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Sauber in die Zukunft

Wie Computer-Server zur ökologischen Heizung werden

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Cleantech bedeutet für uns von CleanThinking.de – dem Magazin für die Technologien der Energiewende – insbesondere, clevere und ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln, die beispielsweise bestehende Konzepte intelligent miteinander vernetzen. So gibt es irgendwann Solarzellen, die direkt in Fensterscheiben integriert sind und gleichzeitig eine Art Blendschutz-Funktion übernehmen können. Und gerade auf den Markt strebend gibt es ein Cleantech-Unternehmen, das zwei bisher voneinander isolierte Märkte miteinander verbindet: Den Heizungsmarkt und den derzeit stark expandierenden Markt für Cloud-Computing-Services. Wie das funktioniert, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Mit Servern heizen: Intelligente Geschäftsidee aus Dresden.

Cleantech News / Dresden. Das Dresdner Cleantech-Unternehmen AoTerra GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, zwei Welten miteinander zu verknüpfen und daraus ökonomische wie ökologische Potenziale zu generieren. Die Idee: Computer-Server, die benötigt werden, um Cloud Computing-Services anzubieten, werden nicht zentral in Rechenzentren positioniert, wo sie aufwändig gekühlt werden müssen, sondern in Kellern von neu gebauten Ein- oder Mehrfamilienhäusern oder Firmenzentralen. Dort sollen die Serverschränke nicht nur den IT-Aspekt erfüllen, sondern gleichzeitig als Heizung für das gesamte Gebäude dienen.

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Seit Mai 2012 ist AoTerra mit den beiden Produkten AoHeat (Heizungen) und AoCloud (Server) auf dem deutschen Markt. „Wir sind der einzige Anbieter, der die bislang getrennten Märkte für Wärme und für Rechenleistungen verbindet“, so Dr. Jens Struckmeier, Geschäftsführer Technik von AoTerra. Wie und dass das Prinzip funktioniert, hat AoTerra kürzlich in einer zum Wohnhaus umgebauten ehemaligen Sauerkraut-Fabrik in Dresden unter Beweis gestellt.

Zwölf Computer spenden ihre Abwärme

Dort brummen jetzt zwölf Computer leise im Keller und sorgen mit ihrer Abwärme dafür, einen mit Wasser gefüllten Pufferspeicher zu erhitzen. Besonderer Vorteil: Alle zwölf Wohnungen können so je nach Anforderung beheizt werden. Und das, ganz ohne Heizkosten für die Bewohner, das die Stromkosten für die Server vom Cleantech-Startup AoTerra selbst übernommen werden. René Marcel Schretzmann, in der Geschäftsführung für den kaufmännischen Bereich verantwortlich, ergänzt: „Die Synergieeffekte und daraus resultierenden ökonomischen und ökologischen Vorteile haben schon im ersten Monat unseres Markteintrittes zu über 200 Anfragen geführt.“ In Berlin und Köln sind ähnliche Konzepte wie in Dresden bereits in der Umsetzung.

AoTerra Konzeptdarstellung Cleantech

Ein Wohnungsbesitzer müsse mit Kosten für den feuerfesten Sicherheits-Server-Schrank von 12.000 Euro rechnen – vergleichbar mit den Kosten für eine Wärmepumpe. Voraussetzungen sind allerdings der Passivhaus-Standard des Gebäudes und eine schnelle Internetanbindung. Eine zentrale Lüftungsanlage nutzt die entstehende Abwärme für die Beheizung des Hauses. Sollten die Server einmal ausfallen, sorgt ein elektrischer Heizstab für Ersatz. Für das Projekt in der Sauerkrautfabrik gab es einen Förderbescheid des Landes Sachsen in Höhe von 82.000 Euro. So rechnet sich das Projekt in wenigen Jahren.

Server werden zu virtuellem Rechenzentrum

Das somit in Einzelhaushalten verteilte, dezentrale oder virtuelle Rechenzentrum wird über das Internet zu einem großen virtuellen Rechenzentrum zusammengeschlossen und die Kapazität durch AoCloud im stark wachsenden Cloud-Computing Markt angeboten. Die Servereinheiten kommunizieren über ein Virtual Private Netwerk miteinander. Die durch Rechenprozesse entstehende Wärme wird ohne Leitungsverluste direkt vor Ort genutzt. Vorteile für den Nutzer der AoCloud sind die extrem gute CO2 Bilanz der AoCloud, durch die zweifache Nutzung der eingesetzten Energie und den Wegfall der Klimatisierung. Durch ein ausgeklügeltes System soll auch die Datensicherheit immer gewährleistet werden.

