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Das grüne Paradoxon: Wieso die Theorie von Hans-Werner Sinn an der Realität zerschellt

Experten wie der Ökonom Sinn ignorieren den technischen Fortschritt bei der Energiewende.

Das vielleicht entscheidende Problem in den Argumentationsketten sogenannter Experten rund um die grüne Transformation sowie die Verkehrs- und Energiewende ist, dass sich Hans-Werner Sinn und Co. nicht vorstellen können oder wollen, dass sich auf Basis erneuerbarer Energien wortwörtlich ALLES ändert. Der Wandel zu erneuerbaren Energien ist genauso ein System- und Epochenwechsel wie die Abkehr vom Verbrennungsmotor, die etwa Fritz Idra nicht wahrhaben will. Der Artikel beleuchtet, was sich ändert – und, warum der Blick zurück nicht hilft – echter Gestaltungswille dagegen sehr.

Das Grüne Paradoxon – Klimaschutz ohne Wirkung

Mit „Das Grüne Paradoxon“ hat der Ökonom Prof. Hans-Werner Sinn einen unerwünschten Effekt umweltpolitischer Maßnahmen umschrieben. Politiker, so die Auffassung des ehemaligen Hochschullehrers würden glauben, dass sie durch „grüne Gesetze“ die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen verringern könne, um das Klima zu retten. Konkret könne man mit „Energiesparpolitik“ das weltweite Angebot an Kohlenstoff nicht aushebeln.

Vielmehr würde man lediglich die Nachfrage partiell verringern und dadurch den Anstieg der Weltmarktpreise verringern. In seiner Logik wird das Problem sogar verschlimmert, weil die Förderer fossiler Ressourcen diese ohne Frage auch verwerten wollten. Der Kernsatz lautet also: „Bedrohen wir die Ressourcenbesitzer mit einer immer grüner werdenden Politik, die ihnen das zukünftige Geschäft kaputtmacht, kommen sie der Bedrohung zuvor und fördern ihre Bodenschätze nur noch schneller.“

„Statt den Klimawandel zu bremsen“, so schreibt Sinn in seinem gleichnamigen Buch Das Grüne Paradoxon, „beschleunigen wir ihn. Das ist das grüne Paradoxon.“

Zerschellt diese Argumentation an der Wirklichkeit?

Die grundlegende Theorie Sinns ist nachvollziehbar. Allerdings nur in einer Welt, die stabil ist. Wir hingegen – und das fehlt meiner Ansicht nach komplett – leben in einer Zeit des Wandels. Die Bedeutung des Wandels hin zu erneuerbaren Energien, der grünen Transformation allgemein sowie disruptiver Marktveränderungen, wird unterschätzt beziehungsweise wegen der Schwierigkeit, die Veränderungen volkswirtschaftlich präzise vorherzusagen und einzuordnen, unterschlagen.

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Klar ist: Alleine der Umstand, dass sowohl Europa (Green Deal) als auch die USA (Inflation Reduction Act) übergreifende „grüne Politik“ initiiert haben, schwächt die Argumentation Sinns entscheidend. Denn Sowohl USA und Europa als auch China haben verstanden, dass sie zwei Dinge zeitgleich tun: Emissionen reduzieren etwa durch Elektrifizierung einerseits und die grünen Märkte der Zukunft gestalten auf der anderen Seite.

Erneuerbare Energien für Zukunftsmärkte

Dazu kommt: Die Basis für die Gestaltung der Zukunftsmärkte ist die weitgehende Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien und – je nach Region – Atomkraft. Denn nur durch fossilfreie Produktionsstätten lassen sich grüne Produkte auf den Weltmärkten verkaufen. Und diese erneuerbaren Energien sind dank disruptiver Entwicklung über Dekaden bereits heute günstiger als fossile Alternativen.

Eine weitere, unterschätzte Entwicklung: Europa etwa hat Zölle auf Stahl angekündigt, um die gerade entstehende, grüne Stahlproduktion in Europa zu schützen. Auf Basis dieser Entscheidungen ändert sich das Verhalten von Unternehmen und Regierungen – etwa im Hinblick auf eine CO2-Besteuerung in Indien.

