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Coolidge: Wie Nikola aus Arizona die Welt der Trucks umkrempeln will

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Cleantech-Unternehmen Nikola Corporation mit Spatenstich für erste, eigene Fabrik für Elektro- und Brennstoffzellen-LKW in Coolidge.

Coolidge ist eine kleine Gemeinde im US-Bundesstaat Arizona. Dort hat der Hersteller von Batterie- und Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen, Nikola Corporation, mit dem Bau seiner ersten eigenen Produktionsstätte begonnen. Ziel ist es, ab kommendem Jahr dort Elektro-Trucks herzustellen, und ab 2023 dann schwerer Trucks für längere Reichweiten mit Wasserstoff-Brennstoffzellen. Es ist ein Angriff auf die traditionelle Truck-Industrie.

Kann die Truck-Revolution, die disruptive Umwälzung des Langstrecken-Transports auf der Straße von einer Gemeinde wie Coolidge ausgehen? Wenn es nach Trevor Milton, Executive Chairman, und Mark Russell, CEO, geht, natürlich. Aber der Weg ist natürlich weit und lang – und auch Nikola Corporation steht fünf Jahre nach der Gründung noch ganz am Anfang.

Immerhin, denn das haben viele Internet-Kommentatoren Nikola nicht zugetraut, hat das Cleantech-Unternehmen vergangene Woche mit dem Bau der ersten, eigenen Fabrik für Trucks mit reinem Elektroantrieb oder mit Brennstoffzelle bekommen.

Trevor Milton, der Gründer, ist davon überzeugt, dass die Brennstoffzelle bei großem Transportgewicht bzw. ab einer erwarteten Reichweite von ca. 450 Kilometern die bessere Technologie ist. Elon Musk, CEO von Konkurrent Tesla Motors, hingegen, nennt die Brennstoffzellen schon „Fool Cells“, weil er glaubt, die Technik für Semi-Trucks wie den Tesla-Semi nicht brauchen zu müssen.

Wer wird am Ende richtig liegen? Die Zahl der Ankündigungen hinsichtlich großer, schwerer Trucks mit Brennstoffzelle als Ergänzung zu kleinerer Batterie und Elektromotor, sind vielfältig: Hyundai bringt bis 2023 1.000 Brennstoffzellen-Trucks in der Schweiz auf die Straße. Das New Yorker Cleantech-Unternehmen Hyzon Motors will ebenfalls zügig sowohl Batterie- als auch Brennstoffzellen-Antrieb auf die Straßen bringen.

Selbst die Traditionalisten sind alleine von Batterien für Trucks nicht überzeugt: Daimler und Volvo entwickeln gemeinsam Brennstoffzellen für diese Nutzfahrzeuge. Und bei Iveco, dem Partner von Nikola zur Produktion in Europa, laufen bereits die Vorbereitungen für die Produktion beider Lösungen im Ulmer Werk. Mit Gasantrieben zumindest kennt sich Iveco aus: LNG-Trucks produziert der Nutzfahrzeughersteller bislang aber in Spanien.

Wie Brennstoffzellen-Trucks sich langsam durchsetzen

Allerdings muss sich zeigen, ob die Unternehmen, die überwiegend mit Wasserstoff-LKWs den jetzigen Diesel-Markt umkrempeln wollen, ausreichend Finanzmittel aufbringen können, um die nur teilweise vorhandene Infrastruktur aufzubauen. Nikola möchte mit Nel gemeinsam an der Infrastruktur arbeiten, hat aber zunächst auch nur fünf H2-Tankstellen geordert.

H2Mobility in der Schweiz unterstützt die Pläne von Hyundai. Hier handelt es sich um ein starkes Konsortium, das in einem kleinen Land die Wasserstoff-Infrastruktur bereitstellen möchte. Und Hyzon, um ein weiteres Beispiel zu nennen, strebt ebenfalls eigene Tankstellen für Wasserstoff an – in welchem Zeitrahmen und wie finanziert ist unklar.

