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CATL Naxtra: Die Natrium-Disruption beginnt 2026

Von stationären Speichern bis zum Schwerlastverkehr: Wie Naxtra die Abhängigkeit von Lithium beendet

CATL hat mit der Massenproduktion und dem großflächigen Einsatz der Natrium-Batterie Naxtra begonnen. Dabei geht es um weit mehr als den PKW-Markt: Die Natrium-Ionen-Technologie zielt auf die Kernbereiche der Energiewende – von massiven stationären Speichersystemen über Batteriewechsel-Stationen bis hin zu schweren Nutzfahrzeugen. Mit einer Zyklenfestigkeit von über 10.000 Entladungen und einer Zellchemie, die selbst extremen Temperaturen bis -40 Grad Celsius standhält, markiert Naxtra den Übergang der Natrium-Technik in die globale Infrastruktur.

Am 28. Dezember 2025 verkündete CATL auf seiner Zulieferkonferenz in Ningde (Provinz Fujian) den offiziellen Start der Massenproduktion. Die Botschaft des weltgrößten Batterieherstellers ist eindeutig: Natrium-Ionen-Batterien sind keine Zukunftstechnologie mehr – sie sind industrielle Realität.

Die Dual-Star-Strategie: Natrium und Lithium parallel

CATL beschreibt seine Batteriestrategie für 2026 als Dual-Star-Ansatz: Natrium-Ionen-Batterien (SIB) und Lithium-Ionen-Batterien (LIB) werden künftig als gleichwertige Säulen nebeneinander produziert. Das chinesische Finanzmedium Sina zitiert CATL mit der Prognose, dass beide Technologien gemeinsam strahlen werden.

Die Arbeitsteilung ist klar definiert: Natrium übernimmt das Volumensegment – Einstiegsfahrzeuge, Batteriewechselsysteme und stationäre Energiespeicher. Lithium bleibt die erste Wahl für High-Performance-Anwendungen und maximale Reichweite. Diese Parallelstrategie ermöglicht es CATL, die gesamte Bandbreite des Marktes abzudecken und gleichzeitig die Abhängigkeit von volatilen Lithiumpreisen zu reduzieren.

Technische Spezifikationen: Was Naxtra von LFP unterscheidet

Die im April 2025 unter dem Markennamen Naxtra vorgestellte Batterieserie hat die versprochenen Leistungsdaten in der Praxis bestätigt. Die Energiedichte erreicht 175 Wh/kg auf Zellebene – ein Wert, der mit gängigen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) konkurriert, wie sie etwa im VW ID.3 oder BYD Dolphin verbaut werden.

Besonders bemerkenswert ist die Kälteperformance: Bei -40 Grad Celsius behält die Naxtra-Batterie rund 90 Prozent ihrer Kapazität – ein technologischer Durchbruch, da herkömmliche Lithium-Akkus unter diesen Bedingungen kaum noch Energie abgeben. Diese Eigenschaft macht die Technologie besonders interessant für nordische Märkte, Höhenlagen und industrielle Anwendungen in Kühlhäusern oder arktischen Regionen.

Die Lebensdauer übertrifft klassische Batteriechemien deutlich: CATL verspricht mehr als 10.000 Ladezyklen. Theoretisch entspricht das einer Laufleistung von bis zu fünf Millionen Kilometern in einem Auto – oder jahrzehntelangem Betrieb in einem stationären Speicher. In Kombination mit der Temperaturresistenz von -40 Grad bis +70 Grad Celsius entsteht ein Produkt, das für extreme Einsatzbedingungen konzipiert ist.

Für PKW-Anwendungen gibt CATL eine rein elektrische Reichweite von mehr als 500 Kilometern an. Die Schnellladefähigkeit ermöglicht das Erreichen von 80 Prozent Ladestand in etwa 15 Minuten.

Sicherheit: Erste Zertifizierung nach GB 38031-2025

Ein entscheidender Meilenstein für die industrielle Akzeptanz: Die Naxtra-Batterie ist weltweit das erste Natrium-Ionen-Produkt, das die verschärfte chinesische Sicherheitsnorm GB 38031-2025 bestanden hat. Diese nationale Zertifizierung tritt Mitte 2026 in Kraft und setzt neue Maßstäbe für Elektrofahrzeug-Batterien.