Wettlauf zwischen Europa, USA und China

Europa, USA und China sind in einem Innovations- und Subventionswettlauf um die Märkte der Zukunft. Diese Märkte sind grün. Das passt nicht zu den Argumenten von Hans-Werner Sinn, der in Das Grüne Paradoxon und aktuell in Interviews von extremistischer Klimapolitik und einem deutschen Alleingang spricht. Das entspricht mindestens nicht „mehr“ der Realität.

Um auf die angestachelten Ressourcenbesitzer zurückzukommen: Worin liegt also der Sinn, quasi panisch mehr fossile Rohstoffe verbrennen zu müssen, wenn es weit lukrativer für ein Land oder ein Unternehmen ist, fossilfrei zu werden? Vielmehr dürfte das Wettrennen der führenden Industrienationen, möglichst schnell erneuerbare Energien auszubauen, und Brennstoffkosten einzusparen, sich beschleunigen.

Prognose der Preise für Erdgas und Strom bis 2030 - Boston Consulting Group
Prognose der BCG zu Erdgas-, Strom-, CO2-Preis in Deutschland, USA und China im Vergleich

Ein weiteres Indiz, dass die Theorie von Sinn den Realitätstest nicht besteht: Ausgerechnet die Internationale Energie-Agentur, die nicht im Verdacht steht, besonders fossilfeindlich zu sein, prognostiziert mittlerweile den Höhepunkt der Nutzung fossiler Brennstoffe noch innerhalb dieser Dekade.

Andere Forscher, wie etwa Tony Seba von RethinkX, gehen von einem noch viel schnelleren Zusammenbrechen der fossilen Märkte aus – wobei man aus meiner Sicht zwischen der Verwendung etwa von Öl als Rohstoff einerseits und als Brennstoff andererseits unterscheiden sollte. Bis alle Produkte, die heute auf ölbasiertem Kunststoff basieren, verändert sind, wird noch mehrere Jahrzehnte dauern.

Die Gegenthese zu Sinns grünem Paradoxon lautet also: Die grüne Politik der führenden Wirtschaftsregionen führt zu einem Innovationswettlauf, der die Abkehr von fossilen Brennstoffen ermöglichen wird.

Alles, wirklich alles, ändert sich

Um die Gegenthese zu „Das grüne Paradoxon“ zu unterfüttern, ist es wichtig, zu verstehen, was sich in den kommenden beiden Dekaden aus heutiger Sicht alles verändern wird. Aus Sicht der Denkfabrik RethinkX nichts weniger als die fundamentalen Sektoren unserer Gesellschaft:

  • Die Art, wie wir Energie erzeugen, transportieren und flexibel verwenden
  • Die Art, wie wir mobil sind
  • Das, was wir Essen und Trinken, wird sich fundamental ändern
  • Unsere Arbeitswelt wird sich vollständig wandeln
  • Was wir auf Basis welcher Grundlagen produzieren, verändert sich stark

Adam Doerr von RethinkX bringt das in seinem Buch Brighter und der kostenlosen Video-Reihe herausragend auf den Punkt:

Unsere Arbeitswelt: KI, Roboter, autonomes Fahren

In den kommenden zwei Dekaden bis 2045 verändert sich beispielsweise unsere Arbeitswelt wie nie zuvor ganz grundlegend. Möglich machen es Roboter, Künstliche Intelligenz oder Quantencomputer, die mit günstigen erneuerbaren Energien angetrieben werden.

Alleine die Potenziale, Code nicht mehr durch Programmierer, sondern durch künstliche Intelligenz erzeugen zu lassen, sind gewaltig. Der Chat GPT-Moment und die Entstehung unzähliger, höchst spezialisierter KI-Lösungen sind nur der sichtbare Teil dessen, was in der Arbeitswelt durch rasant besser werdende Künstliche Intelligenz gerade passiert.

