Gaskrise? Die Märchen des Fritz Vahrenholt

SPD-Mitglied und Aurubis-Aufsichtsratschef Vahrenholt radikalisiert sich – und tritt in sehr rechten Kanälen mit fragwürdigen Thesen auf.

Deutschlands Gasspeicher sind leerer als im Vorjahr. Für AfD-nahe YouTube-Kanäle ist das ein Grund für Panik – bis hin zur Ausrufung einer angeblichen Gaskrise. Dabei ist der Speicherfüllstand vergleichbar mit dem aus dem Krisenjahr 2022. Der entscheidende Unterschied: Die Gasspeicher haben heute aufgrund veränderter Infrastruktur eine deutlich geringere Bedeutung. Nun hat sich auch Hamburgs ehemaliger Umweltsenator Fritz Vahrenholt im Kanal HKCM von Philip Hopf geäußert – und versucht, eine Gaskrise herbeizuschwurbeln.

Dieser Faktencheck Gaskrise analysiert zehn zentrale Aussagen aus dem Video-Interview. Ob Vahrenholt selbst glaubt, was er dort erzählt? Man weiß es nicht. In diesem Cleanthinking-Beitrag gibt es Fakten rund um die Frühwarnstufe Gas und die Gasspeicher-Füllstände, speziell den Gasspeicher Rehden.


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Nein. Deutschlands Gasspeicher lagen zu Beginn des Winters bei rund 75 Prozent.
Diese Abweichung ist kein Rundungsfehler, sondern politisch relevant: Zwischen 70 % und 75 % liegen mehrere Terawattstunden Arbeitsgas. Die Aussage erzeugt künstlich den Eindruck eines „verfrühten Mangels“.

Im Gegensatz zu Herrn Vahrenholt haben die „Einkäufer“ die entscheidenden Unterschiede zu früheren Wintern sehr wohl verstanden:

• mehr Pipelinegas (vor allem aus Norwegen)
• mehr LNG
• geringere strukturelle Abhängigkeit von Speichern
• höhere Systemflexibilität

Aufgrund dieser veränderten Infrastruktur hat die Bedeutung der Gasspeicher abgenommen. Aktuelle Füllstände sind nicht das Alleinkriterium für einen angeblichen Gasmangel, eine Gaskrise oder Ähnliches.

Diese Aussage ist so wirr, dass sie fast beeindruckend ist.

Fakt ist: Es gibt keinen linearen Zusammenhang zwischen Temperatur und Entnahmerate. Es ist keine flächendeckende, anhaltende Kälteperiode mit −10 °C und darunter in Sicht. Speicherentnahmen sind steuerbar – nicht naturgegeben.
Hier wird eine fiktive Wetter-Extremlage zur mathematischen Gewissheit erklärt.

Zur Abwechslung erzählt auch Philip Hopf ein Märchen:

„Global Warming hört man gerade irgendwie gar nicht mehr.“

Richtig ist: Globale Erwärmung ist dauerpräsent. Rekordjahre, Rekordtemperaturen, Kipppunkte. Die Klimaforschung weist seit Jahren darauf hin, dass der Klimawandel zu mehr Extremwetter, länger anhaltenden Wetterlagen und größerer Volatilität führt. Dass Wetter ≠ Klima ist, sollte auch Herr Hopf wissen. Es handelt sich um Grundschulwissen.

Vahrenholt erklärt, die LNG-Lieferungen seien „nicht der Rede wert“. Tatsächlich entsprechen 0,5–1 TWh pro Tag rund einem Viertel des täglichen Gasbedarfs Deutschlands.

Später erklärt er, ein Mangel von 1 TWh pro Tag wäre „katastrophal“.
Beides gleichzeitig kann nicht stimmen. Es ist doppelt unlogisch.

Der Notfallplan Gas kennt drei Stufen. Aktuell gilt die niedrigste Frühwarnstufe. Das bedeutet: intensive Beobachtung – keine Eingriffe. Es gibt keinerlei Automatismus für die Anwendung der beiden höheren Stufen. Alle relevanten Stellen sagen: Die Lage ist stabil.

Lesen Sie auch: Der Weise aus dem Schatten: Wie Fritz Vahrenholt die Klimawahrheit verbiegt

Diese Aussage bezieht sich auf ein fiktives Szenario, in dem Deutschland angeblich täglich 1 TWh Gas fehlen würde. Dann – so Vahrenholt – gäbe es nicht nur eine Gaskrise, sondern sei auch die Stromversorgung gefährdet, weil angeblich kein Wind wehe und Strom im Wesentlichen aus Gas erzeugt werde. Das ist faktisch falsch und grob irreführend.

Richtig ist: Fracking ist in Deutschland aus guten Gründen verboten – wegen Grundwassergefährdung, Methanemissionen, Erdbebenrisiken und breitem gesellschaftlichem Widerstand. Unabhängig davon wäre Fracking keine kurzfristige Lösung um eine angebliche Gaskrise zu verhindern.

Hier wird es endgültig wild. Tatsächlich werden Stadtverteilnetze dort stillgelegt, wo auf Wärmepumpen und Fernwärme umgestellt wurde. Das hat nichts mit „Mittelalter“ zu tun, sondern mit einer sauberen Zukunft.

Vahrenholt behauptet, niemand investiere für den Zeitraum zwischen 2031 und 2045 in neue Gaskraftwerke. Dabei „vergisst“ er zu erwähnen, dass diese Kraftwerke H₂-ready sind und später auf grünen Wasserstoff umgestellt werden sollen.

Hier geht es um die Behauptung, das Energieeffizienzgesetz würde eine Halbierung des Energieverbrauchs erzwingen. Das ist eine Märchenerzählung, wie man sie auch von Hans-Werner Sinn kennt.

Richtig ist: Der Endenergieverbrauch sinkt durch Elektrifizierung und Effizienz. Das ist kein Experiment, sondern ein bewährter Mechanismus: Gasheizungen werden durch Wärmepumpen ersetzt, Verbrenner durch Elektroautos, industrielle Abwärme wird endlich genutzt.

Mehr zu Vahrenholt auch hier: Vahrenholt fordert Tschentscher-Rücktritt: Zehn fragwürdige Aussagen zum Zukunftsentscheid

Vahrenholt: Gaskrise oder Märchen?

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Das Video-Interview von Fritz Vahrenholt bei HKCM ist ein Beispiel für fossile Panikkommunikation. Die Märchen speisen sich aus:

• falschen Zahlen
• ausgelassenen Fakten
• logischen Brüchen
• emotionaler Eskalation

Am Ende steht erneut der Aufruf, „wie die Bauern nach Berlin zu marschieren“. Das zeigt, wie weit sich Vahrenholt inzwischen selbst radikalisiert hat. Offenbar treibt ihn die Sorge um, dass es ohne fossiles Verbrennen nicht gehe – eine Vorstellung, die selbst ein Märchen ist.

