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Gasversorgung laut Katherina Reiche weiter gesichert
60 Prozent der Speicherkapazitäten für den kommenden Winter vermarktet.
„Die Gasversorgung ist sicher.“ Diese Botschaft hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gestern auch im Wirtschaftsausschuss wiederholt. Dieser war auf Antrag des Grünen Michael Kellner zu einer Sondersitzung zusammengekommen – da die Gasspeicherfüllstände weiter gesunken sind. Die Linie der Ministerin bleibt unverändert: Keine Eingriffe in den Markt. Die wichtigste Aussage indes war, dass 60 Prozent der Speicherkapazitäten für den kommenden Winter bereits vermarktet sind.
Die Sondersitzung am Dienstagabend war der erste Termin, bei dem sich Reiche mit mehr als ein paar Sätzen zur Gasversorgungslage äußerte. In den vergangenen Wochen, als die Füllstände sanken und eine Kältewelle Deutschland erfasste, hatte die Ministerin die Kommunikation weitgehend dem Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, überlassen.
60 Prozent vermarktet – ein positives Signal
Dass bereits 60 Prozent der deutschen Speicherkapazitäten für den Winter 2026/2027 vermarktet sind – mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr – ist zunächst ein ermutigendes Zeichen. Es deutet darauf hin, dass die Preisdifferenz zwischen Sommer- und Wintergas derzeit ausreichend Anreize zum Einspeichern setzt. Im vergangenen Jahr war Sommergas über Monate sogar teurer als Wintergas gewesen, weshalb sich das Befüllen der Speicher zeitweise schlicht nicht rechnete.
Es dürfte also möglich sein, mit einem höheren Füllstand in den kommenden Winter zu gehen als in den laufenden. Reiches Ministerium verweist zudem darauf, dass die Abhängigkeit von russischen Gasimporten durch alternative Quellen ersetzt und der Verbrauch seit 2022 um 15 Prozent gesenkt worden sei.
Gasversorgung: „Ein Plan B wird nicht deutlich“
Doch die Zuversicht der Ministerin überzeugt nicht alle. „Hinsichtlich der Wiederbefüllung der Gasspeicher hofft die Ministerin auf den Markt. Ein Plan B wird nicht deutlich“, sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, nach der Sitzung. „Die Welt steht Kopf wegen Trump, doch Katherina Reiche sieht kein Problem in der Abhängigkeit von amerikanischem LNG.“
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Auch von den Linken kam Kritik: Energie-Experte Jörg Cezanne nannte es „nicht angemessen“, sich allein auf den Markt zu verlassen, und forderte eine nationale Erdgasreserve. Selbst der energiepolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Andreas Lenz (CDU), drängte auf schnelle Konzepte: „Die Prüfung einer strategischen Gasreserve und der Blick auf Modelle anderer europäischer Staaten, das muss jetzt schnell gemacht werden.“
Strukturelle Verwundbarkeit trotz LNG-Terminals
Wer glaubt, „Die Gasversorgung ist doch gesichert, wir haben ja die LNG-Terminals“ – dem widerspricht mittlerweile selbst die Privatwirtschaft. Wie Carsten Franzke von SKW Piesteritz, einem der größten industriellen Gasverbraucher Deutschlands, der Frankfurter Rundschau sagte: „Die Gasversorgungslage ist im Moment zwar nicht kritisch. Wir sehen aber eine hohe Vulnerabilität. Schon kleinste Störungen können das System ins Wanken bringen.“ Die LNG-Terminals bieten Flexibilität – aber keine strategische Reserve für Krisenzeiten.
Strategische Reserve? Nur als „Sicherheitspuffer“
Reiche ließ in der Sitzung offen, wie eine Anschlussregelung für die bisherigen Füllstandvorgaben aussehen könnte – jene Mindestfüllstände, die die damalige Ampel-Regierung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine eingeführt hatte. Union und SPD haben eine Überprüfung dieser Vorgaben bereits im Koalitionsvertrag vereinbart.
Was eine strategische Gasreserve angeht, will Reiche deren Reichweite deutlich begrenzen. Es solle lediglich um einen „absoluten Sicherheitspuffer“ gehen, um das Gassystem gegen geopolitische Gefahren und unvorhergesehene Schocks zu wappnen – etwa mögliche Angriffe auf Pipelines. Man prüfe derzeit, wie ein „zusätzliches Instrument“ ausgestaltet werden könne, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium.
