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Carbon Tracker Studie: Fünf asiatische Länder stehen für 80 Prozent neuer Kohlekraftwerke

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China, Indien, Indonesien, Vietnam und Japan drohen „Stranded Assets“, weil Erneuerbare Energien heute schon günstiger sind.

Ob die Welt auf einen 1,5-Grad-Pfad einschwenken kann, hängt maßgeblich von fünf Ländern ab, die 80 Prozent der neuen Kohlekraftwerke weltweit planen – obwohl erneuerbare Energien günstiger sind. Damit gefährden sie nach dem Bericht „Do Not Revive Coal“ von Carbon Tracker nicht nur den Erfolg globaler Klimaschutzbemühungen, sondern riskieren auch hohen finanziellen Schaden durch sogenannte Stranded Assets – also Technologien, die innerhalb weniger Jahre nicht mehr gebraucht werden.

Für 600 neue Kohlekraftwerke wollen die asiatischen Regierungen von China, Indien, Indonesien, Japan und Vietnam 150 Milliarden US-Dollar aufbringen. „Investoren sollen sich von neuen Kohleprojekten fernhalten, von denen viele von vornherein negative Renditen erwirtschaften dürften“, sagt Catharina Hillenbrand von der Neyen, Chef-Wissenschaftlerin beim Think Tank Carbon Tracker. „Kohle macht weder finanziell noch ökologisch Sinn.“

Die Gesamtkapazität der Kohlekraftwerke in den fünf Ländern soll bei 300 Gigawatt liegen. Sie widersprechen der glasklaren Forderung von Antonio Guterres, alle neuen Kohlekraftwerke zu stoppen. Der UN-Generalsekretär sagte kürzlich, der Ausstieg aus der Kohle aus dem Stromsektor sei der „wichtigste Schritt“ bei der Bewältigung der Klimakrise.

Der Bericht von Carbon Tracker warnt, dass mehr als 90 Prozent der neuen Kohlekraftwerksanlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können. Das Risiko für die Steuerzahler, die dafür direkt oder indirekt aufkommen müssen, ist gewaltig.

Auch mit den bereits existierenden Kraftwerken sieht es nicht viel besser aus: Drei Viertel dieser Anlagen stammt aus den fünf asiatischen Kohleländern. Alleine 55 Prozent aus China und 12 Prozent aus Indien. Bereits 27 Prozent der bestehenden Kapazitäten sind heute schon unrentabel, weitere 30 Prozent müssen von einem Gewinn von weniger als 5 (!) US-Dollar pro Megawattstunde ausgehen.

Somit sind weltweit 220 Milliarden US-Dollar, die in Kohlekraftwerken weltweit stecken, gefährdet. Erreicht die Welt die Pariser Klimaziele, werden daraus „Stranded Assets“.

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Besonders pikant wird das Festhalten an der Kohleverstromung, bedenkt man, dass 80 Prozent der weltweit operierenden Kohlekraftwerke durch erneuerbare Energien ersetzt werden können – und sofortige Kosteneinsparungen auslösen würden. Bis 2024 werden neue erneuerbare Energien in allen wichtigen Regionen billiger sein als Kohle, und bis 2026 werden fast alle der globalen Kohlekapazität teurer sein als der Bau und Betrieb neuer erneuerbarer Energien.

Der Carbon-Tracker-Bericht arbeitet heraus, dass die Wirtschaftlichkeit von Kohlekraftwerken besonders auf die Nutzung reagiert: Eine Reduzierung der konservativen Basisannahmen würde dazu führen, dass sich die globale Unrentabilität der Kohle bis 2030 auf 52 Prozent fast verdoppelt und bis 2040 auf 77 Prozent ansteigt.

Kohleländer im Carbon Tracker-Check

China ist mit 1.100 GW in Betrieb befindlicher Kohlekraftwerkskapazität und einer Pipeline von 187 Gigawatt der größte Kohlekraftwerksbetreiber der Welt. Neue Solar- und Windenergieanlagen könnten jedoch bereits Energie zu geringeren Kosten als 86 Prozent dieser Kapazität erzeugen und werden bis 2024 alle anderen Anlagen überflügeln. China hat den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien mit 530 Gigawatt installierter Kapazität angeführt, und sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 1.200 Gigawatt zu erreichen (Quelle). Bei der derzeitigen Ausbaugeschwindigkeit könnte dieses Ziel in weniger als sechs Jahren erreicht werden.