Transkript des Video-Interviews

0:00 – 0:52 Teaser / Einstieg

(Off / Teaser):
„Bau Gaskraftwerk – die sind frühestens 2031 da und dann würde ich 2045 aussteigen. Was ist das für ein Schwachsinn? Das ist absurder Selbstmord. Die gesamte Welt setzt auf Erdgas. Wird Deutschland ins Mittelalter zurückschießen. Das ist wirklich unglaublich. Das ist dann sozusagen unser Steuergeld, das da verpulvert wird – für nichts und wieder nichts. Es funktioniert nicht. Es wird nicht funktionieren.“

(Off / Einordnung):
„Gas ist im deutschen Winter der wichtigste und zugleich kritischste Energieträger. Ein Blick auf die aktuellen Füllstände der Gasspeicher zeigt uns jedoch: Sie leeren sich in diesem Jahr schneller als je zuvor. Drohen Industrieabschaltungen, Versorgungsengpässe und eine neue Energiekrise bereits in den kommenden Tagen? Darüber spreche ich heute mit dem Energieexperten Professor Dr. Vahrenholt. Los geht’s.“

1:06 – 1:48 Begrüßung & Vorstellung

Philip Hopf:
Herzlich willkommen. Mein Name ist Philip Hopf. Das ist ein weiteres Video der HKCM. Herzlich willkommen auch an Herrn Professor Dr. Vahrenholt.

Sie sind promovierter Chemiker und ausgewiesener Energieexperte. Von 1991 bis 1997 waren Sie Umweltsenator der Stadt Hamburg und anschließend in führenden Positionen bei Unternehmen in der erneuerbaren Energienbranche wie Repower Systems und RWE Energy tätig. Darüber hinaus haben Sie sich durch zahlreiche Publikationen zu Energie und Klima einen Namen gemacht.

Auch Ihr jüngstes Buch „Die große Energiekrise und wie wir sie bewältigen können“ wurde zum Bestseller. Unten in der Videobeschreibung findet ihr den Direktlink zu diesem Buch, falls ihr es erwerben wollt.

1:50 – 2:11 Frage: Wie ernst ist die Lage?

Hopf:
Meine erste Frage an Sie: Inzwischen ist es in den meisten Schlagzeilen sehr präsent – die Medien berichten, dass sich unsere deutschen Gasspeicher aktuell rapide leeren. Die Bundesnetzagentur bekräftigt weiter, dass es überhaupt keinen Grund zur Sorge gibt. Wie ernst ist die Lage wirklich? Stehen wir vor einer potenziellen Gaskrise?

2:13 – 3:50 Antwort: Winter, Füllstände, „Gasdruck“

Fritz Vahrenholt:
Ja, der Unterschied zu den Vorjahren ist zweierlei. Erstens: Wir sind in diesem Winter mit deutlich geringeren Gasspeichermengen gegangen. Wir sind nur mit 70 Prozent Füllstandsgrad in den Winter eingestiegen.

Und nun stellen wir fest: Wir haben den kältesten Winter seit 15 Jahren. Offenbar haben die Einkäufer – die Bundesnetzagentur – mit solchen Wintern nicht mehr gerechnet.

Das führt dazu, dass wir heute nur noch einen Füllstandsgrad von 36,6 Prozent haben. Unter 30 Prozent wird es zunehmend schwieriger: Der Gasdruck wird geringer und die Versorgungssicherheit gefährdet.

Und ich kann natürlich verstehen, dass die Bundesnetzagentur abwiegelt – und hoffentlich geht’s ja noch mal gut, wie es Herrn Habeck ja auch dreimal gut gegangen ist. Das waren zwei sehr milde Winter, die dazu geführt haben, dass wir immer noch an einer Notlage vorbeigeschrammt sind.

Aber wenn ich mir die Wettervorhersage der nächsten zehn Tage anschaue: Wir kriegen jetzt in den nächsten Tagen eine ganz leichte Erwärmung auf etwa 0 bis 2 Grad. Nachts bleibt es frostig. Aber danach geht es in eine weitere Ostwindwetterlage mit noch tieferen Temperaturen – und dann wird es ernst, weil man dann davon ausgehen kann, dass jeden Tag 1 Prozent aus den Gasspeichern verschwindet.

3:50 – 4:45 Vergleich mit Vorjahr & „Global Warming hört man nicht mehr“

Hopf:
Sie haben es ja gerade schon angesprochen. Wir haben heute geprüft: nach aktuellem Stand etwas über 36 Prozent. Und im letzten Winter, wenn wir das in den Vergleich ziehen, standen wir Ende Januar noch bei über 55 Prozent.

Das heißt also: Es könnte hier wirklich zu einer Notfallsituation kommen. Und Sie hatten uns ja auch angesprochen: Die Medien und die Politik konnten sich das nicht mehr vorstellen. Wir haben immer wieder in den letzten Jahren Berichte gelesen, wonach behauptet wurde, es würde auch nicht mehr schneien in Deutschland – Global Warming und so weiter.

Jetzt aktuell – ich weiß nicht warum – wird das nicht mehr erwähnt. Global Warming hört man gerade irgendwie gar nicht mehr, nach diesem starken Winter. Ich weiß nicht, warum da das Interesse gerade schwindet.

Ist es denn jetzt so, dass wir eine kritische Situation haben? Und was würde das denn bedeuten – kritisch? Was kann denn da passieren im schlimmsten Fall?

4:47 – 6:17 Pipelinegas, LNG, Notfallverordnung, Priorisierung

Vahrenholt:
Also, wir haben ja Gott sei Dank auch noch Pipelinegas – nicht mehr aus Russland, aber aus Norwegen. Und wir kriegen natürlich auch jeden Tag ein bisschen LNG, also Flüssiggas.

Das ist aber insgesamt nicht der Rede wert. Wir haben nur etwa 0,5 bis 1 Terawattstunde pro Tag Flüssiggas. Das heißt: Wir werden nicht auf null gehen. Wenn die Speicher leer sind, werden wir immer noch Pipelinegas haben. Das heißt: Dann werden wir etwa nur noch 70 Prozent des Gases importieren – aber das wird nicht mehr ausreichen, um die gesamten Bedarfe abzudecken.

Und dafür gibt’s eine Notfallverordnung. Das heißt: Zunächst wird eine Alarmstufe ausgerufen. Das Wirtschaftsministerium wird dann, wenn es vorhersehbar so weitergeht, die Notfallstufe ausrufen. Und dann ist die Möglichkeit gegeben, Gewerbebetrieben und der Industrie das Gas abzudrehen.

