KLIMAPOLITIK · 24. Juli 2026

Fünfjahresplan Erneuerbare: China will Verbrauch bis 2030 um 53 Prozent steigern
Peking hat seinen Fünfjahresplan für erneuerbare Energien vorgelegt. Bis 2030 soll die installierte Ökostrom-Kapazität auf 3.500 Gigawatt klettern, getragen von einem Ausbautempo, das nahezu dem Zubau des Rests der Welt zusammen entspricht.
China hat am 23. Juli 2026 seinen 15. Fünfjahresplan für erneuerbare Energien veröffentlicht, für die Periode 2026 bis 2030. Herausgegeben haben ihn gemeinsam die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) und die Nationale Energiebehörde (NEA). Der Plan setzt das bislang genaueste Zahlenwerk zu Chinas Ausbauzielen bei Wind, Solar und Wasserkraft.
Die viel zitierten 53 Prozent beziehen sich auf den Verbrauch: Die Nutzung erneuerbarer Energien über alle Sektoren hinweg soll von 1,18 Milliarden Tonnen Kohleäquivalent im Jahr 2025 auf rund 1,8 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 steigen. Gemeint ist damit nicht nur Strom, sondern auch erneuerbare Wärme und Kraftstoffe.
Die zweite Zielgröße ist der Kapazitätsausbau. Die installierte Erneuerbaren-Leistung soll auf etwa 3,5 Milliarden Kilowatt wachsen, umgerechnet 3.500 Gigawatt, mit einer jährlichen Erzeugung von rund 6 Billionen Kilowattstunden.
Wind und Solar tragen die Zielmarke
Den größten Anteil an dieser Kapazität sollen Wind- und Solarenergie liefern. Ihre kombinierte installierte Leistung soll 2,8 Milliarden Kilowatt übersteigen, also 2.800 Gigawatt, und dabei jährlich mehr als 4 Billionen Kilowattstunden Strom erzeugen.
Zum Vergleich: Ende 2025 lag die kombinierte Wind- und Solarleistung bei 1.840 Gigawatt, davon 1.200 Gigawatt Solar und 640 Gigawatt Wind. Das Ausbauziel bedeutet also ein Kapazitätsplus von gut 50 Prozent binnen fünf Jahren. Allein 2025 kamen mit 311 Gigawatt Solar und 119 Gigawatt Wind so viele Anlagen hinzu wie nie zuvor.
China selbst fasst das Ziel in eine Formel: „halb nicht-fossil, fast halb erneuerbar, 30 Prozent neue Energien." Konkret sollen Wind und Solar mehr als 50 Prozent der installierten Erneuerbaren-Kapazität stellen und rund 30 Prozent der gesamten Stromerzeugung des Landes liefern. Nicht-fossile Energieträger insgesamt, also inklusive Kernkraft und Wasserkraft, sollen bis 2030 ein Viertel des gesamten chinesischen Energieverbrauchs decken.
Der Plan konkretisiert damit den Energieteil des übergeordneten „15·5"-Kohlenstoffgipfel-Aktionsplans, den der chinesische Staatsrat bereits am 14. Juli 2026 veröffentlicht hatte. Strategisch setzt Peking auf den Ausbau der großen Wind- und Solar-Basen in Innerer Mongolei, Gansu und Xinjiang, auf integrierte Wasser-Wind-Solar-Basen im Südwesten sowie auf Küsten-Kernkraft und Offshore-Wind.
Wie die Ziele im Vergleich zu EU und Deutschland stehen
Ein direkter Vergleich der Prozentzahlen ist irreführend, weil unterschiedliche Bezugsgrößen gemeint sind. Deutschland will bis 2030 einen Erneuerbaren-Anteil von 41 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch erreichen, im Stromsektor liegt das Ziel bei 65 Prozent, aktuell sind es rund 45,4 Prozent am Bruttostromverbrauch. Die EU hat sich verbindlich auf 42,5 Prozent Erneuerbare am Endenergieverbrauch bis 2030 festgelegt.
Chinas 25-Prozent-Ziel bezieht sich dagegen auf den gesamten Energieverbrauch, also auch Industrie, Wärme und Verkehr, und startet von einem Kohle-dominierten Ausgangsniveau. Die niedrigere Prozentzahl bedeutet deshalb nicht weniger Ambition, sondern spiegelt ein größeres, fossiler geprägtes Gesamtsystem. In absoluten Kapazitäten liegt China dagegen klar vorn: Das Land baut derzeit fast so viel Wind- und Solarkapazität zu wie der Rest der Welt zusammen.
Dass Chinas Kohleboom sich bereits abschwächt, während die Erneuerbaren-Kapazität wächst, hat Cleanthinking bereits eingeordnet. Auch bei Industriekunden zeigt sich der Trend: BASF versorgt seinen Verbundstandort in Zhanjiang bereits zu 100 Prozent mit erneuerbarem Strom.
Tempo statt Systemwechsel
Der Fünfjahresplan bestätigt, was sich seit Jahren abzeichnet: China bleibt der mit Abstand größte Treiber des globalen Erneuerbaren-Ausbaus. Das gilt auch für die Zulieferindustrie, deren Solarbranche sich zuletzt von Überkapazitäten erholt, mit denen sie den Weltmarkt über Jahre mit sinkenden Preisen versorgt hat.
Ehrlich bleibt dabei: Ein Viertel nicht-fossiler Energieverbrauch bis 2030 heißt, dass auch dann noch drei Viertel aus fossilen Quellen stammen. Der Plan ist eine massive Beschleunigung der Kapazität, kein Kohleausstieg und kein vollständiger Systemwechsel. Für die globale Energiewende zählt trotzdem vor allem das Ausbautempo, und das setzt China bis 2030 auf einen neuen Maßstab.
QUELLEN
- Bloomberg: China Aims to Boost Renewable Energy Consumption 53% by 2030, 23.07.2026.
- Xinhua: China releases five-year plan for renewable energy development, 23.07.2026.
- China State Council Portal: China unveils five-year plan for renewable energy, 23.07.2026.
- Yicai Global: China's Wind, Solar Power Installed Capacity Exceeded 1,800 GW for First Time in 2025.
- Umweltbundesamt: Europäische Energie- und Klimaziele, ohne Datum.