Das Panik-Orchester spielt auf: NIUS, Apollo News und YouTube-Kanäle warnen vor der Gasmangellage (KI)
Droht Deutschland wirklich eine Gasmangellage 2026?
Gasmangel: NIUS, Apollo, Oli & die Günther-Debatte über journalistische Standards
Die Debatte über journalistische Qualitätsstandards bei Online-Medien wie NIUS oder Apollo News ist in vollem Gange. Ausgelöst durch Äußerungen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther bietet ein aktueller NIUS-Artikel mit der Überschrift „Speicher auf Rekord-Tiefstand! Experte: ‚Eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden‘“ Anlass für einen genaueren Blick auf Quellen, Zitate und Experten. Droht tatsächlich eine Gasmangellage – oder trägt die Berichterstattung zu Gasspeichern und Gasmangel weiter, als die zugrunde liegenden Aussagen es hergeben? Lesen Sie die Analyse und entscheiden Sie selbst.
Wie viel Gas braucht Deutschland – und woher kommt es heute?
Um beurteilen zu können, wie realistisch eine Gasmangellage tatsächlich ist, reicht der Blick auf Speicherfüllstände allein nicht aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus täglichem Verbrauch, laufenden Importen und der Fähigkeit des Systems, kurzfristig auf Wetter, Preise und Nachfrage zu reagieren.
Deutschland verbraucht im Winter – abhängig von Temperatur, Wirtschaftsaktivität und Stromerzeugung – zwischen drei und fünf Terawattstunden (TWh) Erdgas pro Tag. An milden Wintertagen liegt der Bedarf typischerweise im Bereich von etwa drei TWh. Bei normalen winterlichen Bedingungen steigt er auf rund vier TWh. In ausgeprägten Kältephasen können kurzfristig auch fünf TWh und mehr erreicht werden.
Dieser Verbrauch verteilt sich auf mehrere Sektoren. Im Winter entfallen rund 40 bis 45 Prozent auf Raumwärme in Haushalten, Gebäuden und Fernwärmenetzen. Etwa 30 bis 35 Prozent werden in der Industrie für Prozesswärme und stoffliche Nutzung benötigt. Weitere 15 bis 20 Prozent fließen – insbesondere bei wind- und sonnenarmen Wetterlagen – in die Stromerzeugung in Gaskraftwerken. Der verbleibende Anteil entfällt auf Gewerbe, kleinere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und systembedingte Verluste.
Wichtig ist dabei: Dieser tägliche Bedarf wird nicht primär aus den Gasspeichern gedeckt. Die Speicher sind kein Ersatz für laufende Versorgung, sondern fungieren als Puffer im System. Die Grundversorgung erfolgt über kontinuierliche Importe.
Über Pipelines aus Norwegen und den westeuropäischen Nachbarländern fließen auch im Winter stabil rund 2,5 bis 3 TWh Erdgas pro Tag nach Deutschland wie die Grafik zeigt. Hinzu kommen LNG-Importe über die deutschen Terminals, die aktuell etwa 0,4 TWh täglich beisteuern und bei entsprechenden Preissignalen deutlich ausgeweitet werden können. Die Speicher schließen schließlich die verbleibende Lücke – insbesondere an kalten Tagen, wenn der Verbrauch kurzfristig über den Importmengen liegt.

Entscheidend ist: Gasspeicher ersetzen keine Importe. Sie stabilisieren ein System, das im laufenden Betrieb vor allem auf kontinuierliche Zuflüsse angewiesen ist.
Hinweis: Deutschland exportiert auch Gas an Nachbarländer – rund 0,5 bis 0,8 TWh täglich. Das ist Teil des europäischen Solidarsystems. Die Grafik zeigt die Bruttoimporte. Darüber informiert auch die Bundesnetzagentur.
Was hat sich seit dem Ende von Nord Stream verändert?
Seit dem Wegfall der russischen Pipeline-Lieferungen hat sich die Struktur der deutschen Gasimporte grundlegend verschoben. Bis 2021 war Deutschland stark von Ost-Routen abhängig – insbesondere von Nord Stream. Diese Abhängigkeit existiert heute faktisch nicht mehr.
Rund 90 Prozent der Pipeline-Importe stammen inzwischen aus europäischen Nachbarländern – vor allem aus Norwegen, den Niederlanden sowie über Transitpunkte auch aus Belgien und Frankreich. Norwegen ist dabei mit Abstand der wichtigste Lieferant und stellt einen stabilen Grundlaststrom dar.
Parallel dazu wurde innerhalb von nur zwei Jahren eine vollständig neue Importebene aufgebaut: LNG-Terminals an der Nord- und Ostseeküste. In Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran kann heute verflüssigtes Erdgas direkt aus dem Weltmarkt angelandet und in das deutsche Netz eingespeist werden – überwiegend aus den USA, aber auch aus anderen Exportregionen wie etwa Katar.
Tatsächlich macht LNG derzeit noch einen vergleichsweise geringen Anteil an den realen Importmengen aus – je nach Tag und Marktlage etwa zehn bis fünfzehn Prozent. Entscheidend ist jedoch nicht der aktuelle Anteil, sondern die verfügbare Reservekapazität. Die Terminals sind technisch in der Lage, ihre Durchsätze deutlich zu erhöhen, sobald europäische Preise zusätzliche Lieferungen wirtschaftlich attraktiv machen.
Viele Kapazitäten sind derzeit nicht vollständig gebucht – nicht aus Mangel an Infrastruktur, sondern weil sie bislang schlicht nicht benötigt wurden.
Hinzu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Strukturwandel: Deutschland hat die Gasflüsse im europäischen Netz von einem früher dominierenden Ost-West-System auf ein Nord- und West-Ost-System umgestellt. Zusätzliche Einspeisepunkte über Frankreich, Belgien und die Benelux-Staaten wurden erschlossen.
Gas kann heute grenzüberschreitend flexibel umgeleitet werden – abhängig von Angebot, Nachfrage und Preis.
Das deutsche Gasversorgungssystem ist damit deutlich breiter aufgestellt als noch im unmittelbaren Krisenjahr 2022. Neben stabilen Pipelineflüssen existiert erstmals eine flexible maritime Importoption, die kurzfristig reagieren kann. Diese neue Architektur erhöht die Resilienz gegenüber regionalen Engpässen erheblich – ein struktureller Unterschied, der in vielen aktuellen Debatten kaum berücksichtigt wird.
Diese Veränderung wirkt direkt auf die Rolle der Gasspeicher. Sie sind nicht mehr der alleinige Rettungsanker der Versorgungssicherheit, sondern ein Element in einem diversifizierten System aus laufenden Importen, Marktmechanismen und infrastruktureller Redundanz.
Niedrige Speicherstände wirken optisch alarmierend – sind isoliert betrachtet jedoch kein hinreichender Indikator für eine reale Versorgungskrise. Mehr zur Gasspeicher-Thematik – wie Speicher technisch funktionieren und warum Füllstände allein wenig aussagen – gibt es in einem eigenständigen Gasspeicher-Beitrag.
Was bedeutet „Gasmangellage“ eigentlich?
Genau an dieser Stelle lohnt der präzise Blick auf die rechtliche und technische Definition der Gasmangellage.
Was bedeutet „Gasmangellage“ rechtlich und technisch?
Der Begriff „Gasmangellage“ ist kein journalistischer Kampfbegriff, sondern ein klar definierter Zustand im europäischen und deutschen Energierecht. Maßgeblich sind die EU-Gasversorgungsverordnung (EU) 2017/1938, das Energiesicherungsgesetz (EnSiG) sowie die nationale Notfallstufen-Logik der Bundesnetzagentur.
Das Krisensystem kennt drei Stufen:
1. Frühwarnstufe
Wird ausgerufen, wenn sich eine erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage abzeichnet. Der Markt funktioniert weiterhin vollständig. Staatliche Eingriffe erfolgen noch nicht.
2. Alarmstufe
Wird ausgerufen, wenn die Gasversorgung spürbar beeinträchtigt ist, der Markt die Lage aber noch selbst ausgleichen kann – etwa durch Preisreaktionen, Mehrimporte oder freiwillige Verbrauchsreduktionen.
3. Notfallstufe (faktische Gasmangellage)
Erst in dieser Stufe liegt eine Gasmangellage vor. Der Staat greift aktiv ein, weil Angebot und Nachfrage nicht mehr ausgeglichen werden können. Die Bundesnetzagentur wird zum „Bundeslastverteiler“ und ordnet hoheitlich an, wer Gas erhält und wer nicht.
Wer wird geschützt – wer nicht?
Priorität genießen: Private Haushalte, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, kritische Infrastruktur (Wasser, Abwasser, Sicherheitsdienste).
Nachrangig behandelt werden: Industrieanlagen, gewerbliche Großverbraucher, nicht systemrelevante Prozesse.
Gibt es eine technische Schwelle?
Oft wird behauptet, bei 20 oder 30 Prozent Speicherfüllstand träten „technische Probleme“ auf. Das ist irreführend.
Die öffentlich angezeigten Füllstände beziehen sich ausschließlich auf das sogenannte Arbeitsgas – den Teil, der aktiv ein- und ausgespeichert werden kann. Zusätzlich verbleibt in jedem Speicher permanent das Kissengas, das den nötigen Druck aufrechterhält. Je nach Speichertyp macht dieses Kissengas 30 bis 70 Prozent des gesamten physischen Volumens aus.
Ein Speicher mit „20 Prozent Füllstand“ ist also nicht zu 20 Prozent gefüllt – sondern physisch noch zu 50 bis 80 Prozent. Die Entnahme funktioniert bis 0 Prozent Arbeitsgas, lediglich die maximale Tagesrate sinkt bei niedrigen Ständen leicht ab.