Haushalte – insofern kann ich beruhigen – Haushalte, öffentliche Gebäude, Krankenhäuser sind davon ausgenommen. Aber: Was ist das für eine Situation, wenn wir davon ausgehen müssen, dass in manchen Regionen die Industrie mit der Produktion nicht weiterkommt? Ich denke an die Glasindustrie, die Papierindustrie, die chemische Industrie, die metallverarbeitende Industrie.

Was ist das für ein Signal auch in die Welt? Die Welt lacht ohne uns schon über uns. Wir haben dreimal so hohe Strompreise wie die Welt. Und wenn wir dann noch feststellen, dass wir unseren Lieferverpflichtungen an Produkten nicht mehr nachkommen können – für ein, zwei Wochen – weil wir nicht genügend Gas eingekauft haben: Dann fragt man sich wirklich, was ist eigentlich in Deutschland los?

7:05 – 8:30 Größenordnung / Stromversorgung / regionale Unterschiede

Hopf:
Sie sprechen von möglichen Abschaltungen in der Industrie. Wir sehen ja jetzt schon, dass jeden Tag mittelgroße Industriekonzerne schließen, Menschen ihre Arbeit verlieren. Auch das galt vor ein paar Jahren noch als große Verschwörungstheorie, dass wir Massenarbeitslosigkeit in Deutschland bekommen. Es gibt de facto eine Deindustrialisierung, eine starke Abwanderung.

Und jetzt sagen Sie: Es könnte dazu noch kommen, dass wir in eine Gasmangellage kommen und dann treten gewisse Regelungen in Kraft. Das heißt: Zum Schutz der Zivilbevölkerung, damit diese weiterhin Gas haben, werden Industriebetriebe abgeschaltet. Von welcher Größenordnung reden wir dann?

Vahrenholt:
Ja, wenn es tatsächlich so kommt, dass wir jeden Tag 1 Terawattstunde Gas zu wenig haben, dann werden zusätzlich die Gaskraftwerke natürlich beliefert – denn die sorgen dann ja noch für die Stromversorgung. Also zum allen Übel würde dann ja auch noch die Stromversorgung gefährdet. Also: Die haben auch Priorität.

Und den Rest wirklich einzusparen – das wird schon zu flächendeckenden Sperrungen bei Industriebetrieben kommen. Es kommt sehr regional darauf an, wie der Gasdruck in jeder Region ist. Das ist sehr unterschiedlich, das kann ich Ihnen jetzt nicht vorher sagen.

Aber an sich: Die Tatsache, dass wir mit so etwas rechnen müssen – und dass darüber auch im deutschen Bundestag keine Aktuelle Stunde gibt, keine wirkliche Debatte – das macht mich wirklich fassungslos. Weil wir spielen mit der Industrie in Deutschland Bank. Und das ist ja schon in der Vergangenheit so gewesen: indem man einfach Kernkraftwerke abgestellt hat, die zur Grundversorgung nötig waren.

8:49 – 11:31 Kraftwerksbau, Winterrisiko, Klimanarrativ & „Naturzyklen“

Vahrenholt:
Und vor dem Hintergrund, dass durch die abgestellten Kernkraftwerke jetzt ja – wie Frau Reiche, Ministerin Reiche, erklärt – eigentlich 25 Terawattstunden Gaskraftwerke gebaut werden müssten: Er hat jetzt die Erlaubnis, 12 GW zu bauen – Entschuldigung, 12 Gigawatt zu bauen, also etwa 20 Gaskraftwerke. Aber auch die müssen im Winter mit Gas beliefert werden.

Das geht alles nicht zusammen. Und deswegen kann ich mir das eigentlich nur so erklären, dass man einfach die letzten drei warmen Winter fortgeschrieben hat – nach dem Motto: „Klimakatastrophe ist ja sowieso nicht mehr“, also die kalten Winter sind sowieso nicht mehr wegen Klimakatastrophen, Entschuldigung – und deswegen mit solchen kalten Wintern nicht mehr gerechnet.

Aber wer ein bisschen weniger an die Modelle glaubt – und diejenigen, die ja immer nur glauben: alleine CO₂ macht Erwärmung – dem muss man einfach sagen: Die Natur hat natürliche Zyklen.

Und wenn wir zurückgucken, wissen wir: Am Ende einer Solarperiode, am Ende einer elfjährigen Sonnenperiode, wenn die Aktivität der Sonne zurückgeht, gibt es in Nordeuropa einen Einfluss auf die Windströmung. Dann lässt die Westwindwetterlage nach, und es kommen häufiger Ostwind- und Nordwindwetterlagen. Das hatten wir 2009 bis 2011 so – das waren die letzten kalten Winter. Das wird jetzt die nächsten Jahre im Übrigen auch häufiger eintreten. Das ist statistisch gesichert, das ist wissenschaftlich gesichert.

Aber es wird nicht zur Kenntnis genommen, weil man alleine glaubt: „Nur CO₂ kann das Klima beeinflussen.“ Nein, die Natur macht das auch. Sie hat Schwankungen und natürliche Einflüsse.

Wenn man das bestreitet, dann kommt man zu dem Glauben, dass das alles so weitergeht – und dann kauft man falsch ein, dann macht man keine Sicherheit. Denn jetzt zu handeln ist sehr spät.

Wir haben tatsächlich jetzt festgestellt: Die Preise gehen jetzt raketenartig nach oben.

11:40 – 13:22 Gaspreise, LNG-Umlenkung, Transportzeit & „nicht heilbar“

Vahrenholt:
Noch mal ein Zusatzeffekt: Gerade die letzten Tage … Ja. 30 Prozent Gas. Deswegen würde ich eben raten, jetzt seinen Gasvertrag nicht zu verlängern – denn das wirkt sich natürlich auch auf private Gasverträge aus – und abzuwarten, dass das wieder runterkommt im Sommer.

Aber jetzt geht natürlich automatisch der internationale Gashandel nach Europa. Das heißt: Die Schiffe, die nach Südostasien unterwegs sind – von Katar zum Beispiel – die drehen und fahren nach Europa, weil es ja nicht nur in Deutschland, sondern europaweit knapp ist.

Diese Politik ist europaweit so gefahren worden: möglichst kein ukrainisches Gas. Das haben wir gerade in diesen Tagen gelernt. Die EU-Kommissarin hat ganz vollmundig erklärt: 2027 müsse absolut Schluss sein mit dem Russengas.

Aber diese LNG-Schiffe kommen viel zu spät. Also sind jetzt zwei Schiffe umgedreht – irgendwo im Stillen Ozean – bis die hierher kommen, sind das drei Wochen.

