Mario Buchinger: „Purer Selbstmord für den Wirtschaftsstandort“

Was Katherina Reiches fossiler Kraftwerks-Plan wirklich kostet

Die Kraftwerksstrategie von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird für Stromkunden extrem teuer – und zementiert Deutschlands Abhängigkeit von Gas-Diktaturen. Eine Analyse von Mario Buchinger zeigt: Das Konzept ist in jeder Hinsicht zum Scheitern verurteilt. „Was Reiche plant, ist purer Selbstmord für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagt der Energieexperte Mario Buchinger in seiner aktuellen Video-Analyse. Harte Worte – aber die Fakten geben ihm recht.

Offiziell spricht das Wirtschaftsministerium in Berlin von 12 Gigawatt neuer Kraftwerkskapazität. Doch ein Non-Paper, das der Deutschen Umwelthilfe zugespielt wurde, zeigt ein anderes Bild: Insgesamt sollen bis 2029 rund 41 GW ausgeschrieben werden – mehr als das Dreifache.


Noch brisanter: Von den ersten zwölf GW sind zehn GW durch einen „Mindesterbringungszeitraum“ von zehn Stunden so definiert, dass praktisch nur Gaskraftwerke teilnehmen können. Batteriespeicher werden gezielt ausgekegelt – obwohl aktuell über 10.000 Anträge für Großspeicher mit mehr als 400 GW Leistung vorliegen.

„Das ist gewollt“, so Mario Buchinger. „Es geht nicht um Versorgungssicherheit, sondern darum, Gaskraftwerke zu zementieren.“

Südbonus für Energiewende-Saboteure

Besonders pikant: Die Strategie sieht einen „Südbonus“ für die zehn GW Langzeitkapazitäten vor – ohne dass die Verbraucher im Süden die Kosten tragen müssen. Bayern und Baden-Württemberg, die über Jahre die Energiewende sabotiert haben, werden belohnt. Die Bundesländer im Norden, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, zahlen die Zeche.

„Das ist eine Absage an die Strompreiszonen und an jede Form von Kostenwahrheit“, kritisiert der Physiker Buchinger.

Nur 4 GW Dekarbonisierung bis 2043

Die Wasserstoff-Rhetorik der Regierung entpuppt sich als Feigenblatt. Von den geplanten 41 GW sollen lediglich 4 GW bis 2043 auf Wasserstoff umgestellt werden – mit finanziellen Anreizen. Der Rest darf bis 2045 mit fossilem Gas betrieben werden.

Lesen Sie auch: Kraftwerksstrategie: Fossile Autobahn bis 2045 statt Wasserstoff-Brücke

Dabei soll das deutsche Wasserstoff-Kernnetz bereits 2032 betriebsbereit sein. Acht Jahre lang würde fertige Infrastruktur auf Abnehmer warten, die nicht kommen müssen.

Kapazitätsmarkt: Das Milliardengrab

Das Kernproblem: Gaskraftwerke rechnen sich marktwirtschaftlich nicht. Sie würden nur wenige Stunden im Jahr laufen und bräuchten massive Subventionen. Diese sollen über einen Kapazitätsmarkt finanziert werden – den es heute noch gar nicht gibt.

„Ohne Kapazitätsmarkt würde sich kein Gaskraftwerk rechnen“, erklärt Buchinger. „Kein Eon, kein RWE wird sich ein Gaskraftwerk hinstellen, wenn der Staat nicht die Kosten trägt.“ Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft rechnet vor: Die Kapazitätsmarkt-Umlagen könnten die Stromverbraucher mit bis zu 435 Milliarden Euro belasten. Der ZVEI warnt vor Aufschlägen von ein bis zwei Cent pro Kilowattstunde für alle Stromkunden.

Alte Anlagen vergolden

Besonders profitabel für die Energiekonzerne: Auch bestehende, längst abgeschriebene Anlagen dürfen an den Ausschreibungen teilnehmen. Die Betreiber können sich ihre Altanlagen noch einmal vergolden lassen – auf Kosten der Steuerzahler.

„Bei erneuerbaren Energien ist Subvention böse“, so Buchinger. „Bei dreckigen Gaskraftwerken kann gar nicht genug subventioniert werden.“

Abhängigkeit von Diktaturen

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Buchinger stellt die entscheidende Frage: Wie soll mit Gaskraftwerken Versorgungssicherheit entstehen, wenn das Gas aus Russland, dem arabischen Raum oder den USA importiert werden muss?

„Deutschland ist zu 98 Prozent auf fossile Energieimporte angewiesen – fast ausschließlich von Diktaturen“, betont er. „Fossile Energieträger finanzieren nicht nur Kriege, sie verursachen auch Kriege.“

Die Alternative wäre da: Batteriespeicher, Pumpspeicherwerke und andere regenerative Lösungen könnten die benötigte Kapazität technisch und wirtschaftlich liefern – ohne Importabhängigkeit, ohne Milliarden-Subventionen.

Fazit: Physik und Mathematik gelten auch für Reiche

„Auch für Katherina Reiche gelten die Regeln der Physik und der Mathematik“, resümiert der Transformationsberater Mario Buchinger. Die Kraftwerksstrategie bringe weder Versorgungssicherheit noch bezahlbare Energie, weder Klimaschutz noch einen starken Wirtschaftsstandort. Sie sei, ganz im Gegenteil, purer Selbstmord für den Wirtschaftsstandort.

Sein Urteil: Katherina Reiche sei überdies ein „trojanisches Pferd“ der Gaslobby. Die Frage sei nicht, ob sie das wisse – sondern was ihre Gegenleistung dafür sei. Letztlich, so hofft es Buchinger, müssten diese Pläne durch Gerichte gestoppt werden.

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Sehr gut recherchiert, und: Ich will Habeck zurück, der hatte wenigstens Hirn und den Blick nach vorn gerichtet. Kanzler Merz sollte die Finger von Sachen lassen, die er nicht versteht.

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