Eine feste „kritische Schwelle“ existiert nicht. Die oft zitierte 20-Prozent-Marke stammt aus Krisenszenarien des Jahres 2022, die unter völlig anderen Bedingungen erstellt wurden – ohne LNG-Infrastruktur und nach dem abrupten Wegfall russischer Importe.
📌 Kurz gesagt:
- Sinkende Speicherstände allein = keine Gasmangellage
- Steigende Preise = keine Gasmangellage
- „20-Prozent-Schwelle“ = Missverständnis aus 2022, keine technische Grenze
- Gasmangellage erst, wenn: Markt versagt + Staat eingreift + physische Versorgung unmöglich
Alles darunter ist Marktdynamik – keine Krise im rechtlichen Sinn.
Wie nah ist ein Gasmangel wirklich?
Vor diesem Hintergrund lässt sich die aktuelle Lage nüchtern einordnen. Mitte Januar liegen die deutschen Gasspeicher bei rund 38 bis 42 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen sie bei etwa 60 bis 65 Prozent. Der Unterschied ist erheblich – aber er erklärt zunächst nur einen Befund, keine Krise.
Die entscheidende Frage lautet nicht, dass die Speicher niedriger gefüllt sind, sondern warum.
Der Grund ist relativ einfach: Während die Speicher in den vergangenen Jahren über den Sommer so gefüllt wurden, dass sie zu Beginn des Winters praktisch voll waren, war dies 2025 anders. In die aktuelle Heizsaison startete Deutschland Anfang Oktober mit einem Füllstand von nur 75 Prozent – nach rund 96 Prozent Anfang Oktober 2024. Diese Differenz von gut 20 Prozentpunkten bleibt bis heute ziemlich konstant.
Dahinter stehen strukturelle Veränderungen auf dem editGasmarkt. Während es sich für Gasimporteure in früheren Jahren rechnete, Gas im Sommer günstig einzukaufen, einzuspeichern und im Winter teurer zu verkaufen, gibt es diesen sogenannten Sommer-Winter-Spread beim Preis nicht mehr – mitunter war Gas sogar im Sommer teurer als im Winter. Händler haben entsprechend zurückhaltend eingespeichert. Das System hat marktwirtschaftlich funktioniert – nur mit einem Ergebnis, das optisch ungewohnt ist.
📌 Update: Jetzt Teil 2 lesen: Leere Gasspeicher? Dieser YouTuber redet eine Katastrophe herbei
Die Bundesregierung verzichtete zuletzt bewusst darauf, in den Markt einzugreifen, um Mindestvorgaben für die Füllstände zu erreichen – anders als nach Russlands Angriff auf die Ukraine, als sie für Milliardensummen Gas einkaufen ließ. Der Grund: Die Versorgungslage erfordert es schlicht nicht.
Gleichzeitig greifen heute andere Stabilitätsmechanismen als noch vor wenigen Jahren. Bislang ungenutzte LNG-Importe können bei steigenden Preisen hochgefahren werden. Pipeline-Zuflüsse sind diversifiziert. Der europäische Markt erlaubt flexible Umlenkungen. Speicher dienen primär der Glättung kurzfristiger Schwankungen – nicht als alleinige Versorgungsquelle.
Was sagen die zuständigen Behörden und Marktakteure?
Am 12. Januar – also vor der aktuellen Debatte – veröffentlichte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, einen ausführlichen Thread auf X oder Mastodon. Seine Kernpunkte:
- Der Speicherfüllstand ist „nicht allein relevant“ für die Versorgungssicherheit
- Deutschland verfügt über ausreichende Importmöglichkeiten
- Händler können jederzeit zusätzliches Gas beschaffen
- Die Gasflüsse wurden von Ost-West auf Nord/West-Ost umgestellt
- Der Weltmarkt hat ausreichend Gas verfügbar
- LNG-Terminals haben noch freie Kapazitäten
- Die Nachfrage in Asien ist rückläufig
- Gaspreise bei 28-30 Euro/MWh zeigen „keine Zeichen von Knappheit“
Sein Fazit: „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist aktuell gewährleistet.“
Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf die neue Importflexibilität und den fehlenden Bedarf an staatlichen Markteingriffen. Auch andere, zentrale Marktakteure teilen diese Einschätzung – mit unterschiedlichen Akzenten:
- Stefan Dohler (EWE) warnt gegenüber der dpa vor strukturellen Fehlanreizen bei der Speicherbefüllung, relativiert jedoch ausdrücklich die Wahrscheinlichkeit eines extremen Mangels und fordert langfristig eine strategische Reserve.
- Uniper sieht die Versorgung aktuell als gewährleistet, verweist aber auf Risiken bei außergewöhnlichen Extremszenarien.
Claudia Kemfert (DIW) sieht ebenfalls keinen Grund zur Besorgnis. Im SWR-Interview vom 12. Januar sagte die Energieökonomin: „Es droht jetzt keine Versorgungskrise – wir haben ja immer noch ausreichend Gas auf den internationalen Märkten und die Importe bleiben auch stabil.“ Die Lage sei nicht vergleichbar mit dem ersten Ukraine-Winter 2022. Heute gebe es genug Gas auf dem Weltmarkt und ausreichend Infrastruktur. Kemfert warnt allerdings: „Die Sicherheitsmargen werden dünner.“
Besonders relevant ist die Rolle der Initiative Energien Speichern (INES). In ihren Szenarien taucht im Extremkälteszenario eine sogenannte „Unterdeckung“ auf. Dieser Begriff wird in der öffentlichen Debatte häufig mit einer Mangellage gleichgesetzt – fachlich zu Unrecht.
Was sagen die Gasspeicherbetreiber selbst?
Die Initiative Energien Speichern (INES) vertritt über 90 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazitäten. In ihrem Januar-Update vom 20. Januar 2026 ordnet sie die Lage ein:
„Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Speicherbefüllung vor dem Winter 2025/26 unzureichend war.“
Die INES-Szenarien modellieren drei Temperaturverläufe: warm (EU-Wetterjahr 2020), normal (2016) und extrem kalt (2010). Nur im Extremszenario – bei Temperaturen wie im historisch kalten Winter 2010 – weist das Modell eine rechnerische Unterdeckung aus.

Entscheidend ist der Temperaturvergleich:
| Monat | Realität 2025/26 | Extremszenario (2010) |
|---|---|---|
| Dezember | +3,1°C | −4,1°C |
| Januar (bisher) | −0,4°C | −4,6°C |
Der Dezember 2025 war über sieben Grad wärmer als im Extremszenario erforderlich. INES schreibt dazu: „Dies hat die Ausgangslage für den weiteren Winterverlauf verbessert und den in den Modellen ausgewiesenen Gasmangel gegenüber dem November-Update reduziert.“
INES-Chef Sebastian Heinermann ordnet ein: „Der milde Winterverlauf hat die Lage kurzfristig entschärft.“ Der Januar verlaufe bislang zwar kälter als in einem Normaljahr, jedoch „ohne Extremwerte„. Dadurch entleerten sich die Speicher langsamer als im Worst-Case-Szenario vorgesehen. Von einer flächendeckenden Kältewelle, die Verbrauch und Speicherentnahmen massiv treiben würde, ist derzeit wenig zu sehen.
Wichtig zu verstehen: INES gibt mit der obenstehenden Grafik keine Prognose ab, sondern modelliert drei Szenarien aufgrund unterschiedlicher Wetterentwicklungen. Der Startpunkt 1. Januar 2026 wurde höchstwahrscheinlich gewählt, um die Vergleichbarkeit mit den Referenzjahren zu erleichtern.
Zur Einordnung des Begriffs „Gasmangel“:
„Ein in der Modellierung ausgewiesener Gasmangel bedeutet jedoch keine physische Nicht-Versorgung, sondern würde sich in der Realität zunächst durch starke Preissteigerungen äußern, die Verbrauchsreduktionen erzwingen und so den Markt wieder in einen ausgeglichenen Zustand bringen.“
Gasmangel: Was sagt die echte Prognose?
Während INES Szenarien modelliert, liefert der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) eine tatsächliche Reichweitenprognose – und die fällt deutlich aus:
Bei durchschnittlicher Witterung, aktuellen Einsparungen und laufenden Importen reichen die deutschen Gasspeicher also bis mindestens Ende April 2026. Die gesetzliche Zielvorgabe von 31 Prozent Durchschnitt über alle Speicher zum 1. Februar wird eingehalten.
Der Unterschied zur INES-Darstellung ist methodisch entscheidend: INES zeigt Bandbreiten möglicher Entwicklungen – inklusive eines Extremszenarios mit Temperaturen wie im historisch kalten Winter 2010. Der DVGW zeigt, was bei realistischen Bedingungen zu erwarten ist.
Was bedeutet „Unterdeckung“ in den INES-Szenarien?
In der öffentlichen Debatte wird häufig aus den Szenarien der INES zitiert – insbesondere aus dem Extremszenario, das eine sogenannte „Unterdeckung“ ausweist. Dieser Begriff wird dabei oft mit einer drohenden Gasmangellage gleichgesetzt. Fachlich ist das jedoch nicht korrekt.
INES weist ausdrücklich darauf hin, dass ihre Modellierung keine Preisreaktionen abbildet. Das Modell rechnet mechanisch: Temperatur führt zu Verbrauch, Verbrauch führt zu Speicherentnahme, Speicher sinken – bis rechnerisch ein Defizit entsteht. Doch dieser modellierte „Gasmangel“ bedeutet nicht, dass physisch kein Gas mehr verfügbar wäre.
