Donut Lab
Donut Lab startet Beweis-Serie: VTT hat die Feststoffbatterie getestet
Webseite idonutbelive.com zeigt den Auftakt der Video-Serie zur Festkörperbatterie des Cleantech-Startups.
Am Cleantech-Startup Donut Lab und seiner mutmaßlich disruptiven Feststoffbatterie, scheiden sich weiter die Geister. Jetzt gehen die Finnen in die Offensive: Mit einer Videoserie namens „I Donut Believe“. Erste neue Erkenntnis: Das staatliche VTT Technikcal Research Center of Finland hat die Feststoffbatterie getestet und laut Donut Lab die „Performance“-Werte bestätigt. Das VTT ist eines der der renommiertesten Forschungsinstitute Europas. Das erste Video von der Testreihe dort wird am kommenden Montag veröffentlicht.
Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald neue Messergebnisse aus der VTT-Testreihe veröffentlicht werden.
Seit der Ankündigung im Rahmen der CES 2026 im Januar steht Donut Lab im Zentrum einer hitzigen Debatte: Kann ein kleines finnisches Startup tatsächlich die erste serienreife Festkörperbatterie entwickelt haben – mit Spezifikationen, die selbst die ambitioniertesten Roadmaps etablierter Hersteller wie CATL, BYD, SVOLT oder Samsung SDI um Jahre übertreffen? Die Antwort soll nun ein unabhängiger Dritter liefern: das VTT Technical Research Centre of Finland.
In einer heute veröffentlichten Mitteilung bestätigt VTT, Messungen der Donut-Lab-Batterie in den eigenen Forschungslaboren durchgeführt zu haben. Vizepräsident Petri Söderena unterzeichnet die Erklärung persönlich.
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VTT beschreibt sich selbst als eines der führenden Technologieforschungsinstitute Europas, mit über 80 Jahren Erfahrung in Spitzenforschung und mehr als 2.000 Fachkräften. Das Institut befindet sich im Besitz des finnischen Staates – ein Detail, das für die Glaubwürdigkeit der Tests entscheidend ist.
Donut Lab veröffentlicht die Forschungsergebnisse als Serie auf der eigens eingerichteten Website „I Donut Believe“ und in den eigenen Social-Media-Kanälen. Die vollständigen Messberichte sollen ebenfalls zugänglich gemacht werden. Das erste Video mit konkreten Messdaten ist für Montag, den 23. Februar um 14 Uhr MEZ angekündigt.
Die Strategie hinter der Verzögerung
Warum hat Donut Lab nicht sofort nach der CES-Ankündigung unabhängige Testdaten veröffentlicht? CEO Marko Lehtimäki erklärt die bewusste Verzögerung in einem Einführungsvideo zur Serie mit einer bemerkenswerten Begründung: Man habe gewollt, dass die lautesten Kritiker zuerst öffentlich Position beziehen. Die Industrie-Experten sollten ihre Sicherheit dokumentieren, dass diese Technologie nicht existieren könne – bevor die Beweise auf den Tisch kommen.
Lehtimäki zieht dabei Parallelen zum Donut Motor, den das Unternehmen ein Jahr zuvor auf der CES 2025 vorgestellt hatte. Auch damals sei die Reaktion zunächst Ungläubigkeit gewesen. Ein Repräsentant eines großen deutschen Motorenherstellers habe damals argumentiert: „Das kann nicht wahr sein, denn wenn es wahr wäre, hätte unsere Organisation es vor 60 Jahren patentiert.“
Mittlerweile ist der Donut Motor laut Unternehmensangaben in realen Fahrzeugen im Einsatz, und mehr als 200 OEMs arbeiten demnach an der Integration der Technologie.
Besonders brisant ist ein Detail, das Lehtimäki im Video erwähnt: Einige der weltweit größten Batteriehersteller hätten öffentlich erklärt, die Donut-Batterie sei ein Betrug und die Spezifikationen könnten nicht stimmen. Gleichzeitig hätten deren Investitionsarme privat angefragt, ob eine Beteiligung möglich sei. Sollte das zutreffen, offenbart es eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen öffentlicher Kommunikation und internem Handeln in der Batterieindustrie.
Was VTT misst – und was nicht
Die Rollenverteilung zwischen VTT und Donut Lab ist präzise und redaktionell relevant. VTT formuliert auf der eigenen Website bewusst neutral: Das Institut hat Messungen durchgeführt und verweist für die Ergebnisse auf Donut Lab. Es gibt keine eigene Bewertung, keine Einordnung, kein Qualitätsurteil – exakt die Distanz, die ein seriöses Forschungsinstitut wahren muss.