Das bedeutet, positiv gesprochen, dass bestimmte Arbeit sehr viel günstiger und effektiver wird, weil etwa Roboter weniger Pausen brauchen als Menschen. Die Arbeit wird sich also dahin verlagern, künstliche Intelligenz oder neuronale Netze gezielt zu trainieren oder einfache Standardaufgaben an entsprechende Systeme zu übergeben.

Solche Standardaufgaben können durchaus Programmieraufgaben sein, die die Maschine wesentlich schneller erledigen kann, als ein Mensch. Aufgabe des Menschen wird es also eher sein, die nächsten, mit erneuerbarer Energie effizient angetriebenen Roboter zu bauen, die beispielsweise den Plastikmüll an Stränden aufsammeln, damit dieser für energetische Verwertung oder gar Recycling genutzt werden kann.

Autonomes Fahren ist ein großartiges Beispiel dafür, wie Maschinen den Menschen Arbeit abnehmen – in diesem Fall das Lanken, Bremsen, Steuern eines Fahrzeugs – und sich dadurch die Produktivität der Arbeitskräfte steigern lässt. Elon Musk hat bei der Live-Demonstration seiner aktuellen Software für autonomes Fahren betont, dass für die Programmierung dieser Software nur wenige Hundert Zeilen Code notwendig waren. Der Rest war Training über Videos.

Das identische Verfahren neuronaler Netze wendet Tesla auch bei der Entwicklung humanoider Roboter namens Optimus an. Die Fortschritte, die dabei erzielt werden, sind atemberaubend:

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Vielmehr setzen Musk und Tesla auf neuronale Netze. Die Aufgabe der Menschen besteht nicht mehr darin, dem Elektroauto durch programmierten Code aufzuzeigen, wie man durch einen Kreisverkehr fährt. Vielmehr besteht die Aufgabe darin, Rechenleistung zu generieren, um unzählige Datensätze zu verarbeiten. Die KI von Tesla wird mit Video-Schnipseln aus mittlerweile fünf Millionen Fahrzeugen gefüttert und trainiert.

Produktion und Nutzung von Materialien

In den kommenden Dekaden wandelt sich die Art, wie wir Materialien herstellen und welche Materialien wir verwenden, grundlegend. Weg von solchen Materialien, die auf frisch gefördertem fossilem Erdöl basieren – hin zu Materialien aus Recycling und Upcycling, aus natürlichen und biotechnologischen Prozessen.

Wandel der Mobilität

Fahrzeugbesitz wird uninteressant, weil immer mehr Menschen in Stadtregionen leben und Arbeit finden. Das Mobilitäts-Abo wird das eigene Auto ablösen. Städte werden wieder für Menschen attraktiv, nicht für Autos. So hat beispielsweise die Stadt Hannover gerade einen klaren Wandel verkündet: Die Innenstadt soll in dieser Dekade so umgebaut werden, dass es viel Freiraum für Fußgänger gibt – und Autos gezielt über wenige nutzbare Straßen in Parkhäuser gelenkt werden.

In den kommenden Dekaden ändert sich die Bedeutung der Städte und Metropolregionen grundlegend. Produktion und Verbrauch werden viel stärker individualisiert und vor allem: lokal stattfinden. Das verringert Transportbedarf. Wir transportieren eher den 3D-Drucker aufs offene Meer, der dort Windradflügel ausdruckt, als Windradflügel wochenlang durch die Gegend zu transportieren.

Generell läuft die Disruption des Automarktes und sowie angrenzender Märkte hin zu Elektromobilität. Dabei handelt es sich um einen Systemwechsel., weil Elektroautos besonders kompatibel mit einem Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien sind.

Aus Einzelsystemen wird ein gekoppeltes Gesamtsystem

Letztlich ändert sich alles, und obige Beispiele zeigen das nur in ganz kleinem Maße. Um es begreiflich zu machen: Aus vielen Einzelsystemen (Mobilität, Energie, Gebäude) wird ein eng verwobenes Gesamtsystem.

