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Sauber in die Zukunft

Audi e-tron 55 quattro: Traditionelles Gericht moderner Köche

Blick auf Lenkrad und Tacho des Audi e-tron
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Batterie- und eMobility-Experte Mirko Hannemann testet den Audi e-tron exklusiv für Cleanthinking.de.

Getestet wurde der 2019er – Audi e-tron 55 advanced quattro 265 kW – in einer umfassenden Ausstattungsvariante und einem Kaufpreis von knapp 100.000 Euro. Um sich ein Bild davon zu machen, was die Traditionsmarke Audi im Bereich der strombetriebenen Fortbewegungsmittel auffahren kann, wurde beim e-tron einmal alles bestellt, was die Karte hergab.

Ausgestattet wurde der Audi e-tron 55 quattro unter anderem mit:

  • Matrix LED-Scheinwerfer mit dynamischer Lichtinszenierung und dynamischem Blinklicht (Front und Heck)
  • Aluminium Gussräder Audi Sport 9,5 J x 21 (Reifen 265/45 R21)
  • Anhängevorrichtung
  • Assistenzpaket Stadt und Tour
  • Audi virtual cockpit plus
  • Umgebungskameras
  • virtuelle Außenspiegel
  • Bang & Olufsen Premium Sound System mit 3D-Klang
  • Einstiegs-LED mit Projektion
  • Interieur S Line
  • S-Sportsitze vorn
  • Sitzheizung vorn
  • Komfort-Standklimatisierung
  • Panorama-Glasdach
  • Privacy-Verglasung
  • Reifendruck-Kontrollsystem
  • zweiter AC Ladezugang (Beifahrerseite).

Bei dem Modell handelt es sich um ein Fahrzeug, das elektrischen Strom in einem wassergekühlten Batteriesystem speichert und entnimmt. Interessanterweise kann eine Batteriekapazität von 95 kWh nur angenommen werden, da weder über die offizielle Webseite, noch in den technischen Daten, unserem Angebot vom Händler oder in den Zulassungspapieren eine entsprechende Angabe gefunden werden konnte.

Audi gibt die maximale Leistung der beiden Elektromotoren mit 265 kWpeak (für 60 Sekunden) marketingwirksam an – die in den Zulassungsunterlagen (P.2) eingetragene Nennleistung beträgt hingegen nur 158 kW. 

Audi e-tron Mirko Hannemann
Mirko Hannemann testet den Audi e-tron

Erster Eindruck des e-tron 55 quattro

Der erste Eindruck, den man vom Audi e-tron bekommt, wenn er vor einem steht, ihn fühlt und riecht, ist ohne jeden Zweifel seitens der Verarbeitung durch und durch positiv. Wenn man das Fahrzeug jedoch vor der ersten Einweisung erforscht, sind einige Bedienelemente leider nicht intuitiv umgesetzt – was zur Erheiterung aller Beteiligten führte. Ein Mechaniker wurde bereits für das Öffnen der Motorhaube und zum Auffinden der Ladekabel verschlissen und ein weiterer zum Öffnen des Kofferraums. Hat man das dann mal selbst gemacht, geht es grundsätzlich gut, aber eben nicht intuitiv.

Die Materialien sind haptisch und optisch auf einem hohen Niveau und meiner Meinung nach sehr gelungen. Die Integration der Monitore und Bedienelemente sind nahtlos und durchdacht. Im Laufe der Zeit beschleicht einem allerdings das Gefühl, dass der Fokus etwas abgedriftet ist.

So schön die vielen großzügig ausgelegten, leuchtenden LEDs und Monitore auch sind, unterstützen diese meiner Meinung nach nicht die Aufgabe des Fahrers im sicheren Führen eines Fahrzeugs. Die Fülle der Bedienmöglichkeiten verführt dazu, dass man sich wie im Cockpit eines Flugzeugs fühlt. Manchmal ist weniger dann doch mehr!

Virtuelle Außenspiegel überzeugen im Test nicht

Die Sinnhaftigkeit der virtuellen Außenspiegel hat sich mir zu keiner Zeit erschlossen. Im momentanen Stadium halte ich sie für technisch nicht ausgereift und in einigen Situation sogar für bedenklich. Der Spiegelmonitor auf der Fahrerseite ist während der Fahrt mehrmals „eingefroren“ und ließ sich nicht mehr ansteuern.