Die Norm fordert unter anderem eine erweiterte thermische Stabilität, mechanische Belastungstests und strenge Anforderungen an die Schnelllade-Zyklusfestigkeit. Unabhängige Drittprüfungen bestätigen, dass sowohl die Naxtra-Zellen als auch die kompletten Batteriepakete alle geforderten Sicherheitstests bestehen. Für industrielle Abnehmer bedeutet dies Planungssicherheit und ein deutlich reduziertes Haftungsrisiko.

Anwendungsfelder: Vom Stadtauto bis zum Gigawatt-Speicher

Die Naxtra-Produktlinie umfasst zwei Hauptvarianten: eine vollständige Antriebsbatterie für Personenwagen sowie eine integrierte 24-Volt-Lösung für schwere Nutzfahrzeuge. Letztere kombiniert Start-Stopp-Funktion und Bordnetzversorgung in einem System – eine direkte Antwort auf die Anforderungen der Logistikbranche.

Batteriewechselsysteme: China investiert massiv in Wechselstationen als Alternative zum klassischen Laden. Natrium-Ionen-Batterien mit ihrer Kälteresistenz und Langlebigkeit sind prädestiniert für diesen Einsatz, bei dem Akkus im Dauerbetrieb zirkulieren.

Stationäre Energiespeicher: Die 10.000+ Zyklen und die breite Temperaturtoleranz machen Naxtra zur idealen Wahl für Netzspeicher, Industrieanlagen und Heimspeichersysteme. Hier zählt nicht Energiedichte, sondern Lebensdaür und Kosten pro gespeicherter Kilowattstunde.

Schwere Nutzfahrzeuge: FAW Jiefang, einer der grössten chinesischen Lkw-Hersteller, setzt bereits auf die 24V-Natriumbatterie. Im Schwerlastverkehr mit extremen Temperaturschwankungen und hohen Zyklenanforderungen kann die Technologie ihre Stärken voll ausspielen.

Pkw-Segment: Das Gemeinschaftsprojekt AION UT Super von CATL, GAC und JD.com setzt auf Natrium-Wechselbatterien. Mit einem Leasing-Einstiegspreis von 49.900 RMB (etwa 6.500 Euro) zielt das Fahrzeug auf das urbane Volumensegment.

Der Preisvorteil: Natrium verändert die Kostenstruktur

Der strategische Kern der Natrium-Offensive liegt in der Rohstoffverfügbarkeit: Natrium ist etwa 1.000-mal häufiger in der Erdkruste vorhanden als Lithium. Während Lithiumkarbonat-Preise in den vergangenen Jahren extreme Schwankungen zeigten – von unter 30.000 bis über 500.000 Yuan pro Tonne -, bleibt Natrium als Rohstoff stabil und günstig.

Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) prognostiziert, dass die Zellkosten für Natrium-Batterien durch Skalierung auf etwa 40 US-Dollar pro Kilowattstunde fallen könnten. CATL selbst sieht langfristig sogar Potenzial im Bereich von 19 bis 20 US-Dollar pro Kilowattstunde – ein Preisniveau, das die Wirtschaftlichkeit stationärer Speicher grundlegend verändern würde.

Zum Vergleich: Laut BloombergNEF fielen die Preise für LFP-Batteriepakete in stationären Speichern 2025 auf neue Tiefststände von etwa 70 US-Dollar pro Kilowattstunde – ein Rückgang von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Natrium-Ionen-Technologie muss gegen dieses bereits fallende Preisniveau antreten, bietet aber mit ihrer Langlebigkeit und Temperaturtoleranz Vorteile, die sich in der Gesamtkostenrechnung niederschlagen.

CATLs Batterie-Dreiklang: Naxtra, Shenxing und Freevoy

Naxtra ist Teil einer umfassenden Produktoffensive, mit der CATL verschiedene Marktsegmente adressiert. Parallel zur Natrium-Serie hat das Unternehmen zwei weitere Technologien in die Massenproduktion gebracht.

Die zweite Generation der Schnellladebatterie Shenxing 2.0 basiert auf LFP-Chemie und erreicht mit einer 12C-Laderate bisher unerreichte Werte: 520 Kilometer Reichweite nach nur fünf Minuten Laden. Die Spitzenladeleistung beträgt bis zu 1,3 Megawatt. Selbst bei -10 Grad Celsius lädt die Batterie in 15 Minuten von 5 auf 80 Prozent.

