Donut Lab
Die erste Feststoffbatterie in Serienfahrzeugen? Donut Lab erklärt den Durchbruch
CES 2026 in Las Vegas: Donut zeigt eine angeblich serienreife Solid-State-Batterie. Sehen wir hier das neue Produktionssystem, das Tony Seba in Stellar beschreibt?
Das finnische Cleantech-Unternehmen Donut Lab nutzt im Rahmen der CES 2026 in Las Vegas die größte Tech-Bühne der Welt nicht für eine vorsichtige Roadmap, sondern für eine Kampfansage. Mit der Ankündigung einer angeblich production-ready Feststoffbatterie positioniert sich Donut Lab bewusst gegen das etablierte Narrativ der Batterieindustrie. Während sich die Batterieindustrie seit Jahren mit Prototypen, Pilotlinien und Zeitangaben jenseits von 2030 herumschlägt, erklärt das finnische Unternehmen: Die erste Feststoffbatterie fährt bereits.
Nicht im Labor. Nicht im Demonstrator. Sondern in realen Serienfahrzeugen – also OEM-tauglichen Produktionsmodellen – konkret in Motorrädern von Verge Motorcycles, dem verbundenen Serien-OEM des Unternehmens, die im Alltag unterwegs sind. Energiedichte: 400 Wh/kg. Ladezeit: 0–100 % in fünf Minuten. Lebensdauer: bis zu 100.000 Zyklen. Sicherheit: kein Thermal Runaway. Kosten: unter Lithium-Ion. Skalierung: heute 1 GWh Produktion in Finnland, nächstes Jahr 10 GWh, langfristig 100 GWh – mit weiteren Produktionsstandorten in Großbritannien, im arabischen Raum und in den USA.
Es sind Zahlen und Aussagen, die nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern die physikalischen, industriellen und ökonomischen Annahmen der gesamten Batteriebranche infrage stellen. Zu gut, um wahr zu sein? Skepsis ist angebracht.
Wer ist Donut Lab – und warum Verge Motorcycles der Schlüssel ist
Um die Tragweite der Ankündigungen einordnen zu können, lohnt ein Blick auf das Unternehmen selbst. Donut ist kein klassischer Batterie- oder Automobilzulieferer, sondern versteht sich als integrierte Deeptech-Plattform für elektrische Mobilität. Bekannt wurde das Unternehmen zunächst durch seine radikalen In-Wheel-Motoren, die Antrieb, Leistungselektronik und Software in einem Bauteil bündeln.
Ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Startups: Donut besitzt mit Verge Motorcycles ein eigenes Serienfahrzeug als reales Test- und Skalierungsfeld. Gleichzeitig ist Verge nicht das einzige Produktionsumfeld, in dem Donut-Technologie bereits eingesetzt wird:
Auch WATT Electric Vehicles (WATTEV) nutzt Donut-Komponenten in modularen Leichtbau-Fahrzeugplattformen, Cova Power ist dabei kein klassischer Kunde, sondern ein Joint Venture von Ahola Group und Donut Lab, in dem Donut seine In-Wheel-Motoren, Batterien und Plattformsoftware in ein eigenständiges Industrieunternehmen einbringt, das sich auf elektrifizierte Trailer für den Schwerlastverkehr fokussiert.
Donut Lab bewegt sich damit nicht ausschließlich im Prototypenraum, sondern in mehreren realen, wenn auch sehr unterschiedlichen Produktionskontexten. Verge produziert und verkauft elektrische Motorräder – und genau diese Fahrzeuge dienen nun als Live-Plattform für neue Donut-Technologien, einschließlich der angekündigten Feststoffbatterie. Das verkürzt Entwicklungszyklen drastisch, umgeht klassische OEM-Hürden und verlagert Innovation bewusst vom Labor auf die Straße.
Diese Strategie wird auch darüber hinaus deutlich. In einer Art Keynote spricht Marko Lehtimäki nicht nur über Batterien für Motorräder, sondern über Drohnen, modulare Großspeicher bis hin zu 400-Megawatt-Containerlösungen. Die Botschaft ist klar: Donut denkt seine Technologie nicht als einzelnes Produkt, sondern als universell skalierbares Energiesystem.
Marko Lehtimäki: Serienunternehmer statt klassischer Industrieboss
Lehtimäki ist dabei eine Schlüsselfigur. Der frühere AppGyver-Gründer, der sein Softwareunternehmen an SAP verkaufte, führt Donut und Verge Motorcycles parallel und agiert sichtbar wie ein Venture-Studio in Personalunion. Seine Arbeitsweise erinnert eher an Software- und Plattformökosysteme als an traditionelle Industrieunternehmen: viele parallele Projekte, schnelle Iteration, frühe Markteinführung.