Die Abwärme der Fabrik um die Ecke beispielsweise wird verwendet, um die angrenzenden Gebäude mit Wärme zu versorgen – die Sektoren werden miteinander gekoppelt. Aus den Abfällen des Sägewerks werden Rohstoffe für die Produktion von Biogas oder Biokohle.

Genau dieser Wandel zum smarten Gesamtsystem, das in Kreisläufen denkt, macht unsere zukünftige Welt effizienter, sauberer, resilienter. Das ist es, was absolut erstrebenswert ist – und viele Städte und Regionen, die sich vor einem Jahrzehnt auf den Weg gemacht haben, profitieren heute schon massiv davon.

Es gibt keinen Weg mehr zurück in die fossile Welt.

Ganz egal, was Merz, Söder, Weidel oder Sinn mit seinem Grünen Paradoxon von sich geben. Der Grund ist einfach: In der heutigen, teilweise noch fossilen Welt, sind wir als Bundesrepublik schlicht nicht wettbewerbsfähig mit den USA und China. Wieso? Weil billiges Erdgas durch teures Flüssiggas ersetzt werden musste. Denn Putin war es, der uns im wahrsten Sinne des Wortes des Gashahn zugedreht hat. Und es ist ziemlich Einerlei für die Beschreibung der Lage, wer die Nord Stream Pipeline in die Luft gesprengt hat.

Aber die gute Nachricht ist: Wird voll auf Transformation und im Energiesektor auf erneuerbare Energien gesetzt, dann sind ist Europa wettbewerbsfähig mit den USA und China. Bedeutet: Europas grüner Stahl ist künftig sowohl für den EU-Binnenmarkt als auch für die anderen Weltregionen interessant. Gut, dass sich ganz viele der etablierten Stahlkonzerne auf den Weg gemacht haben, ihr Geschäft im Sinne der grünen Transformation umzubauen.

Aber, und das ist die Warnung: Es ist ein Wettlauf. Das Tempo, in dem etwa die Chinesen erneuerbare Energien ausbauen, ist atemberaubend. Sie machen das nicht aus rein ökologischen Gründen, sondern vorwiegend aus ökonomischem Interesse. Die Chinesen wissen genau, dass auch sie Produkte mit erneuerbaren Energien herstellen müssen, damit sie auf den Weltmärkten eine Chance haben. Ohne Transformation kann China keine Supermacht werden. So viel Gewicht haben erneuerbare Energien, hat die grüne Transformation.

Neue Industrie siedelt sich dort an, wo die Rahmenbedingungen besonders gut sind – u.a. günstige erneuerbare Energien vorhanden sind. Die neue Welt, sie ist erneuerbar. Das grüne Paradoxon nur die Idee eines Professors?

Die Klimaschmutzindustrie versucht lediglich, den Wandel noch etwas zu verzögern. Es ist eine Welt voller smarter Lösungen. Voller Inspiration und Prosperität. Denn billige Energie und günstige Arbeit bilden die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, die grün und klimafreundlich sind. Der Wandel sorgt auch für eine geopolitische Zeitenwende – neue Regionen werden mächtiger, wie etwa Singapur oder Israel. Singapur hat als erstes Land der Welt zellkultiviertes Fleisch zugelassen. Und Israel hat eine Startup-Kultur, die eine Vielzahl von Cleantech-Unternehmen hervorgebracht hat, die beispielsweise auch Clean Meat herstellen.

Transformation kann schmerzhaft sein. Aber wir leben in der Zeit des größten Wandels, den die Menschheit jemals erlebt hat. Wir können den Wandel, der unaufhaltsam ist, gestalten oder wir können als Europäer zusehen , wie es Andere tun.

Let’s go. Es lohnt sich.

