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Windenergie News: Alpha Ventus macht nur mit Smart Grid und North Sea Grid Sinn

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V.l.n.r. : Dr. Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender E.ON; Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen; Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender EWE; Tuomo Hatakka, Vorstandsvorsitzender Vattenfall Europe; Foto: alpha ventus 2010, Fotograf M. Ibeler
Dr. Wulf Bernotat ( E.ON); Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen; Dr. Werner Brinker (EWE); Tuomo Hatakka (Vattenfall Europe) (Foto: alpha ventus 2010, Fotograf M. Ibeler)

Was ist in den letzten Tagen nicht alles geschrieben worden über Alpha Ventus: Die Berichte und Kommentare gehen von der Offshore-Revolution über den Jobmotor Offshore-Technologie bis hin zu „Deutschland schreibt vor Borkum Energiegeschichte.“ Die Meinungen sind weitgehend einhellig, die Euphorie kennt kaum Grenzen.

Doch worin liegt die eigentliche Leistung dieses neuen Windparks Alpha Ventus? In der Tat bringt ein Projekt wie Alpha Ventus zahlreiche Probleme mit sich. So wird der Druck, das North Sea Grid sowie ein Smart Grid an Land aufzubauen bzw. bestehende Stromnetze auszubauen immens steigen. So lange nicht zuverlässig Strom aus Offshore-Windparks geliefert werden kann, sind immer noch Ersatzkraftwerke notwendig, die bei Bedarf hinzugeschaltet werden können.

Und: Es mangelt nach wie vor an Energiespeichermöglichkeiten. An der Leipziger Strombörse EEX wird immer wieder nachts Strom zu negativen Preisen verhökert, weil die Netze nach wie vor nicht oder nur sehr bedingt mit Erneuerbaren Energien umgehen können. Dieser Mangel wird durch Offshore-Windparks in den kommenden Jahren noch dramatisch zunehmen.

Aber womöglich liegt genau in diesem steigenden Druck der eigentliche Erfolg eines Offshore-Windparks wie Alpha Ventus und der öffentlichen Aufmerksamkeit, die dieses gigantische Cleantech-Projekt jetzt erhält. Es muss klar werden, dass wir es uns nicht leisten sollten, dass zweitweise negative Strompreise existieren oder Strom günstig von Speicherspezialisten aus der Schweiz aufgekauft und wenige Stunden später wieder teuer an Deutschland verkauft werden.

Natürlich ist Alpha Ventus unter den schwierigen Bedingungen und 45 Kilometer vor der Küste eine technische Meisterleistung – aber zum jetzigen Zeitpunkt auch gleichzeitig ein teures Testprojekt, dessen Strom einerseits hoch subventioniert ist und dessen Bau andererseits mit 50 Millionen Euro gefördert wurde. Eon, Vattenfall und EWE wollen damit auch ihre Pfründe verteidigen und weitere, dezentrale Energieprojekte installieren. Immerhin sollen mit Alpha Ventus zunächst 50.000 Haushalte versorgt werden können – nach kilometerlanger Reise des Stroms bis an die Küste.

Alpha Ventus ist ein spannendes Projekt, aber aus unserer Sicht müssen daraus die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Der Netzausbau sowohl Offshore als auch auf dem Land muss vorangehen. Außerdem müssen Energiespeicher errichtet werden, damit negative Strompreise der Vergangenheit angehören. Und: Elektromobilität muss eine größere Bedeutung zur dezentralen Speicherung von Energie erhalten. Doch dies alles ist noch (zu sehr) Zukunftsmusik. Die Windräder von Alpha Ventus drehen sich langsam – zu langsam?

Weitere Informationen zu Alpha Ventus gibt es auf der Homepage des ersten deutschen Offshore-Windparks.

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% S Kommentare
  1. Martin Jendrischik sagt

    Hallo Herr Träder — vielen Dank für den Hinweis auf die Podiumsdiskussion. Ich hatte Gelegenheit, kurz reinzuhören, und kann es nur empfehlen.

    BG Martin Jendrischik

  2. Sven Träder sagt

    DAs es Alpha Ventus gechafft hat solche Aufmerksamkeit wie gestern zu erzeugen, liegt an der Tatsache, dass es der erste Offshore Park ist, der eine große Distanz zur Küste hat und dadurch die Entwicklungen sicher erst langsam aufbauen. Natürlich braucht es schnellstens ein Netz auf Gleichstrombasis (HGÜ) und die notwendigen Cluster um die Energie aus dem Offshore Bereich ins Netz einzuspeisen. Dies ist wohl wichtiger als das Netz selbst und die größere Frage, denn ohne vernüftige Einspeisung ins Netz keine Verwertung.
    Eine Podiumsdiskussion von der Hannovermesse zu dem Thema kann man sich hier anhören: http://shar.es/m5j4G
    Die Soundqualität ist nicht wirklich gut, aber die Quaität der Beiträge umso besser. Geredet haben dort:
    1. Moderation: Prof. Lutz Hofmann, Universität Hannover;
    2. Axel Schomberg, transpower
    3. Prof. Wolfram Wellßow, Siemens;
    4. Prof. Peter Kirchesch, AREVA;
    5. Prof. Armin Schnettler, RWTH Aachen;
    6. Dr. Thomas Benz, ABB;

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