Vollladen beim Einkaufen: tegut, Norma oder hagebau setzen auf Technologie von Numbat

Numbat kombiniert Ultraschnelllade-Infrastruktur mit Batteriespeichern – Vorteile bei Kosten und Installationszeit.

Für E-Auto-Fahrer ist es besonders attraktiv, wenn es gelingt, das Fahrzeug „nebenbei“ vollzuladen – also etwa während des Einkaufs oder in der Arbeitszeit. Bislang haben Super- oder Baumärkte einzelne Ladestationen, selten aber Schnelllader. Mit der EnBW, die das eigene HyperNetz etwa mit Partner Bauhaus vorantreibt, und dem Cleantech-Startup Numbat bieten zwei Betreiber von Ladeinfrastruktur hochattraktive Lösungen für Endkunden. Numbat kombiniert dabei Ultraschnelllade-Infrastruktur mit Batteriespeicher – und will durch rasche Milliarden-Investitionen Marktführer werden.

Numbat will seine „Ultraschnellladesäulen mit Batteriespeicher“ nach eigenen Angaben auf den Parkplätzen zahlreicher hagebaumärkte installieren, so die Nachricht am 10. Oktober 2023. Bedeutet für Endverbraucher: Selbst bei einem kurzen Baumarktbesuch von 15 bis 20 Minuten ist das E-Auto wieder weitgehend aufgeladen. Noch im Jahr 2023 werden die beiden Partner zur Tat schreiten, und die ersten Ladesäulen errichten.

Die Besonderheit an der Lösung von Numbat ist es, den Ausbau möglichst schnell durchzuführen zu können. Denn die Ultra-Schnellladesäule ist direkt mit einem Batteriespeicher gekoppelt. Dadurch wird nur ein Niederspannungsanschluss – also ein typischer Hausnetz-Anschluss – benötigt, um wirklich schnelles Laden des Elektroautos anzubieten. Und Bau- oder Supermärkte mit eigener Energieerzeugung etwa über Solardächer können die erzeugte Energie zwischenspeichern.

Konkret entfallen durch den Anschluss ans Niederspannungsnetz also Baumaßnehmen und die Installation eines Transformators. Diese Transformatoren sind mit hohen Kosten verbunden. Die im Numbat-System verbaute Batterie speichert 200 Kilowattstunden Strom und kann bis zu 300 Kilowatt an die Elektroautos abgeben.

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Milliardenfinanzierung für Numbat möglich

Den Wettbewerbsvorteil des besonders schnellen Aufbaus von Ladeinfrastruktur will Numbat nutzen, um sich Marktanteile gegenüber Wettbewerbern wie der EnBW beim Schnellladen zu sichern. Für Investoren ist das besonders attraktiv. Mitte Oktober 2023 wurde bekannt, dass das Cleantech-Unternehmen eine Finanzierungsrunde mit PATRIZIA und einem deutschen Bankenkonsortium abgeschlossen hat – zunächst geht es dabei um 140 Millionen Euro frisches Kapital, das für den Aufbau der Infrastruktur bei tegut verwendet werden soll.

Funktioniert die Zusammenarbeit, und geht die Entwicklung der Elektromobilität positiv weiter, kann die Finanzierung auf bis zu eine Milliarde Euro aufgestockt werden. Ziel ist es, aggressiv zu wachsen und zu versuchen, die Marktführerschaft zu erobern. Denn nach Ansicht von Numbat-Gründer Martin Schall werden nur wenige Betreiber überleben. 400 Ladestationen auf den Tegut-Parkplätzen sollen nun rasch aufgebaut werden – die Hälft noch in diesem Jahr, das nur noch zweieinhalb Monate andauert.

200 Ladepunkte bei hagebau

Insgesamt sollen 200 Ladepunkte an den Baumärkten der hagebau-Kette aufgebaut werden. Neben der hagebau-Gruppe setzen auch Autohäuser und Einzelhändler auf die wirtschaftliche und ganzheitliche Produktkombination des Cleantech-Unternehmens.

„Wir freuen uns, unseren Kunden und Kundinnen mit dem Numbat eine weitere optimale Ladelösung anbieten zu können. Das Konzept aus Schnellladen und Batteriespeicher sowie die Möglichkeiten des Energiemanagements an den unterschiedlichen Standorten der hagebau-Märkte haben uns letztlich überzeugt, mit Numbat einen weiteren ausgezeichneten Partner für die hagebau Gruppe gefunden zu haben“, so Arne Warkocz, Bereichsleiter der Hagebau.

100 Ladepunkte bei Norma

Bei Norma will Numbat 100 Ladepunkte aufbauen – im ersten Schritt. Auch hier beginnt die Prozedur noch in diesem Jahr. Planung, Installation, Betrieb und Wartung der Systeme werden komplettvom Allgäuer Cleantech-Startup übernommen. 

„Mit dem massiven Ausbau der Photovoltaik auf unseren Filialen setzen wir ein klares Zeichen für mehr Nachhaltigkeit, ein modernes Energiemanagement und die Mobilität von morgen bei NORMA. Die Firma Numbat ist hierfür der optimale Partner, da ihre Systeme sich problemlos an unsere PV-Anlagen anschließen lassen, das Energiemanagement optimal unterstützen und unseren Kunden die Möglichkeit zum schnellen Laden während des Einkaufs ermöglichen“, findet Katja Heck, Leiterin Kommunikation bei Norma.

Einschätzung von Martin Jendrischik, Cleanthinking.de:

Die Technologie ist ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu den Lösungen, die momentan oft an Supermärkten zu finden sind. Oft eine Säule der lokalen Stadtwerke, die hoch subventioniert nicht besonders zuverlässig ist. Betreiber wie EnBW oder Numbat bringt mehr Dynamik und Erfahrung mit, das ist wichtig.

Das Laden aus dem Speicher in den Speicher ist eine wichtige Lösung, gerade für Zeiten, in denen über einige Stunden Flaute herrscht. Zudem wird der Netzbezug durch die natürlichen Grenzen des Niederspannungsanschlusses entsprechend begrenzt. Wenn in das Energiemanagement auch noch Klimaanlagen und Kühlaggregate integriert werden, wird die Lösung noch sinnvoller.

Numbat gilt mittlerweile als ein deutsches Cleantech-Startup, das besonders schnell wachsen wird. Ob es gelingen wird, den Wettbewerbsvorteil in die Marktführerschaft zu wandeln?

Dieser Artikel entstand zunächst am 10. Oktober 2023. Letzte Aktualisierung am 19. Oktober 2023.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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