Grüne Transformation: Mit sauberen Technologien nicht nur das Klimaproblem lösen

Sauberer Wandel in den Sektoren Energie, Transport, Lebensmittel und Arbeit als Basis für eine grüne Zukunftsperspektive.

In den 20er Jahren werden vier fundamentale Sektoren unserer Gesellschaft vollständig umgekrempelt – die grüne Transformation kommt. In den Sektoren Energie, Transport, Lebensmittel und Arbeit hat die Disruption bereits begonnen. Die gute Nachricht ist: Alle Disruptionen kreieren neue, grüne Märkte auf Basis sauberer Technologien (Cleantech). D.h. „als Nebeneffekt“ kann dieser Wandel unsere Emissionen reduzieren – und uns im besten Fall ermöglichen, nicht nur das Klimaproblem zu lösen. Schaffen wir die grüne und große Transformation?

Die 2020er Jahre sind eine historisch einzigartige Dekade. In den vier grundlegenden Sektoren unserer Gesellschaft steht ein fundamentaler Wandel bevor. Eine Veränderung in rasanter Geschwindigkeit, wie wir sie in den 2000er Jahre mit dem Internet, also dem Bereich der Information, bereits erlebt haben.

Wäre jede einzelne Disruption schon weltverändernd genug, kommen nun vier Disruptionen fast zeitgleich auf uns alle zu. Es geht um die Bereiche Energie, Transport, Lebensmittel und Arbeit. Alle Segmente der Gesellschaft sind heute abhängig von fossilen, knappen Rohstoffen, die in umwelt- und klimaschädlicher Weise verwendet werden.

Kohle, Öl, Gas, Stahl, Vieh und Beton können wir gar nicht mehr oder nicht mehr so wie gewohnt verwenden, wollen wir die Treibhausgas-Emissionen so reduzieren, wie es laut Wissenschaft notwendig ist, um die Erderwärmung einzudämmen und weitere Klimaschäden zu vermeiden. Wie dringlich diese Aufgabe ist, zeigt diese Grafik eindrücklich:

Die rote Linie zeigt die dramatische Erhitzung der globalen Oberflächentemperatur in 2024.

Grüne Transformation: Wie ersetzen wir die Fossilen?

Kohle, Öl, Gas, Stahl, Vieh und Beton müssen also ersetzt werden (grüne Transformation der Wirtschaft). Fossile oder besonders schädigende Roh- und Brennstoffe, die bislang dafür gesorgt haben, dass wir (zumindest in vielen Ländern) Energie haben, dass wir mobil sein, dass wir Essen und Arbeit verrichten können. Ersetzt werden diese tendenziell zentralen Systeme durch:

  • Photonen
  • Elektronen
  • DNA-Moleküle und
  • (q)bits.

Plakativ formuliert: Aus dem zivilisatorischen System auf Basis von Kohle, Öl, Gas, Stahl, Vieh und Beton wird ein neues System auf Basis von Photonen, Elektronen, DNA-Molekülen und (q)bits.

Beispiel Energiewende: Erneuerbare Energie zerstört Kohle, Öl und Gas

Die Kosten für Solarstrom sind innerhalb der letzten zehn Jahre um 90 Prozent gesunken, die für Windkraftanlagen um 70 Prozent. Diese Energiewende zerstört die bisherigen fossilen Energiemärkte.

Die Folge ist: Es entsteht ein völlig neues Energiesystem, das sauberer und günstiger ist als das, was wir bislang kannten. Aus dem zentralistischen, fossilen System, das auf knappen Ressourcen basierte und unsere Umwelt zerstörte, wird ein System lokaler Erzeugung aus nahezu unbegrenzten, weit verbreiteten Bausteinen – in diesem Fall Solarmodulen, Windkraftanlagen und Batterien.

Das, was im Energiesektor überall spür- und sichtbar ist, passiert ganz ähnlich in den anderen drei Sektoren:

  1. Transport mit Elektroantrieben, autonomem Fahren und Dienstleistungen.
  2. Lebensmittel mit Präzisionsfermentation und zellulärer Landwirtschaft
  3. Arbeit mit Künstlicher Intelligenz, Robotik und Automation.

Transformatorischer Wandel ist grün und unaufhaltsam

Dieser Wandel, diese saubere und grüne Transformation, findet bereits statt. Unaufhaltsam. Ob wir es als sinnvoll erkennen oder komplett falsch finden spielt keine Rolle. Der Wandel basiert auf ökonomischen Gesetzen. Er verläuft nach den Regeln der Disruption, wie zuvor schon unzählige Disruptionen geschehen sind. Für uns als Menschen – so drückt es Hannah Ritchie in ihrem neuen Buch aus (Provisionslink) – ist es schwierig, das zu verstehen.

Denn wir sind auf lineare Veränderungen programmiert. Mit exponentiellen Änderungen, wie auch Corona gezeigt hat, sind viele überfordert. Trotzdem müssen wir uns darauf einstellen. Oder besser: Wir dürfen uns darauf einstellen. Denn die fundamentalen Sektoren, die sich im „sauberen Wandel“ befinden, sind praktischerweise die Sektoren, die 90 Prozent der menschengemachten Emissionen verursachen.

Wir haben als Menschheit also (lediglich!) die Aufgabe, die alten Zöpfe abzuschneiden und diese durch neue und grünere Lösungen zu ersetzen. Lösungen die bereits da sind. Wir müssen sie nur produzieren und einsetzen.

Diese transformativen Veränderungen müssen von Politik, Unternehmen und Gesellschaft gestaltet werden. Möglichst effizient und sozial ausgewogen. Gelingt uns das, haben wir in einer Dekade eine Welt, in der es beispielsweise möglich ist, Flüsse oder Strände von Robotern reinigen zu lassen, um die Plastikverschmutzung von bekämpfen. Und das ist nur eines der Umweltprobleme, die wir dann lösen können, wenn Arbeit und Energie günstig sind.

Vordenker Tony Seba erklärt die große, grüne Transformation in einer Videoserie.

Die grüne Transformation einer ganzen Industrie zu schaffen wird dann möglich, weil wir die bisherigen Kunststoffe beispielsweise durch Biokunststoffe ersetzt haben, die sich in der Natur zersetzen. Oder weil wir das Plastik einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zuführen.

Cleantech ist keine Science Fiction. Und Disruption ist keine Spinnerei von libertären Marktradikalen. Dekarbonisierung ist möglich.

Die saubere, grüne Transformation ist unsere Chance auf eine bessere Welt und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft. Mit der Möglichkeit, zehn Milliarden Menschen zu ernähren ohne die Emissionen der Viehzucht ins Unermessliche steigern zu müssen. Packen wir es an. Seien wir endlich mutig darin, alte Zöpfe abzuschneiden – etwa fossile Subventionen. Wir werden uns selbst beschenken.

Lesen Sie mehr zu Tony Seba und der Reduktion von 90 Prozent der globalen Emissionen durch grüne Transformation und grünes Wachstum.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

Elektroauto NewsElektromobilitätEnergie News bei CleanthinkingErneuerbare EnergieKlimaRoboterTransport