FIRMEN-NEWS · WINDKRAFT

Modvion erhält 39 Millionen Euro für Serienproduktion von Holztürmen

Der EU-Innovationsfonds fördert die weltweit erste Serienfertigung modularer Windkrafttürme aus Holz in Schweden.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 Min. Lesezeit LESEN


Der EU-Innovationsfonds finanziert den Aufbau einer Serienfertigung für modulare Windkrafttürme aus Holz. Das schwedische Cleantech-Unternehmen Modvion will in der ehemaligen Saab-Fabrik in Trollhättan bis 2031 jährlich 170 Türme produzieren - und zielt damit vor allem auf den deutschen Markt.

Der EU-Innovationsfonds hat Modvion bis zu 39,1 Millionen Euro bewilligt. Das Geld fließt in den Aufbau der weltweit ersten Serienfertigung für Windkrafttürme aus Holz. Die Fabrik entsteht in Trollhättan in der ehemaligen Produktionsstätte von Saab Automobile, die später der Elektroautohersteller Nevs nutzte. Der Zuschuss deckt bis zu 60 Prozent der Gesamtkosten. Für die restlichen 40 Prozent sucht Modvion aktuell weitere Investoren.

Die dort gefertigten Türme erreichen Nabenhöhen von 160 bis 200 Metern und sind für Turbinen mit einer Leistung von 6 Megawatt ausgelegt. Das ist ein deutlicher Sprung gegenüber dem ersten Holzturm bei Skara mit 105 Metern Nabenhöhe und einer 2-MW-Turbine von Vestas, der seit Frühjahr 2024 Strom produziert. Modvion verwendet für die Türme Laminated Veneer Lumber (LVL) - ein Furnierschichtholz aus Fichte, bei dem mehrere Schichten in unterschiedlichen Faserrichtungen verleimt werden.

Modvions zentraler Vorteil bleibt die Logistik. Konventionelle Stahltürme werden als zylindrische Segmente transportiert. Ab etwa 100 Metern Nabenhöhe sind die Basisdurchmesser so groß, dass Spezialtransporte nötig werden - mit Polizeibegleitung, gesperrten Gegenfahrbahnen und langen Genehmigungsverfahren. In vielen Regionen scheitern Windkraftprojekte allein an der Frage, ob der Turm überhaupt zum Standort gebracht werden kann. Modvion umgeht dieses Problem, indem das Unternehmen die Türme in kuchenförmige Module zerlegt. Diese passen auf gewöhnliche Lkw und werden erst am Standort zu Zylindern zusammengefügt und vertikal gestapelt.

Die Marktakzeptanz der Holztürme hat 2025 einen entscheidenden Schub bekommen: Das deutsche Zertifizierungsinstitut TÜV SÜD hat das größere Turmdesign für Nabenhöhen bis 200 Meter zertifiziert. Für die Windkraftbranche ist eine solche Drittpartei-Zertifizierung Voraussetzung, bevor Projektentwickler und Finanzierer ein neues Turmkonzept in Betracht ziehen. Ohne TÜV-Stempel keine Bankfähigkeit.

Zielmarkt ist primär Deutschland. Laut Wind Europe dominierte Deutschland im vergangenen Jahr den europäischen Ausbau der Onshore-Windkraft und hat zuletzt weitere Ausbauziele angekündigt. In Schweden selbst sind die Investitionen in neue Windkraftanlagen dagegen eingebrochen. Modvion nimmt deshalb auch am Swedish-German Accelerator Programme 2026 teil, einem Programm der Swedish-German Cleantech Platform, das schwedischen Cleantech-Unternehmen den Markteintritt in Deutschland erleichtern soll.

Bei voller Kapazität soll die Fabrik in Trollhättan ab 2031 jährlich 170 Türme produzieren. Das Marktpotenzial ist erheblich: Weltweit werden laut Branchenschätzungen rund 30.000 neue Windturbinen pro Jahr errichtet - und jede braucht einen Turm. Modvion wurde aus 359 Bewerbungen als eines von 61 Projekten ausgewählt, die insgesamt 2,9 Milliarden Euro vom EU-Innovationsfonds erhalten. Neben Modvion wurde im selben Call auch das Unternehmen Voodin gefördert, das Rotorblätter aus Holz herstellt - ein Signal, dass die EU Holz als ernsthaften Werkstoff für die Windindustrie betrachtet.

Modvion wurde 2016 in Göteborg gegründet und beschäftigt aktuell 25 Mitarbeiter. Zu den Haupteigentümern gehören neben den Gründern auch Vestas Ventures, der Investmentarm des weltgrößten Windturbinenherstellers. Vestas liefert die Turbinen für Modvions Türme und hat die Zusammenarbeit seit 2021 schrittweise ausgebaut. Weitere Investoren sind Chalmers Ventures, der EIC Fund der EU und Almi Invest Greentech. In einer Finanzierungsrunde im Mai 2024 stieg zudem der chilenische Forstkonzern CMPC als strategischer Partner ein.

39,1 Mio. €

EU-INNOVATIONSFONDS

Zuschuss für Serienfertigung

170

TÜRME PRO JAHR

Volle Kapazität ab 2031

200 m

MAXIMALE NABENHÖHE

Für 6-MW-Turbinen

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben scrollen
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x