Momentan hat die Kohlekraftwerkswirtschaft in China noch gewaltigere Probleme, weil es zu einem Streit zwischen Australien und China gekommen ist. Bedeutet: Derzeit importiert China keine Kohle aus Australien, was für die Wirtschaft zu teureren Importen etwa aus Indonesien führt. Da die Hitzewelle aber zu höherem Stromverbrauch für Klimaanlagen führt, wurden die Betreiber aufgefordert, ihre Lager wieder aufzufüllen (Quelle hellenicshippingnews).

Indien ist der zweitgrößte Kohlestromerzeuger mit einer Betriebskapazität von rund 250 Gigawatt und einer Pipeline von 60 Gigawatt. Neue erneuerbare Energieträger können bereits zu geringeren Kosten als 84 Prozent der in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke Energie erzeugen und werden diese bis 2024 überall überflügeln. Bis 2030 sollen 450 Gigawatt an erneuerbaren Energien installiert werden – mehr als das Fünffache der Kapazität von 2020 – womit 60 Prozent des Energiebedarfs gedeckt werden könnten.

Laut Bloomberg könnte Indien 1,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr einsparen, würde das Land alte Kohlekraftwerke abschalten.

In Japan sind 45 Gigawatt an Kohlekapazität in Betrieb, und 9 Gigawatt sind in Planung. Erneuerbare Energien sind bereits billiger als neue Kohle und werden bis 2022 billiger sein als bestehende Kohle, obwohl sie durch fehlende Flächen, Kapazitätsmarktzahlungen, die fossile Brennstoffe begünstigen, und Netzbeschränkungen behindert werden. Die Regierung hat sich verpflichtet, keine ausländischen Kohleprojekte mehr zu unterstützen.

Japan hat gerade ein Kohlekraftwerk (Matarbari) in Bangladesch entscheidend finanziert (Quelle Financial Times, Bezahlschranke). Eine Entscheidung, die nicht zu den Klimaversprechen des Landes passt. Allerdings hat das Land weitreichendere Pläne für zehn Kohlekraftwerke verworfen.

In Vietnam sind 24 Gigawatt an Kohlekraftwerken in Betrieb, weitere 24 Gigawatt sind in Planung. Neue erneuerbare Energien werden die bestehenden Kohlekraftwerke in Vietnam bis 2022 verdrängen. Die schnell wachsende Volkswirtschaft hat die Bedeutung des Wandels erkannt, wird den Ausbau von Solar und Wind beschleunigen.

Indonesien ist in hohem Maße von Wärmekraft abhängig, die zum größten Teil (45 Gigawatt) aus Kohle stammt, wobei 24 Gigawatt an neuen Kohlekraftwerken geplant sind. Neue erneuerbare Energien werden bis 2024 die bestehende Kohlekraft verdrängen.

Nach Gesprächen mit dem Klima-Beauftragten der US-Regierung, John Kerry, hat sich Indonesien etwas ehrgeizigere Klimaziele gesteckt. Der Kohleausstieg ist für 2060 vorgesehen, dann sollen 85 Prozent der Versorgung aus erneuerbaren Energien kommen, der Rest aus Kernenergie. (Quelle: Reuters)

Global Coal Power Economics Model

Das Global Coal Power Economics Model (GCPEM) von Carbon Tracker ist ein proprietäres techno-ökonomisches Simulationsmodell, das ~ 95% der Betriebs-, Im Bau- und geplanten Kohlekapazität abdeckt. Verwendet werden Kohlebrennstoffpreisdaten von Bloomberg und Kohlekapitalkosten von der Internationalen Energieagentur und Carbon Tracker.

Der Report von Carbon Tracker kann hier heruntergeladen werden.

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