In der Realität würde eine solche Situation zunächst Preissignale auslösen, die sowohl die Nachfrage dämpfen als auch zusätzliche Importe anziehen – lange bevor es zu staatlichen Eingriffen käme.
Dieser Unterschied ist zentral für die Einordnung aktueller Medienberichte. Wer „Unterdeckung“ mit „Gasmangellage“ gleichsetzt, verwechselt ein Preissignal mit einem Versorgungsbruch – und dramatisiert eine Modellrechnung zu einer Krise, die so nicht eintreten würde.
Was unterscheidet „Unterdeckung“ von einer echten Gasmangellage?
INES selbst formuliert es eindeutig: „Ein in der Modellierung ausgewiesener Gasmangel bedeutet jedoch keine physische Nicht-Versorgung, sondern würde sich in der Realität zunächst durch starke Preissteigerungen äußern, die Verbrauchsreduktionen erzwingen und so den Markt wieder in einen ausgeglichenen Zustand bringen.“
Das INES-Modell bildet bewusst keine Preisreaktionen ab: „Die Modellierung berücksichtigt keine preiselastische Nachfragereaktion.“ Es rechnet mechanisch: Temperatur → Verbrauch → Speicherentnahme → Defizit. Doch dieser rechnerische „Gasmangel“ ist kein physischer Versorgungsbruch.
Der entscheidende Unterschied:
| „Unterdeckung“ (Modell) | Gasmangellage (physisch) |
|---|---|
| Rechnerisches Defizit | Physisch kein Gas verfügbar |
| Preise steigen | Marktmechanismen versagen |
| Industrie drosselt freiwillig | Staat greift hoheitlich ein |
| Mehr LNG wird angeliefert | Industrie wird abgeschaltet |
| → Höhere Rechnungen | → Kalte Wohnungen |
Der doppelte Marktmechanismus
Bei steigenden Preisen greifen zwei Effekte gleichzeitig:
1. Nachfrageseite: Industrie und flexible Verbraucher reduzieren ihren Verbrauch, weil Gas zu teuer wird.
2. Angebotsseite: Höhere Preise locken zusätzliche LNG-Schiffe nach Europa – der Spotmarkt reagiert.
📌 Kurz gesagt:
Eine echte Gasmangellage würde voraussetzen, dass beide Marktmechanismen gleichzeitig versagen. Unter den aktuellen Bedingungen – diversifizierte Importe, verfügbare LNG-Kapazitäten, funktionierender europäischer Markt – gilt dieses Szenario als extrem unwahrscheinlich.
„Unterdeckung“ ist kein Blackout – es ist eine Rechnung, die höher ausfällt.
Vor diesem Hintergrund überrascht die nüchterne Einordnung der WirtschaftsWoche kaum: Gasspeicher bleiben ein wichtiger Puffer – aber sie sind nicht mehr der alleinige Maßstab für Versorgungssicherheit. Deutschland ist heute deutlich flexibler aufgestellt als im Krisenjahr 2022. „Keine Panik, der Markt regelt das schon“, kommentiert Autor Florian Güßgen.
Unterdessen spielt die Industrie zwar eine Gasmangellage durch – glaubt aber selbst nicht an eine Gefahr. Als sehr unwahrscheinlich bezeichnet auch Daniel Wetzel bei WELT TV eine solch schwierige Situation – wenngleich im Interview auch über den unwahrscheinlichen Konjunktiv gesprochen wird.
Mit dieser eindeutigen Faktenlage stellt sich nun die Frage, wie ausgewählte Medien, YouTube-Kanäle und Experten diese Situation darstellen – und welche Folgen daraus entstehen. Hier werden die Ansätze von NIUS, OutdoorChiemgau und Apollo News dokumentiert.
Entscheiden Sie selbst!
NIUS: „Speicher auf Rekord-Tiefstand! Experte: Eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden“
Es beginnt so: „Die Headline führt bereits glasklar in die Thematik ein: Stefan Spiegelsperger vom Prepper-Shop und Youtube-Kanal „OutdoorChiemgau“ verkündet im Zitat das, was die Fakten nicht belegen: „Gas-Mangellage nicht mehr abzuwenden.“ Wie begründet Herr Spiegelsperger, der zuletzt auf Einladung der AfD bei einer Anti-Windkraft-Veranstaltung im Deutschen Bundestag auftrat, das?
Zunächst beginnt NIUS den Artikel mit einem Zitat von EWE-Chef Dohler, das unvollständig wiedergegeben wird:
Das Dohler-Zitat: Was NIUS weglässt
| dpa-Original | NIUS |
|---|---|
| „Ich möchte keinen Alarm schlagen, aber trotzdem darauf hinweisen, dass die Füllstandssituation heute so schlecht ist, wie sie es Anfang 2022 war“ | ✓ übernommen |
| „Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren. Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.“ | ✓ übernommen |
| „Trotz der anhaltenden Kälteperiode sei die deutsche Gasversorgung akut nicht bedroht, betont Dohler. Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich aktuell keine Sorgen machen.“ | ✗ weggelassen |
| „Die Stärken, die wir haben, sind die neuen Importkapazitäten durch LNG-Terminals und eine andere Marktsituation mit niedrigeren Gaspreisen.“ | ✗ weggelassen |
Einordnung:
Dohler äußert sich als Speicherbetreiber kritisch über die Füllstände, fordert mehr Resilienz und zusätzliche Instrumente wie eine strategische Gasreserve. Das ist sein Job – und ein legitimes Anliegen.
Aber er sagt eben auch: „Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich aktuell keine Sorgen machen.“ Und er benennt die Stärken des Systems: LNG-Terminals und niedrige Gaspreise.
NIUS übernimmt die Kritik – und streicht die Entwarnung.
Im übernächsten Absatz schreibt das Portal von Julian Reichelt:
„Im Jahr 2025 endete die Heizperiode mit einem Endstand der Gasspeicher von 28 Prozent. Heißt: Sollte der Verbrauch parallel verlaufen (40,7 Prozent heute, 22 Prozentpunkte weiterer Verlust), wären die Speicher im Frühling zu 18,7 Prozent gefüllt. Bei einem Füllstand unter 20 Prozent ist von einer Gas-Mangellage die Rede. Schon jetzt ist fraglich, ob die gesetzlich festgeschriebenen Füllstände eingehalten werden können.“
Falsch. Eine 20-Prozent-Schwelle existiert nicht – weder im Notfallplan Gas noch in der Gasspeicherfüllstandsverordnung noch in irgendeinem anderen Regelwerk. NIUS nutzt eine Zahl, die wahrscheinlich aus Krisenplänen von 2022 stammt und präsentiert diese als offiziellen Schwellenwert. Eine Erzählung, die schlicht falsch ist.
Und die „fraglich“ einzuhaltenden Füllstände? Der gesetzliche Zielwert liegt bei 30 Prozent zum 1. Februar (Regelfall) bzw. 31 Prozent laut DVGW-Darstellung. Deutschland liegt aktuell darüber. Die Vorgabe wird eingehalten.

Was NIUS behauptet: „Zum 1. Februar gehören die Speicher zu 40 Prozent gefüllt.“
Was im eigenen Screenshot steht: 30 Prozent für alle Speicher (Regelfall) – 40 Prozent nur für vier bayerische Speicher (Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West, Wolfersberg).
NIUS widerlegt sich mit dem eigenen Screenshot. Der Regelwert ist 30 Prozent. Deutschland liegt aktuell bei rund 38 Prozent – über der gesetzlichen Vorgabe.
Im nächsten Abschnitt geht es dann so weiter:
„Würden sich die Gasspeicher in den nächsten drei Monaten mit dem gleichen Tempo wie vor einem Jahr leeren, wären die Speicher Ende März noch zu 5 Prozent gefüllt, rechnet EWE-Chef Dohler vor. „Das wäre ziemlich wenig.“ Die Initiative Energien Speichern e.V. (INES) geht davon aus, dass zwischen März und Mai eine Gas-Mangellage entstehen wird. Problem dabei: Die Analysten gehen von 41 Prozent Füllstand am 31. Januar aus. De facto sind wir heute bereits unter dieser Marke.“
Hier kehrt das bereits am Anfang verkürzte Dohler-Zitat zurück. Zur Einordnung: Dohler sagt nicht, dass ein niedriger Füllstand zu einer Mangellage führen würde – sondern dass es im Sinne der Resilienz wenig Puffer wäre. Zum Vergleich: Der DVGW prognostiziert etwa zehn Prozent Speicherfüllstand Ende März 2026 – und sieht die Versorgung bis Ende April gesichert.
Schwerer wiegt die Behauptung zu INES: „INES geht davon aus, dass zwischen März und Mai eine Gas-Mangellage entstehen wird“ – das ist falsch. Wie im ersten Teil dieses Artikels analysiert: INES erstellt Szenarien, keine Prognosen. Und INES unterscheidet ausdrücklich zwischen rechnerischer „Unterdeckung“ und physischer Gasmangellage. NIUS macht aus einem Konjunktiv einen Indikativ – und aus einem Modell eine Vorhersage.
Und das angebliche „Problem“, dass der Füllstand unter 41 Prozent liegt? Der INES-Startpunkt dient der Vergleichbarkeit mit historischen Wetterjahren – nicht als Aussage über die aktuelle Lage. Es gibt kein Problem mit der Grafik. Es gibt ein Problem mit der Interpretation.
