Nachhaltige Proteinwende: Bundestag beschließt Millionen für alternative Proteine

Haushaltsausschuss beschließt Kompetenzzentrum und Roadmap für den Wandel

Proteinwende: Neben den Entscheidungen zur massiven Heizungsförderung hat sich in den Haushaltsberatungen der vergangenen Tage noch etwas Bemerkenswertes ereignet. Der Haushaltsausschuss hat beschlossen, 2024 immerhin 38 Millionen Euro für die Wende hin zu pflanzlichen und anderen alternativen Proteinquellen zu investieren. Clean Food gilt als ungenutzte Klimachance, wie es die Boston Consulting Group ausgedrückt hat. „Das ist ein deutliches Bekenntnis zur nachhaltigen Proteinwende“, so die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer.

Die Abgeordnete sieht in der Entscheidung des Haushaltsausschusses des Bundestages einen Paradigmenwechsel in der Förderung der Landwirtschaft. Und den Auftakt für die echte Proteinwende. Im März hatte der Bundestag einen Potenzialbericht zum Thema Kultiviertes Fleisch erhalten.

Die Maßnahmen, die beschlossen wurden, beinhalten eine verstärkte Fokussierung der deutschen Eiweißpflanzenstrategie auf die Ernährung von Menschen, die Ausweitung der Unterstützung für pflanzenbasierte Lebensmittel und kultiviertes Fleisch, finanzielle Hilfen für Landwirte bei der Umstellung sowie die Einrichtung eines Zentrums für zukünftige Proteinquellen.

  • Die Eiweißpflanzenstrategie des BMEL wird geändert und soll künftig die Förderung von Eiweißen vornehmlich für die Humanernährung anstatt für Futtermittel umfassen. 8 Millionen Euro in 2024
  • Ein Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft soll geschaffen und ein Stakeholder-Forum zu Proteinquellen in der Humanernährung eingerichtet werden.
  • Umstiegshilfen (sog. Chancenprogramm) für den Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung und den Einstieg in die Produktion und Verarbeitung pflanzlicher, fermentierter und zellkultivierter Proteine für die menschliche Ernährung mit Investitionsförderungen in Höhe von 20 Millionen Euro in 2024
  • Förderung von Produktions- und Verarbeitungsmethoden pflanzenbasierter, fermentierter und zellkultivierter Proteine und von Begleitmaßnahmen für Projekte, die bei der Umstellung auf die Produktion und Verarbeitung alternativer Proteine unterstützen. 10 Millionen Euro in 2024

Der fortschrittliche Beschluss der Koalition zur Proteinwende wird vom gemeinnützigen Think Tank GFI Europe enthusiastisch begrüßt. Mit diesem Schritt werden die im Koalitionsvertrag festgelegte Förderung von alternativen Proteinen sowie die Umstellung auf ein nachhaltiges und widerstandsfähiges Ernährungssystem vorangetrieben.

Deutschland holt bei der Proteinwende auf 

In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland mehrfach isolierte Maßnahmen in diesem Bereich durchgeführt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert Projekte zu alternativen Proteinen, einschließlich der Erforschung von kultiviertem Fisch. Das Bundesforschungsministerium unterstützt Projekte im Innovationsraum NewFoodSystems sowie das Cellzero Meat Projekt. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert marktnahe Projekte zur Skalierung im Rahmen des Förderprogramms Industrielle Bioökonomie. Zusätzlich gibt es weitere kleine Projekte auf Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern.

Gemäß einer im Juni 2023 veröffentlichten Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sind die bisherigen Fördermaßnahmen in Deutschland weitgehend ungeordnete Einzelmaßnahmen. Diese Maßnahmen folgen keiner kohärenten Gesamtstrategie zur Entwicklung des Sektors und sind zudem deutlich geringer als in anderen Ländern.

Die Niederlande haben die Rekordinvestition von 60 Millionen Euro für den Aufbau eines Ökosystems für kultiviertes Fleisch und Präzisionsfermentation investiert. Dänemark hat die weltweit erste Strategie für den Plantbased-Sektor vorgelegt und angekündigt, umgerechnet 168 Millionen Euro in den Sektor zu investieren.

