Chinas Kohleanteil fällt erstmals unter die 50-Prozent-Marke

ENERGIEWENDE · 30. JULI 2026

China Kohlestrom fällt erstmals unter die 50-Prozent-Marke

Im ersten Halbjahr 2026 stammten nur noch 49,7 Prozent von Chinas Strom aus Kohlekraftwerken. Erneuerbare Energien kommen zusammen auf mehr als 40 Prozent der Erzeugung, wie die chinesische Energiebehörde NEA mitteilte.


VON MARTIN JENDRISCHIK · 4 MIN LESEN


Chinas Kohleanteil an der Stromerzeugung ist im ersten Halbjahr 2026 erstmals unter die 50-Prozent-Marke gefallen. Kohlekraftwerke lieferten von Januar bis Juni 49,7 Prozent des Stroms, wie Chinas Nationale Energieverwaltung (NEA) am Donnerstag auf einem Pressebriefing mitteilte. Erneuerbare Energien kamen zusammen auf mehr als 40 Prozent, Wind und Solar allein auf knapp ein Viertel der gesamten Stromerzeugung.

Der Wert markiert einen symbolischen Wendepunkt für das Land, das mehr Kohle verbrennt als der Rest der Welt zusammen und zugleich der größte Erzeuger erneuerbarer Energie ist. China ist der weltweit größte Emittent von Treibhausgasen.

„Dies ist eine stufenweise Errungenschaft, die aus der langfristigen Ablösung fossiler Stromerzeugung durch nichtfossile Energie resultiert und einen neuen Durchbruch in Chinas grüner und emissionsarmer Energiewende markiert", sagte Xing Yiteng, stellvertretender Generaldirektor der Abteilung für Entwicklung und Planung der NEA.

Kohleverbrauch steigt trotzdem weiter

Der sinkende Kohleanteil bedeutet nicht, dass China weniger Kohle verbrennt. Die Stromnachfrage wuchs im ersten Halbjahr kräftig, getrieben von High-Tech-Fertigung, dem Laden von Elektroautos und dem Strombedarf von Rechenzentren. Der Output der thermischen Kraftwerke legte deshalb in absoluten Zahlen zu. Der Kohleanteil sank nur relativ, weil Wind, Solar und andere saubere Quellen noch schneller wuchsen als der Gesamtverbrauch.

Der Ausbautempo bei Wind und Solar bringt Chinas Stromnetz zunehmend an Kapazitätsgrenzen. Erneuerbare-Projekte müssen ihre Erzeugung immer häufiger drosseln, weil das Netz die Strommengen nicht vollständig aufnehmen kann, ein Phänomen, das auch deutsche Netzbetreiber unter dem Stichwort Abregelung kennen.

Die Auslastung von Solaranlagen fiel im ersten Halbjahr auf 91,4 Prozent, nach 94,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Bei Windkraft sank die Auslastung auf 90,9 Prozent, nach 93,5 Prozent im Vorjahr. Das teilte Pan Huimin, stellvertretender Direktor der Abteilung für Erneuerbare Energien der NEA, beim selben Briefing mit.

Peking investiert in Netze und Speicher

Peking reagiert auf die Netzengpässe mit Investitionen. Die Ausgaben für Netzinfrastruktur stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die Investitionen in Energiespeicher sogar um 74 Prozent. Batteriespeicher-Systeme werden dabei deutlich intensiver genutzt als noch vor wenigen Jahren: Im Schnitt liefen sie 2025 rund 1.195 Betriebsstunden, fast doppelt so viel wie 2023.

Der Zubau von Netzen und Speichern soll verhindern, dass die sinkende Auslastung von Wind- und Solaranlagen zum Bremsklotz für den weiteren Ausbau wird. Ob das Tempo reicht, um mit dem Zubau bei den erneuerbaren Energien Schritt zu halten, bleibt in den kommenden Halbjahren die entscheidende Frage für Chinas Energiewende. China selbst hat sich vorgenommen, den Verbrauch erneuerbarer Energien bis 2030 um 53 Prozent zu steigern.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Kommentare
Neueste
Älteste Meistbewertet
Nach oben scrollen
0
Ihre Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x