Lassen wir Leute wie Hans-Werner Sinn und andere Experten ihre Thesen wie Das Grüne Paradoxon verbreiten. Deren Positionen aber unter Berücksichtigung des Wandels einzuordnen, macht aus meiner Sicht ganz viel Sinn. Der Fokus sollte darauf liegen, die grüne Transformationen und das Innovationsrennen mit anderen Wirtschaftsregionen zu gewinnen. Investitionen in die Zukunftsfelder sind dafür entscheidend, wie auch Ottmar Edenhofer im Spiegel-Interview sagt: „Und was die Subventionen betrifft, sollten wir weniger alte Industriestrukturen und mehr strategische Zukunftsfelder in den Blick nehmen, so wie es uns die USA beim IRA vormachen: Windkraft, Wasserstoff, E-Fuels, Batterien, Kohlenstoffabscheidung.“

Das grüne Paradoxon zerschellt aus meiner Sicht als Theorie von Hans-Werner Sinn letztlich an der Realität. Dies wird in den kommenden Dekaden deutlich werden. Die grüne Transformation ist stärker als das grüne Paradoxon…

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% S Kommentare
  1. Jürgen Kuck sagt

    „Worin liegt also der Sinn, quasi panisch mehr fossile Rohstoffe verbrennen zu müssen, wenn es weit lukrativer für ein Land oder ein Unternehmen ist, fossilfrei zu werden?“
    Tja, darin liegt der grundlegende Irrtum dieses Beitrags.
    Wenn es so viel lukrativer wäre, „fossilfrei zu werden“, müssten wir die EE ja nicht subventionieren (die EEG-Umlage ist ja nicht weg, sndern wird nun aus Steuermitteln, genauer dem KTF, finanziert) bzw. die Fossilen künstlich belasten (Emissionshandel für die Großen, CO2-Abgabe für die Kleinen).
    Ja, richtig, andere Länder bauen EE. China baut in einem Jahr so viel EE-Leistung im Stromsektor wie in Deutschland installiert ist. Alles richtig. Aber haben die schon 50% elektrische Arbeit im Netz aus EE, so wie wir? Bei weitem nicht, und ihr Stromverbrauch wächst immer noch rasant.
    Also, wie erklärt sich das nun alles?
    1. Es ist eine Sache, elektrische Arbeit (!) durch EE zu substituieren und dadurch Brennstoff zu sparen. Das geht sehr gut und ist in vielen Gegenden dieser Welt heute schon „lukrativ“. Deshalb bauen China, bauen die USA usw. EE-Erzeugung aus. Und das geht sehr gut bis etwa 50% der elektrischen Arbeit, also da, wo wir heute in Deutschland sind. Danach wird es langsam schwierig, denn die volatilen EE (Wind, PV) leisten dann oft zuviel, überlasten die Netze bzw. müssen abgeregelt werden. In Deutschland wrde in diesem Frühjahr schon sehr viel Wind abgeregelt, weil zuviel PV im Netz war.
    2. Brennstoff sparen durch Einspeisen elektrischer Arbeit (!) ist eine Sache. Eine ganz andere Sache ist es, eine zuverlässige elektrische Versorgung (also gesicherte Leistung!) auf der Basis volatiler EE hinzubekommen. Das geht nur über die H2-Kette (Elektrolyse, Speicherung, Rückverstromung) und wurde bislang nirgends (!) realisiert.
    3. EE sind in der Stromerzeugung (s.o.) heute oft wirtschaftlich gegen die heutigen Weltmarktpreise der fossilen Energien, d.h. hier besonders Kohle. Aber damit die Förderung (Extraktion) der fossilen Brennstoffe engestellt wird, genügt es nicht, die Weltmarktpreise zu unterbieten, man muss die Förderkosten unterbieten und die liegen weit, weit, unter den Weltmarktpreisen. Die Förderkosten von etwa der Hälfte der Onshore-Ölförderung (darunter sämtliche Quellen im arabischen Raum) liegen unter 10$/barrel, bei einem Preis von zurzeit 90$/barrel. Und solange der Weltmarktpreis über den Förderkosten liegt, werden die Ressourceneigentümer ihren fossilen fördern, logisch.

