BNetzA zieht beliebten Hoymiles-Wechselrichter aus dem Verkehr

Mikro-Wechselrichter für Balkonkraftwerke war auffällig bei Tests der Stiftung Warentest.

Die Stiftung Warentest hat Balkonkraftwerke getestet. Dabei wurde auch die Elektromagnetische Verträglichkeit der Geräte untersucht. Hierbei fiel ein besonders beliebter Mikrowechselrichter – der Hoymiles HM-800 – durch. Die Konsequenz verkündet Jörg Kannegießer von der Bundesnetzagentur im Heft der Stiftung Warentest: Die Bundesnetzagentur hat den Wechselrichter Hoymiles HM-800 zur Überprüfung vom Markt genommen. Schlechte Nachricht für Kunden und Händler – denn neben Deye zählt Hoymiles bislang zu den besseren Herstellern solcher Wechselrichter am Markt.

Vor allem für die Käufer der Balkonkraftwerke von Maxxisun oder Yuma ist die harsche Reaktion der Bundesnetzagentur keine gute Nachricht. Kannegießer beschreibt im Heft der Stiftung Warentest, die Marktaufsicht sei mit dem Hersteller zur Beseitigung möglicher Mängel in Kontakt getreten.

Pikant: der Hoymiles-Wechselrichter ist intern baugleich mit dem TSUN TSOL-MS600 und einem weiteren Modell von HERF. Konsequenterweise müssten auch diese aus dem Verkehr gezogen werden (vgl. auch dieses Video).

Der Fall erinnert an RelaisGate, einen von Youtubern aufgedeckten Skandal, der insbesondere einzelne Wechselrichter von Deye betraf. Mittlerweile treten die damals skizzierten Probleme für die Sicherheit aber nicht mehr auf. Mehr Hintergründe zu den Vorfällen rund um Deye Wechselrichter für Balkonkraftwerke gibt es hier. Lesen Sie auch: Wechselrichter-Skandal: Wie reagieren We Do Solar, Hoymiles oder Solarnative?

Das Problem: Wechselrichter können Elektrogeräte und Funkverbindungen elektromagnetisch stören. Man bezeichnet Tests dazu, ob dies passiert als Tests zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV). Diese Beeinflussung kann beispielsweise dazu führen, dass das Internet ruckelt oder das eigene oder nachbarschaftliche Radio rauscht. Laut Bundesnetzagentur können sogar Funknetze von Polizei und Rettungskräften beeinträchtigt werden.

Hoymiles HM-800: Größte Auffälligkeiten im Test

Beim aktuellen Test der Stiftung Warentest im April 2024 hat der Hoymiles HM-800 die größten Auffälligkeiten gezeigt. Allerdings, so Jörg Kannegießer von der Marktüberwachung der Bundesnetzagentur: „Im Jahr 2023 stellten Wechselrichter die viertgrößte Produktgruppe dar, die wir sanktioniert haben.“ Bedeutet auch im Testergebnis: Nur ein Gerät erhält die Bewertung „befriedigend“ – zwei weitere Wechselrichter die Note „ausreichend“.

Beim Hoymiles-Wechselrichter ist das Störpotenzial aber besonders stark: Die Bundesnetzagentur sieht ein hohes Risiko für den Funkverkehr. Daher hat die Bundesnetzagentur das Gerät vorläufig vom Markt genommen. Händler müssen also nun vorübergehend alternative Wechselrichter verwenden.

Ein Umtauschrecht ist aus Kundensicht damit nicht verbunden. Schwacher Trost: Die Wechsel­richter sind in der Regel nicht fest mit der Anlage verbaut und lassen sich austauschen. Wer etwa die Yuma-Anlage mit dem Wechsel­richter von Deye betreibt, hat ein elektromagnetisch halb­wegs verträgliches Balkonkraft­werk mit guter Strom­ausbeute. Der Tausch würde aber rund Hundert Euro kosten.

Nachfolge-Modell von Hoymiles besser?

Der im Test besonders auffällige Hoymiles-Wechselrichter ist bei Händlern und Endkunden beliebt. Auf dieser Seite beschreibt der Anbieter Yuma das getestete Modell im vergleich mit dem Nachfolger HMS-800W-2T. „Die auffälligsten Änderungen sind ein neues Stecksystem sowie das Upgrade auf eine integrierte WLAN-Fähigkeit, wodurch unter anderem die zusätzliche Anschaffung einer externen DTU entfällt.“

Die Wechselrichter-Datenbank des Youtubers Akkudoktor zeigt Hoymiles-Wechselrichter durchweg als empfehlenswert an, wenngleich teilweise noch Testergebnisse ausstehen.

Das untenstehende Video wiederum beschäftigt sich mit einem defekten Hoymiles HM-800 – wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, wird hier sehr gut informiert.

Insgesamt zeigt der Test der Stiftung Warentest: Nur eine von acht Anlagen ist insgesamt gut. Mehr dazu in diesem gesonderten Cleanthinking-Beitrag.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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