Intels Mobileye startet Tests für autonomes Fahren rund um München

TÜV Süd erteilt der israelischen Intel-Tochter Mobileye die entsprechende Genehmigung.

Das israelische Cleantech-Unternehmen Mobileye hat die Lizenz zum Testen autonom fahrender Autos auf Deutschlands Straßen erhalten. Die Freigabe erfolgte vom TÜV Süd und gilt für autonome Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen in Deutschland – und schließt somit städtische und ländliche Gebiete sowie das Fahren auf der Autobahn mit bis zu 130 Kilometer pro Stunde mit realen Verkehr mit ein. Mobileye hat daraufhin ankündigt, unverzüglich, also ab Mitte Juli 2020, mit entsprechenden Testfahrten zu beginnen, zunächst in München und Umgebung.

Nach eigenen Angaben ist Mobileye somit einer der ersten OEM-unabhängigen Anbieter, der eine entsprechende Genehmigung erhalten hat. Volkswagen und BMW beispielsweise dürfen schon seit längerem Testfahrten durchführen, haben sich im Wesentlichen auf Fahrten in deutschen Städten wie Hamburg entschieden. Die allermeisten Tests bislang fanden aber in sehr begrenzten Gebieten statt.

Als Grundlage für die Entscheidung des TÜV SÜD in Deutschland diente das bestehende Programm von Mobileye in Israel, wo das Unternehmen schon seit einigen Jahren automatisierte Fahrzeuge testet. In Deutschland werden die automatisierten Fahrzeuge von einem Sicherheitsfahrer kontrolliert.

Mobileye freut sich darauf, unsere branchenführende Technologie für selbstfahrende Fahrzeuge und Sicherheitslösungen vielen Menschen vorzuführen. Damit kommen wir der Verwirklichung sicherer, erschwinglicher Mobilitätslösungen mit selbstfahrenden Fahrzeugen und privaten Pkw mit Autopilot einen Schritt näher. Die neue Genehmigung bietet uns die Möglichkeit, künftigen Fahrgästen, globalen Automobilherstellern und internationalen Transportbehörden noch mehr Vertrauen in das autonome Fahren zu vermitteln.

Johann Jungwirth (Linkedin), Mobility-as-a-Service bei Mobileye

Mobileye-Technologie: Zwei Systeme für selbstfahrende Fahrzeuge

Mobileye wurde 1999 von Ziv Aviram (Crunchbase Profil) und Amnon Shashua (Crunchbase). Das Cleantech-Unternehmen baut zwei unterschiedliche Systeme für autonomes Fahren mit Elektroautos auf.

Eines dieser Systeme basiert ausschließlich auf Kameras – auch Tesla verzichtet in seinem eigenen System auf andere Sensoren, hat aber die anfängliche Zusammenarbeit mit Mobileye beendet. Das zweite System kombiniert Radar, LIDAR-Sensoren, Modems, GPS und andere Komponenten miteinander. Beide setzen auf dem mathematischen Modell der verantwortungsbewussten Sicherheit (RSS, mehr dazu bei Mobileye) auf.

Chips sind eine zentrale Komponente der Mobileye-Technologie für selbstdahrende Autos.

Mobileye sammelt schon im Sommer 2020 jeden Tag Unmengen an Sensordaten von Fahrzeugen auf Straßen, greift dabei auf öffentlich zugängliche Geodaten (OS MasterMap / Ordnance Survey) zurück. Ziel des Unternehmens ist es, bis Ende 2020 mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa und eine weitere Million Fahrzeuge in den USA mit eigener Hardware ausgestattet zu haben. Bis 2025 könnte die Flotte dann auf 25 Millionen Fahrzeuge anwachsen.

Sogenannte Robo-Taxis möchte Mobileye bis 2022 in Tel Aviv, Paris und Daegu City (Südkorea) ausstatten. Bis dahin liegen die Kosten für die nachrüstbare Hardware pro Fahrzeug noch bei 13.000 Euro – mittelfristig sollen sie auf 4.500 Euro gedrittelt werden.

Erprobung und Markteinführung in weiteren Ländern

Im Mai 2020 hatte Intel den Mobility-as-a-Service-Spezialisten Moovit übernommen. Die Technologien von Moovit und Mobileye will der Chip-Gigant nun miteinander verzahnen und so beim selbstfahrenden Fahrzeug vorankommen.

In Frankreich, Japan, Korea und Israel hat Mobileye bereits Vereinbarungen zur Erprobung und Markteinführung erhalten.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

Elektroauto News