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Im Interview: Greta Thunberg ist „offen“ für ein Treffen mit US-Präsident Joe Biden beim UN-Klimagipfel COP26

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Im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Glasgow sprach die schwedische Aktivistin über Bidens Klimaplan, die Verantwortung der Medien und darüber, was ihr Hoffnung gibt.

In einem Interview mit der globalen Medienkooperation Covering Climate Now am vergangenen Mittwoch zeigte sich die Klimaaktivistin Greta Thunberg überrascht von der Vorstellung, dass sich US-Präsident Joe Biden oder ein anderer Staatschef im Rahmen der Klimakonferenz COP26 mit ihr zusammensetzen könnte, sagte aber, sie sei offen für die Möglichkeit, wenn sie gefragt würde. „Ich denke, das wird von der Situation abhängen“, so Thunberg. „Ich wüsste nicht, warum diese Leute sich mit mir treffen wollten, aber ja“.

Vor einer Woche hatte Greta Thunberg dem US-Präsidenten und anderen führenden Politikern der Welt in einer Rede auf dem Youth4Climate-Gipfel vorgeworfen, dass sie zwar schöne Worte, aber keine wirklichen Maßnahmen zum Klimaschutz anböten, sondern nur „bla bla bla“. Der Clip vom 28. September ging viral.

In dem CCNow-Interview, das von NBC News, Reuters und The Nation geführt wurde, beklagte sie, dass junge Klimaaktivisten von den führenden Politikern der Welt nicht ernst genommen werden. „Sie sagen nur: ‚Wir hören euch zu‘, und dann applaudieren sie uns, und dann machen sie so weiter wie bisher“.

Die Tatsache, dass Biden sich nicht nur nachdrücklich zur Klimakrise geäußert hat, sondern auch versucht, die ehrgeizigsten Klimagesetze in der Geschichte der USA zu verabschieden, beeindruckt Thunberg nicht. Die Klimamaßnahmen im Ausgabenplan der Demokraten, über die derzeit in Washington heftig verhandelt wird, seien von Lobbyisten so sehr verwässert worden, dass man nicht so tun sollte, als ob dies eine Lösung für die Klimakrise wäre“, sagte sie.

Bidens politisches Problem – dass er als Präsident in einer Demokratie die Macht mit einer gesetzgebenden Körperschaft teilt, in der er sich einer einstimmigen republikanischen Opposition gegenübersieht, die entschlossen ist, seine Agenda zu blockieren – interessiert sie nicht. Sie misst nur an den Ergebnissen: „Die Emissionen steigen weiter an“.

Demokratie einzige Lösung für Klimakrise

Der Gedanke an ein Treffen mit dem Präsidenten der anderen Supermacht der Welt in Sachen Klimawandel, Xi Jinping aus China, schien Thunberg noch ferner zu liegen als ein Treffen mit Biden. Sie bezeichnete Xi als „Führer einer Diktatur“, schloss die Idee aber dennoch nicht aus. Sie betonte jedoch, dass „die Demokratie die einzige Lösung für die Klimakrise ist, denn das Einzige, was uns aus dieser Situation herausbringen kann, ist … massiver öffentlicher Druck“.

Thunberg sagte, dass sie trotz des Potenzials des Gipfels für „leeres Gerede“ und „Greenwashing“ an COP26 im November teilnehmen werde, weil die Versammlung von Tausenden von Regierungsvertretern, Aktivisten, Wissenschaftlern und Journalisten eine Gelegenheit sei, „zu zeigen, dass wir uns in einer Notlage befinden, und, wir werden versuchen, die Menschen dafür zu mobilisieren“.

In einer solchen Notsituation, in der wir uns gerade befinden, muss jeder seine moralische Verantwortung wahrnehmen, zumindest denke ich das, und jede Macht, die er hat, jede Plattform, die er hat, nutzen, um zu versuchen, Einfluss zu nehmen und in die richtige Richtung zu drängen, um eine Veränderung zu bewirken. Ich denke, das ist unsere Pflicht als menschliche Wesen.


Greta Thunberg, CCNow-Interview

Um COP26 zu einem Erfolg zu machen, so Thunberg, müsse man „die Kluft zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir tatsächlich tun, schonungslos offenlegen“. Das sei es nicht, was bislang getan werde. „Wir versuchen, konkrete, kleine Lösungen zu finden, die symbolisch sind, um den Anschein zu erwecken, dass wir etwas tun, ohne das Problem wirklich anzugehen. Wir zählen immer noch nicht alle Emissionen, wenn wir Ziele ankündigen. Wir verwenden immer noch eine kreative Buchführung, wenn es um Emissionssenkungen geht, und so weiter. Solange das der Fall ist, werden wir nicht sehr weit kommen.“

Klagen gegen fossile Energieträger

Thunberg unterstützte die zahlreichen Klagen, in denen Entschädigungen von den Unternehmen der fossilen Energieträger für ihre jahrzehntelangen Lügen über den Klimawandel und die daraus resultierenden Schäden und das Leid, insbesondere in den Gemeinden in vorderster Front, gefordert werden. „Ich denke, dass diese Leute für all den Schaden, den sie verursacht haben, zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Vor allem für die Menschen, deren Gemeinden und deren Gesundheit und Lebensgrundlage durch die Aktionen dieser Unternehmen zerstört wurden“, sagte sie. „Ich denke, das ist das Mindeste, was man verlangen kann“.