Das Freevoy Dual-Power-System kombiniert zwei unterschiedliche Zellchemien in einem Batteriepaket – ähnlich dem Konzept redundanter Triebwerke in der Luftfahrt. Die Self-forming Anode-Technologie steigert die Energiedichte auf bis zu 1.000 Wh/L und ermöglicht theoretische Reichweiten von über 1.500 Kilometern.

Globaler Kontext: 2026 als Schlüsseljahr der Energiewende

Die Financial Times listet den Markteintritt der CATL Naxtra-Batterien als einen der „Key tests for climate action in 2026“. Jules Kortenhorst, Co-Vorsitzender der Energy Transitions Commission, fasst die aktuelle Situation zusammen: Die Energiewende steht an einem Kipppunkt – nicht der Möglichkeit, sondern der Politik und Umsetzung.

Während in den USA unter der Trump-Administration Rückschritte bei der Klimapolitik drohen, beschleunigt sich die technologische Entwicklung in Asien. China hat Natrium-Ionen-Batterien als strategische Technologie in seine nationalen Energie- und Fahrzeugstrategien integriert. Die Zertifizierungs- und Förderinfrastruktur steht bereit.

Für Europa stellt sich die Frage, wie schnell die Industrie auf diese Entwicklung reagieren kann. Die PowerCo-Gigafabrik von Volkswagen in Deutschland soll Anfang 2026 den Vollbetrieb aufnehmen – allerdings mit konventioneller Lithium-Chemie. Europäische Natrium-Ionen-Projekte wie die von Faradion (jetzt Teil von Reliance) oder Tiamat befinden sich noch in früheren Entwicklungsstadien.

Einordnung: Der Disruption-Punkt der Batterietechnologie

Nach der Terminologie des Technologie-Analysten Tony Seba markiert der industrielle Rollout einer neuen Technologie den „Disruption Point“ – den Moment, ab dem die alte Technologie nicht mehr konkurrenzfähig ist und die Verdrängung unaufhaltsam wird.

Für Natrium-Ionen-Batterien könnte 2026 dieser Wendepunkt sein. Die Technologie ist nicht mehr auf Laborerfolge angewiesen: Sie ist zertifiziert, wird von einem Unternehmen mit 38 Prozent Weltmarktanteil produziert und hat konkrete Abnehmer in allen relevanten Sektoren. Die Kombination aus technischer Reife, industrieller Skalierung und fallenden Kosten folgt exakt dem Muster vergangener Technologiesprünge.

Die Disruption betrifft dabei weniger den Premium-PKW-Markt – hier bleibt Lithium vorerst dominierend – als vielmehr die Infrastruktur der Energiewende: Netzspeicher, Logistik, industrielle Anwendungen. Genau jene Bereiche, in denen Langlebigkeit und Kosteneffizienz über Energiedichte siegen.

Fazit: Natrium wird zum zweiten Standbein der Batteriewelt

Mit dem Start der Naxtra-Massenproduktion vollzieht CATL den Schritt, auf den die Branche seit Jahren wartet: Natrium-Ionen-Batterien verlassen die Nische und werden zum gleichwertigen Partner der Lithium-Technologie. Die Dual-Star-Strategie ist keine Marketing-Floskel, sondern industrielle Realität.

Für die Energiewende bedeutet dies eine fundamentale Erweiterung des technologischen Werkzeugkastens. Natrium adressiert genau jene Anwendungen, bei denen Lithium an ökonomische oder praktische Grenzen stösst: Langzeitspeicher, extreme Temperaturen, Dauerbetrieb. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell die angekündigten Produktionskapazitäten tatsächlich hochgefahren werden – und ob der Westen eine eigene Antwort auf die chinesische Natrium-Offensive findet.

Ihre Meinung zählt: Ist die „Dual-Star“-Strategie von CATL der endgültige Befreiungsschlag aus der Rohstoffabhängigkeit, oder unterschätzen wir die logistischen Hürden beim Aufbau einer komplett neuen Lieferkette für Natrium? Schreiben Sie uns in den Kommentaren, ob Sie 2026 eher auf Lithium-Performance oder Natrium-Effizienz setzen würden!

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