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Climeworks: Unvermeidbare Reise-Emissionen versteinern

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Schweizer Cleantech-Unternehmen Climeworks bietet Service, mit dem Kohlendioxid aus der Umgebungsluft sicher unter der Erde gespeichert wird – als Stein.

Ein Schweizer Cleantech-Unternehmen beschreitet neue Wege: Climeworks bietet ab sofort an, CO₂ aus der Luft zu filtern und in Island unter der Erde zu speichern – und damit für jeden unvermeidbare Emissionen durch private oder geschäftliche Reisen rückgängig zu machen. Für 49 Euro im Monat, werden 600 Kilogramm CO₂ der Atmosphäre entzogen – und unter der Erde versteinert.

Einen Baum pflanzen oder zur Kompensation von Flugreisen einen Preis bezahlen, ist bereits möglich. Aber das, was Climeworks jetzt jedem bietet, ist weltweit einzigartig. Es ist der wirklich physikalische Entzug von CO₂ aus der Atmosphäre. Das Klimagas wird dadurch tatsächlich entzogen, das Carbon Budget verbessert sich mit jedem Kilogramm CO₂, das wieder unter die Erde kommt.

Join the Pioneers – fordert Climeworks.

„Remove travel emissions that cannot be reduced. Join the pioneers fighting the climate crisis“ – steht auf der Webseite von Climeworks, die jetzt um einen „Shop“ ergänzt wurde. Ab sieben Euro ist es möglich, CO₂ -Emissionen auszugleichen, die man zuvor bei Reisen erzeugt hat. „Explorer“, „Discoverer“ und „Special Expedition“ sind die Auswahlmöglichkeiten – aber man kann auch seinen ganz eigenen Kompensationsplan generieren.

Climeworks: Direct Air Capture

Climeworks nutzt dazu seine Direct Air Capture-Technologie und kombiniert diese mit der Lösung des CarbFix-Projektes in Island, das CO₂ sicher unter der Erde zu speichern. Dazu wird das CO₂ mit dem Wasser einer Geothermieanlage gemischt und tief unter die Erde gepumpt. Durch natürliche Prozesse reagiert das CO₂ mit dem dortigen Basaltgestein – und wird innerhalb weniger Jahre dauerhaft und sicher zu Stein.

Geothermiekraftwerk Island Climeworks
Geothermiekraftwerk – Photo by Arni Saeberg

Weder Wetterbedingungen noch Brände können das klimaschädliche Gas nach Angaben von Climeworks und CarbFix wieder freisetzen. Dabei ist Island nur einer von mehreren Standorten weltweit, die für das CarbFix-Verfahren in Frage kommen. Auf globaler Ebene haben Studien eine Gesamtkapazität von 30 Billionen Tonnen CO₂ geschätzt. Große, weitere Vorkommen befinden sich etwa in den USA oder Asien.

Kohlendioxid Klimakrise Speicherung CO2
So sieht das versteinerte Kohlendioxid aus – Photo by Sandra O Snaebjornsdottir

Climeworks macht mit Carbon Dioxide Removal für jedermann einen wichtigen Schritt

Carbon Dioxide Removal ist eine essentielle Technologie, um die Atmosphäre von CO₂ zu befreien. Aber: Es darf selbstverständlich kein Freifahrtschein sein, andere Maßnahmen zu unterlassen – Bäume pflanzen, Rodung des Regenwaldes stoppen, aus Abfällen Biokohle oder neuartige Rohstoffe für Reifen generieren, anstatt die Abfälle zu verbrennen – diese und viele weitere Maßnahmen, die letztlich weg von fossilen Rohstoffen, hin zu saubereren Alternativen führen, müssen mit voller Wucht vorangetrieben werden.

Und dennoch: Der letzte IPCC-Bericht zeigt, dass die „normalen“ Maßnahmen nicht ausreichen werden – zusätzlich müssen negative Emissionen hinzukommen. Climeworks ist dabei zusammen mit Carbon Engineering oder Global Thermostat ein Vorreiter. Und auch wenn der Verkauf des gespeicherten Kohlendioxids erst über Jahre richtigen Impact bringen dürfte: Er hilft, die Technologie von Climeworks günstiger zu machen und womöglich schneller zusätzliche Direct Air Capture-Anlagen zu bauen.

Vorteile und Nachteile der Climeworks-Technologie

Die Technologie von Climeworks hat noch zwei Haken: Sie ist relativ energieaufwändig und braucht vor allem Wärme. Diese ist am Geothermiekraftwerk in Island reichlich vorhanden, so dass das Problem bei diese Installation gelöst ist. Dazu ist sie noch relativ teuer – langfristig ist die Filterung und Speicherung für weniger als 100 Dollar pro Tonne angestrebt. Um dorthin zu kommen, sind aber weitere Technologiesprünge und der sukzessive Bau weiterer Anlagen notwendig.

Im Vergleich zu anderen Negativ-Emissions-Technologien, die der IPCC-Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel auflistet, hat die Climeworks-Lösung aber auch Vorteile: Der Flächenverbrauch ist geringer, es wird kein Wasser für den Prozess von Climeworks benötigt und, sollten die Kosten auf weniger als 100 Dollar pro Tonne sinken, wäre die Lösund im Vergleich etwa zu BECCS wettbewerbsfähig.

Hinweis: Martin Jendrischik, der Autor dieses Beitrags, war bis November 2018 für Climeworks als Kommunikationsberater tätig. Seitdem bestehen keine Geschäftsbeziehungen.

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