Und dann kommt es zur lange ersehnten Spiegelsperger-Beweisführung:
„Mögliche Konsequenz: Bereits im Februar könnte es passieren, dass Industriebetriebe ihren Gasverbrauch verknappen müssen, analysiert der Energieexperte Stefan Spiegelsperger vom YouTube-Kanal Outdoor Chiemgau. Der Experte rechnet nicht damit, dass die Wohnungen kalt bleiben werden. Aber: „Es wäre eine heftige Gas-Mangellage. Und die würden wir alle zu spüren kriegen. Und wir werden auch wieder hören: ‚Kommt, spart Gas, Freunde. Macht euch warme Gedanken, dreht die Heizung 1 bis 2 Grad kälter, weil wir Politiker haben es leider versäumt, etwas dagegen zu tun.'“
Für den Experten ist klar: „Egal, wie man es dreht und wendet. Ich denke, eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden.“
Stefan Spiegelsberger betreibt den YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau“ (siehe nächster Abschnitt), ursprünglich ausgerichtet auf Outdoor-Themen, sowie einen entsprechenden Online-Shop. Zuletzt trat er auf Einladung der AfD bei einer Anti-Windkraft-Veranstaltung im Deutschen Bundestag auf. Seine Energie-Inhalte wirken oft übertrieben und suggerieren übertriebene Blackout- und Gasmangellagen-Gefahren.
Seine Kernaussage – „eine Gas-Mangellage ist nicht mehr abzuwenden“ – widerspricht:
- der Bundesnetzagentur („Gasversorgung stabil, Versorgungssicherheit gewährleistet“)
- dem DVGW (Reichweite bis mindestens Ende April)
- dem Bundeswirtschaftsministerium (kein Bedarf für Markteingriffe)
- der INES selbst („milde Witterung hat zur Entspannung beigetragen“)
- dem von NIUS zitierten EWE-Chef Dohler („Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen“)
NIUS stellt diese Einschätzung über die aller Fachbehörden und Branchenvertreter.
Abgerundet wird der aus meiner Sicht unseriöse und fehlerhafte Artikel mit weiteren Branchenzitaten, die aber nicht besonders relevant erscheinen.
Spiegelsperger im NIUS-Morgenmagazin
Zwei Tage später, am 23. Januar, war Spiegelsperger live im NIUS-Morgenmagazin zugeschaltet.
Im Interview wiederholte er die zentralen Aussagen: Die Speicher würden sich mit „ungefähr 1% pro Tag“ leeren, ab 20 Prozent trete eine Gasmangellage ein, die INES-Berechnungen zeigten einen Endstand von „10 bis 12 Prozent“. Auf die Entwarnung der Bundesregierung angesprochen, sagte Spiegelsperger: „Wenn die Bundesregierung sagt, es ist keine Panik, dann ist Panik.“
Zur LNG-Infrastruktur erklärte er: „Es fehlen die LNG-Schiffe, um das zu transportieren.“ Die Bundesnetzagentur hatte zehn Tage zuvor mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über freie Kapazitäten verfügen.
Die Moderatoren u.a. NIUS-Chef Julian Reichelt ordneten Spiegelspergers Aussagen nicht ein. Einer kommentierte: „Das, was er zu sagen hat, ist wahnsinnig wichtig.“
Spiegelspergers YouTube-Kanal: 147.000 Aufrufe
Die Aussagen, die Spiegelsperger bei NIUS verbreitet, stammen von seinem YouTube-Kanal „Outdoor Chiemgau“. Dort veröffentlichte er am 20. Januar ein 13-minütiges Video zur Gasspeicher-Lage, das bis heute 147.000 Aufrufe erreicht hat.
Im Video analysiert Spiegelsperger die INES-Szenarien und kommt zu dem Schluss: „Gasmangellage ist nicht mehr abzuwenden.“ Er rechnet die INES-Prognosen mit eigenen Annahmen auf einen Endstand von „10 bis 12 Prozent“ herunter.
Zur LNG-Infrastruktur sagt Spiegelsperger: „Du brauchst für LNG Schiffe und da gibt’s halt nicht so viele, als dass man davon genug Gas bekommen könnte.“ Die Bundesnetzagentur hatte am 12. Januar mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über ungenutzte Kapazitäten verfügen.
Das Video endet mit den Worten: „Ich bereite meinen Camper vor. Schauen wir mal, was passiert.“
Apollo News: „Gasspeicher nur noch zu unter 41 Prozent gefüllt“
Am 22. Januar veröffentlichte Apollo News einen Artikel zur Gasspeicher-Situation. Darin heißt es, ausgehend von einem Speicherstand von „57 Prozent am 1. Januar“ sei „von einem massiven Gasmangel schon im Februar auszugehen“.
Der Artikel zitiert die Initiative Energien Speichern (INES) als Quelle für die Prognose eines „massiven Gasmangels“. INES selbst verwendet den Begriff „Unterdeckung“ und betont, dass diese „nicht physische Nicht-Versorgung bedeutet, sondern sich zunächst durch starke Preiserhöhungen äußern würde“.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, wird im Artikel als „Grünen-Politiker und Habeck-Vertrauter“ eingeführt. Seine fachliche Einschätzung zur Versorgungslage – „Händler und Lieferanten könnten zusätzliches Gas beschaffen“ – wird nicht inhaltlich eingeordnet.
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Apollo News: Interview mit Fritz Vahrenholt
Am selben Tag veröffentlichte Apollo News ein Interview mit Fritz Vahrenholt, den der Sender als Energieexperten und ehemaligen Umweltsenator der Stadt Hamburg vorstellt. Das Video erreichte bis heute 215.000 Aufrufe.
Zur LNG-Infrastruktur sagt Vahrenholt: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Lücke des Speichergases nicht durch unsere LNG-Kapazitäten abgedeckt werden kann.“ Die Bundesnetzagentur hatte am 12. Januar mitgeteilt, dass die deutschen LNG-Terminals über freie Kapazitäten verfügen und „Händler jederzeit zusätzliches Gas beschaffen“ könnten.
Vahrenholt erklärt, Deutschland werde „bis Anfang Februar bei den kritischen 30 Prozent“ ankommen. „Darunter wird’s dann kritisch, weil der Gasdruck bei der Entnahme dann absinkt.“ Die technische Schwelle, ab der Porenspeicher Druckprobleme bekommen, liegt nach Branchenangaben bei etwa 20 Prozent.
Als Lösung fordert Vahrenholt die Aufhebung des deutschen Fracking-Verbots: „Wir hätten in der norddeutschen Tiefebene für die nächsten 30 Jahre ausreichend Schiefergas.“ Mehr zu Fritz Vahrenholt gibt es hier bei Cleanthinking.de.
Die Erzählung verbreitete sich über weitere YouTube-Kanäle: „Meinung mit Kopf“ titelte „WARNUNG Gasmangellage – Habecks Vermächtnis macht uns ENERGIELOS“, Oliver Haas warnte „Firmen müssen ABSCHALTEN – Deutschlands Gaskrise spitzt sich zu“, und das klimaskeptische Portal EIKE veröffentlichte ein eigenes Vahrenholt-Interview unter dem Titel „Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen“.
Fazit: Zwei Realitäten zum Gasmangel 2026
Auf der einen Seite stehen Bundesnetzagentur, Bundeswirtschaftsministerium, die Gasspeicherbetreiber selbst, EWE-Chef Dohler, Uniper, DIW-Energieökonomin Claudia Kemfert – und Medien wie Capital, WirtschaftsWoche, Handelsblatt und WELT, die von einer angespannten, aber beherrschbaren Lage berichten.
Auf der anderen Seite stehen NIUS, Apollo News und eine Handvoll YouTube-Kanäle, die eine unmittelbar bevorstehende Gasmangellage als unabwendbar darstellen – gestützt auf verkürzte Zitate, falsch wiedergegebene Schwellenwerte, Szenarien, die als Prognosen verkauft werden, und einen YouTuber, der Deutschland im Wohnmobil verlässt.
Die Fakten liegen auf dem Tisch. NIUS zitiert die Verordnung – und widerspricht ihr im selben Absatz. NIUS zitiert Dohler – und streicht seine Entwarnung. NIUS zitiert INES – und macht aus einem Szenario eine Prognose. Das ist keine Frage der Meinung. Das ist dokumentiert.
Entscheiden Sie selbst. Hat Daniel Günther recht, neue Qualitätsstandards zu fordern? Was ist Ihre Meinung?Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren!
(Hinweis: Der Abschnitt zum NIUS-Artikel wurde am 29. Januar vollständig überarbeitet. Dazu gab es kleinere Anpassungen und Klarstellungen.)

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.

Die Kanäle des sogenannten „rechten Panik-Orchesters“ behaupten aktuell, Uniper habe vor akuten Engpässen gewarnt. Dabei wird ein zentraler Teil des Originalzitats schlicht weggelassen.
Hier das vollständige Zitat:
Quelle: Handelsblatt (fast wortgleich auch in den Nürnberger Nachrichten):
https://www.handelsblatt.com/dpa/gasspeicher-strenger-winter-gasspeicher-leeren-sich-grund-zur-sorge/100189901.html
Das ist eine klassische Konditionalaussage, keine aktuelle Warnung vor einer Mangellage.
Interessant ist zudem, was selbst die BILD-Zeitung schreibt:
Quelle:
https://www.bild.de/politik/inland/gasspeicher-flaute-in-deutschland-experten-warnen-69776233fe9fcdf90e7c9fd2
Auch hier: keine Knappheitswarnung für diesen Winter, sondern ein Hinweis auf niedrige Speicherstände zum Winterende – zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Und ergänzend: Es gibt derzeit weiterhin keine belastbaren Hinweise auf einen außergewöhnlich langen oder extrem kalten Winter.
