Straße von Hormus gesperrt: Europas Energiepolitik zerschellt im Iran

Energiepreise explodieren, DAX crasht – willkommen in der Welt ‚waffenfähiger Abhängigkeiten‘.

Der Albtraum, vor dem Strategen seit Jahrzehnten warnen, ist eingetreten. Die Straße von Hormus – die Meerenge, durch die täglich ein Fünftel des globalen Öltransports fließt – ist zum Schlachtfeld geworden. 150 Tanker ankern vor der Küste, der Schiffsverkehr ist eingeschränkt. Seit Donald Trump den Angriff auf den Iran befahl und Ajatollah Khamenei dabei getötet wurde, spielt sich an den Energiemärkten ab, was Ökonomen einen perfekten Sturm nennen.

Die Zahlen sind brutal. Der Gaspreis am niederländischen Handelspunkt TTF ist von unter 32 Euro pro Megawattstunde am Freitag auf 58 Euro am Dienstag geschossen – ein Anstieg von über 80 Prozent in weniger als vier Handelstagen. „Dieser Anstieg weckt böse Erinnerungen an die Preissteigerungen des Jahres 2022″, warnt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank. Die Ölsorte WTI kostet 79 Dollar pro Barrel, 14 Prozent mehr als im Dezember. Brent liegt bei 82 Dollar – plus zehn Prozent seit Freitag.


An den Zapfsäulen schlägt die Krise bereits durch. Superbenzin E10 ist laut ADAC 7,3 Cent teurer als am Freitag, Diesel sogar 8,1 Cent. Beim Heizöl fällt der Sprung noch drastischer aus: Von unter 100 Euro am Freitag auf zwischenzeitlich 120 Euro pro 100 Liter – ein Preissprung von mehr als 20 Prozent an einem Wochenende. Und ADAC-Experte Christian Laberer warnt: „Sollte der Ölpreis nicht bald wieder nachgeben, kann der Aufwärtstrend auch über die nächsten Tage anhalten.“ Der DAX stürzt derweil um mehr als drei Prozent ab und fällt unter die Marke von 24.000 Punkten.

Anzeigen

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche versuchte in der ARD zu beruhigen: Es seien „keine Knappheiten“ bei Erdgas und Öl zu erwarten, man habe eine breite Palette an Lieferanten. Die Bundesnetzagentur sekundiert: „Aktuell sehen wir keine Einschränkungen der Gasversorgung.“ Technisch mag das stimmen. Doch es offenbart ein gefährliches Missverständnis. Denn das Problem heißt nicht Knappheit. Das Problem heißt Preis und Gas-Casino.

Und der frisst sich gerade durch die gesamte Volkswirtschaft – von der Tankstelle über die Heizkostenabrechnung bis zur Industrieproduktion. Nils Kreimeier bringt es in Capital auf den Punkt: „Dieses Konzept war von vornherein fragwürdig. Es ist jetzt angesichts der aus dem Ruder laufenden Preise vollends gescheitert.“

Ein Krieg ohne Plan, ohne Recht, ohne Ausweg

Doch bevor wir über Energiepolitik sprechen, muss über den Krieg selbst gesprochen werden. Wolfgang Bauer nennt ihn in der ZEIT „ein großes Unrecht“ und „ein völkerrechtliches Verbrechen“. Es gab, schreibt Bauer, keine drängenden Gründe für einen Angriffskrieg gegen den Iran. Die von Trump angeführte Bedrohung durch weitreichende Raketen?

Die US-Geheimdienste gingen bisher davon aus, dass es noch viele Jahre dauern würde, bis der Iran solche Waffen besitzt. Die Bedrohung durch Nuklearsprengköpfe? Trump selbst behauptete noch im November, die Bombardements vom Juni 2025 hätten die iranischen Nuklearanlagen „ausgelöscht“.

Die Parallelen zum Irak 2003 sind beängstigend. Auch damals übertriebene Gründe, auch damals kein Plan für die Zeit danach. Bauer, der als Reporter in Bagdad die letzten Tage des Saddam-Regimes miterlebte, warnt: Noch nie ist ein Regime durch bloße Luft…

a565cac31b0a4d5ab45b2f0055b4fedd
Quelle Capital Blaetter DIE ZEIT
0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
5 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Hatte ich ja von wenigen Wochen angekündigt, dass noch in diesem Jaht das Kartenhaus zusammenbricht.

Gasspeicher werden wir voraussichtlich für den nächsten Winter nicht voll bekommen. Preise für Gas und Öl steigen weiter. Wir werden eine Inflation bekommen, die Wirtschaft weiter abwandern und Arbeitslosigkeit weiter steigen.

Mit 20% (1/5) EE an der Endenergie kommt man da nicht weit.

Strompreise werden auch weiter steigen obwohl wir da ca. 55% Anteil an EE haben.

Ist auch meine Meinung. Ist jetzt Eure Chance zu zeigen, dass die EE das liefern können, was uns versprochen wurde. Inselbetrieb sollte bei all den PV-Besitzern im Sommer doch jetzt schon möglich sein?

Elektrifiziert – das geht Euch der ganze Öl- und Gasquatsch am Arsch vorbei. 🙂

Na, dann Ärmel hochkrempeln und ran an den Rest!
200% Anteil am Endenergieverbrauch schaffen wir!
Mehr tiefe Geothermie statt Gas: 99% der Erde sind über 1000 Grad heiß!
Ironischerweise hat gerade die Öl- und Gasbranche neue Bohrverfahren entwickelt.
Man ist nicht mehr auf wasserführende Schichten angewiesen.

Ich persönlich mache mir keine Sorgen: Weder Benzin noch Gas noch Heizöl, nicht einmal Holz benötigen wir noch. Und Strom aus dem Netz nur noch 8 Wochen im Jahr. Und der kommt dann aus Wind, Wasserkraft und Biogas. Funktioniert, wenn man es will.

5
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x