Die Aktivistin wies auch auf die Medien hin, die ihrer Meinung nach weitgehend darin versagt hätten, die Notlage, in der wir uns befänden, zu vermitteln. Sie merkte an, dass „es viele, viele Nachrichtenorganisationen und Journalisten gibt, die sich bemühen“, mehr zu tun, und sie nannte die Medien „eine meiner größten Quellen der Hoffnung im Moment“.

Mit Blick auf das Coronavirus sagte sie: „Als die Medien beschlossen, diese Pandemie als Notfall zu behandeln, änderten sich die gesellschaftlichen Normen über Nacht. Wenn die Medien mit all ihren Ressourcen beschließen würden, ihre Plattform zu nutzen könnten sie in kürzester Zeit unzählige Menschen erreichen, und das könnte enorme Folgen haben, positive Folgen.“

Hört auf die Wissenschaft

Thunbergs Kernbotschaft ist seit ihrem ersten Auftritt auf der Weltbühne mit einer feurigen Anprangerung der globalen Eliten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2019 konsistent: Hört auf die Wissenschaft und tut, was sie verlangt; die Wissenschaft sagt, dass unser planetarisches Haus buchstäblich in Flammen steht, und die Staats- und Regierungschefs und alle anderen sollten entsprechend handeln.

Die Tatsache, dass die Staats- und Regierungschefs ihrer Meinung nach nicht das tun, was sie und Millionen von Aktivisten fordern, hat sie und andere Führer der Bewegung nicht dazu veranlasst, über neue Strategien und Taktiken nachzudenken – zumindest noch nicht. „Im Moment wiederholen wir nur dieselbe Botschaft, wie eine kaputte Schallplatte“, sagte sie. „Und wir gehen auf die Straße, weil man dieselbe Botschaft so lange wiederholen muss, bis die Leute sie verstanden haben. Ich denke, das ist die einzige Möglichkeit, die wir haben. Wenn wir in Zukunft andere Wege finden, die besser funktionieren, dann werden wir vielleicht umdenken.“

Thunberg betonte, dass sie „viele, viele Lichtblicke“ in der Klimakatastrophe sehe und verwies auf die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, die aktiv werden. „Wenn ich etwas unternehme, habe ich nicht das Gefühl, dass ich hilflos bin und dass die Dinge hoffnungslos sind, denn dann habe ich das Gefühl, dass ich alles tue, was ich kann“, sagte sie. „Und das gibt mir sehr viel Hoffnung, vor allem, wenn ich all die anderen Menschen auf der ganzen Welt sehe, die Aktivisten, die etwas tun und die für ihre Gegenwart und ihre Zukunft kämpfen.“

Auf die Frage, wo sie sich und die Menschheit in zehn Jahren sieht, lächelte Greta Thunberg und sagte: „Ich habe keine Ahnung. Ich denke, solange ich alles tue, was ich kann, solange wir alles tun, was wir können, können wir einfach im Moment leben und versuchen, die Zukunft zu verändern, solange wir es noch können, anstatt zu versuchen, die Zukunft vorherzusagen.“

Diese Story erschien ursprünglich in The Nation und ist Teil von Covering Climate Now, einer globalen Medienkooperation zur Stärkung der Berichterstattung über das Klima. Das Interview mit Greta Thunberg wurde von den CCNow-Partnern NBC News, Reuters und The Nation geführt.

% S Kommentare
  1. Klaus sagt

    👍🏼👍🏼👍🏼👍🏼
    Weiter weiter weiter
    Danke Greta
    und auch Dir lieber Martin für Deine unzähligen Veröffentlichungen, Zusammenfassungen, Erklärungen und Recherchen. Du tust nicht nur viel, Du machst auch Mut.

    1. Martin Jendrischik sagt

      Danke, lieber Klaus.

      Das Engagement kann ich nur zeigen, solange ich die Hoffnung und Erwartung habe, dass die Weltgemeinschaft diese Probleme in den Griff bekommt. Die politischen Entwicklungen zeigen: Der Druck von Unternehmen, aus der Gesellschaft, von Medien, muss noch viel größer werden. Packen wir es an!

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