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Sauber in die Zukunft

Wie Sardinien mit deutscher Technologie sein Stromnetz stabilisiert

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Die Sonne scheint nur, wenn sie scheint – und der Wind weht auch nicht immer. Diese nicht wirklich neue Erkenntnis bereitet den Betreibern von Stromnetzen überall in Europa zunehmend Probleme. Ausgleichsmechanismen wie Speichersysteme, aber auch der gezielte Verbrauch überschüssigen Stroms oder das Verschieben von Lastspitzen auf einen anderen Zeitpunkt (Demand Response) sind mögliche Lösungsansätze. Dabei sind Stromspeicher etwa auf Basis von Lithium-Ionen-Akkus eine Alternative, die nun im italienischen Sardinien erprobt wird. Funktioniert der Ausgleichsmechanismus im „Speicherlabor“, winkt einem deutschen Cleantech-Startup ein richtig interessanter Markt.

Symbolbild: Inselnetzstand von Younicos
Symbolbild: Inselnetzstand von Younicos

Berlin, Italien / Energiewende, Stromspeicher News. Der italienische Netzbetreiber Terna hat nicht ohne Not einen „Netzverteidigungsplan“ für das Insel-Stromnetz von Sardinien aufgelegt. Denn auch dort sorgt die fluktuierende Erzeugung regenerativer Energien aus Sonne und Wind dafür, dass Stromangebot und Stromnachfrage nicht immer ohne Probleme auf in Waage-Position gehalten werden können.

Teil des Netzverteidigungsplans war die Ausschreibung über die Lieferung eines 1 MW/1 MWh-Hochleistungsspeichers mit der Option für die Lieferung eines zweiten Stromspeichers der gleichen Kategorie. So soll Strom aus Windenergie und Solarenergie sinnvoll zwischengespeichert und stärker an den Bedarf angepasst werden.

Wie vergangene Woche bekannt wurde, hat das deutsche Cleantech-Startup Younicos diese Ausschreibung zusammen mit dem Samsung SDI (Zell-Partner) und Green Utility (EPC-Partner) gewonnen. Die Unternehmen sollen nun den voll-automatisierten Younicos-Speicher in das Stromnetz Sardiniens integrieren. So soll ein Speicherlabor mit der Lithium-Ionen-Batterie entstehen – und die Stabilität des Stromnetzes verbessert werden.

Younicos: Folgeaufträge in Sardinien und Silizien winken

Für Younicos ist der italienische Auftrag eine große Chance, sich einen gar nicht so kleinen Markt zu erschließen: Klappt es, mit dieser und weiteren Maßnahmen, das Stromnetz Sardiniens zu stabilisieren, soll die Technologie der Energiewende breiter eingesetzt werden. Der Netzbetreiber möchte dann weitere Lithium-Ionen-Speicher mit 24 Megawatt für Sardinien und Silizien kaufen. Und Younicos wäre mit seiner Lösung dafür in der Pole-Position.

Aus Sicht von Clemens Triebel, dem CTO des Cleantech-Startups Younicos, ergreift Terna sogar eine Pionierrolle in ganz Europa durch den Aufbau des Speicherlabors. Das Berliner Unternehmen, das in Berlin Adlershof beheimatet ist, bringt seine intelligente Software zur Steuerung sowie die Erfahrung in der Frequenzregelung und im Batteriemanagement in das Projekt auf Sardinien ein.

„So wird fluktuierende erneuerbare Energieerzeugung effektiv ausbalanciert“, sagt Triebel.

„Das erlaubt es, CO2-intensive thermische Kraftwerke abzuschalten, wenn sie nicht benötigt werden. Wenn die Energiewende gelingen soll, brauchen wir deshalb auch in Deutschland einen ebenso schnellen wie entschlossen Ausbau leistungsfähiger Kurzzeitspeicher.”

25 GW Windenergie und Solarenergie in Italiens Stromnetzen

Mit zuletzt über 25 Gigawatt installierter Leistung tragen Windenergie und Solarenergie in Italien bereits mehr als 15 Prozent zur Stromerzeugung bei. In bestimmten Gebieten wie auf den Hauptinseln Sardinien oder Sizilien erzeugen Wind und Sonne gemeinsam bereits 30 Prozent der installierten Gesamtleistung. Das wird immer dann zum Problem, wenn diese Inselnetze vom gesamtitalienischem Netz abgekoppelt werden, weil dann Frequenzschwankungen viel schwerer beherrschbar sind. Der Netzbetreiber Terna investiert deshalb stark in den Ausbau einer Speicherinfrastruktur auf den Hauptinseln. Dazu sollen zunächst unterschiedliche Speichertechnologien evaluiert werden.

Younicos stabilisiert mit den Batterien im firmeneigenen Technologiezentrum bereits seit 2012 erfolgreich die ostdeutsche Regelzone von „50 Hertz“ und baut derzeit Lithium-Ionen-Batterieparks in Schwerin und Großbritannien. Weitere Hintergründe zum Thema Stromspeicher entnehmen Sie gerne unserer neuen Themenseite Stromspeicher, die in den kommenden Wochen laufend aktualisiert wird.

(Dieser Beitrag über das Cleantech-Startup Younicos und die Ansätze zur Stabilisierung des Stromnetzes auf Sardinien, Italien, erschien am 22.3.2014 auf CleanThinking.de)

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