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Sauber in die Zukunft

Eat Just baut Clean Meat-Produktion in Asien und USA konsequent aus

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Mit den Marken Just Egg für pflanzliches Ei und Good Meat für zellkultiviertes Fleisch ist das Unternehmen erfolgreich am Markt gestartet.

Das kalifornische Unternehmen Eat Just war im Dezember 2020 das erste Unternehmen weltweit (siehe unten), das zellkultiviertes Fleisch behördlich zugelassen in einem Restaurant in Singapur servieren durfte. Wenig später, im März 2021, gelang es Eat Just, eine Finanzierungsrunde in Höhe von 200 Millionen Dollar abzuschließen. Ziel ist die rasche Kommerzialisierung und Expansion der Clean Food-Produkte. Mit Just Egg betreibt Eat Just eine Marke für pflanzenbasiertes Ei – und mit Good Meat eine weitere Marke für zellkultiviertes Fleisch, bislang Hähnchen- und Rindfleisch. Mittlerweile baut Eat Just baut die Clean Meat-Produktion in Asien und USA aus

Neuer Investor: C2 Capital Partners

Am 18. August 2022 gab Eat Just den Einstieg des neuen Investors C2 Capital Partners bekannt. 25 Millionen US-Dollar steuert der neue Geldgeber bei. Damit soll vor allem die Markteinführung in China unterstützt werden. Denn die pflanzliche Eiermarke JUST Egg ist seit 2019 in China auf E-Commerce-Plattformen wie Tmall.com zu bekommen. GOOD Meat als echtes Fleisch ausZellen wird in Singapur verkauft, wo es die erste Zulassung erhalten hat. Gespräch mit Behörden zur ZUlassung in China und den USA laufen.

China ist mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent am Weltmarkt der größte Eierproduzent der Welt und mit einem Anteil von etwa 30 Prozent der größte Fleischkonsument der Welt.

Staatsfonds Katar investiert

Seit seiner Gründung im Jahr 2011 hat Eat Just mehr als 650 Millionen Dollar Venture Capital eingeworben. Im März 2021 stieg zuletzt der Staatsfonds von Katar als Ankerinvestor einer Finanzierungsrunde über 200 Millionen Dollar ein. QIA ist auch am Elektroauto-Hersteller Xpeng beteiligt. Neben dem Staatsfonds von Katar haben auch Charlesbank Capital Partners und Vulcan Capital zur Finanzierungsrunde von Eat Just und der Eiermarke JUST Egg beigetragen. Vulcan Capital ist der Investmentarm des Nachlasses von Microsoft-Mitgründer Paul G. Allen.

„Ihr Wissen und ihre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Unternehmen, die zahlreiche Branchen umgestalten, waren grundlegend für unsere Entscheidung, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagte Josh Tetrick, CEO und Mitgründer von Eat Just. Mit dem Kapital will das Cleantech-Unternehmen mit Hauptsitz in Kalifornien seine Marken für pflanzenbasiertes Ei (Just Egg) und zellbasiertes Fleisch (Good Meat) konsequent weiterentwickeln.

Kommerziell erfolgreich: Die Eiermarke Just Egg

Schon in 2020 schaffte Eat Just mit Just Egg die Listung in 20.000 Einzelhandelsgeschäften und 1.000 Gastronomiebetrieben. Bis März 2021 schaffte es das Cleantech-Unternehmen geschafft, das Äquivalent von 100 Millionen Eiern zu verkaufen. Das kommt bei den Kunden an: Laut Kundenloyalität ist JUST Egg mittlerweile die Nr. 1 bei den Konsumenten in den USA.Die pflanzlichen Eier (Pourable.Format) von JUST Egg eignen sich besonders zur Weiterverarbeitung als Rühreier, Omeletts, Quiches oder Backanwendungen. Ein weiteres Produkt sind fluffige, vorgebackene Eier – ideal auf Toast oder in einem Frühstückssandwich. Dieses Produkt feierte im April 2020 seine Premiere in den Supermärkten – und war rasch ausverkauft.

Im Oktober 2021 gab Eat Just bekannt, dass die Hauptzutat für die pflanzlichen Just Egg-Produkte vom Expertengremium für Ernährung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassen wurde. Bedeutet: Damit ist der Weg frei für die erste Markteinführung von Just Egg in Europa, voraussichtlich Mitte 2022. Voraussetzung ist, dass die Europäische Kommission ihre Prüfung abgeschlossen hat.

