Wie viele Windräder ersetzen ein Atomkraftwerk?

Cleanthinking rückt in der Rubrik „Saubere Fakten“ öffentliche und teilöffentliche Aussagen zurecht. Dies ist „Saubere Fakten 1“.

Die MIT (Hintergrund siehe unten) trommelt derzeit massiv für längere Laufzeiten der sechs deutschen Atomkraftwerke. Nach Cleanthinking-Informationen ist es nicht (wirtschaftlich & technisch) möglich, die bereits vor einem Jahr abgeschalteten AKW wieder in Betrieb zu nehmen. Bei der Lobbyarbeit für Atomkraft geraten dem Verband immer mal die Zahlen durcheinander. Aber wie viele Windräder ersetzen nun ein Atomkraftwerk?

Richtig ist: Ein Atomkraftwerk erzeugt etwa 10 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Umgerechnet sind das 10 Terawattstunden.

Falsch ist: Eine moderne Onshore-Windkraftanlage erzeugt mindestens 12 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, nicht lediglich acht Millionen. Zum Vergleich: Die Offshore-Turbine V236-15 MW schafft bis zu 80 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Windenergieanlagen sind effizienter als angegeben.

Bedeutet für die Rechnung der MIT: Es braucht keine 1.250 Onshore-Windräder, sondern eher weniger als 835. Nimmt man die modernsten Windkraftanlagen Offshore, sind es lediglich 125 Windräder.

Aber stimmt die angegebene Fläche von 100 km² für Windräder?

Nein. Ein Windrad benötigt im Schnitt 0,4 Hektar Land. Bei 1.250 Anlagen (die Zahl ist widerlegt) sind das 500 Hektar oder 5 km² – also 1/20 der angegebenen Fläche.
Bei der realistischeren Größenordnung von 835 Windrädern geht es also um 334 Hektar, das entspricht einer Fläche von 3,34 km² und ist erheblich weniger als von MIT angegeben.

Fazit:

Zahlen und Fakten der MIT sind mit großer Vorsicht zu genießen, insbesondere dann, wenn es um die gewollte Atomkraft und die offenbar nicht gewollten Windräder geht. Hier wird ganz gezielt versucht, Windkraft gegen Atomenergie auszuspielen. Das ist aber verkehrt, alleine deshalb, weil Atomenergie als Einzellösung kaum zur Klimaneutralität Deutschlands beitragen kann. Bestehende AKW werden im April abgeschaltet – ein Neubau würde mindestens eine Dekade, eher deutlich länger, brauchen.

Was ist die MIT?

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion ist der größte parteipolitische Wirtschaftsverband des Landes. Die 25.000 Mitglieder sind etwa zur Hälfte Parteimitglied bei CDU und CSU, müssen es aber nicht sein.

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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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