Viele Morgengrüße
Martin Jendrischik
///Auch hier: keine Knappheitswarnung für diesen Winter, sondern ein Hinweis auf niedrige Speicherstände zum Winterende – zwei völlig unterschiedliche Dinge.///
Wir verstromen auch Gas! Das ist natürlich dumm, wenn dann das Gas knapp ist. Und weil es im Frühjahr ja so kuschelig warm ist, wird nicht geheizt, aber dafür verstromt, bis auch das nicht mehr reicht. Dann hätte man gerne ein paar AKW…
Hallo Jens,
„keine Knappheitswarnung für den Winter.“
Atomkraft ist erledigt.
Die Reaktoren sind aus, der Rückbau läuft, Personal und Brennstoff fehlen – und selbst wenn man wollte, würde das jetzt nichts an der Gaslage ändern.
Das Thema ist energiepolitisch durch. Ein Comeback wird es nicht geben.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Gasmangellage regelrecht Panik verbreitet. Dabei war stets klar und absehbar, dass keine Gasmangellage 2026 droht, wenn nicht völlig unvorhergesehene Dinge […]
Da hat uns der Kinderbuchautor ja einen Bärendienst mit den Gasspeichern und deren Füllständen eingebrockt. Naja, Wirtschaft und Autor klappt nicht immer. Speicher leer und jetzt sehr teuer wieder einkaufen und lagern. Danke für Nichts. [Groß- und Kleinschreibung hinzugefügt, Anm. der Redaktion]
Lieber Epg,
nach zwei Funken Panik-Funkstille kommt jetzt das nächste Narrativ aus der rechten Mottenkiste hervor: Habeck-Feindbildpflege? Herrje.
Ich verweise nochmal auf meine Antwort vom 14. Februar: Energie-Resilienz. Wer hat wie ein Löwe um Zustimmung zu Energie-Resilienz um Zustimmung für mehr Energie-Resilienz gekämpft? Richtig: Robert Habeck, der frühere Wirtschafts-, Energie- und Klimaschutzminister sowie Vizekanzler.
Und jetzt soll Habeck an „Leeren Speichern“ schuld sein? Ich bitte Sie. Damit machen Sie sich komplett lächerlich. Übrigens: Die Speicher sind nicht leer. Sie werden im Winter verwendet, wenn gebraucht. Das ist der Sinn der Sache.
Wann kommt denn nun eigentlich die von Ihnen seit Wochen angekündigte Gasmangellage?
Tiefenentspannte Grüße,
Martin Jendrischik
P.S.: Ich habe mir erlaubt, in Ihrem Post Groß- und Kleinschreibung zu ergänzen.
[…] heute ist die angebliche Gasmangellage im Winter 2026 ein bestimmendes Thema in sozialen Medien und bei rechten Nachrichtenportalen. Die […]
[…] 230.000 Abonnenten und erreichte Millionen Menschen. Er zählt zu den lautstärksten Vertretern des rechten Panik-Orchesters, das eine Gasmangellage in diesem Winter herbeireden möchte. Betreiber ist Maurice Klag aus Worms, Geschäftsführer der MK Media & Consulting […]
Haidach kann nur noch begrenzt liefern, Mukran hat Eisprobleme, Niederlande läuft auch leer und der Winter hält an. SZ und andere Medien haben das Thema jetzt auch entdeckt. Da ist man froh das Sie wissen das die Versorgung bis zum 30.04. gesichert ist
Lieber Epg,
Desinformation und Seitenhiebe ersetzen keine Fakten.
Da Haidach nie voll ausgespeist hat, ist eine temporäre Beschränkung um 25 Prozent kein Drama.
Zur Situation in Mukran gibt es hier einen sehr guten Bericht, der gar nicht zum Panik-Narrativ passen will. WIE SECHS SCHIFFE? Tja.
Zwei Großspeicher in den Niederlanden werden wegen Betreiberwechsel bewusst komplett leergefahren.
Was die Süddeutsche geschrieben hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Kommentare hier dürfen gerne so formuliert sein, dass sie nicht nur Panik schüren, sondern auch nachvollziehbare Inhalte transportieren. Dankeschön.
Tiefenentspannte Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Es war die bekannte Mischung aus niedrigen Speicherständen, dramatischen Prognosen und dem Wort „Gasmangellage“ in der […]
Der Stand aktuell ist unter 25 % die Niederlande ist schon weit darunter und wird dann als Lieferant ausfallen, Gasschiffe fehlen auch und der Winter dauert noch eine Weile an. Warum man da nicht mal von einem Problem reden kann, ist mir schleierhaft. Die Mainstreammedien sind die, die auch bei Corona die Klappe gehalten haben. Na denn, wird schon gutgehen, wir probieren es einfach mal würde der Kinderbuchautor sagen.
Lieber Epg,
Sie lassen sich von bestimmten Youtubern weiterhin in Panik versetzen. Vermutlich von Youtubern oder Experten, die vor 12 Tagen rausposaunten, dass in 12 Tagen alles vorbei sei. Die Glaubwürdigkeit muss jeder selbst einschätzen.
Ich rate dringlich dazu, den eigenen Kopf einzuschalten.
Der aktuelle, reale Status:
– Schiffe kommen
– Regelenergie wurde erfolgreich beschafft
– Keine Krisensignale des globalen Marktes
– Niederlande liefert
– 397 TWh in Europas Speichern
– Keine Extremkälte in Sicht: weder regional noch bundesweit
Die Verweise auf „Mainstream-Medien“, die angeblich die Klappe gehalten haben, den despektierlich „Kinderbuchautor“ genannten sehr guten ehemaligen Wirtschafts- und Klimaschutzminister: Das zeugt alles von einem Mindset, das über Jahre in eine Richtung gelenkt wurde. Ich bin kein Psychologe, daher belasse ich es bei dieser Aussage.
Tiefenentspannte Grüße,
Martin Jendrischik
Niederlande Füllstand liegt bei nur noch 15 %
Lieber Epg,
ja, und? Nach meiner Info werden zwei große Speicher in den Niederlanden wegen Betreiberwechsel leergefahren.
Schöne Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel – Cleanthinking, Zugriff am Februar 14, 2026, https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/ […]
Hallo Herr Jendrischik,
zuerst Danke für Ihre Aufarbeitung des Themas.
Ich bewundere Sie für Ihren Optimismus, kann selbigen aber absolut nicht teilen.
Privathaushalte werden außer steigenden Gaspreisen wohl kaum leiden müssen (Heizungsausfall). Wie sich das für die Industrie darstellt bleibt abzuwarten.
Schätzen Sie die Lage weiter unverändert ein?
Danke für Ihre Zeit!
Tobias Wensauer
Hallo Herr Wensauer,
vielen Dank für den Kommentar.
Und ja: Die Lage ist absolut stabil und unverändert. Die Protagonisten vom Panik-Orchester fangen bereits mit dem Zurückrudern an und ändern ihre Narrative. Es ist offensichtlich, dass die Versorgung sichergestellt ist und bleibt.
Beste Grüße,
Martin Jendrischik
Ich danke für Ihr Feedback und wünsche vorab ein schönes und erholsames Wochenende.
Gruß
Tobias Wensauer
Sehr geehrter Herr Jendrischik,
selbst Mainstream-Medien berichten über die aktuelle Situation. Die Aussage von Ihnen, die Versorgung sei sichergestellt: Worauf berufen Sie sich? Wir sind morgen unter 25 %.
Lieber Epg,
ich habe meinen Standpunkt nachhaltig deutlich gemacht. Daher wiederhole ich mich nicht.
Gegenfragen:
– Welche „Mainstream-Medien“? Was schreiben die genau?
– Habe ich NICHT über die „aktuelle Situation“ berichtet?
– Welche Auswirkungen hat Ihrer Meinung nach ein Speicherfüllstand von 25 % auf die Versorgungslage?
Herzliche Grüße,
Martin Jendrischik
Liebe Mitmenschen,
Herr Jendrischik hat seinen Standpunkt klargemacht und steht zu seiner Meinung, sowie dem Ergebnis seiner Aufarbeitung.
Es ist nicht unsere Aufgabe, Ihm vom Gegenteil zu überzeugen.
Die nächsten Monate werden uns schon zeigen, wo die Reise hingeht.
Vergessen wir eines nicht. Wir leben Alle zusammen in diesem Land.
Servus und ein schönes Wochenende!
Tobias Wensauer
Der Druck wird bald sinken und die Nachfrage bleibt hoch. Außerdem wird uns diese Situation spät im nächsten Winter einholen, dass die Speicher nicht im Sommer gefüllt worden sind.
Lieber Epg,
die Gefahr liegt darin, dass sich die EU zunehmend von amerikanischem LNG abhängig macht. Wie Trump drauf ist, wissen wir alle – sich darauf zu verlassen, ist töricht. Dazu ist LNG ein Spekulationsgut, was ebenfalls ein großes Risiko darstellt.
Daher muss die Antwort „Energie-Resilienz“ lauten. Sogar das Wall Street Journal schreibt, Europa solle sich weniger auf Energie-Importe aus den USA verlassen. Das ist der Knackpunkt, an dem Europa jetzt die gesamte Transformation beschleunigen muss.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Durchaus Interessante Webseite hier. Wenn ich die Begriffe „Klimakrise“ und „fossil“ lese, kann ich das gleich einsortieren. Vielleicht mal das Buch von Dr. Thomas Gold lesen: „The myth of fossile fuels“. Alles schön auf Linie hier. Die „Experten“ sind wieder versammelt. Wie damals bei Corona. Bis die RKI Files draussen waren. Und selbst die kennen nur Insider.
Und immer alle Kritiker in die rechte Ecke stellen. Das klappt immer. Kontaktschuld. Die Muster sind immer die gleichen. Warten wir mal ein paar Jahre. Mojib Latif ist auch ganz still geworden. Von wegen nie wieder Winter und so.
