Mutmacher Dominic: „Ich hatte nie einen Verbrenner — und wollte auch nie einen“

In der Mutmacher-Serie erzählen Cleanthinking-Leser über ihre persönliche Transformation

Mutmacher Dominic (47) aus dem Kanton Thurgau in der Schweiz hat seine Fahrprüfung in einem Tesla Model S abgelegt – an der ersten Tesla-Fahrschule der Schweiz. Einen Verbrenner hat er nie besessen und nie besitzen wollen. Heute fährt er einen Hyundai Ioniq 6, auf seinem Einfamilienhaus liegen 26 kWp Photovoltaik, im Keller stehen 22 kWh Speicherkapazität, und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe heizt im Winter und kühlt im Sommer. Aber Dominic macht nicht nur sein eigenes Zuhause fossilfrei – er sorgt als Miteigentümer eines Mehrfamilienhauses dafür, dass auch seine Mieter von der Transformation profitieren.

Während die meisten Mutmacher in dieser Serie ihren Weg vom Verbrenner zum Elektroauto beschreiben, hat Dominic diesen Schritt nie machen müssen. Für ihn war die Entscheidung „sehr klar und alternativlos“, wie er sagt. Sein erstes Auto war ein BMW i3, sein zweites der Hyundai Ioniq 6. Dazwischen: kein einziger Liter Benzin oder Diesel.


Die Kostenrechnung, die Dominic auf seiner Website „Energiewende ganz konkret“ dokumentiert, ist dabei ein Argument, das jede Stammtisch-Diskussion beendet: Rund 4,70 Schweizer Franken pro 100 Kilometer – inklusive Ladeverluste, inklusive öffentlichem und privatem Laden. Das sind umgerechnet ca. 4,90 Euro/100 km.

Mutmacher Dominic unterwegs mit seinem Hyundai Ioniq 6
Mutmacher Dominic unterwegs mit seinem Hyundai Ioniq 6

Einfamilienhaus: PV, Speicher, Wärmepumpe mit Sommerkühlung

Dominics Einfamilienhaus zeigt, wie Sektorenkopplung aussehen kann, wenn man von Anfang an konsequent plant. 26 kWp Photovoltaik auf dem Dach, 22 kWh Batteriespeicher im Keller, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe – und ein Detail, das in Deutschland noch kaum jemand auf dem Schirm hat: Sommerkühlung über die Wärmepumpe.

Moderne Wärmepumpen können ihren Kreislauf umkehren und im Sommer die Räume kühlen, statt sie zu heizen. In der Schweiz, wo die Sommer ebenfalls immer heißer werden, ist das ein Komfort-Argument, das viele Skeptiker überzeugt. Keine separate Klimaanlage nötig, kein zusätzlicher Stromverbrauch durch ineffiziente Einzelgeräte – die Wärmepumpe, die im Winter heizt, kühlt im Sommer mit.

Nur im Winter schwächelt die PV – ein Problem, das er nicht ignoriert, sondern anpackt: Mutmacher Dominic engagiert sich als Verwaltungsrat bei NewGreenTec, einem Unternehmen, das der Windenergie in der Schweiz mehr Schub geben will. Denn Wind weht vor allem dann, wenn die Sonne nicht scheint.

Das Mehrfamilienhaus: Transformation als Vermieter

Was Dominics Geschichte von den anderen Mutmacher-Stories unterscheidet, ist die zweite Ebene: Er ist nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern auch Miteigentümer eines Mehrfamilienhauses mit Baujahr 1952, das er zusammen mit seiner Mutter besitzt. Und während Mutmacherin Svenja in ihrer Geschichte erzählt, wie machtlos sie als Mieterin gegenüber einem desinteressierten Vermieter war, zeigt Mutmacher Dominic die andere Seite: wie ein Vermieter die Transformation aktiv vorantreibt.

Die Liste der Maßnahmen liest sich beeindruckend: Seit über zehn Jahren läuft eine Grundwasserwärmepumpe mit Sommerkühlung. Seit einem Jahr produziert eine 45-kWp-PV-Anlage mit 44-kWh-Speicher Strom. Und seit einem halben Jahr stehen acht Ladestationen im Haus – vier öffentliche AC-Ladepunkte mit 11 kW und vier weitere für die Mieter.

Der konsequenteste Schritt: Dominic vermietet keine Stellplätze mehr an Verbrenner-Fahrer. Eine Entscheidung, die Diskussionen auslöst – aber ein klares Signal setzt. Für die Mieter bedeutet das stabile Nebenkosten, weil keine fossilen Brennstoffpreise mehr durchschlagen, und im Sommer den Komfort einer kühlen Wohnung ohne Klimaanlage.

„Mit diesem Gebäude sind wir schon lange unabhängig von Öl und Gas“, sagt Dominic.

Grundwasserwärmepumpe: Der Mercedes unter den Wärmepumpen

Ein technisches Detail verdient Aufmerksamkeit: Die Grundwasserwärmepumpe im Mehrfamilienhaus. Anders als die weiter verbreiteten Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzt sie das Grundwasser als Wärmequelle – und erreicht damit deutlich höhere Jahresarbeitszahlen, weil die Grundwassertemperatur ganzjährig relativ konstant bei 8 bis 12 Grad liegt. Im Sommer kann das kühle Grundwasser zudem direkt zur Gebäudekühlung genutzt werden, fast ohne zusätzlichen Energieaufwand.

Die Voraussetzung: ausreichend Grundwasser und eine wasserrechtliche Genehmigung. Nicht überall möglich – aber wo es geht, die effizienteste Variante. Dass Dominics Anlage seit über zehn Jahren zuverlässig läuft, zeigt: Die Technologie ist ausgereift und langlebig.

Dominics Transformation im Überblick

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Einfamilienhaus:
✓ Strom: 26 kWp PV + 22 kWh Speicher
✓ Wärme/Kühlung: Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Sommerkühlung
✓ Mobilität: Hyundai Ioniq 6 + Wallbox

Mehrfamilienhaus (Baujahr 1952):
✓ Strom: 45 kWp PV + 44 kWh Speicher
✓ Wärme/Kühlung: Grundwasserwärmepumpe mit Sommerkühlung (seit 10+ Jahren)
✓ Mobilität: 8 Ladestationen (4 öffentlich, 4 für Mieter)
✓ Keine Verbrenner-Stellplätze mehr

„Die Entscheidungen sind mir sehr leicht gefallen“

Wo andere zögern, rechnen und abwägen, wirkt Dominic fast beiläufig. „Die Entscheidungen sind mir sehr leicht gefallen. Ich bin super zufrieden mit allem“, sagt er. Kein Drama, kein moralischer Schatten – einfach die rationale Erkenntnis, dass erneuerbare Energien günstiger, komfortabler und unabhängiger machen.

Dass er als Vermieter seinen Mietern stabile Nebenkosten und Ladeinfrastruktur bieten kann, ist dabei kein Nebeneffekt, sondern Teil des Antriebs. Dominics Geschichte zeigt: Transformation ist nicht nur eine Frage des Eigenheims. Sie kann auch von Vermietern ausgehen – wenn die wollen.

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