Geothermie: Zweites Kraftwerk am Oberrhein vor Fertigstellung

Unter der Gemeinde Insheim (Südpfalz) befindet sich in 3.600 Metern Tiefe ein Thermalwasservorkommen mit einer Temperatur von 165 °C. Um dieses natürliche Wärmereservoir für die Energieversorgung zu nutzen, baut die „Pfalzwerke geofuture GmbH“ dort zurzeit eine Anlage mit einem geothermischen Kraftwerk. Die Rückführung des geförderten Wassers in die Tiefe erfolgt dabei erstmals über eine gegabelte Bohrung, um den Druck zu reduzieren. Das Kraftwerk wird in wenigen Wochen den Betrieb aufnehmen.

Pfalzwwerke geofuture GmbH baut Anlage mit geothermischem Kraftwerk.

Cleantech, Geothermie News / Insheim. Das in Bau befindliche geothermische Kraftwerk in Insheim ist mit einer elektrischen Leistung von rund 4,8 MW darauf ausgelegt, bei knapp 8.000 Betriebsstunden im Jahr knapp 34.000 MWh Strom zu erzeugen. Damit könnten rein rechnerisch ca. 8.500 Vierpersonen-Haushalte (4.000 kWh/a) mit Strom über Erdwärme versorgt werden. Die Restwärme nach der Stromerzeugung reicht noch aus, den Wärmebedarf von etwa 600 bis 800 Haushalten zu decken oder Gewerbebetriebe mit regenerativer Wärme zu versorgen. Derzeit wird geprüft, wie die Wärme genutzt werden kann. Dabei wird betrachtet, ob eine Nahwärmeversorgung wirtschaftlich realisierbar aufgebaut werden kann oder welche Unternehemen als Abnehmer in Frage kommen.

Konzept: Hydrothermale Geothermieanlage

Bei einer hydrothermalen Geothermieanlage wird bisher üblicherweise das warme Wasser über eine Förderbohrung an die Oberfläche geleitet. Dort wird dann die Wärme für die Energieversorgung (Wärmenetze/Kraftwerke) ausgekoppelt und anschließend wird das Wasser über eine zweite Bohrung, die Re-Injektionsbohrung, wieder in die ursprüngliche Tiefe gepresst.

Beim neuen Konzept in Insheim wurde in 2.500 m Tiefe ein weiterer Seitenarm zur Re-Injektionsbohrung gebohrt, um den dabei auftretenden Druck auf das Gestein besser und großräumiger zu verteilen. Die Rückführung des Wassers erfolgt damit über zwei gegabelte Fließwege. Damit soll verhindert werden, dass beim Verpressen des Wassers kleine, aber merkliche Erschütterungen an der Erdoberfläche ausgelöst werden. Erste hydraulische Kurzzeituntersuchungen haben das neue Konzept bestätigt.

Derartige Erderschütterungen durch das Verpressen von Wasser hatten bei der benachbarten Anlage in Landau in der Vergangenheit zu Problemen geführt. Die Anlage darf seither nur mit reduzierter Leistung arbeiten und musste ein seismisches Beobachtungsnetz zur Überwachung nachrüsten. Anfang 2012 haben die Gesellschafter ein Konzept für Landau entwickelt, die Anlage umzubauen und unter anderem durch das Niederbringen einer dritten Bohrung sowohl die Sicherheit des Kraftwerks zu erhöhen als auch die Wirtschaftlichkeit wiederherzustellen. Die Umsetzung der Maßnahmen ist für das Jahr 2013 geplant, die Vorbereitungen für das Projekt sind in vollem Gange.

In Insheim ist die seismische Überwachung und die Beobachtung der Schwinggeschwindigkeit von Anfang an in das Anlagenkonzept integriert. Die Anlagenbetreiber arbeiten dabei eng mit dem Landesamt für Bergbau und Geologie in Rheinland-Pfalz zusammen. Mit dem neuen Anlagenkonzept, das gemeinsam mit der Generalunternehmerin für den Kraftwerksbau der Firma BESTEC GmbH entwickelt wurde, ist ein viel versprechender Ansatz gefunden, künftig dem Problem der künstlichen Erderschütterungen durch Geothermieanlagen im Oberrheingraben wirksam zu begegnen.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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