Die rote Linie der Ministerin dabei: „Ein staatlicher Eingriff sollte nur erfolgen, wenn er die Versorgungssicherheit nachhaltig erhöht, kosteneffizient ausgestaltet werden kann und die Marktakteure nicht aus der Verantwortung nimmt.“
SPD-Energieexpertin Nina Scheer stützt die Linie grundsätzlich, ergänzte aber: „Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir unsere Abhängigkeiten von fossilen Ressourcen überwinden müssen.“
Seit einigen Wochen hatten YouTuber wie „Politik mit Kopf“ (Aktueller Artikel dazu hier) oder „OutdoorChiemgau“ sowie Experten wie Fritz Vahrenholt (Gaskrise? Die Märchen des Fritz Vahrenholt) und Björn Peters über eine unmittelbar bevorstehende Gasmangellage regelrecht Panik verbreitet. Dabei war stets klar und absehbar, dass keine Gasmangellage 2026 droht, wenn nicht völlig unvorhergesehene Dinge passieren.
Trotzdem ist die Strategie der Wirtschaftsministerin Reiche, sich sehr stark auf amerikanisches Fracking-LNG von Donald Trump zu verlassen, mehr als fragwürdig. Spätestens seit der vergifteten Freundschafts-Rede von Marco Rubio in München ist den allermeisten Europäern bewusst geworden, dass auf diese Amerikaner keinerlei Verlass ist. Es braucht mehr Energieresilienz – und eine Beschleunigung der Transformation.
Ins Zentrum der politischen Debatte in Europa muss eine Exitstrategie für Erdgas. Katherina Reiche hingegen zementiert tendenziell die Gasversorgung bis weit in die 40er Jahre hinein – und schafft so teure Lockin-Effekte. Außerdem versucht sie, die Energiewende abzuwürgen.
Für AfD-nahe YouTube-Kanäle wie ‚Politik mit Kopf‘, ‚Vermietertagebuch‘ oder ‚OutdoorChiemgau‘ ist die Lösung der Gasversorgung einfach: Die Pipelines nach Russland wieder öffnen. Einem Kriegsverbrecher die Kriegskasse füllen und sämtliche EU-Partner düpieren – als Energiestrategie intellektuell überschaubar. Gut, dass Katherina Reiche zumindest das nicht andenkt.

Martin Ulrich Jendrischik, Jahrgang 1977, beschäftigt sich seit 20 Jahren als Journalist und Kommunikationsberater mit sauberen Technologien. 2009 gründete er Cleanthinking.de – Sauber in die Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Cleantech dazu beitragen kann, das Klimaproblem zu lösen. Die oft als sozial-ökologische Wandelprozesse beschriebenen Veränderungen begleitet der Autor und Diplom-Kaufmann Jendrischik intensiv. Als „Clean Planet Advocat“ bringt sich der gebürtige Heidelberger nicht nur in sozialen Netzwerken wie Linkedin und Facebook über die Cleanthinking-Kanäle ein.
Ergänzend noch.
Die Linke sagte auch:
Die Bundesnetzagentur nimmt, nach eigener Aussage, keine Prognosen vor. Aber alles ist gut. Wer, wie Stefan von Outdoor Chiemgau, selber rechnet und dann zweifelt, ist Rääächts und AfD nah.
Grüße in die Runde
Lieber Andreas,
wer, wie Stefan wiederholt bei der AfD auftritt, sich entsprechend politisch äußert, sich Kolumnist beim Deutschland-Kurier nennt und viele andere Dinge tut, der ist AfD-nah und somit rechts.
Das mit irgendwelchen, eigenen Rechnungen oder gar Sorgen zu verknüpfen, ist hanebüchener Bockmist.
Viele Grüße,
Martin Jendrischik
Lieber Martin,
wie so oft , keine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kommentaren.
Auch bei anderen Usern.
Rauspicken was gefällt.
Ansonsten Abwertungen, „hanebüchender Bockmist“. Auch noch fettgeschrieben.
Diskussion so abzuwürgen macht Dich und deinen Block nicht glaubwürdiger.
Schade.
Andreas Eichhorn
Hier das gesamte Dokument aus dem Bundestag.
Warum werden meine Grafiken zum Gasstand eigentlich immer gelöscht. Die zeigen eindeutig, wo wir stehen. Ohne das man viele Worte machen muss.