Dieses Profil erklärt die Geschwindigkeit – und zugleich einen Teil der Irritation. Denn Lehtimäki bewegt sich mit einem Selbstverständnis durch die Industrie, das man eher aus dem Silicon Valley kennt als aus der stark regulierten Welt von Fahrzeugbau und Energietechnik.
Batterie oder etwas anderes? Die offene Technologiefrage
Ein zentraler Streitpunkt folgt unmittelbar – und ist auch für die SEO-Debatte um die Donut Lab Feststoffbatterie entscheidend: Handelt es sich tatsächlich um eine Batterie – oder um einen anderen Typ von Energiespeicher?
Mehrere Batterieforscher weisen darauf hin, dass genau jene Eigenschaften, die Donut Lab betont – extrem hohe Zyklenzahlen, extrem schnelle Ladefähigkeit, hohe Leistungsdichte – klassisch eher zu Ultrakondensatoren oder hybriden Speicherformen passen als zu elektrochemischen Batterien. In Präsentationen des Partners Nordic Nano tauchen Begriffe wie electrostatic bipolar capacitor auf, was die Verwirrung weiter verstärkt.
Donut Lab weist diese Interpretation zurück. In Interviews wird betont, Nordic Nano sei nicht an der Batterie beteiligt, und die Technologie sei eine echte All-Solid-State-Batterie. Doch die begriffliche Unschärfe bleibt – und sie ist nicht akademisch. Sie entscheidet darüber, welche Normen gelten, welche Vergleichsmaßstäbe greifen und wie Regulierung aussieht.
Die Skepsis der Etablierten: CATL, Forscher, Industrie
Entsprechend scharf fällt die Reaktion aus der etablierten Batterieindustrie auf die Donut Lab Feststoffbatterie aus. Stimmen aus dem Umfeld von CATL, dem weltweit größten Zellhersteller, verweisen darauf, dass es keine bekannte Festkörperzelle gebe, die diese Kombination aus Energiedichte, Ladegeschwindigkeit, Lebensdauer, Sicherheit und Kosten vereine – schon gar nicht in Serienproduktion.
Auch unabhängige Experten wie Tom Bötticher äußern Zweifel. Ihre Argumentation folgt der klassischen industriellen Logik:
- Wo sind öffentlich zugängliche Zelltests?
- Wo sind unabhängige Third-Party-Validierungen?
- Wo sind Zertifizierungen, Normprüfungen, Sicherheitsdaten?
- Und vor allem: Wo ist das Kapital, das eine dreistellige GWh-Skalierung ermöglichen soll?
In dieser Lesart wirkt der Auftritt des bislang eher unbekannten Unternehmens wie eine Übertragung von Software- und Plattform-Narrativen auf eine Industrie, die bislang von Materialwissenschaft, Physik und massiver Kapitalbindung geprägt ist.
Zwei Wahrheitsbegriffe – und warum beide Seiten Recht haben könnten
Doch genau hier lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Denn der Konflikt ist nicht nur technisch, sondern epistemisch.
Die klassische Batterieforschung folgt dem Prinzip des Lab Proof: isolierte Zellen, reproduzierbare Messungen, Peer Review, klar definierte Kategorien. Das Unternehmen hingegen operiert sichtbar nach einem anderen Prinzip: Real-Life Proof. Motorräder fahren. Systeme sind im Einsatz. Die Technologie überlebt reale Lasten – also ist sie real.
Diese Logik ist nicht neu. Tesla, SpaceX oder BYD haben gezeigt, dass Iteration im Feld schneller sein kann als perfekte Vorabvalidierung. Wir leben längst in einer Welt von „Smartphones auf Rädern“, „Energy as Code“ und sogar „Food as Software“. Systeme werden integriert, bevor sie vollständig erklärt sind.
Beide Seiten haben damit in gewisser Weise Recht. Wissenschaftliche Skepsis ist legitim. Aber auch der Hinweis, dass funktionierende Systeme eine eigene Evidenzform darstellen, ist nicht von der Hand zu weisen.
Donut als Venture-Studio – nicht als klassischer Zellhersteller
Ein weiterer Schlüssel zum Verständnis liegt in der Person des CEOs. Marko Lehtimäki ist nicht nur CEO, sondern zugleich CTO von Verge Motorcycles (bis November 2025) und Initiator weiterer Deeptech-Projekte.
Dessen Selbstverständnis erklärt vieles:
- warum Verge als frühes Serien-Testfeld dient,
- warum Donut-Technologien ungewöhnlich schnell „auf der Straße“ sind,
- warum Demo, Produkt und Vision kommunikativ eng zusammengeführt werden.
Gleichzeitig verwischt diese Struktur die Grenze zwischen Demonstrator, Serienprodukt und industrieller Skalierung. Ein Motorrad ist regulatorisch und volumenseitig etwas völlig anderes als ein Pkw – ganz zu schweigen von 400-MW-Containerlösungen für Netze oder Rechenzentren.
Tony Seba lässt grüßen: Ein neues Produktionssystem?
