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Wie US-Präsident Joe Biden beim Elektroauto-Boom aufholen will

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Elektrifizierung der Flotte der Bundesregierung oder Schulbusse sollen Elektroauto-Boom beschleunigen.

Die USA sind in den vergangenen Trump-Jahren bei der Elektroauto-Revolution ins Hintertreffen geraten. China dominiert den Markt für Rohstoffe, Batteriezellen und bietet nicht zuletzt den am weitesten entwickelten Heimatmarkt überhaupt. In den USA hingegen sind im Vergleich kaum Zellfabriken entstanden, die Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen wächst. US-Präsident Joe Biden will den Wandel zu Elektrofahrzeugen beschleunigen, um beim Elektroauto-Boom aufzuholen.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Laut dem Report „The Commanding Heights of Global Transportation“ werden Auto- und Batteriehersteller in den kommenden fünf bis zehn Jahren 300 Milliarden US-Dollar in die Elektroauto-Revolution investieren. Fast die Hälfte dieser Investitionen (135 Milliarden) werden in China, dem weltgrößten Automarkt, geschehen.

Von den derzeit im Bau befindlichen Lithium-Ionen-Batteriefabriken, sind 107 in China positioniert. So kontrolliert China 70 Prozent der Produktionskapazitäten für Batterie-Technologien, während Europa mit mehr als 20 Großfabriken in Planung ebenfalls einen eindeutigen Weg eingeschlagen hat. Die USA hingegen mit 10 Prozent – trotz Tesla – einen verschwindend geringen Marktanteil, viel zu wenig, um auf Weltebene eine entscheidende Rolle spielen zu können.

Die Internationale Energieagentur prognostiziert die Marktführerschaft Chinas bis 2030 mit einem Marktanteil von 57 Prozent. Schon heute sind 2,3 Millionen Elektroautos auf chinesischen Straßen unterwegs, fahren mehr als 420.000 Elektrobusse durch das Land, sind 250.000 leichte Nutzfahrzeuge abgemeldet. Im letztgenannten Sektor hat China dem Report zufolge einen Weltmarktanteil von 65 Prozent.

China dominiert aber nicht nur den Fahrzeugmarkt und den Batteriesektor, sondern auch die Rohstoff-Lieferkette. Hier sind sowohl Europa als auch die USA in großer Abhängigkeit.

Biden plant Elektroauto-Boom

Joe Biden will nun mit aller Macht den Elektroauto-Boom auslösen, der China und Europa bereits erfasst hat, in den USA aber im Grunde nur in Kalifornien durch einen Hersteller ausgelöst, zu erkennen ist. Elektrofahrzeuge zu pushen, hat Biden zu einer „Top-Prioritäten“ seiner Präsidentschaft gemacht. So wurden bereits 500.000 Ladestationen versprochen.

Außerdem sind, die Entscheidung steht kurz bevor, hohe Fördersummen für Konsumenten im Gespräch, um – wie in Deutschland und Teilen Europas – den Umschwung zur Elektromobilität zu beschleunigen. Im Gespräch sind Förderungen zwischen 7.500 und 15.000 US-Dollar pro Fahrzeug – in Deutschland sind es bis zu 10.000 Euro. Die Folge in Europa war ein Elektroauto-Boom, der die Quote der verkauften Fahrzeuge von 3,3 Prozent in 2019 auf 11 Prozent in 2020 emporschießen ließ.

Bundesstaatliche Fahrzeugflotte: Vorbild für Verbraucher

Und nun kommt Biden mit einem weiteren Vorstoß: Um Vorbild für amerikanische Verbraucher zu sein, soll die gesamte bundesstaatliche Fahrzeugflotte in rein elektrische Fahrzeuge umgewandelt werden – gebaut von amerikanischen Fachkräften auf amerikanischem Boden. America First sozusagen, im modernen Stil des Joe Biden.

Zu den 645.000 Fahrzeugen der US-Flotte zählen 245.000 zivile Fahrzeuge, 225.000 Postfahrzeuge des US Postal Service, aber auch 173.000 militärische Fahrzeuge (Quelle: Federal Fleet Report). Insgesamt sind in den USA erst zwei Prozent sämtlicher Fahrzeuge von einem Elektromotor angetrieben (Quelle: Axios).

Im Bereich der Postfahrzeuge hatte der US Postal Service zuletzt im Dezember eine große Ausschreibung für neue Fahrzeuge von Dezember 2020 auf März verschoben (Quelle: USPS delays announcement on possible electric vehicle fleet deal). Es geht dabei um 180.000 Transportfahrzeuge, ein Volumen von sechs Milliarden US-Dollar.

Besonders aussichtsreich im Rennen ist hier das Cleantech-Startup Workhorse/Lordstown Motors, das rein elektrische Fahrzeuge auf den Markt bringt. Nach der Ankündigung Bidens können die anderen Bieter, die Verbrenner vorgeschlagen haben, kaum noch den Zuschlag erhalten.

Elektrifizierung von 480.000 Schulbussen

Aber noch ein weiterer Bereich ist höchst relevant: In den USA fahren 480.000 gelbe Schulbusse, und bringen pro Tag 25 Millionen Kinder in die Lerneinrichtungen (Quelle: Sustainable-bus.com). Heute sind nur ein Prozent dieser Fahrzeuge elektrisch angetrieben – etwa mit Systemen von Proterra. Bidens Ziel: Alle in Amerika produzierten Busse sollen bis 2030 elektrisch fahren oder zumindest keine Emissionen ausstoßen. Innerhalb von fünf Jahren soll die Wandlung der Schulbus-Flotte als Initialzündung erreicht werden.

Gerade Schulbusse, die ohne Probleme rein elektrisch fahren, könnten eine doppelte Wirkung entfalten: Als einst FCKW als Klimagas erkannt, und daraufhin aus Kühlschränken verbannt wurden, war für den raschen Wandel mitentscheidend, dass Kinder in den Schulen davon erfuhren und ihre Eltern dazu animierten.

Erneuerbare Energien schneller ausbauen

Die massive Investition in die Flotte der Bundesregierung, in Schulbusse und allgemein in Elektromobilität wird einher gehen mit dem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien in den USA. Denn auch hierauf legt Joe Biden einen wichtigen Schwerpunkt seiner Amtszeit. In Verbindung mit weiteren Maßnahmen wie der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebestand, könnte ein gewaltiges Konjunkturprogramm bevorstehen.

Aus Sicht des disruptiven Wandels hin zu Elektrofahrzeugen ist der Nachholbedarf der USA enorm – das Rennen mit China wird das Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht mehr gewinnen können. Und auch mit Europa wird es ein harter Fight werden. Gut so, denn das gegenseitige „Aufstacheln“ sorgt dafür, dass die Entwicklungen schnell vorangehen.

Und die Klimaeffekte erzielt werden, die vom Transportsektor zu erwarten sind.

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