Flixbus testet chinesische Elektrobusse in Frankreich und Deutschland

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Fernbusbetreiber Flixbus setzt auf umweltfreundliche Antriebe / E-Buslinie wegen technischer Probleme wieder eingestellt nach Test auf europäischen Strecken

Flixbus hat den Markt für Fernbusse von Stadt zu Stadt in Deutschland mittlerweile fest im Griff. Seit sich der Markt öffnete, gab es große Konzentrationstendenzen. Weniger Anbieter sind verblieben. Jetzt entwickelt sich der Markt weiter: Flixbus will nicht nur in den Zugverkehr einsteigen, sondern testet auch eine erste Elektro-Fernbuslinie. Flixbus sieht sich im Bereich der grünen Mobilität und der Mobilitätswende als Vorreiter.

Ab April sollen in Frankreich auf der Strecke zwischen Paris und Amiens E-Fernbusse unterwegs sein. Die erste deutsche Linie ab Frühsommer mit elektrischen Fernbussen soll eine neue Linie zwischen Hessen und Baden-Württemberg – also etwa Frankfurt – Stuttgart, nutzen. Mit dieser Initiative will das Unternehmen auch ein Signal an die Hersteller von Bussen setzen: Bringt uns Innovationen im Bereich grüne Mobilität und wir setzen diese im Alltag um. Ob damit auch Daimler und MAN gemeint sind, die Ende des Jahres bzw. etwas später  mit ihren serienreifen Elektrobussen kommen?

Einer der Busse kommt von Yutong. Das chinesische, in Deutschland relativ unbekannt Unternehmen, liefert als weltweiter Marktführer für Busse den Yutong ICe 12, der in der Spitze 100 km/h schafft, 12 Meter lang ist und Platz für 53 Passagiere bietet. Dieser Bus soll in Frankreich eingesetzt werden.

Für den Verkehr zwischen Hessen und Baden-Württemberg ist ab Frühsommer der BYD C9 vorgesehen – dieser ebenfalls chinesische Bus schafft 90 km/h. Die Reichweite soll bei etwa 200 Kilometern liegen. Erfahrung mit Elektrobussen bringt BYD reichlich mit: In der chinesischen Stadt Shenzhen, die die größte Elektrobusflotte der Welt betreibt, kommen mehr als 16.000 BYD-Busse zum Einsatz.

Flixbus investiert weiter

Flixbus investiert auch in den kommenden Monaten weiter in den Netzausbau. Neben internationalen Linien kommen allein im deutschsprachigen Raum rund 140 neue Ziele hinzu. Am 23. März starten zudem mit FlixTrain erstmals grüne Fernzüge. Neue Services wie die Sitzplatzreservierung, On-Board-Entertainment und digitale Features in der FlixBus-App sind bereits in der Pilotphase. Bis Ende des Jahres werden diese flächendeckend verfügbar sein.

Rückschlag: E-Fernbuslinie wird wegen technischer Probleme eingestellt

Deutschlands erste E-Fernbuslinie ist Geschichte: Flixbus hat, so berichtet der Mannheimer Morgen, seine Route von Frankfurt über Heidelberg nach Mannheim beendet. Grund sind offenbar technische Probleme mit dem Elektrobus BYD C9, der teilweise tagelang nicht betriebsbereit war. Und das, obwohl BYD dank seiner Verkaufszahlen in China zu den erfahrensten Anbietern von Elektrobussen weltweit gehört.

Der Mannheimer Morgen berichtet, der Testbetrieb des BYD-Elektrobusses werde nun nach 13 Monaten eingestellt. Dabei habe vor allem er Ladevorgang nicht so funktioniert, wie er eigentlich hätte funktionieren sollen. Der Bus musste daher viel Zeit in der Werkstatt und weniger auf der Autobahn verbringen.

In den vergangenen Wochen hatte Flixbus immer wieder deutsche Hersteller von Elektrobussen wie MAN oder Daimler aufgefordert, ihr Angebot zu verbreitern. Denn das Unternehmen verfolgt ehrgeizige Umweltziele und möchte möglichst klimaneutral agieren. Dass der Bus von BYD mit seinem Lithium-.Eisenphosphat-Batteriesystem den Anforderungen nicht standhielt, ist nun für alle Hersteller ein imageschädigender Rückschlag.

Andererseits kann der Rückschlag auch ein Weckruf für andere Hersteller sein, mit Flottenbetreibern wie Flixbus zusammenzuarbeiten. So ist Daimler mit dem eCitaro dabei, die Reichweite sukzessive zu erhöhen. Auf der Strecke Frankfurt – Mannheim wurden für den BYD-Bus spezielle Ladestationen am Frankfurter Flughafen und in Mannheim errichtet, die den Bus, der eine versprochene Reichweite von 320 Kilometern hat, sicher betriebsfähig halten sollte.

Und es gibt natürlich noch eine andere Chance, die Probleme auf der Langstrecke in den Griff zu bekommen: Die Brennstoffzelle. Flixbus arbeitet mit Freudenberg an entsprechenden Lösungen mit Brennstoffzelle und Batterie in Kombination Sealing Technologies. Eine Koinzidenz, die beispielsweise im Wasserstoff-Zug Coradia iLint bislang ausgesprochen zuverlässig funktioniert.

Auch Daimler setzt beim eCitaro neben der rein batterieelektrischen Variante auf eine Lösung mit Brennstoffzelle für größere Reichweiten. Es wird spannend zu sehen, welche Lösungen auf Strecken wie Frankfurt – Mannheim von Flixbus in Zukunft eingesetzt werden. Der Weg, auf emissionsfreie Mobilität zu setzen, ist richtig und darf nicht aufgegeben werden.

(Der Beitrag aus dem Mannheimer Morgen stammt vom 5. Dezember 2019)

Dieser Beitrag erschien zunächst am 17. März 2018, wurde zuletzt am 12. Juli 2022 erweitert.

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