Man muss bedenken: Ein LNG-Tanker von Amerika nach Norddeutschland braucht drei Wochen. Und dann hat er eine Terawattstunde. Das heißt: Das reicht dann für einen Tag. Das reicht für einen Tag.

Das ist nicht mehr durch zusätzliche Tanker, die man umdirigiert, zu heilen.

Wir werden durch diese Krise wohl durchgehen. Und am Ende ist das schon ein Weckruf für die Energiepolitik, die beim Strom gescheitert ist und jetzt beim Gas die gleiche erlebt.

13:37 – 14:16 „Wir hätten Gas“, Fracking-Verbot, USA-Vergleich

Vahrenholt:
Denn zu einem Überfluss muss man ja sagen: Wir hätten ja genügend Gas in Deutschland. Es ist ja nicht so, dass wir nur auf Importe angewiesen sind – aber es ist verboten, es zu fördern.

Das muss man der deutschen Bevölkerung mal sagen: Seit 2017 ist es verboten, in Deutschland Schiefergas zu fördern. Wegen dem lieber Schiefergas aus Amerika – das deutlich teurer ist – als wenn wir es hier hätten. Was übrigens auch hier umweltfreundlicher gefördert würde als in den Vereinigten Staaten der Fall ist.

14:21 – 15:27 Nachfrage: LNG kann die Lücke nicht schließen / Nachbarländer / Ausstieg 2045?

Hopf:
Die Bundesnetzagentur sagt: „Das ist alles beherrschbar und wir kaufen das einfach am Weltmarkt ein.“

Jetzt haben Sie uns aber gesagt: Selbst wenn die Schiffe ankommen, reden wir immer nur von einem Tag. Das heißt: Wenn ich das richtig verstehe: Die LNG-Schiffe – ob sie nun aus den USA kommen, zu einem Vielfachen der Preise wie wir sie hier zahlen würden, oder ob sie aus anderen Ländern kommen – die können diese Lücke ja nicht schließen.

Und wenn Sie mich richtig interpretiert haben: Sie sagen auch, dass unsere Nachbarländer ein ähnliches Problem haben wie wir.

Jetzt ist es ja so, dass Deutschland bis 2045 komplett aus Gas als Energieträger aussteigen möchte. Auch Ihre alte Heimat Hamburg hat gesagt, sie möchten quasi Zero Emission werden und gehen da sehr interessante kreative Wege.

Kann man damit rechnen, dass die Gasversorgung somit jedes Jahr immer unwichtiger wird – oder wie ist das? Wenn wir davon wegkommen wollen, dann müssen wir jetzt schon aktive Schritte einleiten, damit der Gasverbrauch deutlich verringert wird.

15:29 – 18:49 „Absurd“, Welt setzt auf Gas/Atom, 2031 vs 2045, Wärmepumpen, KI

Vahrenholt:
Ja, die deutsche Politik muss ich mal langsam ehrlich machen. Es ist doch völliger Wahnsinn, 2045 die Erdgasversorgung in Deutschland einzustellen. In jeder Straße gibt es Erdgasleitungen, die die Bevölkerung versorgen – aber nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das Gewerbe. Natürlich – damit heizen wir nicht nur, sondern machen auch Wärmebehandlung von Metallen. Also: Betriebe hängen davon ab. Das ist absurder Selbstmord.

Die gesamte Welt setzt auf Erdgas. In Amerika ist der Zubau an Erdgaskraftwerken plus Kernkraftwerken jetzt vorprogrammiert im Wettlauf mit China. China setzt ebenfalls auf Kernenergie und massiven Ausbau von Erdgas. Nur die Deutschen glauben, sie könnten die Welt retten, indem sie ihre Erdgasleitungen rausreißen oder stilllegen. Das ist so absurd – das wird Deutschland ins Mittelalter zurückschießen.

Es funktioniert nicht. Es wird nicht funktionieren.

Und deswegen ist es doch schon abenteuerlich, dass man auf der einen Seite jetzt die Engpässe bei der Stromversorgung sieht. Man merkt, dass man ab November vom Wettergott abhängt. Wind ist heute – wenn ich rausgucke – überhaupt nicht. Also braucht man immer noch Kohlekraftwerke, die das Netz stabilisieren. Und dafür will ja die Bundesregierung Gaskraftwerke bauen.

Ja: Ich baue Gaskraftwerke – die sind frühestens 2031 da – und dann würde ich 2045 aussteigen. Was ist das für ein Schwachsinn?

Wer soll für 14 Jahre ein teures Gaskraftwerk bauen? Das kann man machen, wenn man dem das bezahlt – aber das ist dann sozusagen unser Steuergeld, das da verpulvert wird für nichts und wieder nichts. Das ist eine so absurde Politik, die spätestens jetzt bei dieser Gaskrise offenbart wird.

Vor 14 Tagen hat die Bundesregierung gejubelt und gesagt: „Ja, wir dürfen jetzt 12 GW Gaskraftwerke bauen.“ Damit sei die Unsicherheit auf der Stromseite beseitigt. Das glaube ich noch nicht. Denn die nächsten fünf Jahre – bis die dann kommen – wird es ewig ein Zittern geben, ob in der Dunkelflaute nicht die Stromversorgung zusammenbricht.

Aber gleichzeitig ist das Datum festgelegt: 2045 gibt’s kein Gas mehr. Und die denken, das ist alles durch Wärmepumpen herstellbar.

Die ganze Welt – ich wiederhole mich – setzt auf KI, das heißt auf mehr Energieverbrauch. Das ist auch wohlstandschaffend: die Verdoppelung des Energieverbrauchs in den USA, die Verdreifachung in China – und wir glauben, wir könnten mal halbieren. So steht’s im Energieeffizienzgesetz, das von den Grünen damals durch den Bundestag – und der SPD und der FDP darf man auch nicht vergessen – durch den Bundestag gebracht hat. Das ist alles Selbstmordprogramm.

Und jetzt spüren wir das.

18:50 – 20:33 Mobilisierung, Medienkritik, Schluss

Vahrenholt:
Und ich muss eigentlich sagen: Ich sehe immer noch nicht, dass 50.000 Arbeiter von den Betrieben, die davon betroffen sein werden, nach Berlin marschieren und sagen: Jetzt reicht’s uns. Spätestens dann, wenn die Betriebe abgestellt werden, haben sie ja dann alle auch ein bisschen Zeit.

