Zwickau: Wie VW sich für das Elektroauto-Zeitalter rüstet

Erstes VW Elektroauto auf Basis des MEB-Baukastens, der VW ID.3, wird am Montag als Weltpremiere vorgestellt.

Am Montag steigt die Weltpremiere auf der IAA, ab November wird in Zwickau produziert: Das erste VW Elektroauto aus der VW ID-Familie kommt mit großen Schritten näher. Grund genug, einmal einen Blick auf den Produktionsstandort Zwickau zu werfen. Volkswagen verspricht nicht weniger als das größte und leistungsfähigste E-Auto-Werk Europas. Marketing oder Realität?

Fakt ist: Mittlerweile hat der Autobauer 400 Vorserienfahrzeuge seines ID.3 1ST hergestellt, um sich für die Massenproduktion, die im November beginnt, zu wappnen. Dabei liegt der Wolfsburger Gigant nach eigener Aussage mit seinen Umbaumaßnahmen des Zwickauer Werks voll im Zeitplan. Nur noch einige Roboter müssen aufgebaut werden – anschließend wird die Montage eingefahren, wie das im Ingenieur-Deutsch heißt.

Seine Weltpremiere im Rahmen der IAA in Frankfurt am Main feiert der ID.3 am Montag, 9. September, um 20 Uhr. Es wird auch einen Livestream geben. Dann wird es womöglich auch den offiziellen Bestellstart geben. Bis zu den ersten Auslieferungen an Endkunden dauert es aber noch: die größte E-Offensive der Autoindustrie soll dann im Sommer 2020 so richtig durchstarten.

Zwickau: Umbau zur ID.3-Fertigung in mehreren Etappen

Der Wandel des Werkes in Zwickau hat indes längst mehrere wichtige Hürden genommen. Es ist das erste Mal, dass VW eine eigene Autoproduktionsstätte vom Verbrenner-PKW auf eAutos umstellt. Schon seit Anfang 2018 sind Umbaumaßnahmen realisiert worden. Bis Ende 2020 wird dann alles abgeschlossen sein.

Beispiel für große Veränderungen ist, dass auf dem Gelände des Werkes in Zwickau alleine ein Dutzend neue Bauten und Hallen errichtet wurden. Der Umbau der Stationen Karosserie und Lackiererei sind abgeschlossen. Die erste Linie zur Endmontage ist auf den Start im November vorbereitet worden. Um mal eine Größenordnung zu vermitteln: Alleine das bestehende Presswerk auf dem Gelände musste für 75 Mio. Euro ausgebaut und auf die Zeitenwende vorbereitet werden.

Dank dieser Veränderungen kann Volkswagen ab 2021 alle zentralen Karosserieteile eigenständig am Standort herstellen. Die zweite Endmontagelinie wird dann im Anschluss ab Sommer 2020 umgebaut und bis Ende des Jahres 2020 in Betrieb genommen. In der finalen Ausbaustufe werden in Zwickau ab 2021 sechs Modelle auf MEB-Basis für drei Konzernmarken gebaut. Die Produktionskapazität wird von 300.000 auf 330.000 Fahrzeuge pro Jahr steigen. Insgesamt investiert Volkswagen rund 1,2 Milliarden Euro in die Transformation des Standorts. Rund 800 Millionen Euro wurden davon bereits umgesetzt.

Trotz der Steigerung des Outputs wird der Personalbestand weiter bei 8.000 Mitarbeitern liegen. Das hat auch mit dem steigenden Automatisierungsgrad zu tun: 1,600 Fertigungsroboter sind als neue „Kollegen“ bereits hinzugekommen – und brauchen keinen Platz am Mittagstisch in de Kantine. Die echten Mitabeiter werden dagegen vor allem in Richtung Hochvolt-Technologie geschult. Dabei geht es speziell um den Umgang mit modernen Batteriesystemen.

All diese Anstrengungen zeigen: Volkswagen und Elektroauto soll eine Erfolgsgeschichte werden. Die Anstrengungen sind jedenfalls viel mehr als reines Marketing – das zeigt die Realität ganz deutlich. Bleibt abzuwarten, wie gut der neue Volkswagen aus Zwickau dann letztlich ankommen wird. Ab Dienstag wissen wir dazu vermutlich mehr.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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