    Dieser Teil der Argumentation von Herrn Sinn ist übrigens unbestritten. Ob sie nun die fossilen Brennstoffe besonders schnell herausholen, weil sie Angst haben vor einer irgendwann dann doch wirksamen Klimaschutzpolitik (nur das ist „Grünes Paradoxon“), ist gar nicht so wichtig. Vielleicht stimmt es für die Norweger, die sich ja wirklich so verhalten – nur schnell raus mit dem Zeug, versilbern und das Geld im Norwegischen Staatsfonds angelegt. Für die Araber z.B. stimmt es offensichtlich nicht. Die pellen sich ein Ei auf Klimaschutzpolitik. Sie liefern, was immer die dummen Europäer von ihnen haben wollen: Öl, LNG, und gern auch Wasserstoff. Und haben kürzlich noch einmal darauf hingewiesen, dass Öl im Bereich des nicht-energetischen Verbrauches (ca. 15% des weltweiten Ölverbrauches) bis heute nicht ersetzbar ist.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Jürgen,

      ja, die Fossilen werden schrittweise mit dem CO2-Preis belastet. Allerdings sind die Subventionen, die wir direkt oder indirekt zahlen, um ein Vielfaches höher. Während die Unterstützung für die Erneuerbaren zunehmend überflüssig wird (siehe zB Offshore-Windparks ohne Subsidies).

      Viele Grüße,
      Martin

  2. Engelbert.Montagne sagt

    Schöne heile Welt. In der möchte ich aber nicht leben. Und nicht Putin hat uns den Gashahn zugedreht, sondern Robert. Und auf Umwegen kaufen wir heute 20 % Russengas zum 10-fachen Preis. Kommentar der Regierung: geht nicht anders. Setzen Sie sich zu Robert und schreiben sie Märchenbücher. Da kommt es auf die Wahrheit nicht an.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Engelbert,

      Habeck hat uns nicht den Gashahn zugedreht. Das ist eine Lüge.

      Viele Sonntagsgrüße,
      Martin Jendrischik

  3. Ja nein sagt

    Ich mag die Idee von Regenerativen Energien, vor allem, um nicht ständig mit jedem Diktator gute Miene machen zu müssen.
    Ich wäre froh, wenn nur halb soviel Zeit und Mühen in den Umstand investiert würde, dass unsere neue Grüne Welt nicht einfach nur von einem anderen Diktator abhängig ist, wie in den Gegendruck gegen Regenerative investiert wird.

  4. A. Schmitz sagt

    Mr. (Un-)Sinn ist ein Spinner. Und im Übrigen gilt: Fragen sie 3 Ökonomen, bekommen Sie 4 Meinungen. Ich kenne das, bin selber einer. Die aufgestellten Modelle passen immer. Ceteris Paribus. Nur nie zur Realität.* Von der Zukünftigen ganz zu schweigen. Aber vielen gefällt wohl sein pastoraler Vortragsstil und der Ziegenbart. Das reicht ihnen, um sich wohlzufühlen.

    *Gute Ökonomen sagen das auch, und stellen ihre Annahmen zur Disposition. Sinn mach (s)eine Show daraus. Und gewisse Kreise stürzen sich drauf. „Social Media“ erledigt den Rest.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Danke, Herr Schmitz.

      Dann fühle ich mich – ebenfalls als Ökonom – darin bestärkt, das Thema aufgegriffen und kritisch beleuchtet zu haben. Ich hatte große Zweifel, inwieweit meine klaren Aussagen als „anmaßend“ diffamiert würden. Bislang ist ausschließlich positive Resonanz vorhanden…

    2. Luizcruz sagt

      Hallo Herr Schmitz

      Hans-Werner Sinn erinnert mich an meinen Professor, der mich im Studium davon abhalten wollte, mich für die Direktreduktion von Eisenerz zu entscheiden, während sein Vorbild und Freund Ludwig von Bogdandy dem Hochofenchef von Thyssen ins Gesicht sagte, dass sein Hochofen schon längst pensioniert gehört.

