Chinas Kohle-Boom verlangsamt sich – Erneuerbare gewinnen

Kohlezentren reduzieren Pläne und unterstützen das explosive Wachstum sauberer Energien

Der Kohle-Boom in China verlangsamt sich. Das ist eine gute Nachricht für die sozial-ökologische, große Transformation und den Kampf gegen den Klimawandel. Der Grund ist: Führende Bergbauregionen begrenzen ihr Wachstum und lenken Investitionen in erneuerbare Energien. Denn saubere Energie aus Solar und Wind soll die fossilen Brennstoffe ersetzen – und perspektivisch das fossile Zeitalter (zumindest im Hinblick auf die Strom- und Wärmeerzeugung) beenden. Was steckt konkret dahinter?

In den vergangenen sieben Jahren ist die Kohle-Produktion in China kontinuierlich gestiegen. Allein im Jahr 2022 lag der Zuwachs bei zehn Prozent, nachdem es zuvor zu landesweiten Stromausfällen gekommen ist. Das Resultat heute ist, dass dieser Kohle-Boom zu einem Überangebot führt. Die Preise blieben entsprechend niedrig.

Im Jahr 2023 erreichte die Kohleproduktion einen neuen Rekord von 4,7 Milliarden Tonnen. Diese Produktionsmenge verursachte zusätzliche Kosten: So kam es zu mehreren tödlichen Unfällen unter den Bergleuten. Außerdem waren die Finanzergebnisse der Bergbauunternehmen schlecht.

Im Jahr 2025 läuft die Frist ab, bis zu der der Kohle-Boom seinen Höhepunkt erreichen muss, damit die eigens gesetzten Klimaziele erreichbar sind. Das bedeutet, dass sich das Produktionswachstum in diesem Jahr auf 1,4 Prozent verlangsamen könnte, so Guosheng Securities Co. in einer Notiz. Dies wäre das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2017.

Generell ist davon auszugehen, dass Chinas Emissionen ab diesem Jahr bereits sinken. Das wäre sechs Jahre früher als zunächst angenommen. Der abflachende Boom der Kohleverstromung untermauert diesen Trend.

Quelle: Bloomberg Green

Chinas Kohlezentren unterstützen explosives Wachstum der Erneuerbaren

Die ehrgeizigen Ziele der vier größten Kohlezentren, die mehr als 80 Prozent der Produktion ausmachen, wurden von den lokalen Regierungen aufgegeben. Stattdessen liegt der Fokus nun auf der Unterstützung des rasanten Wachstums erneuerbarer Energien in China. Diese Veränderungen werden die Diskussionen auf der jährlichen Legislativtagung in Peking zu Beginn des nächsten Monats prägen, wo die Energiesicherheit voraussichtlich eines der Hauptthemen sein wird.

  • Die Provinz Shanxi, der größte Kohleförderer, hat sein jährliches Wachstumsziel von über 100 Millionen Tonnen im letzten Jahr auf 57 Millionen Tonnen gesenkt. Dem Bericht zufolge plant die Provinz Shanxi insbesondere die Installation von Solarzellen auf weiten Flächen, die durch den Bergbau zu stark verschmutzt sind, um dort Pflanzen anzubauen oder Häuser zu errichten.
  • Die Innere Mongolei, der zweitgrößte Produzent, gab kein Ziel für die Kohleproduktion an, erklärte aber, dass sie 42 Milliarden Dollar in den Ausbau sauberer Energien investieren werde. Damit soll die Kapazität zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien zum ersten Mal die der Wärmekraft übersteigen.
  • Die Provinz Shaanxi, die Nummer 3 unter den Bergbauregionen, erklärte, sie plane nur eine geringfügige Steigerung der Kohleproduktion, während sie die Kohleverbrennung einschränke, um die Luftverschmutzung zu verbessern. Sie wird auch die 100-Gigawatt-Erweiterung von Chinas größtem Solarpanelhersteller, Longi Green Energy Technology, unterstützen
  • Die Region Xinjiang, die am stärksten zum Wachstum der chinesischen Kohleproduktion beigetragen hat, erklärte, sie werde ihren Anstieg von elf Prozent im letzten Jahr auf neun Prozent drosseln und zeitgleich den Ausbau der erneuerbaren Energien und des Wasserstoffs weiter vorantreiben.

Kohle-Boom: Kapazitätsfaktor sinkt – Neubau geht weiter

Kraftwerke sind in der Regel nicht die ganze Zeit über in Betrieb. Das gilt auch für Kohlekraftwerke in China. Sie werden ein- und ausgeschaltet oder hoch- und heruntergefahren, wenn sie gebraucht werden. Der „Kapazitätsfaktor“ eines Kraftwerks gibt an, wie oft es mit maximaler Leistung betrieben wird. Der Kapazitätsfaktor von Chinas Kohlekraftwerken ist in den letzten 15 Jahren gesunken – spricht auch dafür, dass sich der Kohle-Boom verlangsamt. Vergleichen Sie dazu die obige Grafik von S&P Global Commodity Insights.

Im ersten Jahrzehnt der 2000er Jahre waren die Kraftwerke rund 70 Prozent der Zeit in Betrieb. Jetzt sind sie nur noch zu etwa 50 Prozent in Betrieb. Dies geht auch aus den Daten der National Energy Administration (NEA) von China zu den Betriebsstunden hervor.

Wenn die Auslastungsraten weiter sinken, könnte Chinas Kohleverbrauch sinken, obwohl das Land mehr Kapazitäten aufbaut.

Wie die Grafik zeigt, gehen die Analysten davon aus, dass die Kapazitätsfaktoren der Kohle weiter sinken werden. Weitere Belege dafür gibt es auch im Artikel von Sustainability by numbers.

Europäische Wirtschaft ruft zu mehr Engagement auf

So berichtet etwa das Handelsblatt darüber, Europa brauche eine starke Industrie, um mit China mithalten zu können. Zuletzt hatte die EU-Kommission die Wachstumsprognose für den EU-Raum gesenkt. Industrieführer haben sich für mehr Engagement ausgesprochen.

Insgesamt zeigt sich, dass sich die Lage Chinas im Hinblick auf den Kohle-Boom und die Erreichung von Klimazielen deutlich verändert. Das Tempo des Ausbaus erneuerbarer Energien ist rasant. Es braucht aber noch weit mehr Tempo beim Ausstieg aus der Kohle – beides geht, wie in Deutschland auch, direkt miteinander einher. Daneben braucht es mehr Speichersysteme wie etwa die von Energy Vault. Das Schweizer Cleantech-Unternehmen ist in China besonders aktiv.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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