Dann erwarte ich doch einfach, dass sie so viel Mut haben, wie die Bauern es haben, wenn es um ihre Interessen geht. Wir müssen uns wehren dagegen. Die Berliner Blase muss merken, dass die Metallarbeiter, die Chemiearbeiter, die Arbeiter in den energieintensiven Betrieben sich nicht so behandeln lassen – und dass man nicht mit ihren Arbeitsplätzen spielen kann.

Ich hoffe jedenfalls, dass das passiert. Aber ich gebe Ihnen recht: Es ist immer noch der Eindruck: Es geht doch alles wunderbar.

Und die Medien spielen natürlich hier eine entscheidende Rolle. Ich werde ja nicht von ZDF oder ARD eingeladen, um meine abweichende Meinung kundzutun, sondern von Ihnen dankenswerterweise. Und ich hoffe, dass Sie viele Einschaltquoten haben, dass die Menschen merken, wie mit ihnen umgegangen wird.

Hopf:
Herr Professor Dr. Vahrenholt hier mit sehr klaren und deutlichen Aussagen. Vielleicht einer der Gründe, warum er eben nicht im ARD und ZDF erscheint mit seiner abweichenden Meinung – denn das würde dann möglicherweise einige Leute sehr nervös machen.

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken dafür und kann nur an die Leute appellieren, die das Ganze sehen: Wer immer wieder das Gleiche tut und andere Ergebnisse erwartet – das ist ja schon die Definition des Wahnsinns von Albert Einstein – der darf sich nicht wundern, wenn es in Deutschland genauso weitergeht.

Herzlichen Dank, Herr Professor Dr. Vahrenholt.

Die Art und Weise, wie fossile Protagonisten wie Fritz Vahrenholt mittlerweile versuchen, gegen das Erfolgsprojekt Energiewende zu argumentieren, sind verräterisch. Ohne das Verdrehen oder das faktische Weglassen maßgeblicher Fakten, ist es nicht mehr möglich. Die Realität sieht dabei ganz anders aus: Erst kürzlich hat Cleanthinking berichtet, dass sich neben China auch Indien bereits auf dem Weg in Richtung Elektrostaat befindet – und das fossile Zeitalter weitgehend überspringen wird.

Hier der Artikel zu Indiens Weg zum Elektrostaat.

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Naja… warten wir mal ab. ich verlasse mich auf diese Regierung nicht mehr und sorge für mich und meine Familie vor. Und selbst wenn das Gas reichen sollte, ist es absolut fahrlässig und sollte unter Strafe gestellt werden, ein Industrieland wie Deutschland so am Limit zu fahren. Der wirtschaftliche Schaden, bei fehlendem Gas für die Industrie, ist für unser Land das Schlimmste was passieren kann. Deutschland ist nicht mehr zu retten. Leider https://www.youtube.com/watch?v=5jjQs35GEqQ

Hallo Herr Jendrischik,

die aktuellen Gasspeicherstände sind mittlerweile bei nur noch 29,1 % angelangt, irgendwie erscheint mir nicht schlüssig wie der DVGW auf eine Versorgungssicherheit bis April kommt. Bei den aktuellen Temperaturen vor allem Nachts erscheint mir das eher als sehr optimistisch gerechnet. Derzeit gehen ca. 2.400 GWh pro Tag raus während nur 70 GWh reinkommen. Ich lebe u.a. in Brandenburg und wir haben hier derzeit Dauerfrost und es soll die nächsten Wochen so weiter gehen.

Gemäß der Plattform für LNG (Einsehbar https://agsi.gie.eu/) ist auch die LNG Versorgung definitiv nicht sichergestellt.

Ist es eher Hoffnung und Vertrauen darauf, das es reicht, oder woher kommt ihre Überzeugung, dass die genannten Personen im Unrecht sind?

LG

Hallo,
nur mal ein paar Fakten von gestern, 05.02.26 – 6 Uhr:

  • Füllstand Gasspeicher D: 29,16% (historisch niedrig für Anfang Februar)
  • Bayern nur noch 20% – Gas muss regional verteilt werden
  • Füllstand Europas: 439TWh (also niedriger)
  • Etliche Speicher habe nicht nutzbare, nationale Notfallreserven (Österreich 20TWh, Italien 25), die man herausrechnen muss
  • Manche sind abgelegen (Spanien) und daher im Gasnetz kaum nutzbar
  • LNG-Importe deutlich zurückgegangen (von 500 auf 91MWh, absoluter Tiefpunkt)
  • Gas-Exporte von D gehen dagegen nach oben (über 1 TWh)
  • Pipeline von Norwegen unter Volllast (Wartungstermine ausgesetzt)

Und wir sind schon 30h weiter, weil es dauert, diese Daten verlässlich einzusammeln. Also ~1% Abnahme einkalkulieren.

Panik/Angst sind wirklich kein guter Ratgeber, aber normal ist das nicht. Und es muss selbst bei einem zukünftig moderaten Wetterverlauf zu Konsequenzen führen, wenn man rechnen kann.

Der Hinweis auf den Wahlkampf ist eine nachvollziehbare Erklärung, warum man die im Gesetz verankerte Gasversorgungslage „kritisch“ versucht auszusitzen. Das wird wohl nicht klappen.

Mit sonnigen Grüßen

Sehr geehrter Herr Jendrischick,

ich habe Ihnen die Antwort von Fritz Vahrenholt gesendet. Apollo News und Nius habe ich ebenfalls Ihre Artikel geschickt und habe bis heute keine Antwort bekommen. Das heißt Sie haben recht, sonst hätten mir diese Medien doch geantwortet. Hier noch Video von einem anderen Angstmacher Politiker, MINT-Bildung, Gasmangel – Erforderliche Änderungen
https://yt3.ggpht.com/ytc/AIdro_k8VpIWzUulFuvWsJNCktMtZn73f1klYxYVus40mrDQTQ=s48-c-k-c0x00ffffff-no-rj
Horst Lüning (UnterBlog)

Entschuldigen Sie bitten meine Unterstellung. Ich ärgere mich nur über diese Angstmacher so.
Warum die Regierung diese Dinge nicht klar kommunizieren kann, dann würden man diesen Angstmachern das Handwerk legen können.

Sie finden den Beitrag fundiert und kritisieren meinen Beitrag.
Im Beitrag vom 26.1. wird behauptet, ich hätte vom Polarwirbel-Split gesprochen. Das ist eine falsche Behauptung. Ich habe niemals vom Polarwirbel-Split gesprochen. Der nächste Satz behauptet, dass es die nächsten 14 Tage keine Extrem-Kälte geben solle. Wir wissen nun, dass GFS strengen Frost unter -10 Grad rechnet und ECMF mit starkem Schneefall rechnet.
Der Speicher Haidach war bis 2023 ein rein deutscher Speicher, von uns befüllt, von uns entnommen. Herr Habeck hat ihn zur Hälfte an Österreich abgegeben, obwohl er rein aus Deutschland befüllt wird. Warum verschweigt Herr Jendrischik das ?
Heutige Durchschnittsbefüllung in Deutschland 35,14 %. Entnahme pro Tag 0,83 %.
Zur LNG Beschaffung erweckt die BNetzagentur den Eindruck, dass jederzeit mehr LNG beschafft werden könne. Sie wissen schon , dass ein LNG Tanker von den USA bis Brunsbüttel 18 Tage braucht?
 