Ein Forschungszentrum für alternative Proteine wird von Großbritannien errichtet, während Frankreich 65 Millionen Euro für Forschung und Skalierung im Bereich der Pflanzenkost bereitgestellt hat. Deutschland schließt sich nun mit den geplanten Investitionen im Bundeshaushalt 2024 den Ländern an, die in den Sektor stark investieren.

Kompetenzzentrum als Chance für nationale Roadmap

Durch die Zusammenführung von Maßnahmen in einem frischen Kompetenzzentrum besteht nun die Chance, bisher eher verteilte Aktivitäten zu konsolidieren und strategisch neu auszurichten. Damit kann Deutschland das volle Potenzial alternativer Proteine im Hinblick auf Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz nutzen und sich als führender Innovationsstandort in diesem Bereich positionieren.

Um das neue Zentrum voranzubringen, ist es wichtig, zunächst eine umfassende Roadmap für die Proteinwende zu entwickeln. Diese Roadmap sollte klare Ziele festlegen und aufzeigen, welche Maßnahmen von Wirtschaft und Politik ergriffen werden müssen, um Deutschland bis 2030 an der Spitze zu positionieren. Dabei sollten alle relevanten Aspekte des Themas berücksichtigt werden, einschließlich der Festlegung von Forschungsprioritäten, der Koordinierung der öffentlichen Forschungsförderung, der Unterstützung von Unternehmen bei regulatorischen Fragen, dem Ausbau der Produktionskapazitäten und der Rolle der Landwirte in diesem Transformationsprozess.

Ivo Rzegotta, Senior Public Affairs Manager Deutschland bei GFI Europe: „Mit diesem Beschluss zur Proteinwende macht die Koalition einen großen Schritt zur im Koalitionsvertrag angelegten Wende hin zu einem nachhaltigen Ernährungssystem. Die beschlossenen Fördermaßnahmen für Forschung und Transformation bringen Deutschland auf den Weg, führend in diesem aufstrebenden Bereich zu werden. Das angekündigte Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft birgt die Chance, dass die Arbeit an alternativen Proteinquellen in Deutschland künftig besser koordiniert und auf ein strategisches Ziel ausgerichtet wird. Deutschland braucht eine Roadmap für die Proteinwende hin zu mehr alternativen Proteinquellen und ein solches Zentrum kann der erste Schritt sein, um eine solche Strategie mit allen relevanten Ressorts und Stakeholdern zu entwickeln.” 

Ivo Rzegotta, der Senior Public Affairs Manager Deutschland bei GFI Europe, lobt den Koalitionsbeschluss zur Proteinwende als einen bedeutenden Schritt in Richtung eines nachhaltigen Ernährungssystems gemäß dem Koalitionsvertrag. Die beschlossenen Fördermaßnahmen für Forschung und Transformation haben das Potenzial, Deutschland zu einem führenden Akteur in diesem aufstrebenden Bereich zu machen. Das geplante Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft bietet die Möglichkeit, die Arbeit an alternativen Proteinquellen in Deutschland effizienter zu koordinieren und auf strategische Ziele auszurichten.

Eine Roadmap für die Förderung alternativer Proteinquellen ist von großer Bedeutung für Deutschland, und dieses Zentrum kann als erster Schritt dienen, um eine solche Strategie unter Einbeziehung aller relevanten Ressorts und Interessengruppen zu entwickeln.

  • Koalitionsbeschluss zur Proteinwende als bedeutender Schritt in Richtung nachhaltigem Ernährungssystem
  • Fördermaßnahmen für Forschung und Transformation haben Potenzial, Deutschland führend in diesem Bereich zu machen
  • Kompetenzzentrum Proteine der Zukunft ermöglicht effizientere Koordination und Ausrichtung der Arbeit an alternativen Proteinquellen
  • Roadmap zur Förderung alternativer Proteinquellen von großer Bedeutung für Deutschland
  • Zentrum dient als erster Schritt zur Entwicklung einer solchen Strategie unter Einbeziehung aller relevanten Ressorts und Interessengruppen.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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