Ich habe jedenfalls einen noch halbvollen Öltank, einen wassergeführten Kamin, dafür Notstrom. 6kWp Solarthermie und 12kWp PV. Gas brauche ich nicht. Mein Einkommen hängt davon auch nicht ab. Und meine Innenraumtemperatur auch nicht.
Viel Erfolg weiterhin beim Schönreden der hausgemachten Probleme und Abhängigmachen der elektrischen Energieversorgung vom Wetter. Das kann durchaus technisch klappen, aber das führt aufgrund der Kosten zur Deindustrialisierung. Das ist meine Prognose.
Lieber Jörg,
hat es nicht für eine Anrede und eine Grußformel gereicht? Das drückt doch recht viel Respektlosigkeit aus. Sei’s drum, ich bleibe trotzdem sachlich.
Ich muss Sie leider enttäuschen: Hier findet kein „Schönreden“ statt. Und Unkenrufe, die Energiewende sei nicht möglich, gibt es seit 20 Jahren. Die Narrative mussten vielfach umgedichtet werden, weil sie von der Realität überholt wurden. Selbstverständlich werden wir ein weitgehend elektrifiziertes System bekommen. Nennt sich Elektrostaat – aber Deutschland wird nicht der Vorreiter sein. Diesen Zug haben Bremser in den Bahnhof zurückgezogen. Aber nicht auf Dauer.
Sollte es einen „abiogenen“ Ursprung fossiler Brennstoffe geben, ändert das nichts an den fatalen Folgewirkungen des fossilen Zeugverbrennens. Daher konzentriere ich mich auf das Wesentliche und nicht auf wissenschaftliche Mindermeinungen.
Auf Ihre Corona-Aussagen gehe ich nicht ein.
Schöne Grüße,
Martin Jendrischik
Hallo Herr Jendrischik,
vielen Dank für die schnelle Antwort. Das mit der fehlenden Anrede und Grußformel war keine Absicht, dafür entschuldige ich mich. Inhaltlich bleibe ich bei meiner Empfehlung der Lektüre von Thomas Gold und auch von Dr. Wolfgang Thüne: Freispruch für CO2. „Das Kohlendioxid (CO2) der Luft ist von den Vereinten Nationen als „Klimakiller“ verurteilt worden. Dr. Wolfgang Thüne, viele Jahre als Meteorologe für das ZDF (Wetterdienst) und für das rheinland-pfälzische Umweltministerium tätig, zeigt mit einer klaren naturwissenschaftlichen Beweisführung, dass dies ein Fehlurteil ist! Die angeblich „wissenschaftlichen“ Indizien der etablierten Klimaforschung erweisen sich als raffinierte Fälschungen.“
Auf diesen beiden Narrativen (CO2 als Problem fürs „Klima“ und „Fossilität“ von Öl und Erdgas) beruht die gesamte „Energiewende“. Um das zu durchdringen, müssen Sie genau da anfangen. Im Übrigen bin ich Elekro-Ing mit 30 Jahren Berufserfahrung und massiv in PV investiert und Betreiber. Ich kenne da die Technik und die Mechanismen am Markt sehr gut.
Natürlich verdient Herr „Outdoor Chiemgau“ mit an der Angst um Versorgungsengpässe. Wie jede Versicherung übrigens auch daran verdient, mögliche Probleme, die nie eintreffen zu versichern. Inhaltlich halte ich jedoch die allermeisten seiner Aussagen für korrekt, im Gegensatz zur Dauerpropaganda der „Qualitätsmedien“. Was elektrische Energieversorgung betrifft ist er als erfahrener Elektriker „spot on“.
Mit besten Grüßen
Jörg B.
Lieber Jörg,
danke für Ihre Rückmeldung.
Ich habe mir eben zumindest einmal die Vorstellung und mehrere Bewertungen zu „Freispruch für CO₂“ von Wolfgang Thüne angesehen – einfach um zu verstehen, worauf sich Ihre Empfehlung stützt. Soweit ich das nachvollziehen kann, handelt es sich um ein ursprünglich 2002 erschienenes Buch, das 2023 neu aufgelegt wurde. Mehrere Leser weisen darauf hin, dass sich große Teile auf die mediale Debatte der frühen 2000er Jahre beziehen und dass eine durchgehend wissenschaftlich hergeleitete Widerlegung des Treibhauseffekts nicht erfolgt, sondern im Kern behauptet wird, CO₂ sei kein Treibhausgas.
Genau an diesem Punkt wird es schwierig.
Ob CO₂ ein Treibhausgas ist, ist keine Frage von Politik oder UN-Beschlüssen, sondern von Physik. CO₂ absorbiert Infrarotstrahlung in klar definierten Spektralbereichen – das ist experimentell messbar und seit über 150 Jahren bekannt. Diese Absorptionsbanden lassen sich im Labor nachweisen und werden auch satellitengestützt beobachtet. Darüber besteht in der Atmosphärenphysik kein ernsthafter Dissens.
Wenn die These lautet, die etablierte Klimaforschung arbeite mit „raffinierten Fälschungen“, dann ist das eine außerordentlich weitreichende Behauptung. Sie würde implizieren, dass weltweit tausende Forscher, Messprogramme, Satellitenbetreiber, Akademien und Fachjournale über Jahrzehnte hinweg koordiniert irreführende Daten verbreiten – ohne belastbare Belege für eine solche systematische Manipulation.
Das ist eine sehr große Annahme.
Man kann über politische Instrumente streiten. Man kann über Geschwindigkeit, Kosten, Technologiepfade oder Marktdesign diskutieren. Aber die spektralen Eigenschaften von CO₂ sind keine Mehrheitsmeinung, sondern messbare Naturgesetze. Deshalb halte ich es für sinnvoll, zwischen politischer Bewertung und physikalischer Grundlage sauber zu unterscheiden.
Zu „Dauerpropaganda der ‚Qualitätsmedien'“ – von solchen Narrativen halte ich rein gar nichts. In diesem Punkt sind wir auf komplett unterschiedlichen Wellenlängen.
Was Herrn Spiegelsperger betrifft: Ich habe mir sein aktuelles Interview angesehen. Auffällig ist vor allem die wiederholte Behauptung einer „magischen 20%-Grenze“, ab der man quasi „eigentlich“ eine Gasmangellage ausrufen müsse. Das wird dort als eine Art Automatismus dargestellt – als ob ab einem bestimmten Füllstand zwangsläufig der Krisenknopf gedrückt wird.
So funktionieren Versorgungssicherheitsmechanismen aber nicht. Ein Speicherfüllstand ist ein Parameter unter mehreren. Entscheidend sind am Ende Importflüsse, Nachfrage, Wetterverlauf, Netzengpässe, Speicherarten/Entnahmeraten und die operative Steuerung im System. Prozentwerte allein sind keine Krisendefinition.
Dazu kommt ein Muster, das man bei solchen Zuspitzungen öfter sieht: Wenn die „sichere Katastrophe“ für diesen Winter nicht mehr sauber belegbar ist, wird der Fokus auf die nächste Zuspitzung verschoben – im Interview geht es später bereits um „nächsten Winter“ und sogar um das „worst worst“-Szenario stundenweiser Stromabschaltungen. Das kann man diskutieren, aber es ist ein deutlicher Sprung im Narrativ – und ersetzt keine belastbare Lageanalyse.
Handwerkliche Elektro-Erfahrung ist wertvoll. Sie ist nur kein Ersatz für eine systemische Einordnung von Gasmarkt, Netzbetrieb, Regulierung und Krisenmechanismen.
Saubere Grüße,
Martin Jendrischik
Sehr geehrte Damen une Herren, sehr geehrter Betreiber dieser Webseite,
zuerst einmal ein dickes Dankeschön, daß es diese Webseite gibt und versucht Dinge klarzustellen.
Was ich aber nicht so schön finde ist der Ton in den Kommentaren, sowohl von Anfragen/Meinungen als auch vom Webseitenbetreiber selbst.
Genausowenig gefällt mir dieses Framing von „rechter Panikmache“. Was hat es mit rechts zu tun, wenn man Unsicher ist wegen gegebener Situationen und diese evtl. falsch (?) einordnet?
Der Webseitenbetreiber macht es dadurch auch nicht besser indem er andere Meinungen dadurch delegitimiert.
Falls ich das hier falsch empfunden habe sage ich gerne SORRY!
Mir erscheint nun – als NICHT-FACHMANN – aber auch eine gewisse Unsicherheit vorzuliegen, und das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger ist mit der Veränderung der wirtschaftlichen Strahlkraft Deutschlands nicht wirklich hoch.
Demzufolge kann ich mir leider schon vorstellen, daß diese Medien doch einen gewissen Wahrheitsgehalt innehaben, hoffe aber sehr gerne daß alle Ängste unbegründet sind!
Was ich mir aber trotzdem VON ALLEN wünschen würde:
Anderer Umgang miteinender!
Sowohl der Antworten/Kommentare hier tw. auch vom Webseitenbetreiber, …
Leider ist dieses Vorgehen in Deutschland inzwischen Usus, und andere Meinungen werden ausgegrenzt, auch wenn diese oftmals ebenfalls Wahrheiten verbreiten.
Danke an alle Beteiligten, und nochmals: Trotz meiner Kritik einen Lob an den Betreiber dieser Webseite: Das ist Arbeit!
Und hört auf mit Links oder Rechts, das nervt!
Lieber Michael,
vielen Dank für den nachdenklichen Kommentar, den ich komplett unterstreiche.
Wir sollten bei der Links-Rechts-Thematik allerdings nie vergessen, wer darauf gerade besonderen Wert legt „rechts“ zu sein. Das sind eben genau die Kanäle, die ich als Panik-Orchester bezeichnet habe.
