in Deutschland erst einmal eine Schritt-für-Schritt-Logik gefragt. Wenn man zu einem gewissen Zeitpunkt 1000 Tankstellen in Deutschland aufgebaut hat, müssen davon x Prozent an den Verkehrsachsen nach Paris, Kopenhagen oder Wien liegen. Man wird aber nicht zum gleichen Zeitpunkt jedes kleine Seitental in den Alpen damit beglücken können. Natürlich hoffen wir, dass sich mit Deutschland als Leitmarkt auch Initiativen in Frankreich oder Italien entwickeln, und zwar nicht als Nebenmärkte, sondern als Teil des europäischer Kernmarkts.

CleanThinking.de: Wie sieht die Unterstützung aus der Politik aus?

Opfermann: Bei dem Schritt, den wir jetzt machen, haben wir sehr gute und umfassende Unterstützung erhalten. Aber es muss ja nicht immer Geld sein: Es können auch praktische Vorteile wie die Benutzung der Busspuren oder eine Befreiung von der Maut sein. Auch, dass Innenstädte nur noch mit Elektroantrieb befahrbar sind, wäre denkbar. Es gibt da eine ganze Reihe von innovativen Ideen, die nicht nur finanzieller Art sein müssen. Der Mehrwert muss aus Kundensicht hoch sein: So sind die ersten Kunden nicht die gekniffenen, sondern diejenigen, die einen Nutzen davon haben. Dazu kann die Industrie einen Teil beitragen und natürlich auch die öffentliche Hand.

CleanThinking.de: Werden die hohen Infrastruktur-Kosten auf den Käufer eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs umgelegt?

Opfermann: Nicht auf das Auto, aber der Preis für Wasserstoff ist natürlich davon abhängig. So, wie Tankstellenkosten über die Literkosten für den Treibstoff getragen werden, wird das beim Wasserstoff auch sein. Aber der einzelne Fahrer muss die Investitionskosten einer Tankstelle nicht allein tragen. Wir planen ja den Aufbau einer öffentlichen Infrastruktur.

CleanThinking.de: Knüpfen die geplanten Tankstellen an bestehende an, oder sind unabhängige Tankstellen geplant?

Opfermann: Wir haben ein offenes Angebot an die Mineralölindustrie gemacht. Wenn Sie schauen, wer in die sieben öffentlichen Tankstellen investiert hat, sind das Energieunternehmen und die Mineralölindustrie. Das ist der schnellste Weg. Natürlich kann man auch eigene Tankstellen ins Leben rufen, aber wie schaffen Sie dann ein verlässliches Bezahlsystem oder eine rund um die Uhr geöffnete Einkaufsmöglichkeit? In vielen Punkten erzeugt die Zusammenarbeit mit bestehenden Tankstellen einfach Synergien. Es müssen ja nicht nur die Großen sein, auch freie Tankstellen könnten Wasserstoff in ihr Angebot aufnehmen.
(Quelle: Bianca Lippert, mse)

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% S Kommentare
  1. Matthias Eisen sagt

    Wenn Herr Dr. Andreas Opfermann die Zahl der H2-Tankstellen mit denen von Elektrotankstellen zu vergleicht, zeigt er damit leider sehr deutlich, dass er die Thematik leider nicht einmal ansatzweise verstanden hat. E-Autos kann man an jeder Steckdose aufladen. In jedem Einfamilienhaus gibt es eine Garage mit Steckdose. Und von denen gibt es sicherlich mehr als 200.000. Da werden die Autos geladen. Und Bedarf öffentlich nachzuladen besteht bei E-Autos auch nicht. Sie sind im Gegensatz zu H2-Fahrzeugen nur eingesetzt, wenn die tägliche Fahrleistung mit einer Akkuladung erreicht wird.
    Martin Jendrischik hätte da kritischer nachfragen können. Neben den Kosten für die H2-Infrastruktur sind doch die Kosten für die H2-Produktion interessant.
    Ein von beiden Seiten schwaches Interview.

  2. […] Andreas Opfermann, oberster Innovator beim Gasproduzenten Linde, plaudert über die Wasserstoff-Pläne mit Daimler. cleanthinking.de […]

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