Eine Million Ladepunkte bis 2030 – so lautet das Regierungsziel. Aktuell sind es rund 130.000. Der Rückstand ist real, aber die Gründe dafür sind komplexer als oft behauptet.
Das größte Nadelöhr ist nicht die Technik, sondern der Netzanschluss. Ein Schnellladepunkt mit 150 Kilowatt braucht Leitungskapazitäten, die viele Verteilernetze schlicht nicht bereitstellen können – ohne teure und zeitaufwändige Netzverstärkungen. Netzbetreiber, Kommunen und Ladesäulenbetreiber schieben die Verantwortung oft gegenseitig weiter. In der Zwischenzeit stehen geplante Standorte monatelang still.
Dabei zeigen internationale Vergleiche, dass das Problem lösbar ist: Die Niederlande und Norwegen haben Genehmigungsverfahren radikal vereinfacht und standardisiert. In Deutschland fehlt es an einer verbindlichen Koordinationsstelle, die Netzausbau, Standortplanung und Genehmigungen zusammenbringt. Wer das Ladenetz ernst nimmt, muss zuerst diese Governance-Frage lösen.
