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Sauber in die Zukunft

Energieeffizienz möglicher Investitionsschwerpunkt

WHEB im Interview: Welce Rolle spielt die Energieeffizienz bei der Realisierung der Energiewende - ein Investitionsschwerpunkt?

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„The Clean Tech Pioneers“ – so nennen sich die Finanzierer von WHEB Ventures selbst und belegen diesen Anspruch immer wieder durch sinnvolle Investments und ertragreiche Exits. Kürzlich schloss WHEB Ventures die Kapitaleinwerbung für den neuen WHEB Ventures Private Equity Fund 2 LP mit einer Fondsgröße von 125 Millionen Euro ab. Von zwölf angedachten Investments hat WHEB Ventures bereits sieben getätigt: Zuletzt sorgte das millionenschwere Investment in das Energieeffizienz-Unternehmen VIA Optronics und friedolaTECH GmbH (Kunststoffverarbeitung) für Aufmerksamkeit.

Wie sieht WHEB Ventures den Cleantech-Sektor? Was sollten Unternehmen beachten, die sich um ein Investment bei WHEB bewerben? Und: Gibt es zunehmend Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Cleantech-Fonds? Diese und einige weitere Fragen haben wir von Cleanthinking.de mit einem der Cleantech-Pioniere von WHEB, Partner Jörg Sperling, diskutiert.

CT: Sehr geehrter Herr Sperling: Wie würden Sie als Clean Tech Pioneer den Begriff Clean Technologies definieren?

Joerg Sperling: Wir definieren Clean Technologies relativ breit und da gefällt mir persönlich die Marktdefinition, die ich zuvor auf www.cleanthinking.de gelesen habe, sehr gut – die kann ich so unterschreiben. Wichtig ist beim Begriff Clean Technologies, dass es um Ressourcenschonung und Vermeidung von Schadstoffen geht.

Was ist CleanTech? Unter CleanTech verstehen wir von Cleanthinking.de alle Unternehmen, Technologien, Produkte, Innovationen oder Dienstleistungen, die dazu beitragen, die Umwelt und Ressourcen im Sinne von ökologischer Nachhaltigkeit zu schonen und Schadstoffe zu vermeiden oder zu reduzieren.

CT: Sie haben gerade den WHEB Ventures Private Equity Fund 2 LP geschlossen: Welche Rahmendaten hat dieser aktuelle Fonds?

Joerg Sperling: Wir haben inzwischen sieben von zwölf Investments getätigt – zuletzt investierten wir 4,4 Millionen Euro in VIA Optronics, ein schon weltweit aktives Unternehmen im Bereich energiesparender LCD-Displays. Hinzu kommt ganz frisch unser Engagement als Syndikatsführer bei der friedola®TECH GmbH, einem Spezialist für Kunststoffrecycling (mehr dazu in den kommenden Tagen auf www.cleanthinking.de). Das Engagement hat ein Volumen von 10,8 Millionen Euro. Weitere Investments werden noch in diesem Jahr folgen, dabei ist der Bereich Energieeffizienz ein möglicher Investitionsschwerpunkt

WHEB Ventures ist ein reiner Eigenkapitalinvestor ohne Hebelung durch Fremdkapital. Wir wollen einen ausgewogenen Mix der Beteiligungsarten erreichen und gehen sowohl Minderheitsbeteiligungen (Venture) als auch Mehrheitsbeteiligungen (Buy-Out) ein

CT: In welche Branchen und Regionen investiert WHEB?

Joerg Sperling: Wir investieren in Cleantech-Unternehmen mit hohem Wachstumspotential, die sich in folgenden Bereichen auf Ressourceneffizienz und –einsparung konzentrieren:

  • Alternative und erneuerbare Energieerzeugung und Effizienzsteigerung
  • Saubere industrielle Arbeitsvorgänge und Produkte einschließlich Materialien
  • Recycling und Abfallmanagement
  • Umweltgerechte Agrarwirtschaft
  • Betriebswasseraufbereitung und –bewirtschaftung

Dabei konzentrieren wir uns grundsätzlich auf Europa, sind aber prinzipiell auch in der Asien-Pazifik-Region sowie in Nordamerika zusammen mit lokalen Venture Capital Partnern aktiv.

Wir investieren nicht in Unternehmen, die von staatlicher Förderung abhängen, etwa in den Bereich Erneuerbare Energien.

CT: Welche Eigenschaften sollte ein Unternehmen mitbringen, um für WHEB interessant zu sein?

Joerg Sperling: Wir investieren ausschließlich in etablierte  Cleantech-Unternehmen, die in einem Zeitraum von rund 18 Monaten die Profitabilitäts-Schwelle erreichen. Diese haben gewöhnlich einen Umsatz von drei bis fünf Millionen Euro. Es geht immer um die Wachstumsphase, nicht um die Seed-Phase.

CT: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um in Cleantech zu investieren?