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
 
Von: Otto Lieb <ottolieb@gmx.de>
Gesendet: Mittwoch, 28. Januar 2026 07:23
An: Fritz.Vahrenholt@kaltesonne.de
Betreff: Gasmangel
 
Sehr geehrter Herr Vahrenholt,
 
mit großen Interesse habe Ihr Interview bei Apollo News verfolgt.
 
Allerdings bin ich auch auf diesen Artikel von Martin Jendrischik gestoßen der Ihnen Angstmache und Fehlinformationen vorwirft.
 
Seine Argumente Argumente sind fundiert. Mein Frage an Sie lautet verbreiten Sie Angstmache.
 
Hier seine Artikel auf https://www.cleanthinking.de/
 
 
Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel

Der Weise aus dem Schatten: Wie Fritz Vahrenholt die Klimawahrheit verbiegt 
Hochachtungsvoll
 
Otto Lieb

Sehr geehrter Herr Jendrischik,

ich habe Ihren Artikel vom 24.01.2026 Fritz Vahrenholt geschickt. Hier seine Antowrt.

Sie finden den Beitrag fundiert und kritisieren meinen Beitrag.
Im Beitrag vom 26.1. wird behauptet, ich hätte vom Polarwirbel-Split gesprochen. Das ist eine falsche Behauptung. Ich habe niemals vom Polarwirbel-Split gesprochen. Der nächste Satz behauptet, dass es die nächsten 14 Tage keine Extrem-Kälte geben solle. Wir wissen nun, dass GFS strengen Frost unter -10 Grad rechnet und ECMF mit starkem Schneefall rechnet.
Der Speicher Haidach war bis 2023 ein rein deutscher Speicher, von uns befüllt, von uns entnommen. Herr Habeck hat ihn zur Hälfte an Österreich abgegeben, obwohl er rein aus Deutschland befüllt wird. Warum verschweigt Herr Jendrischik das ?
Heutige Durchschnittsbefüllung in Deutschland 35,14 %. Entnahme pro Tag 0,83 %.
Zur LNG Beschaffung erweckt die BNetzagentur den Eindruck, dass jederzeit mehr LNG beschafft werden könne. Sie wissen schon , dass ein LNG Tanker von den USA bis Brunsbüttel 18 Tage braucht?
 
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Fritz Vahrenholt
 
Von: Otto Lieb <ottolieb@gmx.de>
Gesendet: Mittwoch, 28. Januar 2026 07:23
An: Fritz.Vahrenholt@kaltesonne.de
Betreff: Gasmangel
 
Sehr geehrter Herr Vahrenholt,
 
mit großen Interesse habe Ihr Interview bei Apollo News verfolgt.
 
Allerdings bin ich auch auf diesen Artikel von Martin Jendrischik gestoßen der Ihnen Angstmache und Fehlinformationen vorwirft.
 
Seine Argumente Argumente sind fundiert. Mein Frage an Sie lautet verbreiten Sie Angstmache.
 
Hier seine Artikel auf https://www.cleanthinking.de/
 
 
Gasmangellage? NIUS, Vahrenholt, Reichelt & der Gasmangel

Der Weise aus dem Schatten: Wie Fritz Vahrenholt die Klimawahrheit verbiegt 
Hochachtungsvoll
 
Otto Lieb

[…] Speicherentnahme beträgt aktuell etwa 0,4 bis 0,5 TWh pro Tag – nicht die vielfach kolportierten 1 TWh. Die Panikrechchnungen sind damit um fast die Hälfte […]

Ich beobachte die ganze Situation, verfalle auch nicht so leicht in Panik. Allerdings sind für mich die niedrigen Gas-Speicherstände durchaus ein Indiz dafür, dass die sog. Energiewende mindestens punktuell gescheitert ist. Hätte dieses Land nämlich noch die sicheren Atomkraftwerke, dann gäbe es die jetzige Situation vermutlich gar nicht, da man dann nicht auf die Verstromung des Erdgases angewiesen wäre. So aber muss ein Teil des Erdgases verstromt werden, d.h. es steht Firmen/Privatpersonen nicht als Heizenergie zur Verfügung. Und dann will man auch noch Kohlekraftwerke stilllegen? Wie bitte soll das funktionieren? Es gäbe dann ausschließlich die nicht planbare Solar- und Windenergie, was ich perspektivisch für eine Katastrophe halte.

Sehr geehrter Herr Jendrischick,

drei wesentliche Faktoren – niedrigere Speicherstände, höherer Verbrauch und gesunkene Nettoimporte – sind die zentralen Kennzeichen der deutschen Gasversorgung im Januar 2026 und hängen eng miteinander zusammen.

Hier ist eine Gegenüberstellung der Situation im Januar 2026 mit dem Vorjahr basierend auf den verfügbaren Daten:

Faktor 1: Speicherstände (Januar 2026 vs. Vorjahr)

· Niveau am 28.01.2026: 34 % Füllstand (94 TWh)
· Vergleich zum Vorjahr: Deutlich niedriger; nur im Krisenjahr 2022 vergleichbar
· Wesentliche Ursache: Höhere Entnahme wegen kälterem Wetter, gestiegener Exporte und niedriger Füllungsgrad zu Anfang der Heizsaison.

Faktor 2: Gasverbrauch (Januar 2026 vs. Dreijahresdurchschnitt)

· Aktuelle Entnahme: Über 1 TWh/Tag über dem Dreijahresdurchschnitt
· Hintergrund: Kältere Temperaturen im Januar 2026 erhöhten den Heizbedarf

Faktor 3: Nettoimporte (Importe minus Exporte)

· Entwicklung: Deutlich gesunken
· Hauptgrund: Explosion der Exporte nach Zentral-/Osteuropa (z.B. Österreich: +274 GWh/Tag; Tschechien: +251 GWh/Tag)

Die zugrundeliegende strukturelle Veränderung:
Diese drei Faktoren sind kein Zufall, sondern Ergebnis einer neuen europäischen Gaslogistik. Seit der Einstellung der russischen Lieferungen und des Transits durch die Ukraine Ende 2024 hat sich Deutschland zur zentralen Gasdrehscheibe für Mitteleuropa entwickelt.