Erste Genehmigung für zellkultiviertes Fleisch

Ende 2020 erreichte Eat Just die weltweit erste, behördliche Zulassung für echtes, qualitativ hochwertiges Fleisch, das direkt aus tierischen Zellen für den menschlichen Verzehr erzeugt wurde (siehe unten). Es war ein wirklich historischer Moment, der für die Clean Food-Industrie als wichtiger Meilenstein erhalten bleiben wird. Auch Manager aus der Industrie, weltbekannte Wissenschaftler und führende Medien sehen diesen Moment als Durchbruch wahr – und riefen den Beginn der Clean Food-Revolution aus.

Zellkultiviertes Hähnchenfleisch von Good Meat - Muttergesellschaft ist Eat Just

Unklar ist bislang aber, wann die Produkte von Good Meat in den USA offiziell zugelassen werden. Der entsprechende Antrag ist bereits eingereicht, aber – Stand Mai 2022 – das Unternehmen will keine Prognose abgeben, wann es zu einer Zulassung kommen kann. Wichtig dabei: Bei seiner Technologie kommt Eat Just ohne die Nutzung von Rinderföten aus, was bei vergleichbaren Lösungen zu ethischen Bedenken führt.

Das gute Feedback zu den Good Meat-Produkten führt dazu, dass das Unternehmen die rasche Kommerzialisierung anstrebt. In Singapur, dort wo Good Meat auf den Speisekarten bereits vertreten ist, entsteht ein Bioreaktor, der ein Fassungsvermögen von 6.000 Litern hat. Hersteller ist das Biotechnologie-Unternehmen ABEC, das auf solche Reaktoren etwa für die Biopharma-Branche spezialisiert ist.

Zellbasiertes Fleisch wird in solchen Reaktoren auf Basis von Tier- oder Pflanzen-Zellen sowie weiterer Nährstoff und Aromen gezüchtet. Anfang 2023 soll das 6.000-Liter-Monstrum seine Arbeit aufnehmen – es dürfte dann der bislang größte Bioreaktor sein, der für die Herstellung von zellkultiviertem Fleisch installiert wurde.

Weitere Unternehmen mit Anlagen für kultiviertes Fleisch (Stand Mai 2022):

  • SuperMeat
  • Mosa Meat
  • Future Meat Technologies
  • Wildtype (Meeresfrüchte)
  • Shiok Meats

Daneben hat Upside Foods, ein weiteres Unternehmen für kultiviertes Fleisch, im April 2022 400 Millionen Dollar in die Hand genommen, um eine Anlage im kommerziellen Maßstab zu finanzieren, mit der Tausende Tonnen Fleisch pro Jahr produziert werden sollen. In Kürze soll über die genauen Dimensionen der dabei verwendeten Bioreaktoren entschieden werden.

Mit ABEC ins nächste Skalierungs-Abenteuer

Im Mai 2022 kündigte Good Meat einen gewaltigen Meilenstein an. Neben der Produktion in Singapur soll bis zum Spätsommer ein Standort für die erste Produktionsstätte in den USA bekanntgegeben werden. Der Plan für die Produktion, die laut Brancheninsidern etwa 600 Millionen Dollar verschlingen dürfte: Dort werden zehn Bioreaktoren für die Clean Meat-Präzisionsfermentation entstehen, die die bisherigen Grenzen dramatisch verschieben.

ABEC Bioreaktoren will Eat Just einsetzen

Statt 6.000 Liter sollen die neuen Bioreaktoren, die ebenfalls von ABEC hergestellt werden, 250.000 Liter Fassungsvermögen haben – ein gewaltiger Sprung, wie an den Zahlen leicht abzulesen ist. Die Pläne besagen, dass diese Reaktoren schon Ende 2024 betrieben werden können. So ergibt sich alleine in den USA eine Produktionskapazität von 11.800 Tonnen Good Meat pro Jahr bis 2026 und 13.700 Tonnen bis 2030.

Die Anlage wird zunächst sowohl Hühner- als auch Rindfleisch produzieren und mit der geplanten Kapazität in der Lage sein, Produkte an Millionen von Kunden in den gesamten Vereinigten Staaten zu liefern. Good Meat plant, die Auswahl des Standorts in den nächsten drei Monaten abzuschließen, und arbeitet weiterhin mit der Food and Drug Administration und dem US-Landwirtschaftsministerium an einem regulatorischen Weg zur Marktreife.

