Screenshot Geladen - Der Batteriepodcast
Donut Lab: Steckt CT-Coating AG hinter der Batterie-Innovation?
Dr. Sann im „Geladen“-Podcast zur Bipolarbatterie mit möglichem Ursprung in Königswinter.
Die spektakuläre Batterie-Ankündigung des finnischen Cleantech-Startups Donut Lab auf der CES 2026 sorgte weltweit für Aufsehen – und tiefe Skepsis. Doch neue Recherchen deuten darauf hin, dass hinter den gewagten Versprechen möglicherweise eine europäische Technologie-Kooperation steckt: Im Zentrum steht offenbar CT-Coating AG aus Königswinter, ein Spezialist für Siebdruckverfahren und Nanopasten-Beschichtungen. Die Technologie basiert auf einer bipolaren Batterie-Architektur, die laut Dr. Joachim Sann deutlich einfacher und kostengünstiger produzierbar sein könnte als herkömmliche Ansätze. Und: Alle drei großen deutschen Autobauer sollen hohes Interesse zeigen.
Als Donut Lab im Januar 2026 auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas eine Festkörperbatterie mit 400 Wh/kg Energiedichte, 5-Minuten-Ladezeit und 100.000 Ladezyklen vorstellte, reagierte die Fachwelt zunächst mit Ungläubigkeit. Zu gut klangen die Versprechungen, zu wenig technische Details gab das finnische Startup preis. Cleanthinking berichtete kritisch über die Ankündigung und fragte: Ist das der Durchbruch oder doch nur Vaporware?
Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass die Geschichte komplexer – und möglicherweise glaubwürdiger – ist als zunächst angenommen.
Batterieforscher nimmt Technologie ernst
Im Podcast „Geladen“ analysierte Dr. Joachim Sann von der Justus-Liebig-Universität Gießen die Donut Lab-Story gemeinsam mit den Moderatoren Daniel Messling und Patrick Rosen. Sanns Expertise ist in der Branche gefragt, wenn es um die Bewertung neuer Batterietechnologien geht. Seine Einschätzung hat sich seit der ersten Skepsis deutlich gewandelt.
„Wir wissen jetzt, dass alle drei großen deutschen Autobauer sich mit hohem Interesse dieses Unternehmen anschauen“, schrieb Podcast-Moderator Patrick Rosen in einem aktuellen Kommentar. „Und wenn selbst Dr. Sann sagt, es geht hier um siebgedruckte Bipolar-Akkufolien… na dann ist dieser Teil kein Spekulieren mehr.“
Die Aussage ist bemerkenswert: Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz – alle drei sollen sich die Technologie genauer ansehen. Etablierte Autohersteller verschwenden keine Ressourcen für Due-Diligence-Prüfungen bei Startups mit fragwürdigen Claims.
Siebdruck und Bipolar-Design als Schlüssel
Was macht die angekündigte Technologie potenziell revolutionär? Sann erklärt im Podcast zwei zentrale Aspekte: das Siebdruck-Verfahren und die bipolare Architektur der Zellen.
Anders als bei herkömmlicher Batterieproduktion, die energieintensive Trocknungsöfen und toxische Lösungsmittel erfordert, ermögliche Siebdruck eine deutlich simplere und günstigere Fertigung, so Sann. Die Technologie sei skalierbar – „fast wie Zeitung drucken“, wenn auch technisch anspruchsvoller. Wenn die Technologie funktioniert, könnte sie deutlich schneller in Großproduktion gehen als konventionelle Ansätze, die Milliarden-Investitionen in Gigafabriken und Jahre Anlaufzeit erfordern.
Beim bipolaren Aufbau werden laut Sann auf einen Stromableiter auf der einen Seite eine Kathode und auf der anderen Seite eine Anode aufgebracht. Der entscheidende Vorteil: Der Stromableiter könne ultradünn sein – nur wenige Nanometer. Das spare massiv Gewicht und Material. „Normalerweise fließt der Strom entlang einer dünnen Schicht. Im Bipolar-Design fließt er durch die Schicht hindurch“, erläutert der Wissenschaftler.
Die nordeuropäische Verbindung
Recherchen führen zu weiteren Akteuren in Nordeuropa. Im Oktober 2025 – nur wenige Monate vor der CES-Ankündigung – investierte Donut Lab in Nordic Nano, ein finnisches Unternehmen mit Fokus auf amorphe Titandioxid-Nanostrukturen. Dr. Bhuskute von der Tampere University forscht an genau dieser Technologie.
Weitere Spuren führen in die Niederlande: Die University of Twente arbeitet an Natrium-Ionen-Kathoden und Polymer-Beschichtungen. Ein niederländisches Unternehmen namens CLM Nano Energy kündigt auf seiner Website „175 MW Deployment in 2026“ für stationäre Speicher an – mit einer „Nano-Paste“-Technologie, die über „14 Jahre“ in Zusammenarbeit mit „akademischen und industriellen Partnern“ entwickelt worden sei.
CT-Coating AG: Eine heiße Spur aus Nordrhein-Westfalen
Im Podcast deutete Sann an, dass hinter der Technologie möglicherweise ein deutscher Mittelständler stecken könnte – ein Unternehmen mit Expertise in Siebdrucktechnologie und eigenentwickelten Produktionsanlagen. Der Name wurde nicht genannt. Doch mehrere Hinweise führen zu einem Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen: CT-Coating AG aus Königswinter.