Gas aus Norwegen und LNG von Übersee wird importiert und ein großer Teil sofort weiter in Länder wie Österreich, Tschechien und in die Schweiz exportiert, die nun stark von deutschen Importen abhängen. Dieser massive Anstieg der Exporte um 148% im Jahr 2025 (auf 221 TWh) drückt die Nettoimporte, obwohl die Bruttoimporte insgesamt gestiegen sind.

Gleichzeitig bedeutet diese Rolle, dass die deutschen Speicher im Winter nicht nur die eigene Versorgung, sondern auch die Pufferfunktion für diese Nachbarländer mittragen. Ihre Bedeutung ist daher gestiegen und keineswegs gefallen, wie leider oft kommuniziert wird.

Können Sie dieser Darstellung etwas abgewinnen?

Was sehe ich falsch?

Grüße
Don

Zuletzt bearbeitet am 5 Tage zuvor von Don

Hallo Mr. Don,
großes Kompliment, dass Sie (Don) hier die wirklichen und sämtlich überprüfbaren Fakten sowie Hinweise dazu liefern. Das ist auch mein Kenntnisstand.
Wie erwartet schweigt Hr. Jendrischik dazu und kommt nicht wie sonst üblich mit den oft standardmäßig behaupteten Panikvorwürfen an Kritiker.

Wir brauchen nur noch ein paar Wochen abwarten, dann wird die Realität den Ideologien, die in unserem Land und auch in diesem Blog systematisch verankert sind, die Tür eintreten.

Ich komme als Naturwissenschaftler von einer Universität und kann Ihnen sagen, dass – wie Einstein schon treffend formulierte – die Dummheit keine Grenzen kennt, und auch die ehemaligen Wissenshochburgen an vielen Stellen gekapert hat.

Beste Grüße
WHybird

Zuletzt bearbeitet am 4 Tage zuvor von Martin Jendrischik

Hallo,
Danke für Ihre prompte Reaktion – hoffentlich nicht wegen meines deftigen 3. Absatzes.

Und es ist völlig nachvollziehbar, wenn Sie für Antworten Zeit brauchen. Mir fiel nur auf, dass Sie auf andere sehr schnell reagieren und Don (s.u.) z.T. unkommentiert stehen lassen.

Mein letzter Absatz sollte erklären, weswegen man leider bei universitär ausgebildetem Personal (mich eingeschlossen) nicht davon ausgehen kann, profundes Wissen vorzufinden – sondern es zunehmend mit fehlendem Hintergrundwissen, ideologisch vorgeformten Sichtweisen und ausgeblendeten Fakten zu tun hat. In meiner Branche ist das eindeutig belegbar.

Als Beispiel nenne ich nur einmal den Ozeanographen Hrn. Latif, der den Schnee von rund 25 Jahren zum Auslaufmodell in D bezeichnete. Ich habe diesen Mann live erlebt – unglaublich, dass er in diesen Tagen die Ehrenbürgerschaft in SH erhält.

[HINWEIS: Die Darstellung zu Mojib Latif durch den Kommentator ist falsch: Mojib Latif hat mehrfach öffentlich klargestellt, dass er in diesem Punkt missverständlich bzw. falsch zitiert wurde und sich seine Aussagen auf langfristige statistische Trends bezogen – nicht auf das Ausbleiben von Wintern oder Schneeereignissen. Die fortgesetzte Wiederholung dieses längst widerlegten Narrativs ist ehrabschneidend und verzerrt wissenschaftliche Aussagen zu politischen Zwecken. (Anmerkung: Fakteneinordnung von Martin Jendrischik)]

Sie haben in Ihren beiden Artikel zu den „Panik“ verbreiteten Bloggern geschrieben und diese weniger mit Fakten als mit Diskreditierungen beantwortet. Andererseits erhielten sie über die wenigen Kommentare reichlich Stoff zum Nachdenken. und wie das an Ihnen abprallt, verleitete mich zu etwas deutlicheren Worten.

Wenn Sie sich mit der Versorgungssicherheit in Deutschland beschäftigen und bezeichnen die meteorologisch möglichen Zustände als Hauptursache der von Ihnen immer noch nicht erkannten Krisenlage, dann ist das für meine Begriffe ideologisch getrieben (s. Ihre Antwort unten auf Don). Hätten wir ausreichend konventionelle Kernkraftwerke und würden nicht den Zappelstrom mit viel Gas ausgleichen müssen, würde diese Krise auch mit einem harten Winter (den wir insgesamt gesehen bisher nicht haben) nicht passieren und die Gasversorgung wäre gesichert. Deswegen ist das eine „strukturell bedingte“ Krise, die meteorologisch begründet verschärft wird.

Der Februar wird zu kalt ausfallen und damit wurde nicht gerechnet. Die Krise wird damit vorgezogen und wäre über kurz oder lang garantiert auch bei mildem Wetter gekommen.

Schauen Sie sich die aktuellen Zustände selbst an:
Gas Infrastructure Europe – AGSI (da half es auch wenig, die Farbskala vor kurzem z.B. bei 40%=rot auf nun grün zu ändern)

Wenn dann kundige Blogger (nicht „Vermietertagebuch“, sondern z.B. „Politik mit Kopf“, „Outdoor Chiemgau“) darauf hinweisen und das mit Quellen und Analysen begründen, dann sollten Sie darüber dankbar sein – und diese Leute nicht grundsätzlich diskreditieren.

Wie gesagt, wir müssen nur abwarten. Die Realität wird mit Macht kommen. Und dann komme ich gerne wieder und frage, was falsch an den Aussagen von Don und anderen hier war. Und hoffentlich nicht Putin, Trump und das Wetter als Verantwortliche ausgemacht werden.

Es ist die gescheiterte Energiewende (zum Ende etwas deutlicher formuliert).

Mit besten Grüßen

Zuletzt bearbeitet am 4 Tage zuvor von Martin Jendrischik

P.S. An den „Anmerkenden“ Hr. Jendrischik:
Es gehört sich nicht, in einen Forumbeitrag seine Kommentare zu setzen, zumal sie nicht aufklärend wirken.
Ich hatte gerade nicht geschrieben, dass Hr. Latif generell „auf das Ausbleiben von Wintern oder Schneeereignissen“ abhebt, sondern genau das, was er heute noch behauptet: Schnee sei in unseren Breiten ein Auslaufmodell. Das ist milde genug formuliert.
Und wenn Hr. Latif 26 Jahre später dazu eine andere Meinung hätte (vielleicht, weil die Realität die damaligen Klimamodellergebnisse bisher nicht bestätigt haben), dann sollte er schleunigst eine Gegendarstellung zu dem nachwievor im Netz zu findenden SPIEGEL-Zitat aus 2000 erwirken.