Damit sind wir bei der zentralen Frage: Sehen wir hier das neue Produktionssystem, das Tony Seba in Stellar beschreibt?
Seba skizziert eine Zukunft, in der Industrie nicht mehr linear skaliert, sondern zellular, modular, softwaredefiniert funktioniert. Komponenten sind Plattformen. Fabriken sind Knotenpunkte. Geschwindigkeit ersetzt institutionelle Vorsicht. Donut Lab passt auffällig gut in dieses Bild:
- Motor, Batterie, Software aus einer Hand,
- Anwendungen von der Drohne bis zum Stromnetz,
- schnelle Iteration statt perfekter Vorabvalidierung.
Doch genau hier liegt auch die Bruchlinie. Denn OEMs, Gesetzgeber, Versicherer, Netzbetreiber und Aufsichtsbehörden operieren weiterhin in einer Welt aus Normen, Haftung, Zertifizierung und Langfristverantwortung. Die Frage ist nicht, ob ein solches Produktionssystem technisch möglich ist – sondern ob es in die reale Welt der Industrie hineinpasst.
Money, money, money – die harte Grenze der Vision
Am Ende führt jede Analyse der Donut Lab Feststoffbatterie an denselben Punkt. Egal, wie neu das Produktionssystem ist:
100 GWh Batteriekapazität kosten Milliarden.
Bisher öffentlich bekannt:
- Donut hat rund 15 Millionen Euro eingesammelt.
- Nordic Nano bewegt sich ebenfalls im zweistelligen Millionenbereich.
- Keine bekannten Staatsfonds, keine Großprojektfinanzierungen, keine Milliardenrunden.
Real-Life-Proof kann Technologie beschleunigen. Aber es materialisiert kein Kapital.
Hinzu kommt die extreme personelle Konzentration. Marko Lehtimäki führt eine Elon-Musk-ähnliche Anzahl an Firmen – allerdings bislang ohne eine vergleichbare Kapitalbasis. Das ist kein Vorwurf, sondern eine offene Frage nach Belastbarkeit und Skalierungsfähigkeit.
Lehtimäki kontert die Kritik offensiv. CATL werde die heutige Bezeichnung als „Bullshit“ in sechs Monaten bitterlich bereuen, sagt er sinngemäß. Das ist keine defensive Reaktion, sondern eine Wette auf die Realität. Genau so sollte man sie behandeln.
Wiedervorlage: sechs Monate.
Dann wird sich zeigen:
- Gibt es neue Produktionsdaten?
- Neue Finanzierungsrunden?
- Unabhängige Validierungen?
- Neue OEM-Programme jenseits von Verge?
- Klarheit darüber, ob wir über Batterien, Ultrakondensatoren oder hybride Systeme sprechen?
Fazit: Eine offene Wette auf die Zukunft der Industrie
Donut Lab könnte ein realer Vorbote eines neuen industriellen Betriebssystems sein – so, wie Tony Seba es beschreibt. Oder ein Grenzfall, an dem sichtbar wird, wo Plattformdenken an physikalische, regulatorische und finanzielle Grenzen stößt. Beides ist möglich. Beides ist relevant. Und beides verdient präzise, faire und geduldige Beobachtung.
Die Wahrheit entsteht weder allein im Messlabor noch auf der CES-Bühne von Las Vegas. Aber genau zwischen diesen beiden Welten entscheidet sich gerade, wie die nächste industrielle Epoche aussehen wird.
Lesen Sie auch: CATL Naxtra: Die Natrium-Disruption beginnt 2026
[…] Die erste Feststoffbatterie in Serienfahrzeugen? Donut Lab erklärt den Durchbruch […]
„Wiedervorlage: sechs Monate.“
Das ist nicht lange – gerade wenn man das Thema Energie/Disruption schon viele Jahre beobachtet. Sollten wir dann sehen, dass Lehtimäki recht hat, so ist er dann wahrscheinlich immer noch den bekannten Batteriegiganten voraus.
Die 6 Monate bezieht sich vor allem auf die Frage, ob etwa die zur Auslieferung anstehenden Motorräder mit Feststoffbatterie dann ausgeliefert worden sind – und darauf, dass auch die Kollegen von CATL dann womöglich ihre heutige Einschätzung „Bullshit“ revidieren. Und: Bis dahin werden sie – Aussage heute – auch mit unabhängigen Batterietests beglückt worden sein.
Ich beobachte und grabe tiefer. Bisher gilt: Je tiefer ich grabe, umso glaubwürdiger erscheint mir die gesamte Sache. Ob dann einzelne Werte übertrieben oder geschönt sind, weiß ich nicht. Das ist eben abzuwarten.
Aber Strategie, bisherige Erfolge, kommunizierte Partnerschaften, Personen etc. – all das weist jedenfalls nicht auf einen bewussten Betrug hin. Scheitern kann alles. Drücken wir die Daumen!