Die große Frage bei diesem nächsten Skalierungs-Abenteuer von Eat Just besteht in der Frage, ob das Züchten des Fleisches auch in solch großen Dimensionen problemlos gelingen kann. Die Antwort darauf wissen die Gründer des Cleantech-Unternehmens selbst wahrscheinlich auch erst im Jahr 2025 nach einigen Monaten Produktionserfahrung.

„Die Bioreaktoren werden bei weitem die größten sein, nicht nur in der kultivierten Fleischindustrie, sondern auch in der Biopharmaindustrie. Die konstruktiven und technischen Herausforderungen sind also beträchtlich, die Kapitalinvestitionen sind beträchtlich und das Potenzial, einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Abkehr der Gesellschaft von Schlachtfleisch zu tun, ist beträchtlich”, so Josh Tet6rick von Eat Just.

Caroline Bushnell, eine Vizepräsidentin des gemeinnützigen Good Food Institute, erklärte: „Die Größe der Anlage von Good Meat zeugt von einem echten und wachsenden Vertrauen der Unternehmen in das kommerzielle Potenzial von kultiviertem Fleisch. Diese Anlage mit ihrem Potenzial, die Produktionskosten zu senken, könnte einen Wendepunkt im Wettlauf um die Einführung von Fleisch aus Zellkulturen in Restaurants, Supermärkten und auf den Esstischen darstellen.“

Mit einer langen Geschichte der Innovation von Bioprozessanlagen verfügt ABEC nach eigenen Angaben über die meiste Erfahrung und die größte Kapazität in der Biotech-Industrie, um auch die neuen Grenzen realisieren zu können. Noch Ende 2022 soll ein erster Bioreaktor von ABEC am Hauptsitz von Eat Just in Kalifornien installiert werden.

Mit nordamerikanischen Produktionsstätten in Springfield (Mo.) und Bethlehem (Pa.) war ABEC während eines Großteils der Biotech-Ära führend in der Bioreaktortechnologie. Das Unternehmen entwickelte in den 1980er Jahren die ersten Bioreaktoren im Produktionsmaßstab und in den 1990er Jahren die ersten Bioreaktoren mit einem Volumen von mehr als 10.000 Litern.

Potenzial von kultiviertem Fleisch

Die beschriebenen Schritte will Eat Just dazu nutzen, die Kosten für die kultivierte Fleischproduktion zu senken und weitere Fleischsorten auf den Markt zu bringen. ultiviertes Fleisch könnte bis zum Jahr 2030 ein Markt mit einem Volumen von 13 Milliarden US-Dollar werden, und Good Meat Cultured Chicken ist auf dem besten Weg, bis dahin preislich mit konventionellem Hühnerfleisch konkurrenzfähig zu werden. Dies geht aus einer Modellierung hervor, die im Februar 2021 von einer führenden Unternehmensberatungsfirma im Auftrag von Eat Just durchgeführt wurde.

Laut einem Bericht des Beratungsunternehmens A.T. Kearney aus dem Jahr 2019 wird der größte Teil des Fleisches, das die Menschen im Jahr 2040 essen, nicht von geschlachteten Tieren stammen. 60 Prozent davon werden demnach in Reaktoren gezüchtet oder durch pflanzliche Alternativen ersetzt.

Kooperation mit ADM

Eat Just kooperiert auch mit dem Lebensmittel- und Agrarkonzern ADM. Ziel ist es, die Wachstumsfaktoren und Nährstoffe in den Wachstumsmedien für die Zellkulturen zu optimieren. Auch vom Erfolg dieser Partnerschaft wird abhängen, ob der gewaltige Skalierungsschritt mit den 250.000-Liter-Reaktoren gelingen wird.

„Ich denke, unsere Enkelkinder werden uns fragen, warum wir im Jahr 2022 noch Fleisch von geschlachteten Tieren gegessen haben“, ist sich Josh Tetrick sicher. „Kultiviertes Fleisch ist wichtig, weil es uns ermöglicht, Fleisch ohne all die Schäden zu essen, ohne dass Wälder abgeholzt werden, ohne dass ein Tier geschlachtet werden muss, ohne dass Antibiotika verwendet werden müssen, ohne dass Krankheiten beschleunigt werden.“

Es wird spannend, die Entwicklung dieser Startups zu verfolgen, die im Idealfall rasch zu einer gewaltigen Industrie heranwachsen werden. Wird in Zukunft quasi jede Stadt ihre eigene Fleisch-Bioreaktor-Fabrik haben?