Der Sichtbereich wird durch die derzeitige Anordnung im Vergleich zu klassischen Spiegeln nicht verbessert. Bei Einparkmanövern mit weniger geräumigen Parklücken führte dies zu kurzfristiger Frustration. Das Parken am Bordsteinrand ist ebenfalls gewöhnungsbedürftig und mitunter bei stressiger Verkehrslage sehr frustrierend.

Und schließlich die Fahrdynamik und Effizienz: Wer sich einmal in die Vorzüge der “Deutschen Autobahn” verliebt hat, der will in erster Linie SCHNELL fahren. Macht meiner Meinung nach aber mit einer Schrankwand im Wind keinen Sinn! Kurzzeitig schafft der Audi 200 km/h! Interessanterweise wird beim Abbremsen aus 200 km/h nicht rekuperiert. Erst bei niedrigeren Geschwindigkeiten fließt der doch so wertvolle Strom wieder zurück.

Mit einer eingetragenen Leermasse von ca. 2,5 Tonnen ist der e-tron kein Fliegengewicht. Entsprechend langt er auch beim Verbrauch zu und gönnt sich bei städtischer Kurzfahrt und trotz “Efficiency Modus” gern auch mal mehr als 30 kWh auf 100 km.

Der höchste Verbrauch im Standard Modus lag sogar bei 34,8 kWh (Verbrauchsangabe durch den Bordcomputer auf 100 km) bei einer gefahrenen Strecke von 14,9 km in der Berliner Innenstadt 21:30 Uhr bis 22:30 Uhr mit 15 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.

Verbrauch Audi e-tron
Der Verbrauch von 34,8 ist immens.

Den besten Verbrauchswert hatten wir bei einer Kombination von Stadt- und Überlandfahrten im Efficiency Modus, hier erreichten wir bei einer gefahrenen Strecke von 164,1 km einen Durchschnittsverbrauch je 100 km von 26,3 kWh bei einer Gesamtfahrzeit von 3 Stunden und 39 Minuten und einer entsprechenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 45 km/h (nach Aussage des Bordcomputers). 

Verbrauch Audi e-tron Langstrecke
Verbrauch des Audi e-tron auf der Langstrecke

Fazit zum Audi e-tron Test von Mirko Hannemann:

Wenn man mich fragt, ist der Audi e-tron 55 Quattro rein optisch und was die Verarbeitung betrifft in jeder Frage ein Vorzeigeobjekt. Um zu verstehen, was nicht zusammenpasst, würde ich sagen:

Der Audi e-tron ist ein klassischer, vorzeigbarer und gut schmeckender Rollbraten mit Bio-zertifiziertem Wein, der für das gute Gewissen mit veganer Füllung aus den Öfen einer neuen Köchegeneration serviert wird. Am Ende bleibt es eine deftige Mahlzeit, die in der Nische ihre Zielgruppe sucht.

Die beim Audi e-tron Test gefahrenen Strecken:

Hintergrund: Mirko Hannemann

Mirko Hannemann wurde nach einer Rekordfahrt in einem umgebauten Auto im Oktober 2010 wenig später zum Steve Jobs der Autoindustrie, wie es die WirtschaftsWoche im April 2011 ausdrückte. Über einige Jahre war Hannemann aus dem Rampenlicht verschwunden: Im Februar 2019 gab er ein bemerkenswertes Interview bei kenFM, in dem es um Elektroautos, Batteriesysteme und Erneuerbare Energien geht. Das zeigt: Seine Leidenschaft für Elektromobilität.

Heute berät Mirko Hannemann Länder, mit denen Deutschland diplomatische Beziehungen pflegt. Die in Berlin ansässige „Diplomatische Gesellschaft“ führt Korrespondenzen mit 3.200 Botschaften in ganz Europa.

Wir freuen uns sehr, dass Mirko Hannemann exklusiv für Cleanthining den Audi e-tron getestet hat und sind dankbar für Feedback hierzu. Gerne in die Kommentare schreiben.

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