Energiewende-Befreiungsschlag: 15 Mrd. Euro Garantien für Wachstum bei Siemens Energy

Handelsblatt meldet Energiewende-Befreiungsschlag: Einigung mit Mutterkonzern, Banken und Bundesregierung

Es ist eine Art Energiewende-Befreiungsschlag: Siemens Energy, ein besonders breit aufgestellter Konzern für saubere Technologien für die Transformation, erhält 15 Milliarden Garantien für schnelles Wachstum. Aufgrund von Problemen bei der Windkrafttocher Siemens Gamesa hat das Unternehmen mit einem schlechten Bonitäts-Ranking zu kämpfen. Zeitgleich braucht es aber für Aufträge im Wert von mehr als 100 Milliarden Euro geforderte Garantien. Das Handelsblatt berichtet nun über eine Einigung und einen Befreiungsschlag für das Unternehmen.

Garantien werden beispielsweise für Großprojekte im Bereich der Stromnetze gebraucht. Die von Siemens Energy konsultierten Banken scheuten zuletzt das „Klumpenrisiko“, weshalb der Konzern die Bundesregierung um Hilfe bat. Diese kommt nun: Die Banken geben Garantien in Höhe von 12 Milliarden Euro – der Bund wiederum gibt „Rückgarantien“ von 7,5 Milliarden Euro. Der Börsenkurs des Münchener Energietechnik-Konzern stieg im montäglichen Handel zwischen vier und acht Prozent.

In die fehlenden Garantien in Höhe von drei Milliarden Euro wird der ehemalige Mutterkonzern Siemens AG indirekt involviert. Dabei geht es um die Übernahme einer 18-Prozent-Beteiligung an einem indischen Unternehmen und weitere Maßnahmen im Bereich Markenrechte und Zinsen, die zwischen Energy und Siemens verabredet sind. So stehen in der Summe 15 Milliarden Euro an Garantien zusätzlich zur Verfügung.

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Mit dem Energiewende-Befreiungsschlag gelingt auch der Bundesregierung eine gesichtswahrende Lösung. denn als die Diskussionen nach einem Absturz der Energy-Aktie begannen, war Kritik von Ökonomen und aus der Politik laut geworden. Oft war dabei fälschlicherweise die Rede davon, die Bundesregierung würde dem Unternehmen frisches Kapital zur Verfügung stellen oder gar eine Rettungsmission starten – sogar Joe Kaeser, der Aufsichtsratsvorsitzende, musste eingreifen und Einiges klarstellen.

Für die Energiewende und die Transformation in Industrie- und Energie-Sektor insgesamt ist die nahende Entscheidung – so sie denn, wie im Handelsblatt beschrieben, am Mittwoch kommt – eine wichtige Etappe. Denn Energy mischt nicht nur im Bereich der Onshore- und Offshore-Windkraft entscheidend mit, sondern auch bei der für den Wandel so wichtigen Wasserstoff-Produktion und entsprechenden Kraftwerken. Zuletzt hatte das Unternehmen eine Serienfertigung für PEM-Elektrolyseure in Berlin zusammen mit Air Liquide eröffnet.

Mit Energiewende-Befreiungsschlag: Schwung für die Transformation

Der Energiewende-Befreiungsschlag nun wird laut den Informationen nun für größere Ruhe beim Energietechnik-Konzern sorgen: Ein Drittel des 110 Milliarden Euro Auftragsbestandes ist über die Garantien in Höhe von 15 Milliarden Euro nun abgesichert. Und ein wichtiger, einheimischer Akteur kann nun einerseits seine Probleme im Bereich der Windkraft lösen und andererseits die Großprojekte in den anderen Bereichen in Angriff nehmen.

Wie Spiegel Online über den Energiewende-Befreiungsschlag berichtet, hat der Präsidialausschuss des Aufsichtsrates bereits am vergangenen Donnerstag der Lösung zugestimmt. Am morgigen Dienstag tag das gesamte Kontrollgremium, um die Genehmigung zu finalisieren. Dies gelt als „sehr wahrscheinlich“. Darüber hinaus gibt es auch Verhandlungen mit den Regierungen von Spanien und Dänemark über Garantien. In beiden Ländern ist Energy als Windkraft-Pionier stark engagiert.

Am 15. November 2023 findet die Bilanzpressekonferenz von Siemens Energy statt – ein guter Zeitpunkt, um mit einem Befreiungsschlag neuen Schwung für die Energiewende zu bringen. Christian Bruch (CEO) und Maria Ferraro (CFO) werden dann aller Voraussicht nach die Lösung bekanntgeben und aktuelle Aussagen zum derzeitigen Auftragsbestand berichten. Im laufenden Jahr ist von einem Bilanzverlust von 4,5 Milliarden Euro auszugehen – entscheidend ausgelöst durch die Windkraftsparte.

Am Dienstag, 14. November, bestätigte auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass eine Lösung gefunden worden sei und die Veröffentlichung vom Energiewende-Befreiungsschlag bevorsteht. Das Problem beim Siemens Energy sei durch die Übernahme der spanischen Firma Gamesa und fehlerhafte Windturbinen entstanden, sagte Habeck vor Journalisten in Berlin. Ansonsten sei der Konzern kerngesund und habe volle Auftragsbücher. Es kann also weiterhin erwartet werden, dass am Dienstagabend oder Mittwochvormittag im Rahmen der Bilanz-PK die Lösung final vorgestellt wird.

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Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Twitter / X oder Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

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