Mit besten Grüßen

Hallo Hr. WYbird,

danke für die Komplimente.

Ich war Anfang 2025 in Österreich und Tschechien unterwegs. In diesen Ländern gab es im Januar 2025 zu Recht wochenlang kein wichtigeres Thema als den weggefallene Ukrainetransit des Erdgases aus Russland. Die Frage war buchstäblich: Wie können wir ohne dieses Gas weiterleben?

Die naheliegende Antwort war: Nur Deutschland kann uns retten.

Zurück ich Deutschland musste ich verblüfft feststellen, das obiger Sachverhalt in der mir zugänglichen Öffentlichkeit überhaupt keine Rolle spielte.

Das war mir alles viel zu „ruhig“ und ich begann die Gasflüsse und Speicherstände in regelmäßigen Abständen zu verfolgen. Und ja, es tat sich Erwartetes und völlig Unerwartetes.

Besonders unerwartet war der Verlauf des Gasstromes aus Norwegen. Der verlief dauernd an der Kapazitätsgrenze und darüber und wurde selbst für geplante alljährliche Wartungen nicht unterbrochen. So etwas tut man nicht ohne wichtigen Grund. Das war nicht normal. Es fehlte Gas…LNG war Ladenhüter. Es wahr eine durch Verzweiflung ausgelöste Entscheidung bis heute ein erhebliches Risiko birgt.

Im Sommer und Herbst gab es in D zwar einzelne Mahner betreffen des Füllstandes der Speicher, aber der Presse sind die veränderten Gasflüsse noch nicht einmal aufgefallen.

Ich bin sicher, dass diese gesamte Gasproblematik genug Stoff für Masterarbeiten, Dissertationen und sogar Romane liefert. Und ich könnte auch etwas erzählen…

Meine Zeit an der TU Berlin liegt lange zurück, ich habe aber leider keinen Grund, an Ihrer Darstellung der Zustände an Universitäten im Allgemeinen zu zweifeln.

Grüße aus Bonn
don.07@gmx.de

Lieber Martin,

auf die gewaltigen Herausforderungen beim Betrieb unseres Gasnetzes bei niedrigen Speicherständen (insbesondere bei Kavernenspeichern), habe ich mehrfach in Kommentaren zu früheren Ihrer Artikel hingewiesen. Sie haben darauf jedoch nicht reagiert.

Deshalb werde ich mich hier nicht wiederholen, es sei denn, sie wünschen das ausdrücklich.

Bei einer „bewertenden Gesamtschau“ ist obiges ein wesentlicher Aspekt.

Ich versichere Ihnen: es muss unter allen Umständen vermieden werden, das Gasnetz wochenlang im Winter mit Speicherständen von weit unter 20% zu betreiben. Mit unzureichenden Puffern muss Verbrauch immer genauer mit Import und Export synchronisiert werden.

Mir ist nicht bekannt, das so etwas in Deutschland jemals gemacht oder geübt wurde. Gibt es Simulationen dazu? Wissen sie mehr? Dann bitte raus damit!

Aber genau das steht uns mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit spätestens ab Anfang März bevor.

Daher besteht unmittelbarer Handlungsbedarf.

Ein Aufruf zum Gassparen wie 2022 und ein schellstmögliches Ausschöpfen der Importkapazitäten ist das Mindeste. Im Hinblick auf das Wiederbefüllen der Speicher für die nächste Saison, ist das jetzt bereits wichtig.

Wir können nicht auf „Markt und Preissignale“ bis zum St. Nimmerleinstag warten.

Wir brauchen mehr ernsthafte Anstrengungen, denn unsere Lage und die Lage der von uns abhängigen Länder (Tschechien und Österreich) ist aufgrund des allgemeinen fehlenden Gefahrenbewusstseins in Deutschland nicht besser, sondern meines Erachtens sogar weit schlechter als im Januar 2022.

Grüße aus Bonn
Don

Zuletzt bearbeitet am 4 Tage zuvor von Martin Jendrischik

[…] Lesen Sie auch: Gaskrise? Die Märchen des Fritz Vahrenholt […]

Speicher derzeit bei 32%. Gasimporte sinken seit 2022. Stromproduktion sinkt seit 2017. Derzeit Negativrekord beim Gas. Wo ist da der Erfolg der Energiewende?

E-Autos und E-Wärmepumpen sollen mit Gas-Strom im Winter betrieben werden. Mit welchen Gas?

Arbeitslosenzahlen über 3 Mio. Tendenz steigend. Wirtschaft schrumpft seit 2017. Ich dachte die Energiewende schafft Arbeitsplätze?

Tagesschau berichtet gerade, wie von mir letzte Woche prognostiziert. Speicher laufen leer, selbst Grüne beschwere sich im Bericht. Und fordern Notfallreserve. Hatte ich schon im Herbst so prognostiziert bei kalten Wintertemperaturen.

Das Fundament der sicheren Gasversorgung Deutschlands und Mitteleuropas ist weggebrochen.

Die Pipelinesysteme in den heutigen Ländern Russland, Ukraine, Belarus, Slowakei bis zum Knoten Baumgarten in Österreich, und weiter nach Tschechien sowie Deutschland, und viel später auch Nordstream wurden mit großer Kapazität ausgelegt, mit gewaltigen Puffern versehen und in Jahrzehnten gebaut.

Wie historische Gasflüsse (siehe entsog) und historische Speicherstände belegen, war es damals dadurch möglich, selbst in der Heizsaison unsere Speicher zu befüllen!!!

Das wurde auch wiederholt getan, und niemand kam auf die damals absurde Idee, über die damaligen Speicherstände zu diskutieren!

Das alles ist jetzt weg (bis auf kleine Pipelines über den Balkan vom Gashub Türkei, seinerseits über Turkstream mit Russland verbunden).

Und was hat Deutschland im Gegenzug erhalten?…kümmerliche LNG Lieferungen von den eigenen Küsten und erhöhten Inanspruchnahme der bereits lange vorhandenen Importkapazitäten aus Norwegen (, den Niederlanden (im Wesentlichen LNG) und Belgien (LNG).

Und aus diesen bescheiden Quellen muss via Transit auch noch Österreich, Tschechien, die Schweiz, und auch ein wenig Polen, MITversorgt werden.

Auch wenn es absurd klingen mag, Deutschland ist auch Gasexporteur, die Tansitlieferungen über D in diese Länder sind für diese (bis auf Polen Binnenländer) lebensnotwendig.

An dieser Situation wird sich in den kommenden Jahren nichts wesentliches ändern können.

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