RESPECTfarms: Der erste zelluläre Bauernhof der Welt

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Konsortium rund um Mosa Meat und Rügenwalder Mühle verbindet konventionelle Landwirtschaft mit der Produktion von kultiviertem Fleisch.

In den Niederlanden entsteht im Projekt RESPECTfarms der erste zelluläre Bauernhof der Welt. Damit soll gezeigt werden, dass es möglich ist, die Geschäftsmodelle der Landwirte durch die Produktion von kultiviertem Fleisch zu diversifizieren. Konkret bedeutet das im Rahmen der Machbarkeitsstudie: Die Anzahl der Tiere reduzieren, aber zeitgleich mehr Fleisch produzieren. Die Niederländer fördern den Aufbau von Ökosystemen rund um Clean Meat. Einer der Pioniere, Mosa Meat, ist in Maastricht ansässig und Teil von RESPECTFarms.

Neben Mosa Meat sind am Konsortium rund um den ersten Bauernhof für kultiviertes Fleisch auch das landwirtschaftliche Technologieunternehmen Priva und der Landwirt Leon Moonen mit seinem Bauernhof Crole Natuurrund beteiligt. Zum weiteren Verbund von RESPECTfarms zählt auch der deutsche Lebensmittelproduzent Rügenwalder Mühle oder die niederländische Rabobank.

In den kommenden 18 Monaten will RESPECTfarms das Konzept zur Herstellung von Kulturfleisch auf einem konventionellen Bauernhof unter Beweis stellen. Neben dem Design dieses ersten kultivierten Bauernhofes wird auch ein digitaler Prototyp entwickelt. Wird Clean Food, eine der größten Chancen für’s Klima, die wir haben, zur Realität?

RESPECTfarms kultiviertes Fleisch vom konventionellen Bauernhof
RESPECTfarms kultiviertes Fleisch vom konventionellen Bauernhof

Die Forschung befasst sich mit der tiergerechten Biopsieentnahme, dem Nährmedium, einem funktionalen Bioreaktor für landwirtschaftliche Betriebe und den Auswirkungen einer lokalen Wertschöpfungskette und eines zirkulären Systems. Diese Bereiche werden alle in ein geeignetes Geschäftsmodell für Landwirte eingebunden.  Die Forschung ist notwendig, um die mögliche zukünftige Rolle der konventionellen Landwirtschaft für die zelluläre Landwirtschaft zu bewerten.

„Mit der Kombination aus Innovation und Tradition zeigt RESPECTfarms einen neuen Weg, auf dem die traditionelle Landwirtschaft nachhaltig in die Zukunft gehen kann. Diesen Ansatz teilen wir bei der Rügenwalder Mühle und freuen uns daher, RESPECTfarms unterstützen zu können“, sagt Patrick Bühr, Head of Research and Development bei der Rügenwalder Mühle.

Hintergrund: Was ist RESPECTfarms?

RESPECTfarms ist eine internationale Stiftung mit Aktivitäten in den Niederlanden, Deutschland, Belgien und der Schweiz, gegründet von Ira van Eelen, Ralf Becks, Florentine Zieglowski und Ruud Zanders. Laut eigener Vision entwickelt das Vorhaben neue Geschäftsmodelle für die konventionelle Landwirtschaft und nutzt dabei die vielversprechende Technologie der zellulären Landwirtschaft. Das Konsortium versteht sich als Systemintegrator dieser Technologien auf dem Hof.

So könnte der zelluläre Bauernhof der Zukunft aussehen.

Die Idee der dezentralen Produktion von kultiviertem Fleisch auf landwirtschaftlichen Betrieben geht auf die Ergebnisse des weltweit ersten Konsortiums im Bereich der zellulären Landwirtschaft zurück, das von der niederländischen Regierung finanziert wurde. Diese Forschung wurde von Willem van Eelen geleitet, dem Vater von Ira van Eelen, einem Forscher, der als Inkubator des kultivierten Fleisches gilt.

Einschätzung von Martin Jendrischik, Cleanthinking-Gründer:

RESPECTfarms ist ein herausragender Ansatz, um die Transformation der Land- und Viehwirtschaft zu beschleunigen. Zelluläre Landwirtschaft ist ein zentrale Bestandteil künftiger Lebensmittelproduktion. Das Zusammenspiel von konventionellen Landwirten mit innovativer Fleischproduktion auf zellulärer Basis ist dabei essentiell. Gerade für Länder mit einer starken und stolzen Landwirtschaft – wie Deutschland. Hiesige Bauern vom Wandel zu überzeugen ist traditionell eine Herkulesaufgabe.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie könnten es auch dem deutschen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir einfacher machen, mit den entsprechenden Verbänden und den eher konservativen Landwirten zu kommunizieren. Es bleibt in jedem Fall spannend, was in den kommenden 18 Monaten genau im Projekt herauskommen wird.

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