Donut Lab hingegen formuliert auf der eigenen Website offensiver: Das Unternehmen spricht von „verified data to support its performance claims“ – also verifizierten Daten, die die eigenen Performance-Behauptungen stützen. Diese Formulierung impliziert, dass die VTT-Messungen die Angaben des Unternehmens bestätigen. Wären die Ergebnisse enttäuschend ausgefallen, hätte Donut Lab diese Formulierung kaum gewählt.
Die entscheidende Frage bleibt dennoch offen: Was genau hat VTT gemessen? Die beanspruchten Spezifikationen der Donut-Batterie umfassen 400 Wh/kg Energiedichte, Vollladung in fünf Minuten, bis zu 100.000 Ladezyklen und Betriebsstabilität bei Extremtemperaturen von minus 30 bis über 100 Grad Celsius. Ob VTT alle diese Parameter getestet hat oder nur ausgewählte Eigenschaften, wird sich ab Montag zeigen.
Die Kernfrage: Batterie oder Kondensator?
Ein zentraler Streitpunkt in der bisherigen Debatte wird durch die VTT-Tests nicht zwangsläufig gelöst. Mehrere Batterieforscher, darunter Juho Heiska von der Seinäjoki-Fachhochschule und zunächst auch Dr. Joachim Sann von der Universität Gießen, haben darauf hingewiesen, dass die von Donut Lab betonten Eigenschaften – extrem hohe Zyklenzahlen, ultraschnelle Ladefähigkeit, hohe Leistungsdichte – klassisch eher zu Ultrakondensatoren oder hybriden Speicherformen passen als zu elektrochemischen Batterien.
VTT kann die Performance eines Energiespeichers messen, ohne sich zur Klassifizierung zu äußern. Die Frage, ob es sich um eine Batterie im traditionellen Sinne handelt, um einen elektrostatischen bipolaren Kondensator oder um eine neuartige Hybridform, könnte selbst nach Veröffentlichung der Messdaten offen bleiben. Für die praktische Anwendung in Elektrofahrzeugen ist diese Unterscheidung allerdings weniger relevant als die tatsächlich gemessene Performance.
Mittlerweile haben sich die Einschätzungen differenziert. Im Podcast „Geladen“ berichtete Dr. Joachim Sann, dass alle drei großen deutschen Automobilhersteller Donut Lab mit hohem Interesse beobachten. Die Spur führt möglicherweise zur CT-Coating AG aus Königswinter, einem Spezialisten für Siebdruckverfahren und Nanopasten-Beschichtungen, dessen bipolare Batterie-Architektur deutlich einfacher und kostengünstiger produzierbar sein könnte als herkömmliche Ansätze.
Was die Beweisserie für die Industrie bedeutet
Unabhängig davon, wie die konkreten Messergebnisse ausfallen, markiert die VTT-Testreihe einen Wendepunkt in der Donut-Lab-Geschichte. Erstmals werden unabhängig erhobene Daten öffentlich zugänglich sein. Die Debatte kann sich damit von Spekulation und Meinungen hin zu messbaren Fakten verschieben.
Lehtimäki prognostiziert bereits im Einführungsvideo, wie die Kritik sich verändern wird: Von „technisch unmöglich“ zu „jeder kann eine einzelne Batterie bauen, aber skalieren kann man das nicht“. Der CEO bereitet sein Publikum also darauf vor, dass die Goalposts verschoben werden – ein rhetorisches Manöver, das nur dann funktioniert, wenn die Messdaten tatsächlich überzeugend sind.
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Donut Lab liefern kann. Die Verge-Motorräder mit Donut-Batterie sollen nach wie vor im ersten Quartal 2026 an Kunden ausgeliefert werden. Die VTT-Beweisserie ist damit nur der Anfang: Erst wenn unabhängige Tester die Batterien in ausgelieferten Fahrzeugen messen können, wird die Debatte endgültig entschieden.
Ergebnisse der VTT-Messreihe (fortlaufend aktualisiert)
Teil 1: [wird am 23. Februar 2026 ergänzt]
Veröffentlichung angekündigt für Montag, 23. Februar 2026, 14:00 Uhr MEZ
Bisherige Cleanthinking-Berichterstattung zu Donut Lab:
- CES-2026-Durchbruch? Donut Lab stellt Feststoffbatterie vor [LINK]
- Nokia-Mann Risto Siilasmaa ist Ankerinvestor bei Donut Lab [LINK]
- Donut Lab: Steckt CT-Coating hinter der Batterie-Innovation? [LINK]

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.