      Heute ist die Direktreduktion eine Übergangstechnologie, die zwischen 2040-50 durch die Verfahren von Boston Metal und Electra Steel verdrängt werden wird.

      Was haben mein Lehrmeister und Hans-Werner Sinn gemeinsam? Unsicherheit.
      Unsichere Menschen setzen auf das in Jahrzehnten Bewährte. Die Umwandlung von Energiespeichern in Elektrizität in Kraftwerken. Das kennen sie, das ist Ihnen vertraut. Unsichere Menschen werden erst dann vom WSW System überzeugt, wenn es wenig Nachteile und vor allem Vorteile gegenüber dem Kraftwerkssystem hat.

      Sind wir schon so weit? Nein

      Leider hat das WSW-System bisher nur einige Vorteile und immer noch gravierende Nachteile. Eine 8760 h/a Versorgung mit Elektrizität setzt ein WSW System mit Energiespeichern voraus, die von wenigen min bis Wochen Elektrizität/Wärme speichern können, um die Flauten an Solar- und Windelektrizität bedarfsgerecht aufzufüllen.
      Bisher haben wir vor allem Batterien und andere Speicher, die von 1 bis 100 h eingesetzt werden können. Reicht das? Nein
      Es fehlen die unverzichtbaren, großen Langzeitspeicher

      Mit den Schwächen des WSW System muss man offensiv umgehen, denn die Opponenten thematisieren sie so oder so. Es ist unsere Aufgabe als Ingenieure, sie zu minimieren oder durch zusätzliche Innovationen zu kompensieren. Beschwichtigungen à la Krauter oder Quaschning bringen gar nichts.

  5. CW sagt

    Ich interessiere mich für Energieerzeugung und Speicherung, zum Rest kann ich keine Aussage machen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Solar und Batteriespeicher eine Lawine auslösen werden. Ich weiß, dass es kaum einer glaubt, aber Solar und Batteriespeicher sind erst am Anfang ihres Potenzials. Da kommt noch viel mehr und das in kürzester Zeit. Siehe Perowskit bei Solar und Natrium bei den Batterien. Es geht jetzt erst richtig los: ein Tsunami und Technologien wie Atomkraft haben nicht den Hauch einer Chance.

    1. Luizcruz sagt

      Batterien überbrücken vielleicht 24-48 h, wenn sie mehr Elektrizitätsspeicher und weniger Metallspeicher sind. Redox-Batterien überbrücken 10 bis 100 h. Das reicht nicht- Wer denkt, H2 ist eine Energiespeicher für die 100+h Stunden, hat die Beiträge von Michael Liebreich auf BNEF nicht verstanden. Ein Energieträger für 100+ h sollte so leicht zu transportieren und zu lagern sein wie Kohle oder Erdöl. Also am besten ein festes oder flüssiges Material.

  6. Wilfried Hahn sagt

    Die ökologisch-soziale Transformation wird scheitern und erinnert mich an den Großen Sprung von Mao, der Millionen Chinesen verhungern ließ, weil man aus Bauern Stahlhersteller machen wollte.

    Wir brauchen konstante Innovationen, Marktwirtschaft in der das beste Konzept oder Produkt sich durchsetzt.
    China, Indien und viele Staaten machen nicht mit, Deutschland wird Teile der Industrie verlieren, an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.
    Sie meinen es gut, verkennen aber die Probleme, die entstehen.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Hallo Wilfried,

      China, Indien und Co. machen mit. Das habe ich u.a. versucht, im Beitrag auszudrücken.

      Viele Grüße,
      Martin Jendrischik

    2. Christoph Schaaf sagt

      Gerade China ist da vorne dabei. Im letzten Jahr hat China 550 Milliarden Dollar in Erneuerbare Energien investiert. BYD hat eine höhere Marktkapitalisierung als VW. Ich empfehle ein Update.

    3. Klar Name sagt

      Geht man davon aus, dass das, was vernünftig ist, sich auch durchsetzt, dann liegen Sie falsch.

