Ample startet Batterietausch-Service für Uber-Fahrer in San Francisco Bay Area

Obwohl Shai Agassi mit Better Place einst scheiterte, versucht Ample ein System von Batteriewechselstationen für E-Auto-Batterien zu etablieren.

Die Idee des Shai Agassi lebt: Der Israeli wollte einst mit Better Place einen Service zum Tausch von Elektroauto-Batterien etablieren. Er scheiterte u.a. am gigantischen Kapitalbedarf und an einem Markt für Elektrofahrzeuge, der damals noch kaum ausgeprägt war. Heute erscheint der Ansatz deutlich realistischer – Nio versucht es im Heimatmarkt China. Und jetzt kommt mit Ample ein Cleantech-Startup, das jetzt seine ersten Stationen für Batterietausch-Service für Uber-Fahrer in San Francisco’s Bay Area eröffnete.

Neben Better Place, das damals 850 Millionen Dollar Risikokapital eingesammelt hatte, versuchte sich auch Elon Musk am Batterietausch-Konzept: Sein Fazit im Juni 2015: Die Kunden seien nicht daran interessiert, ihre Batterien zu tauschen. So, wie beim Thema Lidar-Technologie für autonomes Fahren oder der Frage, welche Rolle Brennstoffzellen in der Mobilität spielen können: Trifft Musk einmal eine Entscheidung, wird diese nur schwer revidiert.

Eine andere Ansicht vertritt Ample: Das Cleantech-Startup aus San Francisco ist sich sicher, dass die Zeit reif sei für einen neuerlichen Versuch. Zum Start betreibt das Unternehmen fünf Batterietauschstationen in Bay Area – und wendet sich damit ganz gezielt an Uber-Fahrer. Fahren diese unterstützte Elektroautos, können sie die Akkus innerhalb von 10 Minuten tauschen lassen. Erstes funktionsfähiges Auto ist der Nissan Leaf – ziemlich beliebt bei Uber-Fahrern.

Die Stationen können 90 Fahrzeuge pro Tag bedienen. Andere Fahrzeugtypen wie Teslas oder Fahrzeuge von GM oder anderen Herstellern werden bislang nicht unterstützt. Dabei soll es aber nicht bleiben. Ample hat grundsätzlich Flottenmanager, Liefer-, Service- und Ride-Hail-Fahrer als Zielkunden ausgemacht. Sie fahren Hunderte Kilometer pro Tag – der Batterieverschleiß durch häufiges Schnellladen kann aber enorm sein.

Ample-CEO Khaled Hassounah betont, der Ansatz seines Startups unterscheide sich von früheren Bemühungen wie etwa von Better Place. Immerhin sieben Jahre hat Ample geforscht und entwickelt – und setzt dabei vor allem auf Roboter als entscheidende Hilfe beim Batterietausch. Die Mission ist klar: Ein System schaffen, dass es ermöglicht, eine Milliarde Elektroautos auf die Straßen zu bringen.

Ein weiterer Unterschied: Der Dienstleister kann einige Module eines Packs oder aber alle Module tauschen, je nachdem, wie weit die Batterie entleert wurde und wie weit sie noch geladen werden muss, bevor sie über Nacht nach Hause kommt. Unternehmen, die in der Vergangenheit einen Batterietausch versuchten, tauschten das gesamte Pack.

Die Akkutausch-Zeit will Ample in diesem Jahr von zehn auf fünf Minuten senken. Deren Batteriewechselstationen sind so konzipiert, dass sie schnell entlang einer Strecke installiert werden können. Sie sind vorgefertigt und werden dort montiert, wo sie benötigt werden, erfordern aber keine komplexen Konstruktionen oder Genehmigungen. Sie nehmen nur den Platz von etwa zwei Parkplätzen ein.

Mit einer Art kontinuierlichem Update der Batterie kann ein Auto, das 10 Jahre alt ist, ungefähr so weit fahren wie das neueste Modell, das dieses Jahr auf den Markt kommt.

Ample-Mitbegründer John de Souza

68 Millionen Euro Risikokapital für Ample

Bislang hat Ample, das zuvor im Stealth Mode unter dem Radar war, 68 Millionen Dollar Venture Capital erhalten. Neben Shell Ventures zählen auch Repsol Energy Ventures und Eneos Innovation Partners zu den Investoren. Gerade mit Repsol und Shell zwei Energiekonzerne, die sich im Umbruch befinden – und breit in Technologien investieren, die für künftige Geschäfte relevant werden könnten. Die Transport- und Mobilitätsinvestoren Moore Strategic Investors und Hemi Ventures haben ebenfalls in Ample investiert.

Neben den einfachen Wechselstationen hat Ample eine modulares Batteriearchitektur entwickelt, die es jedem Elektroauto ermöglichen soll, Ample-Stationen zu nutzen. Die Batterien bestehen aus Lego-ähnlichen Modulen, die jedes Fahrzeug, unabhängig von Größe und Modell aufnehmen kann. Ein Überwachungssystem kann den Fahrer warnen, wenn es ein Problem gibt – und ein betroffenes Modul deaktivieren, bis das Auto zum Tausch kommen kann.

Laut Medienberichten gibt Ample an, Partnerschaften mit 5 OEMs mit 9 verschiedenen Elektrofahrzeugen zu haben – Shai Agassi scheiterte vor etwa zehn Jahren unter anderem beim Versuch, die deutsche Autoindustrie von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu überzeugen, und einheitliche Batteriepacks zu etablieren. In Videos zeigt Ample neben der Partnerschaft mit Uber und dem Nissan Leaf auch einen Mercedes und den Kia e-Niro.

Die Zeiten wandeln sich: Hat Ample mit deutlich kostengünstigeren Batteriewechselstationen als Shai Agassi vor zehn Jahren eine Chance? Reicht es, sich mit kommerziellen Flottenbetreibern einzulassen, die u.a. von niedrigeren Strompreisen profitieren können? Diskutieren Sie mit uns hier in den Kommentaren oder bei Facebook.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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