Das 2017 gegründete Unternehmen hat sich auf funktionale Beschichtungen spezialisiert. Im Oktober 2024 sorgte CT-Coating für Aufsehen, als es im Landkreis Neuwied das erste vollständig energieautarke Industriegebäude vorstellte – ein Gebäude, das keinen Stromanschluss benötigt und dessen Energieversorgung ausschließlich über Solar- und Speichermodule läuft.
Stephan Gail, Leiter Special Affairs bei CT-Coating, erklärte damals gegenüber der lokalen Presse: „Das ist nicht unser eigentliches Produkt. Vielmehr sei es die Maschine selbst und die dafür entwickelten Pasten, mit denen sowohl Heizungen, Lichtprodukte als auch Solar- und Speichermodule hergestellt werden können.“ Die Nanobeschichtungen seien in „jahrelanger Forschungstätigkeit entwickelt“ worden.
Die Kombination aus eigenentwickelten Beschichtungsmaschinen, Nanopasten für Energiespeicher und jahrelanger Forschungsarbeit passt zum Profil, das im Podcast skizziert wurde. Zudem nennt CLM Nano Energy auf seiner Website ausdrücklich CT-Coating als Entwicklungspartner für die „proprietäre Nano-Paste-Technologie“, die gemeinsam mit der University of Twente entwickelt worden sei.
Das Unternehmen verzeichnete laut Handelsregister 2023 zudem ein außergewöhnlich starkes Wachstum mit einer Steigerung der Bilanzsumme um 115 Prozent.
Mercedes-Benz als indirekter Beleg
Dass die Technologie über Batterien hinausgeht, zeigt ein weiteres Beispiel: Im Oktober 2025 präsentierte Mercedes-Benz den Vision Iconic mit „Solarlack“ – eine ultradünne, als Paste aufgetragene Beschichtung aus nanopartikelbasierten Materialien ohne Silizium. SANA Energy, ein spanisch-deutsches Unternehmen mit Verbindungen zu CT-Coating, verweist auf LinkedIn auf dieses Projekt.
Bei Reddit gibt es eine Timeline, die zeigt, wie die ganzen Unternehmen zusammenhängen.
Die Parallelen zu CT-Coatings „Nanopasten für Solar- und Speichermodule“ sind frappierend und deuten darauf hin, dass hier eine Plattform-Technologie für verschiedene Anwendungen entwickelt wurde – von Solarzellen über Heizungen bis hin zu Batterien.
Ob CT-Coating tatsächlich der zentrale Partner hinter Donut Lab ist, bleibt allerdings Spekulation. Das Unternehmen selbst hat sich zu Donut Lab bisher nicht geäußert. Anfragen von Cleanthinking blieben zunächst unbeantwortet.
Eine weitere Spur führt zu Schlenk aus Roth in Bayern, einem Spezialisten für walzplattierte Folien, der seit über 25 Jahren in der Photovoltaik-Industrie aktiv ist. Schlenk entwickelt seit 2022 spezielle Folien für bipolare Batterien und bietet Batteriefolien-Musterkits explizit für Startups an. Das Unternehmen könnte als Material-Lieferant Teil der europäischen Technologie-Kooperation sein.
Die China-Reaktion: Zufall oder Besorgnis?
Innerhalb von drei Wochen nach Donut Labs CES-Auftritt kündigten Geely, Chery, Dongfeng, Hongqi und Svolt eigene Festkörperbatterie-Entwicklungen an. „The Observatorial„, ein skeptischer Branchenblog, kommentiert: „Die Ankündigungen begangen in überraschend hohem Tempo zu tröpfeln.“
Die Geschwindigkeit der Reaktionen deutet darauf hin, dass die chinesische Batterieindustrie die Donut Lab-Ankündigung ernst nimmt – möglicherweise ernster, als es die öffentliche Skepsis in Europa vermuten lässt.
Der Lackmustest: Verge Motorcycles
Verge Motorcycles, der finnische E-Motorrad-Hersteller mit etabliertem Produkt, soll Ende des ersten Quartals oder Anfang des zweiten Quartals die ersten Fahrzeuge mit Donut-Batterien ausliefern. Auf der Verge-Website wird für Neubestellungen aber mittlerweile Q4/2026 als Lieferzeitpunkt angegeben – was bei einem Produktionsanlauf mit großem Interesse durchaus normal ist.
Für die Glaubwürdigkeit der gesamten Story ist diese Auslieferung entscheidend. Verge hat als etablierter Hersteller einen Ruf zu verlieren. Eine Partnerschaft mit Donut Lab für reine Marketingzwecke wäre extrem riskant.
Fazit: Mehr Substanz als gedacht
Was zunächst wie eine überzogene Startup-Ankündigung klang, könnte tatsächlich auf einer ernstzunehmenden europäischen Technologie-Kooperation basieren. Die mögliche Kombination aus deutscher Beschichtungstechnologie, finnischer Materialforschung und niederländischer Kommerzialisierung ergibt ein schlüssigeres Bild als ein einzelnes finnisches Startup mit Wunderbatterie.
Das Interesse deutscher Autobauer, die von Experten bestätigte Siebdruck- und Bipolar-Technologie, die Mercedes-Solarlack-Parallele sowie die schnelle China-Reaktion sprechen dafür, dass hier mehr im Spiel ist als heiße Luft. Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen: Sind CT-Coating oder Schlenk tatsächlich die entscheidenden Partner? Funktioniert die Zellchemie wirklich wie versprochen? Und kann die Technologie über Motorräder hinaus skalieren?
Cleanthinking bleibt am Ball. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Europa tatsächlich einen Trumpf gegen Chinas Batterie-Dominanz in der Hand hält – oder ob es bei Versprechungen bleibt.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.