Und nein: Es geht in keinster Weise darum, dass man sich keine Sorgen machen sollte. Auch ich wünsche mir ein resilienteres Vorgehen des Wirtschaftsministeriums. Aber daraus wochenlange Panik-Videos zu verbreiten, ist einfach komplett daneben. Damit müssen diese Protagonisten schon leben.
Übrigens: In meinem ersten Artikel zur Gasmangellage habe ich ganz bewusst zuerst die Fakten aus meiner Sicht bzw. der handelnden Akteure dargestellt und dann transparent dargestellt, was NIUS, Apollo oder Fritz Vahrenholt sagen oder schreiben. Der Tenor war: Entscheiden Sie selbst. Trotz dieses Stils wurde mir „Diffamierung“ und Übleres vorgeworfen.
Ich habe mich in jeder Kommentar-Diskussion um Sachlichkeit und De-Emotionalisierung bemüht – wenn trotzdem Kommentare sauer aufgestoßen sind, dann entschuldige ich mich dafür. Würde aber gerne wissen, wo das sein soll.
Für mich ist entscheidend: Es gibt keine akute Gasmangellage und es wird auch keine geben. Alle Akteure sagen das. Alle Logik sagt das. Dagegen helfen keine Verschwörungsideen oder Faktenverdrehungen.
Ich hoffe, das hilft bei der Einordnung etwas – gerne mehr Input dazu!
Schöne Grüße,
Martin Jendrischik
Hallo Herr Jendrischik,
danke für die Antwort.
Damit kann ich was anfangen und ich hoffe Sie haben recht diesbezüglich.
Zu meinem „Vorwurf“ der Diffamierung:
Es kommt überall durch. Die Menschen (NIUS, andere Medien, Sie und ich) steigern sich rein weil leider die Diskussion aus der sachlichen Ebene auf die Angreif-Abwehr-Ebene erhöht wird. Da trägt meines Erachtens die Hauptschuld (das muß ich leider so sagen!) die Bundesregierung mit Ihrer ständigen Hetze und Ausgrenzung.
Ich wünsche mir hier allerseits mehr Meinungsfreiheit (hinterlegt mit Fakten und damit Verständnis, ideologiefrei!) und gleichzeitig Gelassenheit.
Ich danke Ihnen jedenfalls für diese wirklich gute Antwort und ich hoffe SEHR Sie haben recht!
😉
In diesem Sinne alles Gute
Michael Maier
Lieber Michael,
danke für die offene Rückmeldung – das freut mich wirklich.
Ich glaube, Sie beschreiben etwas sehr Treffendes: Sobald Diskussionen auf die Angriffs-/Abwehr-Ebene rutschen, verlieren alle Seiten. Das passiert leider schnell – in Medien, in der Politik, in Kommentarspalten.
Mir geht es nicht darum, irgendwen auszugrenzen. Im Gegenteil: Ich möchte, dass wir bei Energiefragen möglichst nüchtern bleiben. Gerade weil Vertrauen in politische Akteure nicht bei allen gleich stark ausgeprägt ist, halte ich es für umso wichtiger, Aussagen an überprüfbaren Kriterien zu messen – unabhängig davon, wer sie trifft.
Wenn wir uns auf Daten und Mechanismen konzentrieren, statt auf Lagerlogik, wird vieles automatisch gelassener.
Danke Ihnen jedenfalls für den konstruktiven Ton und den reflektierten Input.
Viele Grüße
Martin
Hallo Martin,
ich nehme dann mal die Einladung des Vornamen-Nennens an… 😉
Auch ich möchte mich für die mir gegenüber sehr gute Vorgehensweise Ihrerseits bedanken.
Und ich bin froh, daß es noch Menschen gibt welche versuchen sachlich zu bleiben und Niemanden auszuschließen.
Konzentrieren wir uns also auf Daten und Mechanismen und seien wir ALLE bereit bei eventuell auftretenden Änderungen daraus zu lernen. Wenn wir das nämlich schaffen und sachlich miteinander reden, dann sollte es keine Lagerlogik geben.
Das entsteht nur durch Ausgrenzung und dadurch in der Argumentationskette außen gelassen zu werden. Dummerweise sind beim Ausgrenzen beide Seiten benachteiligt, weil keiner dem anderen nicht mehr zuhört und dadurch manche Probleme/Ängste/Gefahren erst gar nicht realisiert.
Danke jedenfalls für Ihr Feedback, ich vertraue Ihnen dann mal und bin etwas entspannter.
Hallo Martin,
eine zweite Antwort auf dieses letzte Schreiben, damit bleiben wir innerhalb dieses Threads und sind etwas aufgeräumt hier… 😉
Sehe ich das richtig, daß Sie weiterhin aufgrund der Faktenlage entspannt sind?
Ich frage deshalb, weil meine Schwiegermutter (Sieht ausschließlich ÖRR) meinte sie würden jetzt dort (im ÖRR) schon teilweise etwas Sorge wegen Gasmangel äußern…
Ich habe jetzt dort nichts hören/sehen können, wissen Sie da jetzt was Neues oder alles easy?
Liebe Grüße
Michael
Lieber Michael,
ja, ich bin tiefenentspannt auf Basis all der Recherchen, die ich täglich mache sowie der nicht existierenden Marktreaktion und natürlich aufgrund der Reaktionen von offizieller Seite. Große Aufregung kann ich in der Medienlandschaft nicht erkennen – kann nicht beurteilen, was die Schwiegermutti gesehen hat.
Ganz frisch gibt es eine neue Entwicklung: Nord-Stream-Infrastruktur und Regasifizierungs-Kapazitäten werden jetzt genutzt, um Gas in die Ukraine zu bringen. Dort wird Energieinfrastruktur systematisch von Russland angegriffen. Eine ganz wichtige Hilfestellung also für Kiew.
Nachdem es zwischenzeitlich etwa von der AfD als einzige Rettung bezeichnet wurde, wieder Gas von Putin zu beziehen, ist das eine wunderschöne Nachricht. Denn die Ukrainer haben das verdient.
Viele Grüße,
Martin
Alles klar, danke für die Info…
[…] Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel – Cleanthinking, Zugriff am Februar 7, 2026, https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/ […]
Ich hab mir diese Seite wie einige andere auch gespeichert.
Dieses eklatante Schönbeten einer wahrhaftig desaströsen Lage ist für die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche derart kontraproduktiv, unfassbar! Was glauben sie als Autor, was passiert wenn ihre ganze Litanei wie ein Kartenhaus zusammenbricht?
Dieses dröhnende Lachen „wir haben es euch gesagt“ wird Wasser auf die Mühlen derer sein, die sich der Energiewende bisher neutral gegenüber gestellt haben. Stand heute, 7.2. sind noch 27,6% in den Speichern und die LNG Terminals laufen leer. Das Wetter wird weiterhin kalt. Heute morgen meldet der DVGW mit seinem Online Prognose Tool 1500 GWh Import pro Tag für alle weiteren Monate. Entweder ist heute Nacht die Pipeline aus Norwegen ausgefallen oder dieser Online Rechner ist unbrauchbar.
Anstatt sich da hinter irgendwelchen Zitaten zu verstecken oder hankelbastige Quellen zu verwenden, selber nachdenken wie wir das alle als Ingenieure mal gelernt haben!
Lieber Peer,
vielen Dank für diese Tirade. Wir gehen hier sachlich miteinander um. Das gilt hoffentlich künftig auch für Sie.
Dass Sie sich meine Seite „gespeichert“ haben, ist kein Argument, sondern eine Geste, die man eher aus autoritären Diskursen kennt – und weniger aus einer ingenieurmäßigen Debatte. Sie können meine Artikel gern auch ausdrucken und als Tapete verwenden – das ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal.
Entscheidend ist etwas anderes: Sie behandeln ein Szenario-Tool wie einen Messwert und erklären jeden offensichtlichen Modell-Fallback sofort zum Systemversagen. Das ist kein „selber Denken wie Ingenieure“, das ist Projektion.
Wenn der von Ihnen beschworene Panik-Countdown ins Leere läuft, stellt sich daher eine einfache Frage: Werden Sie sich dann für Tonfall und Arroganz entschuldigen – oder erklären Sie im Nachhinein wieder, warum es eigentlich doch fast geknallt hätte?
Sachliche Kritik ist willkommen. Alarmismus mit Autoritätsgehabe nicht.
Entspannte Samstagsgrüße,
Martin Jendrischik
Hallo Herr Jendrischik,
Zum ersten wüsste ich nicht, Ihnen das Du angeboten zu haben. Höflichkeit scheint nicht Ihre Sache zu sein.
Zum zweiten, auf welcher Seite die Arroganz sitzt, kann ja jeder Leser dieser Beiträge selbst beurteilen.
Wenn Ihnen weiter nichts einfällt als meine Person zu denunzieren, viel Erfolg!
Beste Grüße
Peer Brolund
Lieber Peer,
der Vorwurf, ich hätte Sie geduzt oder unhöflich angesprochen, ist unzutreffend.
Ich habe Sie durchgängig gesiezt. Die Kombination aus Vorname und formeller Anrede ist in der Cleanthinking-Kommentarspalte gängiger Standard und in keiner Weise respektlos.
Ebenso wenig habe ich Sie diffamiert oder „denunziert“. Ich habe Ihren Tonfall und Ihre Wortwahl benannt und darauf reagiert. Das ist zulässige Einordnung, keine persönliche Herabsetzung.
Zur Sache: Der DVGW-Szenariorechner ist weiterhin nutzbar, enthält derzeit jedoch keine historischen Vergleichsdaten. Die eigentliche DVGW-Prognose ist aktuell inaktiv – genau das hatte ich im letzten Kommentar angedeutet. Die von Ihnen genannten 1.500 GWh/Tag sind daher eine statische Annahme im Tool, kein beobachteter Importwert.