      Umwelt-, ressourcenschonende Produktion, Müllvermeidung durch Kreislaufwirtschaft, die Nutzung von regenerativer Energie und verschiedenes mehr sind vernünftig, völlig unabhängig davon, ob es einen Klimawandel gibt oder nicht.

    4. Martin Jendrischik sagt

      Das sehe ich genauso, Klar Name: Sollten wir auf irgendeine wundersame Weise feststellen, dass sich das Klimaproblem über Nacht von selbst löst, haben wir immer noch spottbillige erneuerbare Energien ausgebaut, die uns die Möglichkeit geben, etwa das Plastik- oder das Hungerproblem zu lösen. Und das Problem, bald 10 Milliarden Menschen ernähren zu wollen in einer Welt, in der es viele aufstrebende Nationen bis hin zu Kontinenten wie Afrika gibt.

    5. Luizcruz sagt

      Mein lieber Herr Hahn,

      bei dem großem Sprung versuchte man, aus Bauern Stahlarbeiter zu machen, weil sie Mao an den chinesischen Hochöfen orientierte, die es weit vor den europäischen Hochöfen gab. Die Koksherstellung musste China viel früher als die Europäer lernen. Reste dieser Hochöfen stehen immer noch und sind in der Größe mit dem in Peitz bei Cottbus vergleichbar.
      In den letzten 30 Jahren sind in China trotzdem aus Bauern Industriearbeiter geworden. Oder was glauben Sie, was die vorher waren? Ähnlich wie während der industriellen Revolution in Europa aus Bauern Industriearbeiter wurden.
      Es war 1990 klar, dass ein WSW System nur mit Speicher funktioniert, die von 2 bis wahrscheinlich 500 Stunden alle Flauten des PV- und Wind-Elektrizität überbrücken. Dass man noch vor wenigen Jahren der Meinung war, das wäre erst ab 80 Prozent WSW notwendig, lag an zwei Gründen.
      1. Man fürchtete hohe Speicherkosten, die nur deshalb zu fürchten waren, weil zu spät mit der Entwicklung begonnen wurde und deshalb die Lernkurve erst ab 2019/21 begann und sich bis 2040/50 hinziehen wird.
      Das war ein fataler Fehler
      2. Man hat als Backup die Kraftwerke. Dass es Staaten gab, die gerne ihre Elektrizitätsversorgung verbessert hätten, aber kaum Kraftwerke hatten, war und ist deren Problem. Kein Wunder, dass solche Staaten Kohle- und Atomkraftwerke bauen.

      Jetzt bleibt nur die Frage: Ist es möglich, Langzeitspeicher im Giga- und Terawatt-Maßstab zu entwickeln?
      Ja sicher.
      Warum bin ich so sicher?
      Weil die Kraftwerke solche Langzeitspeicher in Elektrizität umwandeln oder was glauben Sie, was Kohle, Erdöl, Erdgas und Uran sind?
      Durch welche Prozesse sind die c-haltigen Langzeitspeicher entstanden?
      Durch die Fotosynthese! Mit einem bemerkenswert miserablen Wirkungsgrad.
      Hinzu kommen die Umwandlungsverluste von der lebenden Biomasse zu c-haltigen Langzeitspeichern Kohle, Erdöl, Erdgas. Der Wirkungsgrad der PV ist derzeit das Achtfache der Photosynthese, der der Windkraft ist noch höher.
      Wir sind keineswegs am Ende der Lernkurve, sondern immer noch mittendrin.

      Die Kreativität und Innovativität der Menschen reicht nicht aus, um bessere c-freie Langzeitspeicher als die Evolution zu entwickeln? Zumal uns die Evolution die dafür notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stellt.
      Das glauben Sie doch selber nicht

      Neue ergänzende Innovationen kommen ständig hinzu. Eigentlich wöchentlich. So viele, dass es die aufregendsten und zugleich anstrengendsten Jahren in meinem Berufsleben sind. Es übersteigt die Fähigkeiten eines Einzelnen, alle wahrzunehmen oder gar vollständig zu durchdenken.

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