70 Millionen Aufrufe: MrBeast macht UPSIDE Foods zum viralen Hit

YouTube-Megastar besucht Produktionsstätte für kultiviertes Fleisch – und verkostet selbst tierfreies Hühnchenfleisch.

Ein Hähnchensandwich sorgt für Aufsehen: YouTube-Megastar MrBeast (bürgerlich Jimmy Donaldson, 464 Millionen Abonnenten) besucht die Produktionsstätte von UPSIDE Foods, lässt sich Bioreaktoren erklären – und macht einen Blindtest. Das Ergebnis nach dem Vergleich mit konventionellem Hühnerfleisch: „Gruselig, wie gleich sie schmecken.“ Mehr als 70 Millionen Aufrufe später ist klar: Laborfleisch ist kein Nischenthema mehr. Doch gerade die letzten Jahren beim Cleantech-Unternehmen zeigen: Der Weg ist weiter steinig.

Der Besuch bei UPSIDE Foods ist Teil des Videos „$1 vs $1,000,000,000 Futuristic Tech!“, in dem MrBeast verschiedene Zukunftstechnologien vorstellt. Der Laborfleisch-Abschnitt allein wurde auf X millionenfach geteilt – die Reichweite geht weit über YouTube hinaus. Dort hat das Gesamtvideo deutlich mehr als 70 Millionen Aufrufe – in vier Tagen – erzielt. Direkt nach Upside Foods sieht sich MrBeast übrigens diese wundersame Technologie an.


Vom Hühnerei zum Sandwich – ohne Schlachtung

UPSIDE Foods, Pionier für kultiviertes Fleisch direkt aus tierischen Zellen, hat geschafft, woran viele Cleantech-Unternehmen im Bereich kultiviertes Fleisch bislang scheiterten: Sichtbarkeit jenseits der Fachwelt. In drei Minuten führt das Video durch die Pilotanlage in Kalifornien – von tiefgefrorenen Zellen bis zum fertigen Produkt.

Der technische Ablauf in Kurzform: 2018 wurden Zellen aus einem Hühnerei gewonnen und bei -30°C eingefroren. In der Produktion werden diese aufgetaut und in Bioreaktoren vermehrt. Eine Nährlösung aus Protein, Fett und Zucker füttert die Zellen, bis sie zu Fleisch werden. Laut UPSIDE Foods produziert ein Bioreaktor alle paar Sekunden so viel Fleisch, wie ein ganzes Huhn liefert – eine beeindruckende Zahl, die sich allerdings schwer unabhängig verifizieren lässt.

Das Unternehmen gibt an, bereits mehrere Hunderttausend Kilogramm Geflügel produziert zu haben – ohne ein einziges Tier zu schlachten. Mehr als 200 Millionen US-Dollar flossen bisher in Forsch

Der Blindtest als Schlüsselmoment

Was das Video von typischen Unternehmensfilmen unterscheidet: MrBeast und Koch Nick DiGiovanni machen einen echten Vergleich. Zwei Sandwiches, eines mit konventionellem Huhn, eines mit Laborfleisch. Beide wissen nicht, welches welches ist.

Das Urteil fällt eindeutig aus: kein Unterschied. Geschmacklich identisch. Erst danach löst der Koch auf – das bevorzugte Sandwich kam aus dem Labor. Für Millionen Zuschauer war das der Moment, in dem kultiviertes Fleisch von einer abstrakten Technologie zu etwas Greifbarem wurde.

Hier das Video für die Generation Z – für andere Menschen, sagen wir einmal, „sehr amerikanisch“ bzw. „gewöhnungsbedürftig“:

Wir sind gespannt auf Ihre Meinung zum Video von MrBeast: Schreiben Sie gerne einen Kommentar!

Zulassung, Verbote, Krise – eine turbulente Branche

UPSIDE Foods war 2023 eines der ersten Unternehmen, das in den USA eine vollständige Zulassung für kultiviertes Geflügelfleisch erhielt – ein historischer Meilenstein.

👉 Meilenstein: Laborfleisch erhält erste Zulassung in den USA

Doch was folgte, war kein Triumphzug. 2024 wurde zum Krisenjahr: mehrere Entlassungswellen, der Stopp einer geplanten Großfabrik in Chicago, Finanzierungsengpässe. UPSIDE Foods musste sich neu aufstellen und konzentriert sich seither auf eine kleinere Pilotanlage in Kalifornien sowie auf Hybridprodukte aus kultivierten Zellen und Pflanzenprotein. Mit dem Spin-off Lucius Labs diversifiziert das Unternehmen zudem in den Markt für Zellkulturmedien.

Parallel wächst der politische Gegenwind. Florida und Alabama haben kultiviertes Fleisch verboten, Texas zog nach. UPSIDE Foods klagt gemeinsam mit dem Zuchtlachs-Hersteller Wildtype gegen mehrere dieser Verbote – mit ersten Teilerfolgen vor Gericht, aber ohne schnelle Lösung in Sicht. Die Branche steht zwischen technologischem Fortschritt und regulatorischer Blockade.

Das MrBeast-Video fällt genau in diese Phase: ein popkulturelles Comeback, während im Hintergrund Gerichtsverfahren laufen und die Skalierung stockt.

Zwischen Begeisterung und Skepsis

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Auch die Reaktionen auf das Video spiegeln diese Spannungen. Während viele Nutzer die Technologie als Durchbruch feiern, reagieren andere mit Ablehnung. Vorwürfe wie „The new Bill Gates?“ rücken MrBeast in die Nähe von Verschwörungserzählungen rund um Großinvestoren und Ernährungskontrolle.

Die Kritik speist sich aus Skepsis gegenüber „unnatürlichen“ Lebensmitteln, Misstrauen gegenüber Tech-Investoren in der Ernährungsindustrie und grundsätzlicher Ablehnung technologischer Klimalösungen. Dass ein Entertainment-YouTuber das Thema in den Mainstream trägt, verstärkt bei manchen das Unbehagen – bei anderen genau das Gegenteil.

Fazit: Ein Kulturmoment, kein Systemwandel

MrBeasts Video hat Laborfleisch aus der Nische geholt. Millionen Menschen haben erstmals gesehen, wie Fleisch ohne Schlachtung entsteht – und dass es schmeckt. Doch was bleibt, ist ein technologischer Prototyp, der skaliert werden muss.

Täglich werden weltweit über 220 Millionen Hühner geschlachtet. UPSIDE Foods zeigt, dass es anders gehen könnte. Der Weg dorthin braucht aber mehr als virale Videos – er braucht Investitionen, politische Leitplanken und ehrliche Debatten über Konsumverhalten.

Clean Food: Alternative Proteine in Fleisch und Milch sind größte ungenutzte Klimachance

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