SuedOstLink: TenneT lagert Gleichstromkabel für Stromtrasse in Regensburg

Der Übertragungsnetzbetreiber will durch die frühzeitige Kabellieferung sicherstellen, dass direkt nach Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses mit dem Bau begonnen von SuedOstLink werden kann.

Es sind gewaltige Mengen Gleichstromkabel, die jetzt im „bayernhafen“ in Regensburg eingetroffen sind: Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT lässt über die kommenden Monate 300 Kabeltrommeln per Binnenschiff nach Regensburg liefern – diese haben ein Gewicht von 24.000 Tonnen, was mehr als drei Eiffeltürmen entspricht. Mit der frühzeitigen Lieferung der Erdkabel für SuedOstLink soll der Baubeginn beschleunigt werden. Bis dahin dauert es aber noch rund zwei Jahre.

SuedOstLink ist für Bayern ein ganz zentrales Energiewende-Projekt. Ab 2027 soll mit der Gleichstrom-Leitung Windstrom aus dem Norden und Osten des Landes in den industriestarken Süden transportiert werden. Dabei geht es konkret um zwei Vorhaben: Das Vorhaben 5 verläuft zwischen Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt und ISAR bei Landshut in Bayern. Das Vorhaben 5a verläuft zwischen Klein Rogahn in Mecklenburg-Vorpommern und ebenfalls ISAR bei Landshut.

SuedOstLink transportiert Strom aus Windenergie vom Norden und Osten Deutschlands in den Süden. TenneT plant und baut den bayerischen Teil der Leitung vollständig als Erdkabel. Die Übertragungskapazität für jedes der beiden Vorhaben liegt jeweils bei zwei Gigawatt. Für das Vorhaben 5 werden in Bayern auf einer Strecke von rund 270 Kilometern zwei Erdkabel verlegt. Im Jahr 2027 soll das Vorhaben 5 und im Jahr 2030 das Vorhaben 5a in Betrieb gehen.

Jede Kabeltrommel trägt ca. 1,75 Kilometer Erdkabel und hat ein Gewicht von rund 80 Tonnen. Über die nächsten Monate fahren ca. 30 Binnenschiffe mit je zehn Kabeltrommeln Ladung von Gron nach Regensburg. Die insgesamt 300 Kabeltrommeln haben damit zusammen ein Gewicht von rund 24.000 Tonnen, was dem Gewicht von über drei Eiffeltürmen entspricht.

Schon im Juni 2020 hatte TenneT das Mailänder Unternehmen Prysmian Group mit der Herstellung und der späteren Verlegung der Kabel beauftragt. Im Januar haben nun die ersten 19 Kabeltrommeln den bayernhafen Regensburg per Schiff erreicht. In den kommenden Monaten werden insgesamt knapp 300 dieser Kabeltrommeln im Hafen eingelagert. Dort verbleiben sie bis zum voraussichtlichen Baubeginn der Höchstspannungs-Gleichstromleitung im Jahr 2024.

Erdkabel mit 525 Kilovolt

Als Erdkabel kommen für SuedOstLink innovative, kunststoffisolierte Kupferkabel mit einer Spannungsebene von 525 Kilovolt zum Einsatz. Zur Isolierung der Kabel verwendet die Prysmian Group die neuartige P-Laser Technologie auf Basis des Isoliermaterials HPTE (High Performance Thermoplastic Elastomer). Dieses hat eine deutlich kürzere Produktionszeit als herkömmliche Erdkabel. So können die CO2-Emissionen bei der Herstellung um 30 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig ist das Prysmian Kabelsystem mit großen Leiterquerschnitten für hohe übertragbare Leistungen über große Entfernungen konzipiert.

Produziert werden die Erdkabel für den SuedOstLink in Gron nahe Paris. Per Binnenschiff gelangen die Einzellieferungen auf der Yonne und der Seine durch Paris hindurch zunächst zum Seehafen Radicâtel. Dort werden die Trommeln auf Seeschiffe umgeladen und gelangen über den Ärmelkanal in den Krefelder Hafen. Binnenschiffe bringen die Fracht über Rhein, Main, Main-Donau-Kanal und Donau schließlich zum Zielhafen nach Regensburg.

Der Transport per Schiff dauert pro Lieferung ungefähr 17 Tage. Im bayernhafen Regensburg werden die Kabeltrommeln dann einzeln mit Hilfe eines großen Raupenkrans durch Schmidbauer von den Schiffen gehoben und auf der dafür vorgesehenen Fläche eingelagert. Der bayernhafen Regensburg ist Drehscheibe für den Güterverkehr im gesamten ostbayerischen Raum und führend beim Schiffsgüterumschlag in ganz Bayern.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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