Greenpeace
Privatjets nach Davos, Klimaneutralität light und Europas Nachtzugnetz
Emissionsungleichheit, Luxusflüge zum WEF und die politische Aufweichung von Net Zero – warum individuelle Moral nicht hilft, aber bessere Infrastruktur schon.
Das reichste Prozent der Menschheit hat sein CO₂-Budget für 2026 bereits am 10. Januar aufgebraucht. Gleichzeitig fliegen Hunderte Privatjets zum Weltwirtschaftsforum, wo über Klimarisiken diskutiert wird, wie Greenpeace berichtet. Und in Deutschland will die CDU den Begriff „Klimaneutralität“ neu definieren – auf 90 Prozent Reduktion statt Netto-Null. Was läuft schief, wenn Eliten über Klimaschutz reden, aber ihre eigenen Luxus-Emissionen unangetastet bleiben? Und welche Infrastruktur bräuchte es, damit der Privatjet nach Davos überflüssig wird?
Pollutocrat Day: Wenn das reichste Prozent sein CO₂-Budget in zehn Tagen verbraucht
Oxfam hat es ausgerechnet und dem 10. Januar einen Namen gegeben: Pollutocrat Day. An diesem Tag hat das reichste Prozent der Weltbevölkerung sein gerechtes Jahresbudget an CO₂-Emissionen bereits verbraucht – jene Menge, die pro Kopf noch ausgestoßen werden darf, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu gefährden.
Im Kontrast dazu braucht ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung fast drei Jahre (1.022 Tage), um dieselbe Menge zu emittieren.
Die Zahlen sind drastisch: Das reichste Prozent verursacht in etwa so viele Emissionen wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit – mit verheerenden Folgen für vulnerable Gemeinschaften weltweit. Zwischen 2015 und 2030 wird diese Gruppe ihre Pro-Kopf-Emissionen voraussichtlich um lediglich fünf Prozent senken – nötig wären 97 Prozent, um mit dem 1,5-Grad-Pfad kompatibel zu sein.
Oxfam schätzt, dass die Emissionen des reichsten Prozents seit 1990 Millionen hitzebedingter Todesfälle und wirtschaftliche Schäden in zweistelliger Billionenhöhe verursachen werden – vor allem im globalen Süden.
Besonders eindrücklich: Eine kleine Gruppe von Milliardären stößt laut Oxfam-Studie „Carbon Inequality Kills“ durch Investments, Privatjets und Superyachten in sehr kurzer Zeit so viel CO₂ aus wie ein Mensch aus dem ärmsten Prozent in seinem gesamten Leben. Der CO₂-Fußabdruck, den superreiche Europäer in einer Woche mit Superyachten und Privatjets hinterlassen, entspricht dem Lebenszeit-Fußabdruck eines Menschen aus dem ärmsten Prozent der Welt.