Mutmacher Nabil: „Unabhängig sein von Staaten, die uns nicht wirklich wohlgesonnen sind!“

In der Mutmacher-Serie erzählen Cleanthinking-Leser über ihre persönliche Transformation

Nabil (36) aus Südhessen fährt seit Jahren an jeder Tankstelle vorbei, ohne anzuhalten. Auf dem Dach seines Hauses liegen 11,2 kWp Photovoltaik, im Keller steht ein 10-kWh-Speicher, in der Garage laden zwei Elektroautos. Sein Warmwasser kommt aus einer Brauchwasserwärmepumpe, die bevorzugt dann läuft, wenn die Sonne scheint. Strom, Wärme, Mobilität – alles mit dem Ziel: „Unabhängig sein„. Für das Ziel vertieft sich Nabil gerne in Vergleichstabellen und Erfahrungsberichte – und informiert sich tiefgehend über seine Optionen. Und alles hat mit einem einzelnen Dienstwagen angefangen.

2014 steht im Fuhrpark von Nabils Arbeitgeber neben Benzinern und Erdgasfahrzeugen ein Toyota Prius zur Verfügung. „Die erste Fahrt hat mich fasziniert“, erinnert sich der Anfang-30-Jährige. „Die Ruhe beim Anfahren, das sanfte Gleiten in den Nebenstraßen.“ Ein Jahr später tauscht er seinen privaten Diesel gegen einen gebrauchten Prius, 2018 folgt ein Plug-in-Hybrid mit 20 Kilometern elektrischer Reichweite. Kein großer Sprung, sondern schrittweises Herantasten.


E-Auto als Mieter — ohne eigenen Stellplatz

2021 wagt Nabil den kompletten Umstieg: Ein gebrauchter Hyundai Ioniq mit 28-kWh-Akku ersetzt den Hybrid. Zu diesem Zeitpunkt ist er Mieter ohne eigenen Stellplatz – eine Situation, die viele als Ausschlusskriterium für Elektromobilität sehen. Sein Vermieter erlaubt ihm die Installation einer Wallbox. Die Entscheidung zahlt sich schnell aus. Als im Frühjahr 2022 die Spritpreise durch den Ukraine-Krieg explodieren, fährt Nabil zu den Kosten von vorher weiter.

„Den Preisschock konnte ich gut überbrücken“, sagt er.

2023 ziehen Nabil und seine Partnerin ins eigene Haus. Die Finanzierung planen sie gleich mit Photovoltaikanlage. Dann kommt ihnen die KfW-Förderung 442 „Solarstrom für Elektroautos“ zugute – ein inzwischen ausgelaufenes Programm, das Wallbox, PV-Anlage und Speicher gemeinsam förderte.

Eine glückliche Verkettung hilft zusätzlich: Weil der Installateur wegen voller Auftragsbücher nicht sofort loslegen kann, wird die Förderung zwischenzeitlich veröffentlicht. Nabil kann umplanen und Anlage und Speicher größer auslegen als ursprünglich vorgesehen. „Hierfür bin ich sehr dankbar“, sagt er.

Brauchwasserwärmepumpe: Warmwasser aus Sonnenstrom

Beim Heizungsthema hat sich Nabils Partnerin durchgesetzt: Statt einer Wärmepumpe wurde eine Pelletheizung installiert. Eine pragmatische Entscheidung, die zeigt: Nicht jeder Schritt muss perfekt sein, um in die richtige Richtung zu gehen. Pellets nutzen zwar einen erneuerbaren Brennstoff, sind aber bei Feinstaub und Preisstabilität nicht ohne Fragezeichen.

Doch ein oft übersehener Baustein macht Nabils Wärmekonzept cleverer: eine Brauchwasserwärmepumpe. Diese Geräte kosten zwischen 2.000 und 4.000 Euro und erzeugen Warmwasser aus Umgebungsluft. Der Clou für Eigenheimbesitzer mit PV-Anlage: Sie lassen sich so programmieren, dass sie bevorzugt in der Mittagszeit laufen – genau dann, wenn die PV-Anlage am meisten Strom liefert. Solarstrom wird zu Warmwasser, ohne Umweg über das Netz.

Nabil denkt bereits weiter: „Ich überlege, wie ich die PV-Anlage erweitern und den Überschuss nutzen kann, um die Heizung in der Übergangszeit zu unterstützen.“ Ein Heizstab im Pufferspeicher oder eine ergänzende Wärmepumpe wären der nächste logische Schritt – und würden den letzten Sektor vollständig ankoppeln.

Zwei E-Autos, beide gebraucht

2025 kommt der zweite Stromer in den Haushalt: Ein Hyundai Kona Elektro ersetzt den Toyota Auris Hybrid der Partnerin. Pragmatischer Grund: Als Hausbesitzer brauchen sie ein Auto mit Anhängerkupplung, und der kleine Ioniq mit 28 kWh ist kein Langstreckenfahrzeug. Er bleibt aber als Zweitwagen.

Nützlicher Nebeneffekt: Nabils Partnerin arbeitet zweimal pro Woche im Homeoffice. An diesen Tagen lädt der Kona tagsüber an der Wallbox – und erhöht den Eigenverbrauch der PV-Anlage. Genau das ist Sektorenkopplung im Alltag: Die Sonne scheint, der Strom fließt ins Auto, das Auto steht ohnehin da.

Ein Detail, das Nabil besonders wichtig ist: Alle seine Fahrzeuge waren Gebrauchtwagen. „So konnte ich mir immer Zukunftstechnik zu einem angemessenen Preis leisten.“ Teure Reparaturen? „Hatte ich im Gegensatz zum Diesel in all den Jahren keine.“

Mutmacher Nabil: Transformations-Steckbrief zum unabhängig sein

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Strom: 11,2 kWp PV-Anlage + 10-kWh-Speicher
Mobilität: Zwei Elektroautos + Wallbox + PV-optimiertes Laden
Warmwasser: Brauchwasserwärmepumpe, PV-gesteuert
Raumwärme: Pelletheizung (erneuerbar, aber noch nicht PV-gekoppelt)

Unabhängig sein: „Auch die kleinen Schritte zahlen sich aus“

Mutmacher Nabil will mit seiner Geschichte Andere ermutigen – genau darum geht es in dieser Mutmacher-Serie. „Ich kann nur jedem raten umzusteigen, und sei es nur, sich ein Balkonkraftwerk anzuschaffen oder beim Zweitwagen mal zu prüfen, ob es nicht ein E-Auto sein kann“, sagt er. „Auch die kleinen Schritte zahlen sich aus – und es macht Spaß.“

Seine Motivation fasst er in einem Satz zusammen: „Mit wenig Energie so viel wie möglich erreichen – und unabhängig sein von Staaten, die uns nicht wirklich wohlgesonnen sind.“ In Zeiten, in denen geopolitische Krisen die Spritpreise treiben, ist diese Unabhängigkeit kein abstraktes Ideal. Für Nabil aus Südhessen ist diese saubere Zukunft dank seines Faibles für technologische Innovationen bereits Alltag.

Alle Geschichten der Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite: Die Mutmacher

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