Wenn Sie darüber sachlich diskutieren möchten, gern. Über Anredefragen oder falsche Unterstellungen hingegen nicht weiter.
Viele Grüße
Martin Jendrischik
Hallo Herr Jendrischik,
Der Prognoserechner war bis gestern monatsaktuell mit den Ist-Importen gefüttert und entsprechend waren auch die kommenden Monate eingetaktet und konnte per Reset auf diese Werte zurück gesetzt werden. Jetzt steht alles per default auf 1500GWh. Da die Zahlen im Hintergrund gezogen werden, ist also die Berechnung der Website unbrauchbar und buggy. Sie beziehen sich in Ihrem Artikel auf den Prognosewert „Reichweite größer 30. April“. Es haben Ihnen hier genug Kommentare vorgerechnet, das dies nicht mehr möglich ist. Wenn Sie also sinngemäß schreiben, Nius, Apollo und Herr Vahrenholt betreiben (in Ihren Worten) „Alarmismus“, dann sollten sie zwecks guter Recherche selbst nachrechnen und eine entsprechende Einschätzung abgeben.
Nach meiner persönlichen Einschätzung ist es äußerst fahrlässig, die Speicher so weit zu entleeren ohne entsprechende Backups für die norwegische Pipeline zu haben. Diese Pipeline läuft seit Monaten oberhalb der Limits und hat eine Stundung der jährlichen Wartung bekommen. Herr Spiegelsberger weist hier zurecht auf das große Risiko hin. Im Sinne der Branche wäre es, hier in die gleiche Richtung zu gehen. Ein scheitern der Gasversorgung wird auch ein großflächiges Scheitern der erneuerbaren Energien zur Folge haben. Etwas, was eigentlich niemand ernsthaft möchte!
Beste Grüße,
Peer Brolund
Lieber Peer,
nein, meine Aussagen bleiben erhalten. Ich sehe keinen Grund, diese in Bezug auf die DVGW-Prognose zu ändern. Gäbe es nur und ausschließlich die DVGW-Prognose, dann wäre das anders. Aber mein Artikel umfasst all die Protagonisten, die alle das Gleiche sagen. Und das passt eben nicht zu dem, was das Panikorchester verbreitet.
Ich gebe zu bedenken, was kaum in der Debatte vorkommt: Der Speicherfüllstand ist verzerrt durch die abnehmende Bedeutung der Porenspeicher, die bekanntlich langsamer ein- und ausspeichern als Kavernenspeicher. Dadurch waren die Füllstände schlechter und sie waren für Kunden unattraktiv. Die Kavernenspeicher sind hingegen noch zu 40 Prozent (ca. 20 TWh) gefüllt, wenn man nur diese Speicher betrachtet.
Risiken gibt es immer, auch bei Pipelines. Die handelnden Protagonisten wissen, was sie tun. Da braucht es keine Panikmacher. Meine Quellen sind tiefenentspannt und blicken – wie beschrieben – wenn überhaupt mit Sorge auf den kommenden Winter.
Vielleicht interessiert Sie dieses Video von Prof. Henrik te Heesen, das sehr nüchtern ist.
Viele Abendgrüße,
Martin Jendrischik
Hier mal die aktuellen Zahlen, damit jeder die Lage korrekt einordnen kann:
Gasimporte aktuell: 3.054 GWh/Tag, Stand 04.02., Quelle Bundesnetzagentur
Gasexporte aktuell: 1.051 GWh/Tag, Stand 04.02., Quelle Bundesnetzagentur
Somit Nettoimporte: 2.003 GWh/Tag
Gasverbrauch aktuell 4.353 GWh/Tag (Nettoimporte + Nettospeicherentnahme )
Wir entnehmen aktuell mehr als 2.300 GWh/Tag aus den Speichern, bei einem Speicherfüllstand von 73.000 GWh (Stand 04.02., Quelle http://www.agsi.gie.eu)
Die gesamte LNG-Importkapazität beträgt leider nur 832 GWh/Tag, ein Wert der uns nicht retten kann und auch praktisch nie dauerhaft erreicht wurde. Derzeit bricht der LNG-Import völlig ein und betrug am 04.02. lediglich 91,6 GWh (Quelle http://www.alsi.gie.eu). Diese sind in den Zahlen der Gasimporte bereits enthalten.
Die Lage ist also völlig entspannt…(Achtung:Ironie).
Ein kleiner Fehler ist mir unterlaufen. Unser tatsächlicher Gasverbrauch ist etwas höher, weil ich die deutsche Gasförderung nicht berücksichtigt habe. Der Fehler kann aber vernachlässigt werden und ändert nichts an der Gesamtbilanz.
Grundsätzlich ist es sehr beruhigend, dass die deutschen LNG-Terminals noch deutlich mehr Gas ins deutsche Netz einspeisen können, wie sie es bisher gemacht haben. Die entscheidende Frage, die sich mir jetzt aber stellt, ist Folgende: Wer entscheidet, wann sich in den Lieferländern die Flüssiggastankschiffe auf den Weg nach Europa machen? Liegen die Schiffe dort vor Anker und warten auf Bestellungen aus Deutschland oder müssen die erst irgendwo geordert werden? Diese Schiffe benötigen für eine Lieferung ca. 20 Kalendertage, was wiederum bedeutet, dass das Gas, das in 3 Wochen benötigt wird, morgen verladen werden muss. Ist das alles berücksichtigt?
Hallo Markus,
ja, das ist berücksichtigt. Natürlich.
Es geht auch bei weitem nur um Schiffe, die erst noch losfahren, sondern auch um solche, die bereits in der Region sind. Wir haben 2022 gesehen, dass Schiffe aufgrund etwa deutscher Aufträge auf dem Weg nach Asien umgekehrt sind.
Die Schiffe fahren dahin, wo der Marktpreis entsprechend lukrativer ist. Es heißt, es seien bereits mehrere Schiffe Richtung Europa abgebogen.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Das heißt : Wir müssen nur tief genug in die Tasche greifen – dann kann uns nichts passieren . – Sehr beruhigend , vor allem für diejenigen , die ohnehin nichts in die Milch zu krümeln haben ,
Lieber Markus,
über mangelnde Kaufkraft vieler Menschen in diesem Land müssen wir nicht reden. Das treibt mich sehr um und ich fordere ständig, wenigstens mit der versprochenen Auszahlung des Klimageldes oder der Senkung der Stromsteuer für alle das zumindest abzumildern.
Ganz generell haben wir eine Politik gehabt in den vergangenen Jahrzehnten, die tendenziell Umverteilung von unten nach oben betrieben hat. Durch die Krisen sind zusätzlich viele Menschen aus der Mittelschicht vom Abstieg bedroht bzw. haben entsprechende Ängste.
Das ist eine sehr schlechte Entwicklung, die ich massiv anprangere.
Im Fall des Gases sieht es meines Erachtens etwas anders aus. Ich halte es für richtig, jetzt nicht in Panik Gas nachzukaufen. Speicher leer laufen lassen, ist der richtige Weg (es sei denn, es führt zu einem Mangelproblem, aber davon gehe ich nicht aus). Der Grund, warum ich das für richtig halte: Es kommen jetzt mit Kanada und weiteren Staaten zusätzliche LNG-Anbieter auf den Weltmarkt. Dadurch dürften die Preise im Sommer moderat sein.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
[…] Gasspeicher sind leerer als im Vorjahr. Für AfD-nahe YouTube-Kanäle ist das ein Grund für Panik – bis hin zur Ausrufung einer angeblichen Gaskrise. Dabei ist der Speicherfüllstand vergleichbar […]
Sehr geehrter Herr Jendrischik,
ich bin sehr froh Ihre Seite gefunden zu haben. Als jemand die es bisher herausfordernd fand die Komplexität der energiewirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen aber zeitgleich der Panikmache (durch benannte Youtuber) im Familienumfeld argumentativ begegnen möchte, bin ich sehr dankbar für Ihre Einordnung.
Liebe Betty,
vielen Dank für Ihre freundliche Rückmeldung – das freut mich wirklich sehr.
Energieversorgung ist komplex, aber sie ist nicht chaotisch. Genau deshalb verfängt Panikmache so leicht: Einzelzahlen oder Schlagworte werden aus dem Zusammenhang gerissen, während die Systemlogik dahinter ausgeblendet wird. Mein Ziel ist es, diese Zusammenhänge verständlich und nachvollziehbar zu erklären – gerade für Situationen wie Gespräche im Familien- oder Freundeskreis.
Wenn Sie dort argumentieren möchten, reicht oft schon ein Grundsatz:
Einzelne Kennzahlen (z.B. Speicherstände) sind kein Krisensignal, solange das Gesamtsystem aus Importen, Marktmechanismen und Reserven funktioniert.
Ich freue mich, wenn meine Einordnungen Ihnen dabei helfen, ruhig und faktenbasiert zu bleiben. Genau das ist im Moment wichtiger als laute Stimmen.
Schöne Sonntagsgrüße,
Martin Jendrischik
[…] Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel – Cleanthinking, Zugriff am Januar 31, 2026, https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/ […]
[…] Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel – Cleanthinking, Zugriff am Januar 29, 2026, https://www.cleanthinking.de/droht-uns-wirklich-eine-gasmangellage-2026/ […]
[…] greift nicht ein. Wer Medien wie Apollo News folgt, könnte meinen, Deutschland stehe unmittelbar vor einer Gasmangellage. Die Realität sieht anders aus. Zeit für eine Einordnung: Was bedeutet die Frühwarnstufe Gas […]