KLIMA · 25. JULI 2026
KachelmannwetterAugust-Hitzewelle: Was die Wettermodelle wirklich zeigen
Ab Mittwoch, 30. Juli, deutet sich für Deutschland eine neue August-Hitzewelle an, mit Höchstwerten, die je nach Modell und Region schwanken. Cleanthinking ordnet die Vorhersage ein und erklärt, warum die Wettermodelle ECMWF und GFS bei Hitze so unterschiedliche Zahlen liefern.
Der Deutsche Wetterdienst und private Anbieter wie Kachelmannwetter rechnen ab Ende Juli mit einer neuen, kräftigen Hitzewelle, die bis in den August hineinreicht. Verbreitet werden Höchstwerte zwischen 33 und 36 Grad erwartet, in einzelnen Regionen auch darüber. Wie lange die Hitze anhält, ist noch offen.
Einzelne Modellläufe hatten für Ende Juli bereits Werte von 46 bis 47 Grad berechnet. Fachleute wie Jörg Kachelmann von Kachelmannwetter wiesen solche Extremwerte öffentlich als unseriös zurück. Sie beruhten auf einem einzelnen Lauf des amerikanischen Modells GFS, nicht auf einer breit abgestützten Vorhersage.
Der Sommer 2026 hat bereits mehrere heiße Phasen mit Werten über 40 Grad gebracht, wie Cleanthinking zur aktuellen Hitzelage in Europa eingeordnet hat. Warum sich solche Phasen im Klimawandel verschärfen, erklärt das Clausius-Clapeyron-Gesetz: Mit jedem Grad Erwärmung kann die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen, was Hitze und Dürre begünstigt.
August-Hitzewelle: Was die Wettermodelle für Ende Juli und August zeigen
Der DWD hatte bereits Ende Juni vor einer ungewöhnlich lang anhaltenden Hitzeperiode gewarnt und dabei auch auf gesundheitliche Risiken für ältere Menschen, Kinder und Vorerkrankte hingewiesen. Für die kommenden Tage zeigen die Modelle über weiten Landesteilen Höchstwerte im klassischen Hitzewelle-Bereich von 30 Grad und mehr. Belastbarer als eine einzelne Höchstzahl ist dabei die Bandbreite der Vorhersage.
Seriöse Prognosen sprechen deshalb eher von einem Korridor zwischen 33 und 36 Grad in der Fläche als von einem einzelnen Rekordwert. Im Westen und Südwesten sind lokal auch höhere Werte möglich. Ob und wie lange die Hitze in den August hineinreicht, hängt von der weiteren Zugbahn der Warmluft ab, die derzeit noch nicht abschließend feststeht.
ECMWF gegen GFS: Warum sich die Modelle bei der August-Hitzewelle unterscheiden
Für Vorhersagen wie diese kommen weltweit vor allem zwei große Wettermodelle zum Einsatz. Das European Centre for Medium-Range Weather Forecasts, kurz ECMWF, gilt in der mittelfristigen Vorhersage über vier bis zehn Tage als besonders treffsicher. Es rechnet mit hoher Auflösung und stützt sich auf ein großes Ensemble aus vielen Einzelläufen.
Das Global Forecast System, kurz GFS, kommt vom amerikanischen Wetterdienst NOAA und ist frei zugänglich. Deshalb nutzen es viele kostenlose Wetter-Apps als Datengrundlage. Bei Warmluft, die aus Südeuropa nach Deutschland strömt, neigt das GFS dazu, die Temperaturen zu überzeichnen und einzelne, besonders heiße Ausreißer zu berechnen.
Extreme Werte entstehen, weil jedes Modell nicht nur einen Lauf rechnet, sondern mehrere Dutzend mit leicht veränderten Startbedingungen, ein sogenanntes Ensemble. Der heißeste darunter, der Maximallauf, kann örtlich Werte weit über dem wahrscheinlichen Bereich erreichen. Wer nur diesen einen Lauf zeigt, verkauft eine Momentaufnahme als Gewissheit.