Joerg Sperling: Wir sind ja mit dem aktuellen Fonds und den sieben Investments schon eine Weile beschäftigt. In den vergangenen Monaten haben wir günstige Kaufpreise mit EBITDA-Multiple von unter 2 gesehen. Jetzt steigen die Preise wieder an, bei unserem aktuellen Investment lag die Größe bei 2,5. Insofern ist es „noch“ der richtige Zeitpunkt, um zu investieren – und dies wird noch eine Weile anhalten.

CT: Wie findet WHEB seine Investments?

Joerg Sperling: Wir gehen oft zu Spezialmessen, die sich etwa mit Abfallwirtschaft, Recycling oder Energieeffizienz beschäftigen. Dort setzen wir stark auf die Direktansprache von Unternehmen. Darüber hinaus schauen wir uns jeden Businessplan an – wir bekommen ca. 1.000 Businesspläne jedes Jahr zugesandt.

CT: In Europa sind einige Fonds mit Fokus auf Cleantech an den Markt gegangen. Ist eine Liquiditätsblase zu befürchten?

Joerg Sperling: Einen Wettbewerb der Investoren um Deals sehen wir bisher nicht. Insgesamt sind derzeit nur rund fünf Cleantech-only Investoren mit Fund Nummer 2 europaweit aktiv, daher ist die Cleantech-Investoren-Szene ein doch recht kleiner, überschaubarer Kreis. Der Dialog unter den Investoren ist sehr gut.

Es werden weitere Investoren auf den Markt kommen, die bisher „auch Cleantech“ machen. Diese sind auch nötig zur Syndizierung bzw. um Follow-On-Investoren zu haben. Letztlich erwarten wir ein etwas stärkeres „Gerangel“ unter den Investoren ab der nächsten Fondsgeneration drei, die wir dann wohl 2012 starten werden.

CT: Wie sollte sich ein Unternehmer präsentieren, um mit WHEB ins Gespräch zu kommen?

Joerg Sperling: Grundsätzlich sind wir der Meinung: Woher ein Business Plan oder eine Executive Summary letztendlich kommt, ist uns egal. Drei bis vier gute und aussagekräftige Folien sind uns wichtiger als das Intro durch einen Berater.

Oft sind die Präsentationen über 20 Folien lang – und 18 davon beschäftigen sich mit Markt und Technologie. Der Investor kennt normalerweise die Märkte sehr gut und ihm reicht eine knappe Darstellung in diesem Bereich völlig aus.

Wichtiger ist es etwa, zu erfahren, in welcher Entwicklungsphase sich ein Unternehmen befindet, mit welchen Kunden Gespräche geführt werden und wie die Auftragslage einzuschätzen ist. Darüber hinaus ist das Team wichtig, seine Ausbildung, seine Perspektiven.

CT: Was sind die No-Go’s für Unternehmer aus Sicht von WHEB?

Joerg Sperling: Wenn Unternehmer glauben, in Ihrer Nische keinerlei Konkurrenz zu haben, uns aber spontan einige Unternehmen einfallen, dann passt das einfach nicht. Weiterhin sind realistische Zeit- und Budgetpläne, realistische Umsatzprognosen und die vernünftige Einschätzung des Zeitpunktes, wann der Break Even erreicht wird, ein ganz wichtiger Punkt.

CT: Sehr geehrter Herr Sperling, wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch!

Das Gespräch für Cleanthinking.de führten Martin Jendrischik, Fabian Finke und Markus Czerner.

Zur Person: Jörg Sperling

Jörg Sperling ist einer der fünf Partner von WHEB Ventures und leitet das deutsche Büro seit Anfang 2009. Herr Sperling war zuvor fast zwei Jahre als Venture Partner bei der Münchener VC Firma Target Partners im Bereich Cleantech aktiv. Davor war er einer von vier Partnern bei Ridgewood Capital, einem amerikanischen Energiefonds. Herr Sperling war außerdem in operativen Rollen für eine Vielzahl von Halbleiterfirmen in Europa und in den USA tätig, zuletzt als VP Global Sales bei der ZMD AG in Dresden. Die ZMD AG ist ein führender Anbieter von Halbleiterkomponenten für Sensorsysteme in der Automobilindustrie sowie im Bereich der Umwelttechnik.

Jörg Sperlings VC Erfolgsbilanz beinhaltet 18 Beteiligungen während der Zeit bei Ridgewood Capital und davor als US Investment Manager für Infineon Ventures mit zahlreichen erfolgreichen Exits durch Börsengänge und Trade Sales.

Jörg Sperling studierte Elektrotechnik an der RWTH Aachen mit dem Abschluss Dipl.-Ing. Er war später am Technion – Israel Institute of Technology, und bei den AT&T Bell Labs in Murray Hill, New Jersey forschend im Bereich Epitaxialwachstum (III-IV-Spezialhalbleiter, die zum Beispiel in der Laser und Solartechnik Verwendung finden) aktiv. Des weiteren war Herr Sperling Berater des Fraunhofer Instituts im Bereich Spin-Offs und ist aktiver Juror und Coach beim Münchner, Schweizer und beim FutureSAX-Business-Planwettbewerb.

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