Nikola möchte seine Produktion zunächst in Deutschland, im Ulmer Werk von Iveco starten (Nikola Tre). Der Tre soll eine Reichweite von 480 Kilometern erhalten – also etwa der Obergrenze dessen entsprechen, was Trevor Milton als machbar mit reinem Batterie-Antrieb ansieht. Anschließend, ab kommendem Jahr, soll die Produktion in Arizona beginnen. Erst 2023 allerdings erst die Herstellung von Wasserstoff-Brennstoffzellen-Trucks (Nikola One und Two), also den Fahrzeugen mit sehr langer Reichweite bei sehr schwerer Nutzlast.

Für die Produktionsstätte investiert Nikola rund 600 Millionen Dollar. Das Gelände umfasst 1,74 Quadratkilometer. Coolidge ist rund eine Stunde entfernt von Phoenix und liegt am Rande der Sonora-Wüste. Nach der Fertigstellung wird die Anlage eine Million Quadratmeter groß sein und die Kapazität haben, 35.000 emissionsfreie Lastwagen pro Jahr zu produzieren.

Erster Spatenstich von Nikola Motor in Coolidge, Arizona.

Beim ersten Spatenstich vergangene Woche wurde deutlich, dass Nikola mit seinem Auftreten, in den Gesprächen mit den lokalen Stakeholdern bislang einen guten Job gemacht hat. Rückhalt gab es nicht nur vom Bürgermeister, sondern auch von der Wirtschaftsförderung und weiteren Institutionen. Klar, eine große Anzahl Arbeitsplätze schafft man nicht jeden Tag – und Arizona war einer von vielen Staaten, die um die Ansiedlung des Cleantech-Unternehmens kämpften.

Die Wasserstoff-Wette von Trevor Milton

Die Investitionen, die Nikola in den kommenden Jahren tätigen will, sind gewaltig. Die 900 Millionen Dollar Erlöse aus dem Hintertür-Börsengang werden zu 2/3 für die neue Produktionsstätte in Coolidge gebraucht. Zwischen Ende 2021 und Anfang 2022 braucht Nikola laut SEC-Antrag weiteres Eigenkapital in Höhe von 700 Millionen Dollar. In den Jahren 2023 und 2024 könnten Schulden von 500 Millionen Dollar hinzukommen.

In die Wasserstoffinfrastruktur in den USA will Nikola bis 2024 eine Milliarde Dollar stecken. Die Elektrolyseure stammen vom Cleantech-Unternehmen Nel. Bei den Brennstoffzellen für die Fahrzeuge arbeitet Nikola mit Bosch und Powercell zusammen.

Trevor Milton setzt stark auf Wasserstoff, weil er davon ausgeht, dass er das Gas günstig herstellen kann. Seine Wette lautet: Über Power Purchase Agreements erhält Nikola direkten Zugriff auf Solar- und Windenergie, ohne Zwischenschaltung eines Energieversorgers. Dieser Preisvorteil, so das Kalkül, dürfte in Zukunft steigen, wenn mehr Stromüberschüsse vorhanden sind.

Disruption im Truck-Markt?

Alternative Antriebe werden sich in den kommenden Jahrzehnten aller Voraussicht nach überall auf der Welt durchsetzen. Dabei scheint es eher auf einen schnellen Wechsel des Fuhrparks hinauszulaufen, weniger auf Nachrüstungen oder einen Wandel beim Kraftstoff alleine. Allerdings könnte auch Bio-LNG (Biomethan), etwa gewonnen aus Essensresten oder Stroh, zu hohen CO2-Einsparungen beitragen.

Die Disruption im Truck-Markt wird kommen, weil die ökonomischen Gesetze diesen Wandel ermöglichen. Verbunden mit autonomem Fahren und Digitalisierung steht dem radikalen Wandel wenig entgegen. Bis, nicht zu unterschätzen, auf die Seele der Trucker. Die muss noch überzeugt werden.

1 Kommentar
  1. Frank sagt

    Stimmt

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