Derzeit ist AoTerra in Deutschland noch recht unbekannt. Sollten sich die ökologisch und ökonomisch klugen Ansätze des Unternehmens allerdings in den ersten Projekten bestätigen, könnte die Ruhe alsbald vorbei sein. Das Konzept könnte rasch Schule machen und einen Beitrag zur deutschen Energiewende leisten, bei der über die Senkung von Heizkosten bislang viel zu wenig nachgedacht wird. Ein weiterer Anlass für bundesweite Aufmerksamkeit für das Konzept steht überdies unmittelbar bevor: AoTerra ist für den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft nominiert – ob das Konzept AoTerra zum Sieger macht, wird sich am 9. März 2013 entscheiden.

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Hintergrund: AoTerra hat auf seiner AoHeat-Webseite eine „Darstellung der Vorteilhaftigkeit am Beispiel eines KFW 40 Hauses mit 150 Quadratmetern“ veröffentlicht. Das Dokument kann hier direkt als pdf-Datei geöffnet werden.

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% S Kommentare
  1. Matthias sagt

    Ich habe mir erst kürzlich eine Infrarotheizung mit Photovoltaikkombination angeschafft. Bin sehr an ökologischen Alternativen interessiert. Das scheint mir jedoch eine Anschaffung für Großunternehmen zu sein oder liege ich da falsch?

  2. Ein freier PR-Berater aus Leipzip, der gut mit der AOTerra GmbH kann, schreibt einen journalistischen Text über einen innovativen Ansatz, der nicht Einzigartig ist – schön.

    Wir haben mit Cloudheizung (selbes Prinzip und technologische Basis aber besserer Wirkungsgrad da andere Wärmeabführungstechnologie) bereits letztes Jahr den Preis für die innovativste Technologie 2012 von profund sowie die Startup Olympics 2012 in der Kategorie „Vision“ gewonnen.

    @SAPGUI: Wer sich ein bisschen mit dem Prinzip auseinandersetzt denkt anders über die Lösung. Viele physische Sicherheitsaspekte sind irrelevant, wenn man Redundanzen an vielen Orten schafft. Außerdem soll dein SAP Application Server auch nicht da drauf laufen sondern spezielle andere Anwendungen. Oder eine CloudHeizung (respektive AOTerra-Kasten) steht in deinem Unternehmen, da kannst du dann auch ruhigen Gewissens deine SAP-Systemlandschaft drauf ziehen (die natürlich schön skalieren kann, wenn man das Modulweise aufbaut).

    Viele Grüße nach Dresden, Leipzig und ins SAP-Land,
    viele Grüße auch ans AOTerra-Lager, was immer mal auf Xing und auf unserer Webseite vorbei schaut aber nie Hallo sagt 😉

    1. Hallo Finn,
      ich frage mich zwar, wie Sie darauf kommen, dass ich mit „AoTerra gut kann“ und was meine Rolle als Kommunikationsberater damit zu tun hat, trotzdem freue ich mich, dass das Modell auch von Ihnen eingesetzt wird und ein Stückchen zur Energiewende beiträgt. Vielleicht sollten Sie Ihre Gegner nicht bei CleanThinking oder AoTerra suchen, sondern bei der tatsächlichen Konkurrenz.

      Herzliche Grüße,
      Martin Jendrischik

  3. Hallo SAPGUI, ich glaube nicht, dass es sich dabei um ein Totschlagargument handelt. Denn bei Rechenzentren zentraler Natur weiß man ja, wo die sind und muss sie natürlich vor Angriffen schützen. Aber bei Servern, die dezentral stehen – hier wissen vielleicht 30 Hausbewohner, dass Server als Heizung genutzt werden, aber natürlich nicht, welche Daten darauf zu finden sind. Insofern ist die Missbrauchsmöglichkeit von Natur aus erstmal viel geringer.

    Aber sicherlich können die Vertreter von AoTerra dazu viel besser Stellung nehmen 🙂

  4. SAPGUI sagt

    Leider berücksichtigt dieses Lösungsansatz zu wenig die Sicherheit. Rechenzentren bieten bis zu sechs Sicherheitszonen, schützen vor abstürzenden Flugzeugtrümmern und haben eine eigene Notstromversorgung, die mehrere Tage Stromausfall überbrückt. Welcher Geschäftskunde würde seine Daten einem Fahrradkeller anvertrauen?

  5. Sandra Henning sagt

    Hier gibt es noch weitere Detailinformationen (Leistung, Kosten etc.) zur Serverheizung in der ehemaligen Sauerkrautfabrik in der Dresdner Neustadt: http://www.energie-experten.org/experte/meldung-anzeigen/news/server-heizung-versorgt-dresdner-wohnkomplex-4067.html

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