Wie Kachelmannwetter mit den Extremwerten umgeht
Kachelmannwetter weist regelmäßig darauf hin, dass das amerikanische GFS bei Hitze aus Südeuropa zu Übertreibungen neigt. Der Dienst rät, bei Wetter-Apps zu prüfen, ob sie auf das GFS setzen und dabei sogar den Maximallauf zeigen. Kachelmannwetter bezeichnet das amerikanische Modell dabei, in den eigenen Worten, als „billig"; die Kostenbasis dieser Einschätzung hat Cleanthinking nicht eigenständig geprüft.
Für die aktuellen Hitzetage empfiehlt Kachelmannwetter eine Faustregel: Ein Mittelwert aus GFS und ECMWF trifft die Realität oft näher als jedes Modell für sich allein. Das liegt auch daran, dass das ECMWF die bereits erlebten Hitzephasen mit Werten über 40 Grad in diesem Sommer tendenziell eher unterschätzt hat.
Bei den 14-Tage-Vorhersagen zeigt Kachelmannwetter deshalb bewusst eine Bandbreite statt einer einzelnen Linie. Diese Range macht die Unsicherheit sichtbar, statt sie hinter einer scheinbar exakten Zahl zu verstecken. Wer sich auf eine einzelne App verlässt, sollte prüfen, welches Modell dahintersteckt und ob eine Bandbreite oder nur ein einzelner Wert angezeigt wird.
Genau an dieser Stelle unterscheidet sich seriöse Wettereinordnung von zwei Extremen. Verharmloser und Leugner der Klimaerhitzung blenden aus, dass Hitzewellen in Häufigkeit und Intensität nachweislich zunehmen. Boulevardmedien drehen es in die andere Richtung und verkaufen den heißesten Einzellauf eines Modells als feststehende Schlagzeile.
Wer die Modelle versteht, braucht für die August-Hitzewelle weder Panik noch Verharmlosung. Ein Blick auf Bandbreite und Mittelwert reicht.
Häufige Fragen zur August-Hitzewelle
Was unterscheidet die Wettermodelle ECMWF und GFS?
Das europäische ECMWF gilt in der mittelfristigen Vorhersage über vier bis zehn Tage als besonders treffsicher und nutzt ein großes Ensemble mit hoher Auflösung. Das amerikanische GFS ist frei verfügbar, wird deshalb von vielen kostenlosen Wetter-Apps genutzt und neigt bei Hitze aus Südeuropa eher zu Übertreibungen.
Warum zeigt das amerikanische Modell GFS bei der August-Hitzewelle oft höhere Werte?
Bei Warmluft aus Südeuropa berechnet das GFS häufiger einzelne, besonders heiße Ausreißer als das europäische ECMWF. Kachelmannwetter empfiehlt deshalb, für Hitzetage einen Mittelwert aus beiden Modellen zu betrachten statt sich auf eine einzelne App zu verlassen.
Was bedeutet der Maximallauf eines Wettermodells?
Jedes Modell rechnet mehrere Dutzend Läufe mit leicht veränderten Startbedingungen, ein sogenanntes Ensemble. Der Maximallauf ist der heißeste dieser Läufe und kann örtlich Werte weit über dem wahrscheinlichen Bereich zeigen, weshalb er allein keine verlässliche Vorhersage ist.
Ist die August-Hitzewelle 2026 schon sicher?
Dass es ab Ende Juli deutlich heißer wird, gilt unter Meteorolog*innen als wahrscheinlich, die Modelle sind sich beim allgemeinen Trend einig. Wie hoch die Temperaturen konkret ausfallen und wie lange die Hitze anhält, bleibt bis wenige Tage vorher unsicher.
QUELLEN
- Deutscher Wetterdienst: Noch nie so früh im Jahr: DWD warnt über langen Zeitraum vor Hitze, 25. Juni 2026.
- Kachelmannwetter: 45 Grad in der Wetter-App? Besser Wettermodell-Vergleich und Ensembles zum Hitze-Check, Juli 2026.
- t-online: Hitze-Wetter mit 46 Grad? Jörg Kachelmann zerlegt Prognose: „Schwachsinn", Juli 2026.
- ECMWF: About ECMWF, abgerufen Juli 2026.