Artikel von 26. Dezember 2020

Dem Startup Eat Just ist es ist es als weltweit erstem Unternehmen gelungen, eine Zulassung für kultiviertes Fleisch zu bekommen. Das kultivierte, zellbasiertes Hühnchenfleisch darf nun in Singapur als Zutat für Hähnchen Nuggets verkauft werden. Da Eat Just weitere Fleischsorten entwickelt hat, ist rasch von weiteren Zulassungen auszugehen. Das erstmals zugelassene Stück Fleisch wird mindestens für Asien eine Sogwirkung haben – wahrscheinlich auch bis nach Australien die Behörden zu schnellen Zulassungen zu bewegen. Damit startet nun der disruptive Umwälzungsprozess der Food-Industrie endgültig.

Die weltweit erste behördliche Zulassung von echtem, qualitativ hochwertigem Fleisch, das direkt aus tierischen Zellen für den sicheren menschlichen Verzehr hergestellt wird, ebnet den Weg für die bevorstehende Markteinführung der neuen GOOD Meat-Marke von Eat Just in Singapur in kleinem Maßstab, deren Einzelheiten zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Dieser Durchbruch für die globale Lebensmittelindustrie baut auf Singapurs Ruf als weltweit führende Region in den Bereichen Wirtschaft, Technologie und kulinarische Innovation auf und unterstreicht das Engagement des Landes für unternehmerische Lösungen, die das Umweltverhalten fördern.

Durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftssektor im weiteren Sinne und vorausschauenden politischen Entscheidungsträgern können Unternehmen wie unseres dazu beitragen, die steigende Nachfrage nach tierischem Eiweiß zu befriedigen. Schließlich wächst die weltweite Bevölkerung bis 2050 auf 9,7 Milliarden Menschen.

Josh Tetrick, Mitgründer und CEO von Eat Just

Der Zulassung, die insgesamt zwei Jahre dauerte, gingen umfassende Sicherheitsprüfungen voraus. Die Analyse zeigte, dass das zellbasierte Fleisch einen hohen Proteingehalt, eine diversifizierte Aminosäurenzusammensetzung, einen hohen relativen Gehalt an gesunden, einfach ungesättigten Fetten und eine reiche Mineralstoffquelle aufweist.

Die Zellen für das Produkt von Eat Just werden in einem 1.200-Liter-Bioreaktor gezüchtet und dann mit pflanzlichen Zutaten kombiniert. Die anfängliche Verfügbarkeit sei begrenzt, sagt das Unternehmen, und die Hähnchen Nuggets würden in einem Restaurant in Singapur verkauft. Das Produkt wäre erheblich teurer als konventionelles Huhn, bis die Produktion ausgeweitet werde. Aber Eat Just sagt, es werde letztlich billiger sein als herkömmliches Fleisch.

Die Zellen, mit denen der Prozess gestartet wurde, stammten aus einer Zellbank und mussten nicht geschlachtet werden, da die Zellen aus Biopsien lebender Tiere entnommen werden können. Die Nährstoffe, die den wachsenden Zellen zugeführt wurden, stammten alle aus Pflanzen.

Dutzende von Firmen entwickeln kultiviertes Hühner-, Rind- und Schweinefleisch, um die Auswirkungen der industriellen Viehzucht auf die Klimakrise zu verringern und sauberes Fleisch zu liefern. Gegenwärtig werden täglich etwa 130 Millionen Hühner für Fleisch und 4 Millionen Schweine geschlachtet.

Branchenexperten schätzen, dass neben Just Eat weitere Unternehmen, darunter Memphis Meats, Mosa Meat und Aleph Farms, in Zukunft gut ebenfalls mit kultiviertem Fleisch auf den Markt kommen werden. Sie arbeiten überwiegend an texturierten Produkten wie Steaks – das erlaubt größere Menschen. Mit Tyson und Cargill, sind zwei der größten konventionellen Fleischunternehmen der Welt bereits involviert: Sie haben sich eine Beteiligung an Memphis Meats gesichert.

Dieser Beitrag entstand ursprünglich am 26. März 2021, wurde im August 2022 ausführlich überarbeitet und ergänzt.
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